Hoelenbesichtigung

 

OLYMPUS DIGITAL CAMERAJa, ganz richtig. Ich habe mal wieder die Buddhisten gesucht. Gut, sooo wichtig ist Ajanta fuer die Buddhisten nicht mehr, aber war es vermutlich mal. Zumindest haben sich zwischen 200BC und 700AD ziemlich viele fleissige indische Maulwuerfe daran gemacht Hoelen in eine Felswand zu schlagen. Ziemlich sportliche Geschichte also. Dass alle dieser Maulwuerfe gegangen sind und die Welt die Hoelen vergessen hat, bevor alles fertig war macht die ganze Geschichte nur noch spannender. So ist jetzt manches fertig, manches halbfertig und manches nur grob zu erahnen, aber das wirklich spannende: es ist tatsaechlich alles – die Saeulen, Statuen und Wandverzierungen – aus dem massiven Fels geklopft worden.

OLYMPUS DIGITAL CAMERASpannend auch mal wieder der Eintrittspreis: genau das, was rechnerisch zwoelfeinhalb Inder bezahlen. Das ist ziemlich foerderlich, vorallem fuer meine angestauten Agressionen. Da ist es auf einmal doppelt so nervig, dass die Aufpasser und Secuurity-Fritzen mit Schuhen in den Tempeln herumrennen (wobei sich das ehrlicherweise im Vergleich zu Khajuraho noch schwer in Grenzen hielt) und einem immer vor dem Objektiv stehen muessen. Es ist auch was ganz anderes, wenn so ein Billig-Eintritt-Inder Dir vor die Fuesse rotzt, trotz dreisprachigem „no spitting!“- Schildern ueberall, oder wenn eine Inder-Family, die komplett den halben Eintrittspreis bezahlt sitzenderweise eine komplette Treppe belagert, die man eigentlich hinuntergehen will und keine Anstalten macht, auch nur ein klitzekleinwenig Platz zu machen.

Zum Glueck, sonst waere ich voellig ausgerastet, bin ich schon ganz frueh morgens los. Der erste Bus aus Jalgaon, dann kann man das ganze noch mit etwas Ruhe und weitestgehend allein geniessen. Als ich dann nach drei Stunden rueckwaerts (die ganzen Hoelen liegen an einer einzigen „Sackgasse“) wieder raus bin, hat erst das echte Chaos begonnen: maximal 15 Besucher pro Hoele, mit Warteschlangen und draengelnden Inderinnen. Fuer die hab ich sowieso etwas ueber… haette demnach boese enden koennen.

Nein, alles in Allem ist es einfach nicht Richtig. Ein halbes Tagesbudget eines Backpackers gegen den Preis einer 2l-Flasche Wasser. Das ist ein gigantischer RipOff, fertig aus. Da koennen die Touristen-Inder eigentlich nichts dafuer, das sind nur die armen Opfer meiner Agressionen auf die indische Tourismusbehoerden, mehr nicht…

OLYMPUS DIGITAL CAMERANein, ich will nicht nur jammern. Trotz der Agressionen die ich zeitweise hatte (an denen die furchtbaren „Helloooo Sir, have a look inside my shoooop!“-Typen in rauhen Mengen auch ihren Anteil tragen) ist es ein schoener Ort. Und am fruehen morgen sehr angenehm. Aaaaausserdem habe Hoelen den Vorteil relativ kuehl zu sein =)

Spassig ist allein schon die Anreise: Per Linienbus von Jalgaon aus Richtung Sueden fahren, und sich an der „T-Junction“ herauswerfen lassen. Dann einen knappen Kilometer die Strasse entlang, vorbei an den Shopbesitzern quaelen und per Shuttle-Bus die letzten 4km zu den Caves fahren. Laufen verboten, warum auch immer.

Zurueck ist nicht ganz unwesentlich spannender: In der Mittagshitze an der „T-Junction“ (also mitten im trockenen Garnix) am Starssenrand stehen, und hoffen irgendeinen Bus aus dem Sueden nach Jalgaon angehalten zu bekommen. Der erste Versuch schlug fehl, aber nach nur einer halben Stunde war ich erfolgreich und hatte Glueck: Jalgaon.

Etwas ganz anderes besonderes haben solche Tage an Touristenattraktionen allerdings an sich: Kein Smalltalk und keine neuen Freunde. Eins habe ich inzwischen echt ausgiebig gelernt: Es gibt zwei Situationen, in denen man ein Gespraech noch nichtmal anfangen braucht, ja sich noch nichtmal die Muehe zu geben braucht hoeflich zu sein, weils zu 99,5% nur auf comission oder ripping-off-sales hinauslaeuft: Zum einen wenn man mit dem grossen Rucksack unterwegs ist, und zum anderen an den „grossen Sehenswuerdigkeiten“. Fuehrt echt zu nix gutem.

Ach, weil ich inzwischen irgendwie auf Panoramabilder stehe (dabei sind die doch so schrecklich unhandlich und unpraktisch…) hier noch eins der Hoelen: =)

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In Jalgaon ist dagegen fuer mich mal wieder ganz ueberaschend Sonntag: Fast alles dicht, also kein Besuch beim Haushaltswarenmann und kein InternetCafe. Selbst einen Foodstall zu finden ist heute wesentlich schwerer als gestern. Irgendwie muss das an der Region und an der Naehe zu Mumbai liegen. Ausser hier und in Mumbai wurde ich noch nirgends von einem Sonntag wirklich ueberrascht =)

Zum Abendessen wurde ich allerdings trotzdem fuendig, und habe mal wieder etwas ganz neues erlebt (ich glaube langsam echt, in Indien passiert einem das nach Monaten noch jeden Tag…) indem ich mich in einem FoodStall zu funef Inder an einen der kleinen Plastiktische gesetzt habe. Oder soll ich etwas gehaessig sein und das Wort „Tisch“ gegen „Trog“ ersetzen? Wahnsinn, wie die manschen, mampfen und schmatzen koennen. Das, was man daheim Tischmanieren nennt muss man wirklich komplett unter den nicht vorhandenen Teppich kehren, sonst haelt man das nicht aus =) Schoen ist aber die alles-fuer-jeden-Menthalitaet. Das Essen steht in der Mitte, und jeder greift zu bis er satt ist. Gegessen wird natuerlich mit den Fingern, also gibt das nach kurzester Zeit eine unvorstellbare Sauerei, ist wohl vorstellbar =) Als ich mit meinem Tellerchen Reis und dem Schuesselchen Gemuese ankam, freuten sich die fuenf, mein Gemuese landete mit in der Mitte und ich musste alles quer durch einmal testen. Sehr lieb von denen, find ich =)

Im Anschluss, auf dem Weg ins Hotel, noch so eine komische Premiere: werd ich doch tatsaechlich umringt und um Autogramme gebeten. Der vollkommen falsche Film irgendwie. Die Jungs muessen mich mit irgendwem verwechselt haben, anders kann ich mir das nicht vorstellen… oder doch?

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