Eingebohrenenurlaub =)

 

Manoman, indische Hotels bzw. GuestHouses koennen ganz schoen stressen, vorallem wenn sie mitten in Touristenmeilen liegen. So zum Beispiel meine letzte Besenkammer am Main Bazar in Delhi. Die haben doch tatsaechlich behauptet mir erzaehlt zu haben dass sie eine Uebernachtung als einen Tag mit genau 24h betrachten. Heisst fuer mich nachdem ich am after-kumbh-mela-morning um 5Uhr30 eingecheckt habe, dass ich auch um 5Uhr30 auschecken bzw. eine komplette weitere Nacht bezahlen muss. War das eine Streiterei. Zum Glueck habe ich am Vorabend nachgefragt, sonst waers ganz dumm gelaufen, aber die Diskussion war trotzdem reichlich nervig. Nein, 10Uhr geht nicht. Auch nicht fuer einen kleinen Aufpreis. Wenn dann nochmal ein ganzer Tagessatz. Die sind echt wahnsinnig. Das Ergebniss wenig erfrischend: Nach ner halben Stunde vergeblicher Diskutiererei bin ich mit nem riesen Hass ins Bett, um am naechsten morgen um fuenf aufzustehen.
Um kurz nach halb sechs habe ich dieses GuestHouse verlassen. Die kreisrunden Betten sowie die puffroten Gluehlampen haben mich sowieso wenig begeistert, aber ohne diese Tatsache haben die mich das letzte mal gesehen.
OLYMPUS DIGITAL CAMERAEigentlich wollte ich mein Gepaeck danach am Bahnhof NewDelhi deponieren. Nachdem ich aber diese abartig gewissenhaft und zaeh arbeitenden Gepaeckonkel nun schon zu genuege kenne, habe ich diesen Plan angesichts der enormen Warteschlange verworfen. Ich hatte sowieso nichts vor, bei dem mich mein Gepaeck wirklich stoert. Gut, Metro fahren ist so nicht drin, aber wohin haette ich auch wollen? Ich habe mir ein Fruehstueck besorgt und mich am Bahnhof zwischen die Inder gesetzt. Getarnt, so war der Plan. Aber wie will ich mich in Indien schon tarnen? Da hilft auch das gut gemeinte Rucksack-mit-nem-unauffaelligen-indischen-tuch-abdecken nichts. Ich steche selbst aus so einer Menge noch heraus. Die ueblichen Smalltalks liessen sich daher nicht vermeiden.

Es ist ja nicht so, dass ich nicht gerne mit denen reden wuerde. Ganz im Gegenteil, eine angenehme Unterhaltung waere in so Situationen manchmal Gold wert, wenn die Gespraechspartner nicht nach dem woher-kommst-du-und-was-arbeitest-du immer gleich wieder weg waeren. Gut, diese Art hat durchaus Ihre Vorteile. Selbst bessere Bekannte, wie zum Beispiel der Trommelverkaufer von dem ich erzaehlt und den ich inzwischen immer wieder getroffen habe, ruecken einem dadurch auch nicht zu dicht auf die Pelle: Man trifft sich, sucht sich ne ChaiBude oder einfach ein schattiges Plaetzchen, erkundigt sich nach den Neuigkeiten im Business, unterhaelt sich fuenf Minuten, und kann dann einfach weiterziehen wenn man mag. Keiner ist da irgendwie boese oder so. 10-Minuten-Spontandates sind ganz normal und eigentlich auch recht angenehm. 10-Minuten-Smalltalks liegen mir dagegen weniger. Daher bin ich dann auch irgendwann gefluechtet. Rucksack geschultert, per Fussgaengerbruecke ueber die Gleise, und hinten aus dem Bahnhof. Vorbei an den ersten 10 Taxi- und TukTukFahrern. Dieses Volk laesst einen als Tourist einfach nie in Ruhe. Weiter Richtung Ausgang, vorbei an immer mehr Rikschas und TukTuks. Bis einer wirklich einfach nur per dummem Zufall mir den Kragen platzen liess. Er hat nix anderes getan wie seine Kollegen: „Hellooooo Sir, Taxi? Main Bazar? RedFort? OldDelhi?“ (ergaenzenderweise: der Mainbazar liegt vom anderen Ende der Fussgaengerbruecke ueber die Gleise keine 50m entfernt, 5min zu Fuss, maximal. Der TukTuk-Strassenweg dauert mindestens 10min. OldDelhi ist super per Bus oder Metro zu erreichen, wenn man will auch in 20min zu Fuss. Kein vernuenftiger Mensch faehrt die zwei Ziele per Taxi an). Ich musste einfach. Ich habe in aaaaaller Ruhe gefragt, warum er mich eigentlich fuer derart dumm haelt. Nein, er halte mich nicht fuer dumm. Ich habe ihm dann weiter in aller Ruhe erklaert, dass wenn ich rund 20TukTuk-Fahrer abwimmel, dass ich nicht beim 21 mitfahren werde. Und ganz davon ab: wenn ich ein TukTuk wollen wuerde, koennte ich am Bahnhof zwischen 50 verschiedenen aussuchen. So dumm und unfaehig bin ich dann doch auch nicht, dass mir direkt am Ausgang ein TukTuk-Fahrer den Weg abschneiden muss weil ich dummer Tourist sonst kein Transportmittel find. Er hat behauptet, dass es Ihm leid tut. Und gleich ein zweites mal viel ehrlicher, als ich Ihm ganz offen erklaert habe, dass TukTuk-Fahrer deswegen echt der Hass fuer mich sind. Das Ende vom Lied: ich hab Ihn auf einen Chai eingeladen. In einer ChaiBude ums Eck haben wir uns angenehm unterhalten, ueber TukTuk-Vermieter, TukTuk-Fahrer, sein daily Business. Es war tatsaechlich richtig nett. Weniger nett war es dann allerdings, als die Polizei mit einem voll beladenen Jeep vorfuhr. Ich war etwas verdutzt, aber von mir wollten die gluecklicherweise nix. Dafuer von diesem Typ mit offener Hose, der ein paar Meter weiter auf der Strasse schlaeft. Nix, was auf den ersten Blick irgendwie meine gesteigerte Aufmerksamkeit erregt haette.

Naja, der Typ hat evtl. mal da geschlafen. Nachdem einer der Polizisten mehrfach versucht hat Ihn unsanft per Stiefel ruettelnd aufzuwecken, wurde so langsam klar: Der ist tot. Liegt einfach tot neber der ChaiBude, und keinem faellts auf. ProstMahlzeit.

OLYMPUS DIGITAL CAMERADen Rest des Vormittags habe ich dann doch wieder am Bahnhof und im Bereich vor statt hinter dem Bahnhof verbracht, bevor um 12Uhr30 reichlich frueh die Durchsage kam, dass mein Zug da ist. Bedeutet: Liegen. Schlafen. Super! Kurz vor Abfahrt war ich dann allerdings wieder hellwach. Nicht wegen der Hitze. Auch nicht wegen dem Laerm. Vielmehr, weil auf Huefthoehe ein Opi auf meinem Liegeplatz sitzt, und mich dafuer nach hinten drueckt, waerend zwei Omis auf meinen Beinen Platz nehmen. Halbwach denk ich noch „sind die denn alle irre?“ waehrend ich entdecke, dass der ganze Waggon vollgequetscht ist wie die Holzklasse. Schon das zweite mal die gleiche Erfahrung tagsueber in der SleeperClass. Eigentlich haette ich es wissen koennen.

Trotzdem, ich hatte fuer die Reservierung bezahlt, ich hatte fuer eine Liegeflaeche bezahlt, mir gings nicht gut und ich wollte schlafen. Hab ich dann auch. Ich habe das mittlere Bett ausgeklappt, habe mich faelschlicherweise dort hingelegt und die Sitzwagenticketinhaber unten koennen meinetwegen die Koepfe einziehen. Ja, ich kann zum Arsch werden. Und hier kann ich das erschreckend gut… ich sollte mir da mal Gedanken drueber machen.

Heute morgen in Pipariya, dem Ort mit dem Bahnhof in dem es umsteigen in einen Bus hiess, habe ich dann doch glatt den dreistesten TaxiFahrer ever erlebt. Eigentlich ist der Ort um den es sich dreht eine etwas groessere Bushaltestelle, wird aber auch von Jeeps genutzt die sich als Ausfgabe ausgedacht haben paralell zu den Busen in Sammeltaxi-Mainier Touristen zu ueberhoehten Preisen zu transportieren. Waehrend ich dort am Rand sitze, meinen Chai und etwas Ruhe geniesse, kommt natuerlich der ein oder andere Fahrer auf den einzigen auslaendischen Touristen zu, immerhin sind die auslaendischen Touristen die mit den dicksten Geldboersen. Einer erhofft sich sein Sammeltaxi voll zu bekommen, ein anderer den Touristen mit einer Charterfahrt auszuquetschen. Der geilste Spruch war dann: „Pachmarhi?“ – „yes, but by bus, not by taxi“ – „you have to go by taxi, there are no buses!“
Muss ich separat erwaehnen, dass der Bus nach Pachmarhi mit laufendem Motor direkt hinter diesem unverschaemten JeepFahrer stand, oder erklaert sich das von allein?
Oh, wenn ich schon gerade am jammern bin: Busbegleiter in Delhi. Am Morgen nach meinem Kumbh-Mela-Trip musste ich irgendwie von diesem ekeligen Busbahnhof in eine Hotelregion kommen. MainBazar hat sich angeboten, weils verkehrsguenstig direkt an der NewDelhi Railwaystation liegt. Also hab ich mich auf die Suche nach einem Stadtbus an die NewDelhi Railwaystation begeben. Da die Buse nur in Hindi-Symbolen beschriftet sind, blieb mir auch hier nur nachfragen – und habe als Antwort doch laufend „no bus – go by autorikschaw!“ erhalten. Diese Rotzaffen. Es gab einen Bus. Es hat aber tatsaechlich einen mir freundlich gesinnten Inder als Unterstuetzung gebraucht, bis einer dieser Busbegleiter gestanden hat dass der Bus doch nach NewDelhi faehrt. Manche Inder sind schon ein furchtbares Volk. Kein Wunder, dass die indische Regierung inzwischen sei-nett-zu-den-Touristen-und-zieh-sie-nicht-laufend-ueber-den-Tisch-Kampagnen starten musste.
Gut, dem Aerger genug Luft gemacht =)

Pachmarhi. Ein verrueckter Ort. Was ich bisher gesehen habe, wuerde ich ihn durchaus als Tourismusort bezeichnen. Die Anzahl der Hotels im Vergleich zu der Anzahl der Gebaude insgesamt ist flaechendeckend erstaunlich hoch, aber dennoch ist dieser Ort mal ganz anders. Er liegt etwas hoeher, auf gut 1000m, und ist daher etwas kuehler. Bei grob 35Grad tagsueber ist hier schon Schluss =D. Ausserdem liegt er nahe an einem Tigerreservat mitten in einer wunderschoenen Landschaft nahe an einem Nationalpark. Aber: es ist ein Ort fuer indische Touristen. So ist hier vielesvieles ganz anders: Das erste was auffaellt sind die Hotels. Etwas ohne Klimaanlage zu bekommen ist eine echte Herausforderung. Genauso etwas, das ein Fenster ins freie besitzt. Beinahe unmoeglich ist das dann noch in Kombination mit einem Balkon, einer Trasse, einer Dachterasse oder sonst einem ruhigen Plaetzchen. Ich verallgemeiner das jetzt extrem, aber Inder legen bei der Hotelauswahl zuerst Wert auf die Kliomaanlage. Es braucht nichtmal ein Fenster zu geben, geschweige denn etwas um im Freien in der Hitze zu sein. Wichtig ist umso mehr ein Farbfernseher. Wenn das Geld knapp ist, muss inder auf die Klima verzichten, haelt aber ein Fenster immernoch fuer unnoetigen Luxus. Ein Fernseher muss aber trotzdem sein. So sieht man in solchen Hotels, egal ob hier, in Varanasi, Delhi oder sonstwo Vormittags um elf in den Hotels ueberall bei offenen Zimmertueren (irgendwo muss ja auch mal Frischluft herkommen) angezogene Inder auf dem Bett liegend fernsehen.
Wer fuer dieses Klientel Hotels baut, schafft es natuerlich kaum mich gluecklich zu machen. Nach langerlanger Suche habe ich ein kleines familienbetriebenes Hotel am Ortsrand gefunden. Es gibt nur eine Matratze auf dem Boden und ein kleines Duschklo, dafuer ein Fenster ins freie uuuuund: zwar keinen direkten Balkon, aber soetwas aehnliches. Der Zugang zu den Zimmern im ersten Stock ist von aussen ueber einen schmalen Balkon. Reicht gerade so, um mal abends ne halbe Stunde raus zu sitzten und zu schreiben, wenn niemand ind das Zimmer hinter meinem will =) Das zweite was auffaellt: die Hotelregister haben hier weder eine Spalte fuer das Visa noch fuer das Herkunftsland. Es hat dem Hotelbesitzer ganz nett viel Fantasie abgefordert, meine Daten in sein Formular eingetragen zu bekommen. Vorallem, da es mit der Verstaendigung etwas schwer faellt. Das netteste Beispiel hierfuer: auch hier musste ich wieder eine Kopie meines Passes abgeben. Das kleine Hotel hat aber keinen Kopierer und hat mich losgeschickt, eine Kopie im CopyShop machen zu lassen. Nix neues und nix ungewoehnliches. Zurueck im Hotel werd ich vom Junior empfangen, er ist vielleicht 15 oder so. Da sonst niemand da war, habe ich ihm die Kopie anvertraut und ihm gesagt, dass sein Dad diese Kopie haben wollte. Er nickt als haette er verstanden, und ich gehe einen Mittagsschlaf machen. Allerdings werde ich nach 10min wach, Junior klopft aufgeregt an die Tuer. Als ich aufmache drueckt er mir meine Kopie in die Hand, und eine Kopie der Kopie. „Photocopy!“ meint er stolz und verschwindet wieder =)
Dann gibts noch die kleineren Anzeichen: Flaschenwasser muss man suchen, gibts hier ausser in Restaurants fast nicht. Die Souveniershops verkaufen fast nur Kinderspielzeug und Handtaschen. Am Busbahnhof gibts nur Hinweistafeln auf Hindi, und der Aufseher spricht kein Englisch. Kleine Kinder rennen einem auf der Strasse ginterher, rufen nach einem, winken und verschwinden dann schuechtern wieder anstatt einen in den SilkShop des grossen Bruders zerren zu wollen. Indische Maenner gruessen mich freundlich auf der Strasse und strahlen begeistert, nur weil ich antworte, nicht weil sie ein Verkaufsgespraech begonnen haben.

Ja, irgendwie ist es superstrange hier, aber recht entspannt. Einfach mal komplett anders als die Auslaendertouristenhochburgen. =)

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