Die erste wirkliche Grenze ist geschafft

 

Etwas arg komisch fьhlte ich mich vorhin, als gegen 3:30pm ein Uniformierter in meinem Abteil stand, mich wachgerьttelt hat und meinen „Passport“ sehen wollte. Ich war ziemlich verwirrt, halb verschlafen und leicht hektisch, immerhin werde ich hцchst selten von Uniformierten aus eigentlich wunderschцnen Trдumen gerissen. Er war zum Glьck recht geduldig, Polnischer Zцllner und schon eine Station ganz weit vor dem Grenzьbergang nach Belarus zugestiegen. Ganzganz so eilig hatte er es nicht, also haben wir zwei das dann gemeinsam irgendwie hinbekommen =).

52350_originalEine knappe halbe Stunde spдter wurde es schon spannender… Zuerst waren nur Zдune entlang der Gleise zu sehen, dann kam immer mehr Stacheldrahtzaun und ein Grenzgeschьtzhauschen dazu. Danach gings ьber ne Brьcke, auf beiden Seiten der Brьcke wieder bewachte Grenzbeschьtzhдuschen, an denen wir allerdings noch vorbei gerollt sind. Nach der Brьcke standen dann die belarussischen Grenzbewsacher schon in Regelmдssigen Abstдnden neben den Gleisen, und kaum hielt der Zug haben sie ihn quasi durch alle Tьren gleichzeitig gestьrmt. Dann wurde es irgendwie strage… Zuerst kam einer vorbei, der meinen Reisepass abgeholt hat. Dann kam einer mit Suchhund in mein Abteil, dann noch einer der versucht hat russisch mit mir zu reden und ohne Erfolg wieder ging, dann kam noch n Mдdel vom Zoll, das mit mir zusammen meinen Rucksack ausgerдumt hat (einrдumen musste ich dann alles alleine, iss klar…) und danach kam n ganz anderer wieder, der mir meinen Reisepass wieder gebracht hat.

Ein drive-in-zoll. Bequemer hatte ich das noch nie: Reisepass stempeln, Kдrtchen und Formulare ausfьllen, Gepдck- und Drogenkontrolle: alles (so beinahe) ohne aufstehen zu mьssen =)

52645_original52840_originalNach dem Zoll gings dann mit nem kurzen Abstecher am nдchsten Bahnhof, so 3km weiter, erstmal in ne riesige Waggon-Werkstatt. Auch ganz spannend. Die haben (aus welchen Grьnden auch immer) erstmal alle Wagen voneinander abgekoppelt und auseinandergeschoben um die Haken, die die Wagen zusammenhalten, durch andere zu ersetzen. Danach wurden alle Wagen gleichzeitig angehoben, die kompletten Fahrwerke mit Rдdern, Bremsen und Stossdдmpfern mit ner Seilwinde unter dem Zug herausgezogen und dafьr neue druntergeschoben. Was das fьr nen Sinn macht? Ich weiss es nicht sicher. Ich habe schon gelesen, dass irgendwann zwischen Russland und China der Gleisabstand anders wird und deswegen auch Fahrwerke gewechselt werden, aber in diesem Fall sahen die genau gleich aus… Und fuhren auch auf den genau gleichen Gleisen wieder aus der Halle =)

Bisher ist die Zugfahrerei echt noch angenehm. Ich hatte noch nichtmal das Bedьrfniss, eines meiner Bьcher auszupacken. Ich liege auf dem Bett, das glьcklicherweise der Zugbegleiter nicht wieder zu Sitzen umgebaut hat, schaue aus dem Fenster, hцre Musik, denke nach, schreibe oder schlafe mal ne Runde. Mein Zugbegleiter ist sowieso super: er hat im Flur zum nдchsten Wagen, direkt unterm russisch/deutsch/englich/franzцsischem bitte-nicht-Rauchen-Schild die Raucherecke erцffnet. Wenn es jetzt noch ne Dusche und ne Kьche gдbe, wьrde ich echt hier einziehen =D

Das sind bisher wirklich die einzigen Negativ-Punkte: zu essen gibt es nichts (zumindest war ab Basel der Zugang zu den Nightliner-Wagen zu, und seither habe ich noch nichts Speisewagenдhnliches entdecken kцnnen. So oft, wie an diesen Zug Teile an- und abgehдngt werden kцnnte es zwar zeitweise gut sein dass es einen gibt, aber die Suche danach wьrde ja auch die Gefahr bergen, beim lustigen An- Um- und Abhдngspielchen im flaschen Teil des Zuges zu sitzen =) Ne, so wirklich Bedarf habe ich daran auch gerade nicht. Morgen frьh in Moskau gibts auch noch essen =)

Der andere Negativ-Punkt: Grossflдchiges waschen ist hier nicht. Es gibt kleine Waschbecken, die zwar besser sind als nichts, aber ich freu mich trotzdem schon enorm auf die Dusche in Moskau =)

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