…beim Weihnachtsstern, vor der rosaroten Huette in der quietschgruenen Haengematte…

 

Nein, ich bin nicht auf Drogen, ich bin inzwischen tatsaechlich beim Weihnachtsstern, vor der rosaroten Huette in der quietschgruenen Haengematte zu finden. In Palolem, Goa, um es etwas grober zu beschreiben. Einmal per Sleeperclass „Tourist Quota“ ganz spontan gefluechtet. Ich liebe diese Strecke, genau genommen die Tourist Quota daran. Endlich mal ein Vorteil fuer Touristen. Dort, wo sich der liebe Inder auf einer Warteliste an Position 80 eintragen lassen kann, kann ich auf das Touristenkontingent hoffen und bekomme ganz spontan noch eine Reservierung. Feine Sache =)

OLYMPUS DIGITAL CAMERAAber der Reihe nach… Mumbai bot gestern keine wirklichen ueberraschenden Neuigkeiten. Herumgammeln, warten, Zugticket kaufen, eine Dusche und gewaschene Klamotten vermissen, auf ueberteuerten Maerkten ein frisches T-Shirt zum dreifachen Preis erstanden, eine billige Tasche gekauft. Am Bahnhof den Rucksack komplett auf einem relativ verlassenen Bahnsteig ausgeleert und und das wichtige wieder in den Rucksack gepackt, alles andere in die billige Tasche. Mit der billigen Tasche die bekannte Arie: verschliessen, versiegeln, scannen, unterschreiben und stempeln, Formulare ausfuellen und beim lieben Gepaeckonkel einlagern. Die hol ich erst am Tag vor dem Heimflug wieder.

Abends war der Zug dann erstaunlich frueh da. Diesmal ohne den ominoesen „BigBlock“ und die Thivim-Hektik wie beim letzten mal. Ich habe mich also in aller ruhe einquartiertieren und mich schonmal schlafen legen koennen. „Alles, nur keine Leichen“ war so meine fromme Hoffnung. Es gab auch keine. Zum Gluck. Es gab nur fuenf total erstaunte Touristengesichter als ich aufgewacht bin. Ich schlief die ganze Nacht mit dem Gesicht in Richtung Wand, meinen Rucksack im ueblichen roten Plastiksack verpackt und bei meinen Fuessen auf der Liege verkettet, ich selbst eingewickelt in eine indische Wolldecke und mit dunklen Haaren und braun gebranntem Nacken. Fur die anderen fuenf (Touristen) im Abteil war ich ganz eindeutig ein Inder. Feine Ueberaschung fuer die, als sie mein unindisches Gesicht gesehen haben. Ich habs als schweres Kompliment aufgefasst und mich darueber gefreut. Wenn ich mich schon nicht vor den Indern verstecken kann, vor den Touristen verstecken klappt. Das ist auch schon viel wert =D

In Madgaon, der Endhaltestelle und noch einige Kilometer von Palolem entfernt, das inzwischen ueblich Spiel: Vor dem Bahnhof die Transportdienstleisterhelden in rauhen Mengen. Zum Busbahnhof sind es keine 5km. Taxi 100Rupees. TukTuk 70Rupees. Motorradtaxi 50Rupees. Bus gibts angeblich keinen. Die allerdreistesten behaupten sogar, es gibt auch keine Busse nach Palolem mehr, die GuideBooks seien nur alle zu alt, und ich soll per Taxi bis nach Palolem fahren, fuer 600Rupees. Ich weiss nicht in welchen irren Traeumen sich die diese Preise ausgedacht haben, aber reell ist ausser dem 600Rupees-Tarif nach Palolem keiner. Definitiv. Und wenn man die indischen Bahnhoefe ein wenig kennt, versucht man es am Ausgang auf der anderen Seite der Gleise nochmal. Wenn etwas auf der einen Seite nicht funktioniert, funktionierts immer auf der anderen. Also bin ich 500Meter nach dem Bahnhof auf der anderen Seite auf eine Hauptstrasse gestossen, dort gabs eine kleine Bushaltestelle und einen 6Rupees-Bus zum Busbahnhof. Und da gabs -natuerlich- einen Bus nach Palolem. Zwar einen der Kategorie „nicht fuer Europaer ueber 1Meter70“ und „wird normal nur von in Palolem arbeitenden locals verwendet“, aber das schockt mich generell garnicht. Fuer nur 25Rupees war ich eine gute Stunde spaeter in Palolem. direkt am Strand. Per Bus.

Der Rest – ebenfalls nichts besonderes. Eine Huette suchen, die etwas vom Strand entfernt im Palmenwald liegt, damit es Nachts nicht so laut ist. Wichtigstes Kriterium: die Veranda mit Haengematte. Ich bin recht schnell fuendig geworden, und habe den Tag in der Haengematte verbracht =)

OLYMPUS DIGITAL CAMERAPalolem selbst begeistert mich noch eher weniger. Zu viel bratendes, nacktes Fleisch. Zu viel reservierte Starndliegen. zu viel Ballermann-Flair. Zu viele Strandbars und Restaurants. Kein Supermarkt. Kein wirklich frisches Obst. Nur Getraenke-, Chips-, Sonnencreme- und Souvenierbuden. also nichts fuer Ich-verlasse-meine-Huette-nicht-Selbstversorger. Nicht schoen, aber damit kann ich leben. Meine Haengematte ist bequem, die Palmen schoen schattig, die Voegel traellern, ich habe meine Ruhe und eine recht beschraenkte Aussicht den ganzen Tag ueber:

Ausserdem kann ich in Ruhe lesen, schlafen, schreiben und kann endlich meine Waesche waschen. Mehr brauchts nicht. =)

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