der wandernde deutsche ist immernoch da…

 

… ja, und ihm scheint es immernoch zu gefallen. Heute war es aber mal die andere Richtung, in die ich ging. Ich wollte einfach die Chance minimieren, wieder auf einen der beiden Wasserfaelle zu stossen =)

 

Auch in der anderen Richtung gibts kleine Doerfchen...

Auch in der anderen Richtung gibts kleine Doerfchen…

 

...tiefe Schluchten...

…tiefe Schluchten…

 

...und super Aussichten

…und super Aussichten

 

 

…und natuerlich Jeeps voller Inder. Aber die gibts hier fast ueberall =) Im uebrigen habe ich gestern in der Aufzaehlung der lustigen wilden Tiere die Eichhoernchen und Fledermaeuse vergessen. Schwerer Fehler meinerseits. Aber das nur am Rande =)

Neu ist mein fast schon prominenter Status. Oder haben die anderen inzwischen ihre Schuechternheit verloren? Ich weiss es nicht. Es faellt jedenfalls auf, dass heute alle an mir interessiert sind. Ich komm zum Beispiel gerade an einem offiziell ausgeschilderten und von den Jeeps angesteuerten Aussichtspunkt an. Da kommt eine ganze Familie von hinten aus einem Jeep gehechtet und… nein, die interessieren sich nicht zuerst fuer die Aussicht. Mama will wissen, ob ich Hindi spreche. Junior woher ich komme und wie alt ich bin. Papa wie mir Pachmarhi gefaellt. Die drei kleinen kichern nur schuechtern, waehernd deren Touristguide (hier superleicht zu erkennen an Hose und Jacke in Tarnfarben) interessiert zuschaut. Dann gibts erst mal ne Fotosession: Ich mit den Kindern. Ich mit dem interessierten Junior und seinem Dad. Ich mit der Mutti und der Schwester oder so von Ihr. Gut und gerne sechs Fotos. Danach gehts weiter zur Aussichtsplattform, dort kurz ein Foto geschossen und die Family pilgert zurueck zum Jeep. Wenn die zuhause gefragt werden, was sie in ihrem Urlaub gesehen haben, kommt bestimmt etwas wie „zehn Tempel, zwei Wasserfaelle, eine gute Aussicht und einen total irren Auslaender!“ =)
So nebenbei… Ich weiss nicht, ob das nur ein leichter Uebersetzungsfehler ist, oder ob man dahinter mehr vermuten kann: die meisten Inder fragen mich nicht, welche Staedte oder Gegenden ich bisher besucht habe. Die Frage ist immer nach wie viele! Ich habe im ersten Moment immer an einen Uebersetzungsfehler gedacht und das aufzaehlen und erzaehlen begonnen. So wirklich fertig geworden bin ich damit aber noch nie. Mag sein, dass das „wie viele“ tatsaechlich als solches gemeint ist? Ich werde das naechste mal als Antwort einfach „dreizehn“ sagen, mal sehen wie die Reaktion ausfaellt… Demnach koennte die Antwort auf oben genannte Frage auch einfach sein: „15 Sehenswuerdigkeiten und ein Auslaender in 7 Tagen“ =)

Auf offener Strasse halten heute wegen mir auch schon Autos an. Die einen, um einen kleinen Plausch durchs Beifahrerfenster zu halten, die anderen bieten mir an mich mit nach Pachmarhi zu nehmen. Die allerbesten stellen ihr Auto mitten auf der Strasse ab, steigen aus, quatschen gemuetlich ne Runde, dann reihum Haende schuetteln und Freundschaft schliessen, im Wechsel mit allen ein Foto und dann gehts weiter.

An einem ausgetrockneten Tuempel (grob 50x100Meter, im besten Fall) mit Tretboten drauf habe ich mal wieder eine Studentengruppe kennengelernt. Die stehen kurz vor irgendeinem Examen, aber weil es da wo die herkommen derzeit bis zu 47 Grad hat, machen sie gemeinsam eine Woche Urlaub in Pachmarhi. Auch die konnten nicht fassen, dass ich nur zu Fuss unterwegs bin. Ausserdem waren sie ganz stolz darauf, einen Tempel 3,5km suedlich von Pachmarhi, gut 1300 Stufen hoch auf dem Gipfel eines Berges (auf dem Panorama oben ganz dezent auf dem hoechsten Gipfel zu erkennen =) ) in nur 2 1/4 Stunden besichtigt zu haben. Gemessen von Pachmarhi aus und auch bis dahin zurueck. Meinen Respekt dafuer konnte ich nur heucheln, aber das wohl glaubhaft =) Auch hier wieder Freundschaft schliessen und Fotos knipsen. Jeder mal mit dem Handy und dann noch mit einem richtigen Fotoapparat.

Oh, kurz vor Pachmari ist mir auch was spannendes passiert: Ein Motorrad mit vier Personen kommt mir entgegen. An sich nix besonderes hier. Vorne sitzt Papa, dann der juengste Sohn, dann der mittlere und hinten der aelteste. Besonders ist aber, dass das Motorrad direkt neben mir anhaelt und der Fahrer meint „english, english!“ und zu seinem juengsten Sohn nickt. Der war zwar erst elf, hat das dann in erstaunlich gutem englisch ein wenig aufgeklaert: Papa hat gesehen dass ein Auslaender ins Dorf lauft, und hat spontan alle aufs Motorrad gepackt, damit Junior ein wenig sein englisch erproben kann. Da war ich dann wirklich absolut sprachlos.

Alles in allem habe ich heute wohl knapp 20 „Freunde“ gefunden und mich bestimmt auf 30 Fotos verewigen lassen. So nett es auch zwischendurch mal sein mag, ich bin froh nicht prominent zu sein, mindestens soviel habe ich heute gelernt. =)
Ganz unabhaengig davon, morgen reise ich auch hier wieder ab. Zum einen wirft mich mein Hotel raus, weil irgendwie Ferienzeit ist und es eine Reservierung ab morgen Nachmittag gibt. Da hilft auch meine Prominenz nichts =) Zum anderen ist es nun auch gut. Dreieinhalb Tage Dauerwandern sind ok, aber meine Beine moegen morgen nicht schon wieder. Wenn es hier Haengematten gaebe, wuerde ich bestimmt bleiben, aber das mit dem relaxten rumgammeln und Haengemattenschlafen scheint den Indern nicht so zu liegen. Gibts einfach nicht. Somit werde ich morgen um sechs an der Busstation stehen und herausfinden, wo es als naechstes hingeht. Viele Moeglichkeiten gibt es nicht, ich vermute ich werden mich zwischen Piparhya, einem kleinen Dorf an einer unnuetzen Bahnlinie (sofern man nicht schon wieder nach Delhi mag) und Bhopal entscheiden koennen. Wenns so ist, hab ich nicht viel zu ueberlegen =)
Wie auch immer… Mal sehen wo ich morgen lande.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAPS: ich habe neulich von den Anzeichen fuer einen Touristenort ohne Auslaender geredet. Ein ganz eindeutiges habe ich vergessen. Internetcafes. In Pachmarhi, das eigentlich nicht gerade arg klein ist, gibts genau vier: Einen Gemischtwarenladen mit einem Computer im hinteren Ladeneck. Der ist aber schon seit ich da bin kaputt. „Serverproblem“. Dann gibts ne Getraenkebude mit Muenztelefonen und auch einem einzelnen Computer im letzten Eck. Der ist ok, aber laufend von den locals belegt, weils wohl das schnellste Internet im Ort ist. Und heute ist auch der kaputt. „Festplatte“. Dann gibts noch ne Telefon- und Kopierbude. Da steht zwar gross Internet drauf, aber der Computer fehlt einfach. „kaputt“. Und, last AND least: Ein Typ, der das grosse Geschaeft gewittert hat und im letzten Loch drei Computer aufgestellt hat und doppelt soviel verlangt wie die Konkurrenz. Um noch mehr Kohle zu verdienen, hat er vorsichtshalber ganz sorgfaeltig die USB-Ports zugeklebt und bietet an fuer 20Rupees pro Mb Daten von Speicherkarte an ne Emailadresse zu senden. Ist klar. Das mit dem grossen Geschaeft scheint auch alles andere als zu klappen. Der Laden ist laufend leer.

Daher gibts diesen Eintrag mal wieder mit ordentlicher Zeitverschiebung und von wo ganz anders, wenn sich schon das komplette Internet gegen mich verschworen hat =)

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