„Whooow man, Kumbh Mela is like a trip on LSD without taking it“

 

13.April, Delhi. Eine harte Entscheidung: Pathankot per gesichertem Liegewagenplaetzchen und ab in die Berge zum Dalai Lama oooder Haridwar nach dem Motto „auf blau ins blaue, wird schon schief gehen“.
Ich habe diesen wichtigen Entscheidungstag erstmal vernuenftig angefangen: mit ausschlafen. Unausgeschlafen kann Indien schonmal zum Horror werden, oder ich zum Horror fuer manch Inder. Danach an Bahnhof, ein Ticket fuer die GeneralClass nach Haridwar kaufen. Somit hatte ich beide Moeglichkeiten in der Tasche =)
Den Tag an sich habe ich etwas voellig spannendes entdeckt: die Metro-Touristen-Flatrate in Delhi. High-Speed-Sightseeing ohne Preiskampfstress mit TukTukFahrern. Einfach herrlich und entspannt. Man brauch nichtmal an der langen Token-Schalter-Schlange anstehen, sondern kann per RF-ID-Card direkt los. Nur noch abtasten und Tasche durchleuchten muss man brav ueber sich ergehen lassen =)

Gegen 18Uhr war ich dann am Bahnhof NewDelhi. ticket nach Pathankot stornieren. Noch ne kleinigkeit essen, und gegen 20Uhr nach OldDelhi, zum Zug in Richtung Haridwar. Kumbh Mela muss einfach sein, auch wenn mich ein irischer Hippie-Opi mit der Aussage „Whooow man, Kumbh Mela is like a trip on LSD without taking it“ fast ein wenig abgeschreckt hat. Kumbh Mela gibts alle drei Jahre, an duchrwechselnd 4 Orten. Heisst: an jedem Ort nur alle zwoelf Jahre. Zu Kumbh Mela in Haridwar war er noch nicht, aber an zwei anderen Orten. Gut, ich hatte den Eindruck er weiss von was er redet – Kumbh Mela UND LSD =)

21Uhr, OldDelhi. Die Wartehalle und der Bahnsteig quellen schon ueber, selbst fuer indische Verhaeltnisse. ueberall liegen, sitzen und schlafen Leute. Es werden immernoch Zugtickets fuer die GeneralClass verkauft. 71Rupees das Stueck, und die Warteschlangen an den Schaltern sind beinahe unendlich.

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21Uhr30, so langsam beginnt ein Gedraenge am Bahnsteig. Jeder will der erste im Zug sein. Ich bin froh, wenn ich ueberhaupt reinkomme, habe mich daher mit vollem Gepaeck auf den Schultern auch schonmal am Bahnsteig positioniert. Blauaeugig gehe ich davon aus, dass die liebe indische Bahn bei so einem Ansturm den Zug um einige Waggons verlaengert. Als gegeb 22Uhr dann aber der Zug einrollt, bin in zweiter Reihe am Bahnsteig einfach ueberwaeltigt, ueberfordert und schockiert. Auf den Druck von hinten war ich gefasst, und konnte dagegenhalten. Dass mach eine der echt gebrechlichen alten Frauen nicht vor den Zug gestuerzt sind, wundert mich dagegen heute noch. Dann: dieser Zug startet nicht in Delhi, sonder hatte wohl schon ein paar Stops hinter sich: Nach der Lock zieht ganz gemaechlich der erste Sitzwagen vorbei. „voll“ ist ein Begriff, den die inder wohl nicht kennen. Ich dachte von Kajuraho nach Delhi, zu fuenf oder zu siebt auf einer Sitzbank waere eng gewesen… Aber das waren nichtmal halb soviele, wie in dem Zug zu vermuten war. Es war schon unmoeglich, von ausserhalb durchs Fenster einen einziigen Meter ins Wageninnere zu sehen, weil er einfach derart zugestopft war. Danach zieht ein Toilettenfenster an mir vorbei: keine Ahnung, wie die das Plumsklo-Loch zugedeckt haben, oder ob es theoretisch immer noch offen war, aber in der Toilette sitzen fuenf oder sechs Frauen mit angewinkelten Beinen so dicht beieinander auf dem Boden, dass garantiert keine umkippten kann. Vermutlich weder umkippen, noch bewegen. So geht das noch zwei Waggons weiter. Inzwischen kalmmern sich die erstem an die Tueren des noch rollenden Zuges, in der Hoffnung als erster (oder ueberhaupt noch?) ins innere des Zuges zu kommen, wenn die Tueren geoeffnet werden. Von einem vorbeifahrenden Rucksack eine abzubekommen, war jetzt an jeder vorbeifahrenden Tuer normal.
Danach der Uebergang zu den klimatisierten Waggons. Hier gibt es ausnahmsweise keinen Durchgang zwischen den Waggons, dafuer aber zehn Inder, die auf der Kupplung stehend sich irgendwo festklammern. Nach den klimatisierten Waggons mit den undurchsichtigen nochmal ein Uebergang, auch belegt. Hinter den klimatisierten, die normalen „billigen“ Liegewagen. Die mit Reservierung. Reservierung und liegen ist hier aber beides nur theoretisch. Der einzigel Unterschied zur Sitzklasse ist der, dass noch mehr Menschen reingequetscht sind. Waehernd in der Sitzklasse vermutlich 8 Personen pro Sitzbank und nochmal 8 in der Gepaeckablage darueber sitzen, gibt es hier drei Betten uiebereinander mit je 8 Personen, die maechtig den Kopf einziehen. Die Warteliste fuer einen Liegeplatz in diesem Waggon lag grobe vier Stunden vor der Abfahrt bei gut 850 Eintraegen, habe ich spasseshalber noch nachgeschaut. =)
OK, dieser Zug war definitiv nix fuer mich. Inzwischen wurde das Gedraenge auch echt heftig, und mit meinem dicken Rucksack auf dem Ruecken und einem anderen auf der Brust war ich der Menge absolut nicht manoevrierfaehig und konnte mich nur treiben lassen. Natuerlich trieb ich vom Zug weg, aber das war mir nur Recht. Ich stiess dann frontal mit einem Inder mitte 40 zusammen, der das ganze etwa genau so amuesant fand wie ich. Besonders mich mit meinem Rucksack fand er in der Menge lustig, und nachdem wir herzlich miteinander gelacht haben, konnten wir uns aus der Menge befreien.
Inzwischen pruegelten wuetende Leute von aussen gegen die massiven Stahltueren der Waggons, die nicht geoeffnet wurden. Vermutlich deshalb nicht, weil dahinter kein quadratzentimeterchen Platz ist, der noetog waere um die Tuer (nach innen) zu oeffnen. Trotzdem. Es wird geschriehen, gepruegelt, die wenigen offenen Tueren werden von Zig Leuten angesteuert, und die Menge von hinten presst in den eigentlich total ueberfuellten Zug noch ein paar Personen hinein.

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Der Gepaeckwagen, an dem wir nnoch vorbeilaufen bietet in etwa das selbe Bild. Innendrin schreien Leute, weil es echt keinen Platz mehr gibt, aussen schreiebn Leute weil sie trotzdem rein wollen. Als ich mit meiner brandneuen Belanntschaft und seinem Freund den Bahnhof langsam verlasse, da es wohl noch die Chance auf einen Bus gibt, wird auch jeden cm der Lok noch belegt. Ist klar.

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Ich habe keine Ahnung, was laut Definition genau eine Massenhysterie ist. DAS war aber sicherlich nicht weit davon weg.
Ich habe mich noch nicht recht von dieser Reizueberflutung erholt, renne ich schon in bester Ausruestung fuer soetwas: Fishermen, 20kg Gepaeck hinten, 5kg Gapaeck vorn und FliFlops an den Fuessen den zwei Indernduch dunkle Gassen quer durch OldDelhi hinterher. Fuer meinen Geschmack zu dunkel, vorallem weit nach 22Uhr. Aber nun war ich schon da. Den Weg zurueck wuerde ich eh nicht finden, also war die einzige Hoffnung zwei ehrlichen Menschen begegnetg zu sein und die nicht unterwegs zu verlieren.
Nach grob 15Minuten stehen wir auf einem grossen, ueberdachtem Bussbahnhof. Auch hier ist jeder Quadratmeter mit Menschen gepflastert, es stinkt extremst nach Urin und es wimmelt vor Fliegen und Moskitos. Meine neure Reisebekanntschaft erklaert mir, dass alle diese Leute, genau wie die am Bahnhof, noch heute Nacht versuchen nach Haridwar zu kommen, und dass wir dringend etwas unternehmen sollten, wenn wir irgendeinen Bus erwischen wollen. Unternehmen? Ich bin allgemein sehr unernehmungslustig, also hetzte ich den beiden Richtung Einfahrt des Busbahnhofs hinterher. Danach links auf eine Brucke. Nein, keine normale Bruecke. Das war eine zweispurige Highway-Abfahrt, ohne Gehweg, eigentlich. Den Gewehg haben die anderen Pilger eroeffnet, die etwas „unternehmen“ wollten. Heisst: eine Spur nur Menschen, die andere bleibt den Autos. Meistens jedenfalls, denn manchmal wars auch knapp. Wir gingen an all den Menschen vorbei, bis knapp an den Higway, und nun fing das lustige Bus-Abfang-Spiel an: wenn ein Bus kommt Anlauf nehmen, neben dem Bus herrenen, und lauthals nachfragen ob er grob in die Richtige Richtung faehrt. Natuerlich hat ein Busfahrer kein Interesse, hier zu halten. In dieser Nacht brauchen die sich keine Sorgen um Ihre Einnahmen zu machen. Aber wenn es vorne stockt, weil mal wieder alles mit Menschen verstopft ist, muessen die zwangsweise langsam tun. Nach einer knappen halben Stunde hatten wir dann tatsaechlich Glueck und konnten auf einen langsam werdenden Bus aufspringen, bevor er wieder Gas geben konnte. Und somit war ich tatsaechlich auf dem Weg nach Haridwar. 200km hat die Strecke, also nicht arg weit. Aber wenn man ein wenig nachdenkt (was ich nicht getan habe), dann kann man schon vermuten dass es sich ein wenig stauen wird. Es war eine schreckliche Nacht, die Moskitos haben mich mal wieder gefressen und in dem Gedraenge im Bus war mein Gepaeck nicht erreichbar. Schon die Nacht ueber standen wir mehr, als dass wir gefahren sind, und es sollte nicht besser werden. Meine Reisebegleitung erklaert mir, dass der Busfahrer wegen zu viel Verkehr nicht den Higway gefahren ist, sondern die schmaleren Strassen verwendet hat. Seiner Ansicht nach ne doofe Idee. Wie auch immer, wer die Fahrweise der Inder kennt, kann sich etwa Vorstellen was hier alle 100m passiert: Die Strasse ist etwa so breit, dass zwei Autos bequem aneinander vorbeikommen. Zwei Busse passt gerade noch so, genau wie drei Autos. Natuerlich muss jeder ueberholen, vorallem die Autos die Busse sowie andere Autos. Es kann nicht schnell genug gehen. Sowohl fuer die, die Haridwar verlassen, aber noch viel mehr fuer die, die nach Haridwar wollen. Somit verkeilt sich der komlette Verkehr laufend. Zwei Autos nebeneinander in die eine, ein Bus und ein Auto nebeneinander in die andere Richtung. Es wird hier nicht nur ueberholt, wenn kein Gegenverkehr kommt, sondern immer. Die rechnen damit, dass irgendwer schon irgendwie Platz macht. Hier aber nicht. Bei den Knoten, die die Helden hier gebaut haben, wundert es mich ehrlich, dass die das wieder entheddert bekommen haben.

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Als es irgendwann um 9Uhr besonders schlimm war, kam die spannende Idee auf, bis ans Ende des Staus zu laufen und dort nach einem anderen Transportmittel zu suchen. Immerhin sind es nur noch 15km bis Haridwar. Also das Gepaeck befreit, geschultert und in einer Gruppe aus sieben Leuten losgelaufen. Nach nichtmal 20min fing der Verkehr aber wieder an zu rollen, also haben wir uns am Strassenrand positioniert… Um auf unseren Bus wieder aufzuspringen. Natuerlich ist das mit dem Verkehr nicht besser geworden. Aber irgendwann gegen 11Uhr waren wir dann irgendwo ein paar Kilometer ausserhalb von Haridwar angekommen. Endstation. Auch hier wieder unmengen an Leuten, allerdings nicht wartend, sondern gehend. Eine Prozession, deren Ende nicht zu erkennen war, und mein Wasser war beinahe alle.

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Ich bin tapfer den zweien vom Bahnhof hinterher, aber es war einfach schon unertraeglich heiss, und ausserhalb der Zivilisation gab es hier keine touristentauglichen Wasserverkaeufer. Nur Leitungswasser oder verdaechtige Brunnen, an denen die Inder ihre Wasserflaschen mit Wasser und kraeftigem Schwebeteilchenanteil fuellen. Ich beineide deren Maegen, die das mitmachen, aber ich wuerde meinen damit schlichtweg ueberfordern. Also trenne ich mich nach 2km von den beiden, und suche erstmal nach Touristenwasser. Fertig wie Schnitzel entscheide ich mich dann fuer die ueberteuertste Fahrradrikscha-Fahrt, auf die ich mich je eingelassen habe. Auch die Fahrradrikschafahrer brauchen sich momentan keine Sorgen um Ihr Business zu machen, also diktieren sie den Preis, und ich fahre fuer unfassbare 100Rupees die letzten 4km nach Haridwar.

Haridwar. So etwas ueberfuelltes habe ich noch nie gesehen. Es ist einfach unbeschreiblich voll. Voller als voll. Aber ich habe ja schon bemerkt, das ist ein Zustand den Inder nicht zu kennen scheinen. Saemtliche Strasse zum Ganges sind verstopft, ueberall nichts anderes als Leute auf dem Weg zum Ganges.

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Am Ganges das gleiche Chaos: Jeder einzelne muss gebadet haben. So gibt es das hektische Baden, das ich in Varanasi nicht finden konnte, hier. Nur groesser, verrueckter und unglaublicher, als es das in Varanasi sein koennte.

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Ich bin tatsaechlich so ziemlich der eiinzige Auslaendische Tourist, der sich am Haupttag des Kumbh Mela hierher gequaelt zu haben scheint. Selbst mit dem grossen Gepaeck bin ich ueberall wilkommen, jeder will auf mein Zeug aufpassen solange ich mein Ganges-Bad nehme, und scheint dabei echt vertrauensvoll zu sein. Ich verzichte aber trotzdem darauf, waere so oder so noicht scharf auf baden gewesen. Dafuer werde ich auf einmal von irgendjemand in ein Ashram gezogen, um genau zu sein von einem Security-Mann, zu einem eigentlich gesperrtem Seiteneingang. Voller Freude fuehrt er mich herum, ich muss ganz zwingend Bilder von deren Grosskueche machen, die Koeche freuen sich ueber den Besuch und pisieren fuer ein Bild mit ihren riesigen Kochloefffeln an der ueberdimensionalen Toepfen. Im Anschluss nimmt mich irgendwer anders mit, und bietet mir Essen an, das kostenlos fuer lange Schlange stehende Ashram-Bowohner ausgegeben wird. Vor lauter Gastfreundschaft schleusen sie mich vorbei an der Schlange, bis ganz vorne hin. Ich will eigentlich freundlich sein und deren Eifrigkeit nicht abartig ausnutzen, aber die bestanden darauf, dass ich aus jedem Topf zumindest probieren muss.

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Ich bedanke mich freundlichst und ziehe weiter, als auf einmal einer meinen Namen ruft. Welch Ueberaschung, es war einer aus dem Sitzklasse-Zug von Khajuraho nach Delhi, der uns mit Haendelesen die Zeit vertrieben hat. Er hat eine riesen Freude mich zu treffen, und schleppt mich in eine riesige Schlafhalle des Ashrams. Zutritt fuer nicht-Bewohner eigentlich verboten, aber die Security macht auch hier eine Ausnahme =) Ich werde ans rechte Ende der Schlafhalle begleitet, uuund: treffe Tobi wieder. Auch der, aus dem Zug nach Dehli. Er lebt tatsaechlich schon seit drei Tagen hier im Ashram mitten unter den Indern im Ashram. Superschoen meint er, sieht aber schwer mitgenommen aus. Irgendwas hat er sich eingefangen, was ihm superheftig den Magen und Kreislauf verdorben hat.

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Der ganze Tag verlief so verrueckt, aber gegen 17 Uhr habe ich mich dann doch auf den Weg zur Busstation gemacht. Zuviel input. Zuviel den schweren Rucksack geschleppt. Zuviel Sonne. Zuviele Farben. Zuviel Musik. Zuviel schraeger Typen. Zuviel Zeug, das es eigentlich nicht geben kann.
Eigentlich wollte ich mich von hier nun auf den Weg nach Pathankot machen. Aber die Busse fahren weder nach Plan, noch organisiert, noch ist vorab irgendein Ticket buchbar oder so. Es funktioniert viel indischer: ueber den staubigen Platz laufen und die Beschriftung lesen. Wer kein Hindi kann, muss den Fahrer fragen. Nach zwei Stunden ohne Ergebniss auf diesem abartig staubigen Platz habe ich dann aufgegeben. Kein direkter Bus, zwar welche in die Naehe, aber die waren voll bevor ich sie finden konnte. Also habe ich beschlossen, als Ausgangspunkt fuer alles weitere Delhi anzusteuern. neue Suche, neues Pech. ich als Tourist bin einfach zu langsam.
Etwas spaeter hatte ich dann Glueck: ein haesslicher alter Bus am Rand des Busparkplatzes ohne grosse Beschriftung, aber mit Kennzeichen aus Deli. Auf nachfragen habe ich vom Ticketverkaufer sogarl erfahren, dass ich wohl mitkoenne, aber dass der Fahrer gerade nicht da ist weil er sich nicht wohl fuehle und evtl. Auch gar nimmer faehrt. Aber ich koenne gern warten. Also habe ich gewartet. Sogar nur eine halbe Stunde.

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Dann kam der Fahrer, und ich habe umsonst brav in der Schlange gewartet. Ich stand recht weit vorne. Fuenfte Stelle oder so. Aber dann kamen die Sari-Frauen von der Seite, haben erst gedrueckt, dann erkannt wie Gleichgewichtsempfindlich ich bin und mich nach hinten gestossen. Inzwischen waren 15 weitere Personen im Bus, das Geschrei wurde groesser, das Geraenge wilder und meine Stimmung schlechter. Also habe ich jetzt halt auch gedrueckt. Kaum getan, kommt von hinten ein Arsch mit Turban und reisst an meinem Rucksack. Den hab ich erstmal aus voller Kehle angeschriehen. Maechtig angeschriehen. Dass er deutsche Schimpfwoerter versteht glaub ich nicht, aber er hat meine Ausdrucksweise sicherlich deuten koennen. Bis ich dann im Bus war, waren natuerlich alle Plaetze belegt. Oder von Sari-Frauen fuer irgendwen reserviert. Ich habe aber eine unaufmerksame Sari-Frau entdeckt und mich einfach gesetzt. Sollen die doch machen, was sie wollen. Mir war das in dem Moment egal. So egal wie das Geschrei dieser Frau gegen mich, so egal wie das Hangemenge das hinten um Plaetze ausgebrochen ist, so egal wie die anderen schreienden Frauen, die es nicht ertragen koennen dass Ihre Family keine beieinander liegenden Plaetze hat aber auch nicht faehig sind miteinander zu tauschen. Mir war es auch egal, dass der Busfahrer der Mann war, den ich so abartig boese verflucht habe. Ich habe das erste mal in Indien wirklich meine Ohropax ausgepackt und alles ignoriert. Die Ohropax haben zwar nicht wirklich geholfen, laut war es immernoch, aber zumindest tat es nicht mehr weh in den Ohren. Manchmal sind Inder echt furchtbar. Als sich der Krach halbwegs gelegt hat, hat sich auf der Sitzbank vor mir ein evtl. 14jaehriger umgedreht. Smalltalk, das uebliche. Woher ich komm, wielange ich in Indien bin und wo ich schon ueberall war. Und was ich denn von Indien halt. Ich habe es mit einer Gegenfrage beantwortet: „was wuerdest Du von Deutschland halten, wenn Du dort als Gast erst aus einem Bus gedraengt und gezerrt wirst, dann um deinen Sitzplatz kaempfen musst und danach noch angeschriehen wirst?“ Er wurde etwas verlegen. Sehr verlegen. Und das Gespraech war dann auch recht peinlich beendet.

Der Bus heim war an sich auch nicht real moeglich. Ich habe schon viele Schrottkisten gesehen, bin schon in vielem mitgefahren und dachte schlimmer kann es nicht mehr werden. Aber DAS Ding uebertrifft sogar die schaebigen Stadtbusse in Delhi older Bangkok. Die Sitze reichen mir gerade bis Unterkante Schutlerblatt. Der Ganze Bus verwindet sich bei jeder Bodenwelle so, dass am Fenster ein 3cm breiter Spalt entsteht. Das klingt dann ungefaer so als wuerde man eine Kiste mit Metallschrott in einem Bollerwagen ueber Kopfsteinpflaster ziehen. Bei jedem Gangwechsel gibt das Getriebe Schlaege von sich, die ich trotz Ohropax deutlich hoere und spuere. Nach der ersten Bodenwelle ging das Licht innen aus und ich musste dem Ticketverkaufer meine Taschenlampe leihen, weil er sonst nicht haette weiterfahren und kassieren koennen.
Ein abartig krasses Ding. nichts desto Trotz war ich um 4Uhr heute morgen am dem bekannten schaebigen Busbahnhof in Old Delhi und habe erstmal beschlossen, ein Zimmer zum waschen (!) und ausschlafen zu suchen. Zwei Naechte fast ohne Schlaf sind einfach nicht sooo praktisch. „Trip“ beendet. Ich habe ja keine Ahnung von LSD, aber ich glaube daran, dass der Ire nicht uebertrieben hat.

Momentan sitz ich also in Delhi. Ich habe entschieden nicht nach Pathankot zu fahren, nachdem ich erfahren habe dass dort oben a) wieder kalt und unter Umstaenden regnerisch sein koennte und b) absolute Hochsaison ist. Eine bessere Idee habe ich aber allerdings auch noch nicht =(

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