the last days in bangkok

 

Die letzten Tage meiner Reise habe ich etwas „geschlampt“ was meinen Blog angeht, deswegen gibts hier jetzt einen gesammelten Nachtrag ;-)

Die Nacht im Sleepertrain war wie erwartet: viel geschüttel, die tok-tok – tok-tok – tok-tok gaps in den etwas maroden Schienen und die spassigen Thais, die an jeder Haltestelle vorne mit viel Essen oder nem EImer Eis und Getränken in Zug einsteigen, diesen mit viel Marktschreierei durchqueren und hinten mit etwas weniger Essen, geschmolzenem EIs und etwas weniger Getränken wieder verlassen. Ja, Züge halten relativ lang am Bahnhof, nichtsdestotrotz ist es dann schlagartig ziemlich hektisch im Zug. Ab zehn, halb elf, lässt das dann nach. EIn paar sind noch unterwegs, allerdings recht dezent und ohne Geschrei. In den SleeperTrains wird jetzt kollektiv in kleinen Kojen geschlafen. Nur der ein oder andere farang liegt in einem UpperBed bei offenem Vorhang und beobachtet das treiben im Flur oder zählt die Umdrehungen der Deckenventilatoren…
Am nächsten morgen rollt der Zug dann – natürlich mit ordentlicher Verspätung – in Bangkok ein. Circa eine Stunde vorher wurden vom Zugbegleiter die Betten wieder zu Sitzplätzen umgebaut. Die einzige Möglichkeit für UpperBed-Inhaber wie mich etwas von ausserhalb des Zuges mitzubekommen ist nun nicht mehr an die offenen Türen zu stehen, sondern es lässt sich so einiges direkt im sitzen aus dem Fenster beobachten. Es geht vorbei an Slums aus Wellblech, unterschiedlichen Holzbrettern und alten Werbeplakaten. Hier und da flimmert mal ein Fernsehgerät, die Kinder spielen entlang den Gleisen, andere nutzen den einzig freien Platz des Slums (was streng genommen eigentlich das Gleisbett ist) als Fusswerg zur Arbeit.
Entlang der Schienen stehen dort auch, fast schon ordentlich aufgereiht, die ganzen Kleinen Nudelsuppenwägen, die PadThaiWägen, die Wägen mit integrierten Holzkohlegrill und all die anderen mit Magos, Wassermelonen und Ananass. Hier werden sie von geschäftigen Thais angefeuert, befüllt, es werden die Suppen vorgekocht, Fleischbällchen aufgespiesst und Gemüse geschnitten. Ich erinnere mich zwangsläufig an den Kerl, der mich über die Klongs mit zum Campus genommen hat und mir die improvisierten „Gemüsegärten“ entlang dieser Abwasserkanäle gezeigt hat. Ich erinnere mich an die Fischer, die aus dieser Brühe tatsächlich FIsche ziehen und wundere mich, dass ich all die lange Zeit in Bangkok keine gröberen Verdauungsprobleme hatte.

Schon direkt 1m nach dem Bahnhof werde ich von Bangkok herzlichst wilkommen geheissen. Ich hatte einen Plan, den ich zwar umsetzten wollte, aber nicht wusste wie: Nicht mehr KhaoSan, sondern mehr in Richtung meines persönlichen Stadtzentrums. LumphiniPrakt, MRT U-Bahn, BTS-SkyTrain und einen Pier in der Nähe waren die Anforderungen… Bietet sich die Silom natürlich gut an, auch wenn ich bis dahin nicht wusste ob es dort Guesthouses gibt. Und genau dabei sollte mir ein Taxifahrer helfen, so habe ich es mir zumindest erhofft. Also raus an den Taxistand, erstes Taxi angehalten und durch das Fenster meinen Zielort erklärt: Ein günstiges Guesthouse naher der MRT-SilomStation. Guesthouse kennt er nicht, aber zur SIlomStreet würde er mich fahren, für 200Baht. Als ich nach dem TaxiMeter frage, fängt er an zu schimpfen und wartet lieber auf den nächsten Kunden. Dies sieht ein TukTukFahrer als seine Chance, und will mich fahren. für nur 150Baht. Ich lehne schon reflexartig dankend ab und versuche mein Glück bei drei weiteren Taxis. Immer das gleiche, Guesthouse kennt keiner, TaxiMeter will keiner einschalten und die Preise… naja, pendeln sich so um die 200Baht ein.
Ich hatte die Nase voll und wollte mich schon beinahe geschlagene geben und in RIchtung KhaoSan pilgern (es könnte ja sein, dasses da tatsächlich keine Guesthouses gibt?), als mir spontan PlanB einfiel: Wieder rein in den Bahnhof, einmal rechts ab und durch den grossen Haupteingang direkt raus auf die Strasse. Die einmal überqueren, 100m weit folgen und an der nächsten Abbiegung sichtbar am Strassenrand positionieren. Ich musste keine 2minuten warten, bis ich ein freies Taxi bekommen habe. Der Fahrer hat sich über nen Fahrgast gefreut, schaltet freiwillig das TaxiMeter ein und fährt mich Richtung SilomStation. Nagut, ein Guesthouse kennt er auch nicht, aber immerhin komme ich so für 54Baht bis in die richtige Ecke. Mit Trinkgeld warens dann 70Baht, also immernoch die hälfte eines TukTuks direkt vom Bahnhof.
Bangkok ist manchmal schon irre, aber man kann sich irgendwie gut damit arrangieren ;-)

SilomStation. Die schon bekannte Baustelle, an deren Stahlseilen und Pflastersteinen ich mich schon öfter aufgerissen habe. Ein leichtes „schöööööön“ schleicht sich in meine Gedanken, als ich meinen Rucksack schultere und mich absolut Informationslos auf Guesthouse-Suche begebe. Als gute Informationsquelle haben sich in Bangkok MotoTaxi-Fahrer erwiesen. Sie kennen so ziemlich jeden Winkel, sprechen meist ausreichend Englisch, sind nicht soooo scharf drauf Farangs zu fahren, meistens erstaunlich freundlich und dadurch dass es sie an fast jeder Strassenecke gibt kann man sich wunderbar von Informations-MotoTaxi-Fahrer zu Informations-MotoTaxi-Fahrer hangeln. Auf diese Weise habe ich innerhalb 15min tatsächlich ein Guesthouse gefunden: Das „Bangkok Christian Guesthouse“. So richtig mit Marienfotografie in Über-Lebensgrösse und riesigem Kreuz an der Hauswand. Ne, das war dann doch nicht ganz so das, was ich wollte und bin direkt weiter gelaufen.
Danach wurde es relativ schwierig, heiss und guesthouselos. Es war an der Zeit, den letzten Joker zu ziehen: das TukTuk, mit dem ein glücklicher Fahrer für wenig Geld einen Farang zu einem Guesthouse fährt und viel Provision kassiert. Funktioniert immer, so auch irgendwo in den Seitenstrassen der Silom. Für 10Baht werde ich zu einem Guesthouse gefahren. Sehen kann ich unterwegs nicht viel, dazu bin ich einfach zu groß und die „Dächer“ der TukTuks versperrn mir die Sicht, aber das war mir egal. Ich werde in einem GuestHouse in Bangkok übernachten, das nicht im 200m-Umkreis der KhaoSan liegt. Das macht Mut. Soviel Mut, dass ich beim einchecken nicht einen Moment daran denke, einen Blick auf die Umgebung des Guesthouses zu werfen.
Nach einer ausgiebigen Dusche und dem Auspacken meiner sieben Sachen habe ich dann auf dem Weg nach draussen so einiges entdeckt, das mir doch etwas Angst gemacht hat: Ein guesthouseeigener Massageservice, ein guesthouseeigener Frisör und ein guesthouseeigener Schönheitssalon. In dem Moment ging mir ein Licht auf, und auch der Anhänger meines Zimmerschlüssels mit dem roten Herzen hat mich nicht mehr wirklich gewundert. Dreimal tief durchgeatmet, beschlossen dass ja nicht schlimm ist wenn die mich in Ruhe lassen und ich im Notfall immernoch Richtung KhaoSan flüchten kann und dann bin ich mal raus auf die Strasse, nachsehen wo ich da gelandet bin. Wie könnte es anderst sein? Und warum habe ich mir eigentlich was anderes erhofft? Ich bin natürlich mittendrin gelandet. Raus aus dem Guesthouse, rechts abbiegen und nach 50m nochmal rechts fängt das schwulen-Rotlichviertel an, nach 100m links liegt die Patpong, wohl die Homebase aller dubiosen Massageservices, PinPongShows und halblegalen Etablisements. Nochmal tief durchatmen. Meine einzige Überlegung: gleich wieder flüchten, oder doch da bleiben? Nach 5min Nachdenkpause mit nem kalten Kaffee einem 7eleven-Kühlregal ums Eck kam dann so langsam der Entschluss auf, dass das Zimmer ja schon bezahlt ist und das alles schon nicht so schlimm sein wird. Ausserdem habe ich nen netten Local kennengelernt, der mir noch n paar Tipps für die letzten Tage liefern konnte, das Kinoprogramm gut im Kopf hatte, sich mit Buslinien auskannte und mir weder eine TukTuk-Fahrt noch ne Massage andrehen wollte. Er wird mir später noch erzählen, dass er Betreiber eines Nachtclubs in der Patpong ist, aber an diesem Tag war er sehr…. hm, normal eben.
Kaum habe ich meinen Entschluss gefasst und mich dankend von meiner neuen Bekanntschaft verabschiedet, spricht mich morgens gegen halb Zehn schon der erste auf eine LadyMassage an und zückt obligatorisch die Farbfotos aus der Hemdtasche. Dankend aber entschieden lehne ich ab und laufe in Richtung SkyTrain Station, man soll ja alles nicht übertreiben und aus der Patpong-Ecke rauszukommen kann an sich nur positiv sein. Die Typen mit den Farbfotos aus der Hemdtasche, welche ich alle reflexartig abwimmle registriere ich schon gar nicht mehr wirklich, ebenso wenig die Jungs die auf den Gehwegen die jedem ein kleines laminiertes Schildchen „DVD SEX“ unter die Nase reiben. Etwas verduzt war ich allerdings als mich ne Frau mitte fünfzig anspricht. Für „Massagen“ eindeutig zu alt, für TukTuks eindeutig zu weiblich konnte ich sie nicht recht einordnen, was mich einen Moment verdutzt kuggen lies. Aber auch sie zückte die Farbfotos von jungen nackten Thai-Frauen im Whirlpool… ich war schon sehr enttäuscht. Sie hat mir noch nichtmal die entscheidende Frage „Ladymassge???“ stellen können, als ich schon angefangen habe auszuholen: Ich werde NIE Sex mit jemandem haben, der nicht Sex mit mir haben will ohne dass ich Geld dafür zahle. Und mal ganz davon abgesehen, würde ich selbst nach 6Monaten keinen Sex mit wem anderen als meiner Freundin daheim haben wollen, komme was will. Ihre Augen wurden ganz gross, irgendwie leicht beschämt schiebt Sie Ihre Fotos beiseite und starrt mich erstmal ganz entgeistert an. Nach kurzer SChweigepause klopft SIe mir auf die Schulter und kommentiert es mit „you are a good boy. a good boy!“. Ich war dann selber ganz perplex. Touristenfängerin? Puffmutti? Keine Ahnung was es wahr, aber derart begeistert zu sein, dass jemand NICHT auf sie anspringt hat mich dann doch irgendwie verwirrt. Ich liess sie in der Patpong stehen und bin weitergegangen.

Ein Ziel hatte ich an diesem Tag keines, also bin ich wie immer wenn ich ohne Ziel in Bangkok unterwegs war, an einer SkyTrainStation gestanden, habe die Augen zugemacht, den Finger auf die Karte gelegt und…. bin nach Sukhomvit gefahren. Dort angekommen konnte ich nun wohl behaupten, alle Touristenghettos Bangkoks einmal gesehen zu haben. Oder gibt es da etwa noch mehr? Ich bin mir nicht sicher. Hier war ich mal wieder fasziniert von diesen stickigen, dunklen Strassenzügen die versteckt unter den Skytrain-Gleisen oder Brückenauffahrten überall in Bangkok zu finden sind. Es hat schon beinahe etwas von einer Kanalisation, dieser stickige Sumpf ohne direktes Tageslicht. Es ist laut, da sich der ohnehin schon betäubende Lärm des Verkehrs von den SkyTrain-Gleisen reflektiert wird, sich förmlich zwischen Strasse und Gleisen aufschaukelt. Unter den Gleisen ist sie zwar kühler als in der direkten Sonne, aber dieser Vorteil wird durch die sich ammelnden Abgase schnell zunichte gemacht. Die Luft ist beinahe unerträglich. Entlang der Gehwege wird auch hier alles feil geboten, was den gemeinen Farang so interessieren könnte: Ledergürtel von Louis Vitton für 2 Euro, Kunstdrucke auf Holzbrettern, T-Shirts, eine Reihe Rolex für je 20 Euro, ja sogar vermeintliche Prostituierte Stehen an den Strassenecken. Interessant ist hier, dass sich durch dieses Gewühl eine ganze Prozession an Thais im feinen Zwirn in richtung Büro schlängelt. Er hat typischerweise in der linken Hand die Aktentasche, einen Massanzug mit schicken Lederschuhen, in der rechten Hand eine Styroporbox mit Reis und nem Omlett. Sie stolziert normalerweise auf Porno-Sandalen, aufgebrezelt bis zu unkenntlichkeit in einem ebenfalls Massgeschneiderten knielangen Rock und ner Bluse ins Büro. Nicht zu vergessen: die transparente Tüte mit Fruchtstücken oder alternativ reis in der Styroporbox.
Bangkok kann manchmal ziemlich verrückt und trotzdem faszinierend sein. Ich habe mich von der Menge treiben lassen. Den ganzen Tag lang bin ich Skytrain gefahren, habe mich von der geschäftigen Menge treiben lassen, mich durch die tausenden Hadyverkaufsstände im MBK gezwängt, um dann nach kurzer Pause im Freien im nächsten Kaufhaus zu landen. Irgendwo habe ich Kinowerbung entdeckt. DolbyDigital 3D, IceAge 3. Mit Kinos lassen die sich in Bangkok wirklich nix vormachen. Also gut, die nächste IceAge3-in-3D-Vorstellung war meine. Thailand und Kino, ich habe es ja schon erwähnt, ist immer wieder ein Erlebniss… vermeinttlich schulschwänzende Teenies, 20l Popkorneimer, Familien mit Kinderwagen und ein bis zwei verirrte farangs treffen sich dort regelmässig, um erst Werbung für Thailand zu sehen, danach im stehen eine Huldigung des Königs zu würdigen und um dann einen Film in englischer Originaltonspur mit Thai-Untertiteln zu sehen. In 3D besonders witzig, denn die Untertitel drängen sich einem förmlich ins Sichtfeld. Die Thai-Schrift steht über allem, wenn man so will.

Am nächsten morgen traf ich ihn wieder… den freundlichen Auskunftsherren, der es sich nicht nehmen lies für ne viertel Stunde smalltalk mit mir auf die Fensterbank eines Schaufensters nahe der Patpong zu sitzen und klebrig süße EnergyDrinks ausm 7eleven Kühlregal zu trinken. Es ist das dritte mal dass ich Ihm begegne, gestern Nachmittag haben wir das gleiche Ritual schonmal vollzogen. Diesmal interviewt er mich allerdings sehr geschickt, verwickelt mich in ein Gespräch zum Thema Prostitution und Tourismus. Oder besser: Prostitutionstourismus in Thailand. Er hat nicht viel gesagt, aber recht interessiert zugehört. Dadurch, und beflügelt durch die srange Begegnung mit der Touristenfängering, Puffmutti oder was auch immer am Vortag, habe ich ziemlich weit ausgeholt. Angefangen über die Ausnutzung der Armut der Mädchen, die in mehrerlei Hinsicht ekelhaften Freier, die ernidrigende Art der ganzen Sache an sich über gesundheitliche Probleme, die Illegalität des ganzen bis hin zur Menschenrechtsverachtung. Ja, ich habe ganz weit ausgeholt, aber er ist auch voll darauf eingestiegen. Schweres Thema. Wir haben es mit einem kräftigen Schluck RedBull heruntergespült und das Thema gewechselt. Zurück zum Smalltalk, Touristen-Smalltalk in Bangkok: „what have you seen?“ und „you could visit xy, all tourists do this“. Irgendwie wurde das Gespräch immer oberflächlicher und meine neue Bekanntschaft immer ruhiger, als ich mit einer einzigen Frage voll ins schwarze getroffen habe: „how do you earn your money, what is your job?“…. er betreibt einen Nachtclub und Massagesalon in einer der kleinen Seitengassen der Patpong. Ich war verblüfft und denke nochmal an das Thema von vor fünf Minuten und werde vermutlich auch ein wenig rot. Nach ein paar Sekunden des Schweigens die mir fast unendlich vorkamen, grinst er mich schräg an und fragt „Ladymassage?“. Ich muss lachen, während ich möglichst auffällig dankend verneine. Ich gebe ihm eine meiner Zigaretten amerikanischer Marke aus, und während wir wieder schweigend nebeneinander sitzen meint er plötzlich: „its ok“. Wir kehrten damit zurück zum Smalltalk.

Später habe ich es nicht verhindern können, mich hats tatsächlich in Richtung Banglompoh gezogen, zurück zur KhaoSan-Gegend. Am vorletzten Tag meiner Reise war es vielleicht ganz logisch, melancholisch zu werden und die Orte aus den ersten Tagen aufzusuchen. Mit einem zufriedenen lächeln steige ich vom ExpressBoat und fühle mich gleich ein wenig zuhause. Ich schleiche am Büro der AirAsiaBuchungstante vorbei, schiele in das überteuerte Guesthouse der ersten Tage, begegne nochmal der Guesthousefrau die abends um zehn alle Gäste einsperrt, schleiche durch die Seitenstrassen mit all den Kleidungsständen und den geschäftigen dicken Frauen, die ich weder als Chinesisch noch als Thai einstufen würde. Ich kann die TukTuk-Fahrer nur noch glücklich und freundlich angrinsen, freue mich über jedes „do you want a suit, sir?“ das mir von einem fleissigen Inder-Schneider entgegengerufen wird. Irgendwie war diese Gegend noch nie so schön, ich noch nie so glücklich und entspannt hier. Bangkok ist irgendwie herrlich: all die Gegensätzen, die hier nicht aufeinander zu prallen scheinen sondern friedlich Strasse an Strasse, eher sogar haus an haus, nebeneinander existieren. Vond er dicksten Innenstadtautobahn mit dem übelsten Verkehr ist es meist nur ein paar Schritte bis zum nächsten Tempel mit wunderschönen Ruheoasen, von dort ist es nicht weit zu den Büro-Glashochhäusern und von dort sind es auch nur wenige Schritte zu den Wellbelchslums, einmal quer durch ein Rotlichtviertel und knapp vorbei an einer gated community. Alles ist hier so nahe aufeinender, nebeneinander und ineinander verschachtelt.

Gegen Anbend ging ich zu Fuss quer durch Bangkok und schlich mich heimlich in mein Guesthouse. Ich versuchte es zumindest, aber vor dessen Eingang wurde ich bereits zum zweiten Mal von einem auffallend augebrezeltem Thai Anfang 20 in Empfang gen ommen, der mich von einer ManToManBodyMassage überzeugen will während seine Kollegin schnell hinzueilt mir die „LadyMassage“ nahelegt. Ich musste ehrlich lachen, habe mich für das Angebot bedankt und nach einer kurzen Dusche auf dem Flur mit leichter Paranoia habe ich mich in meinem 5qm Zimmerchen eingeschlossen. Während ich mit einem lächeln einschlief habe ich beschlossen am nächsten Tag (und für die letzte Nacht in Bangkok) doch nochmal umzuziehen.

Am nächsten Morgen habe ich meinen Ruksack flugfertig verpackt. All diese kleinen Souveniers, Geschenke und Gebrauchsgegenstände die sich im laufe der Zeit so angesammelt haben wollten alle sorgsam eingewickelt im Rucksack verstaut werden. Dazu die ganze Reiseapotheke, das Taschenmesser, das Kochequipment, die Taschenlampe. Den grossteil der Kleidung, die Schuhe und Papiersachen habe ich alle in meinen neu gekauften Trolley gepackt: Maximales Volumen und Gewicht des Handgepäcks ausnutzen, der Rucksack hat schon viel zu sehr zugenommen. Ich bin schon mit 17kg nach Burma geflogen, und während dieser Zeit habe ich schon viele Kleinigkeiten in einem Guesthouse in Bangkok in einem Schliessfach verstaut. Viel davon haben schon Duschgel und Shampoo und Insektenschutzmittel ausgemacht, die ich alle nicht nach Deutschland transportieren will, aber kritisch wirds werden, das wusste ich. Als alles verstaut war, habe ich den Rucksack in den Seesack gepackt, diesen mit einem Karabiner verschlossen und etwas wehmütig festgestellt, dass ich ihn erst in Deutschland wieder öffnen werde.
Die Kombination aus dem Seesack, den ich auf der rechten Schulter aus dem Gusthouse getragen habe und dem Trolley den ich in der linken Hand hinter mir herzog mag schon komsich ausgesehen haben, aber: wen stört das schon? In Bangkok wirklich aufzufallen ist eine Kunst, die ich sicherlich immernoch nicht beherrsche.
Natürlich dauert es keine 5 Minuten bis ein Taxi anhält. Ich verstaue meine Sachen im Kofferraum, setze mich auf den Beifahrersitz und stelle fest, dass ich mir keine Gedanken über mein Ziel gemacht habe. Spontan lächle ich den Fahrer an und meine nur „KhaoSan!“.

Eine weitere Tourieattraktion schein der LumphiniNightMarket zu sein. Ekelhaft künstliche Verkaufsbudenlandschaft mit Pappmachenachbildung kambodschanischer Tempel als EIngangspforten. Ausserhalb eine grosse Bühne mit drittkalssiger Livemusik, dem versuch einen Biergarten mit Weinlaube in Oktoberfest-Dimension zu kreuzen und Kartoffel und Schupfnudeln zu verkaufen. Die Touries findens toll, und zahlen 200Baht pro Bier… manchmal verstehe ich Bangkok nicht, Touristen aber noch viel weniger. Ich bin jedoch auch nur Tourist, ein verrückter aus einer fremden Ecke der Welt, mit zehn Pfund Vorurteilen behaftet, der versucht sich für ein paar wenige Wochen möglichst unauffällig unter die Thais zu mischen. Wie die locals wohl über mich denken? Vermutlich ähnlich wie ich über die LumphiniNightMarketTouristen. Ich beschliesse es gar nicht genau wissen zu wollen und suche den Weg zum nächsten Pappmachetempel und damit dem Ausgang.
Oh schöne Touri-Welt, jeder mein es gut mit mir und sorgt sich um mich. Natürlich bemüht sich eine ganz besondere Gruppe locals meinen Transport so sorgenlos wie möglich zu gestalten. Oberflächlich vielleicht. Ich lasse die riesige TukTuk-Ansammlung dankend links liegen, bleide schön freundlich bei den „KhaoSan? 300Baht!“-Angeboten und wundere mich, wer denn wohl für 15min Fahrt über 6Euro bezahlt… für insgesamt 63Baht kommt man von bangkok bis an die kambodschanische Grenze per Zug und Bus, von Lumphini in die KhaoSan per heruntergekommenem, offenem TukTuk kostet aber 300… manchmal nimmt Tourismus schon komische Formen an.
Ich gehe 200m der Strasse entlang, gehe schon wie selbstverständlich die Route zurück in die KhaoSan im Kopf durch und positioniere mich an einer passenden Abzweigung in der richtigen Fahrtrichtung. Ich muss nicht lange warten, bis ich eine komfortable Fahrgelegenheit mit Sicherheitsgut und Fensterscheiben für ca. 70 Baht finde. Taxis haben den ungemeinen Vorteil, dass man sich während der Fahrt sogar mit dem Fahrer unterhalten kann. Diese Fahrt war ganz besonders schön, denn der Fahrer war völlig begeistert von mir. Die ersten Standardfragen, wie überall: „how long have you been to thailand?“ „how long will you stay?“ und „what have you seen in bangkok?“ habe ich von Ihm nicht gleich zu beginn gehört, vielmehr war er interessiert über meine Meinung zum NightMarket und hat ganz uverblümt seine eigene Meinung presigegeben, die sich von der meinen nicht sehr unterschieden hat. Wir haben dann über sein Heimatland, Cambodia, gesprochen, und er war sehr erstaunt mal das Land aus Touristen-Sicht erklärt zu bekommen. Er war ein wenig beschämt und froh zugleich, und ich merkte schon dass er die Geschwindigkeit immer weiter drosselt, die Fahrt zu KhaoSan damit so lang dehnt wie es ihm nur möglich ist. Er lobt ununterbrochen meinen „poor people’s style“, Fishermans, einfaches Shirt, FlipFlops und meinen Baumwollumhängebeutel und stellt ganz begeistert fest, dass es noch „real culural interesstet tourists“ gibt, die nicht „only looking for chep girls, crazy photos or cheap shopping“ sind. Ich fühle mich ausserordentlich geschmeichelt, als er mich für den nächsten Tag einlädt, seine Frau und seine dreijährige Tochter kennenzulernen. Ich glaube ihm seine gute Absicht und unterstelle ihm nix schlechtes, trotzdem muss ich dankend ablehnen, am nächsten Tag geht mein Flug nach Dubai. Schade eigentlich, mir tat es in dem moment das erste mal richtig ehrlich weh, nicht länger bleiben zu können. Was ich wohl von diesem netten Taxifahrer alles erfahren können hätte? Es war definitiv ein riesen Glück so einen netten Chauffeur zu erwischen, die Chancen hierfür dürften in Bangkok ähnlich hoch sein als im Lotto zu gewinnen. Trotzdem, innerlich freue ich mich insgeheim doch auf zuhause.

Am nächsten morgen bin ich früh raus, habe mein Gepäck in einem anderen Guesthouse zur Verwahrung deponiert, mir einen MiniBus für 15:00 zum Flughafen gebucht und hatte nun noch ein paar Stunden Zeit. Da ich die unmittelbar errecihbaren Ecken Bangkoks nun wirklich lang und oft genug durchstreift hatte und auch kein wirkliches Ziel hatte, habe ich mich wieder für Kino entschieden. Noch einmal IMAX, ich mag dieses Kino richtig gerne. Gut, dasses dann ausgerechnet die HarryPotter-Premiere war, die lief, hat zwar am Rande gestört, aber wen interessiert in Bangkoks IMAX schon der Film selbst? Ich fand mich zwischen beinahe hunderten (schulschwänzenden?) Teenies mit Zahnspange in Schuluniform also im IMAX ein. ICh setze mich nach der ergreifenden Königs-Huldigung auf was-weiss-ich-wievielen-qudratmeter-grossen-Leinwand völlig fertig, aber zufrieden in den Kinosessel und setzte mich einem der schlechtesten Filme aus, die ich seit langem gesehen habe. Was solls? Ich bin in Bangkok mit nem Eimer Popcorn in der Hand zwischen hunderten locals im Kino, draussen tobt der tägliche Bangkok-Wahnsinn, ich geniesse die letzten Stunden und bin einfach glücklich.
Nach der Vorstellung schlendere ich noch ein paar Minuten durch das luxusriöse Kaufhaus für die betuchteren Thais, mit sonnengebleichten Fishermans, verdreckten und ausgelatschten FlipFlops, in nem thailändischen Billig-TShirt und mit nem auf der Strasse geflickten Umhängebeutel. Meine Haare habe ich seit sieben Wochen nicht schneiden lassen, mein Bart hat seit drei Tagen keinen Rasierer mehr gesehen. Über die Kaufhausbeschallungsanlage läuft „No woman no cry“ von „Urban Love ft Astrud C & Moana“, ein lieblingslied von mir aus dem letzten Sommer von zuhause. Wo sie dieses Lied wohl ausgegraben haben? Es ist so untypisch für ein Kaufhaus in Bangkok. Ich grinse über meinen „poor peoples stlye“, bin in Gedanken ein wenig bei Dubai, meinem Zwischenstopp für die nächste Nacht, und habe schon Tränen in den Augen vor Glücklichsein. Ich kann definitiv nach Hause. Man soll schliesslich gehen, wenn es am schönsten ist…

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