Moskau. Same same.

 

Seit heute morgen bin ich jetzt in Moskau. So richtig Russland und so. Dabei fings eigentlich recht unspannend an: Ich bin einfach nur aufgewacht. Es war so gegen sieben schдtz ich. Zeit kann man in dem Zug nur schaetzen. Wo man wirklich ist, und was fьr eine Zeitzone da gilt… das bekommt so schnell keiner mit. Uhrzeiten sind da reichlich relativ.

52998_originalIch bin also so gegen sieben, vermute ich, wach geworden. Ich habe mich ein klein wenig gewundert, denn eigentlich hдtten wir die Grenze von Belarus nach Russland schon lange ueberquert haben sollen. Habe ich verschlafen? Ich gehe eigentlich davon aus, dass man ne Grenze nicht verschlafen kann. Zumindest keine, bei der eigentlich Visa gestempelt werden sollten. Irgendein Uniformierter waere schon im vom Zugbegleiter von aussen aufgeschlossenen Abteil gestanden und hдtte mich iiiirgendwie schon wach bekommen. Verschlafen ist also eigentlich keine denkbare Mцglichkeit. Vielleicht dann eine Verspдtung? So ne richtigrichtig ordentliche. Wir haben unterwegs einen Waggon verloren z.B.? Inzwischen habe ich auch ne Vermutung, was die anderen Fahrwerke und grцsseren Haken zwischen den Waggons angeht… Seit wir Polen verlassen haben, schьttelt der Zug schon ganz deutlich mehr. Das sind fast schon indische Verhдltnisse geworden. Nicht, dass mich das stцren wьrde. Ganz im Gegenteil. Ich hab immernoch ziemlich gut geschlafen =) Also zurьck zum Thema: hatten wir ne Verspдtung? So mit der Zeit hielt ich das fьr ziemlich unwahrscheinlich… abgesehen von dem ganzen Schnee, der sich draussen inzwischen entlang den Gleisen verteilt, sind die Bahnhof-Schilder anders als gestern. Heute grьn, wдhrend die gestern noch weiss waren. Und dann kamen noch die Autokennzeichen dazu… ich habe nur noch welche mit dem Zusatz „RUS“ gefunden.

Die finale Sicherheit brachte dann der Zugbegleiter, als er von aussen an die Tьr geklopft hat und dann meinte: „Moskau. halbe Stund.“

53453_originalOkay, ich war definitiv in Russland, aber warum wollte keiner meinen Pass stempeln? Ist die Grenze zwischen Belarus und Russland vielleicht auch so ein wir-machen-gemeinsame-Sache-ohne-Grenzkontrollen-und-so-Abkommen-Ding? Ich hoffe es. So wirklich herausfinden kann ich es wohl erst, wenn ich wieder aus Russland rausfahr. Surprise surprise!

Moskau war im ersten Moment relativ unspannend. Gut, ich werde krank, es weht ein echt ekelig kalter Wind, es schneit durchgehend leicht und frage mich mal wieder, ob sechs Tage Moskau nicht vielleicht zu lang sind. Aber: man soll den Tag ja nicht vor dem Abend schimpfen =)

Die ersten Erkenntnisse waren recht simpel: Ich seh weit und breit am Bahnhof keine Touristen. Das bedeutet zwangsweise: keiner vor dem Bahnhof, der sich fьr Touristen interessiert. Sehr schцn schonmal. Ich habe mich dann erst mal vor den Bahnhof gestellt und die Leute ein wenig beobachtet: Ziemlich hektisch, aber am Bahnhof ist das ja eher weniger Aussagekrдftig. Ausserdem anders, nicht so klischee-mдssig mit der typischen Nase und dem flachen Hinterkopf und so. Eigentlich sehen alle aus, wie zuhause. Gut, die Kleidung passt nicht so ganz. Aber sonst? Ich glaube auffallen werde ich hier nicht gaaaanz so extrem. Zumindest nicht wegen Hautfarbe, Gesicht oder Figur.

Der Kleidungsstil ist dafьr ein wenig anders… Mдnner sind mir heute vorallem durch extrem viel schwarze Kleidung aufgefallen. Schwarze Schuhe, schwarze Hose, schwarzer Pullover und darьber ne schwarze Jacke mit Kaputze. On top kommt dann цfter mal sogar noch eine schwarze Strickmьtze dazu =)

Frauen, zumindest die etwas jьngeren, sind mir vor allem durch viel sichtbares Bein in extrem hohen Stiefeln mit kurzen Rцcken und Mдnteln aufgefallen. Die mьssen echt Frьhling haben hier =D

Die nдchste Erkenntniss: In Moskau scheint sich niemand um internationale Gдste zu bemьhen. Zumindest nicht, solange sie der russischen Sprache nicht mдchtig sind. Alle Schilder, in, um und um den Bahnhof herum sind vorhzugsweise nur-Text, nur-russisch, und fьr mich dadurch nur-nichtssagend. Leider. Ich habe den ganzen Tag nur ein einziges Schild mit englischem Untertitel gesehen, und das was das Haustьrschild von meinem Hostel.

53942_originalNaja, damit sind wir eigentlich schon am Knackpunkt fьr mich: Alles nicht so einfach. Metro fahren? Gerne, hier sind die Stationsnamen auf den Karten sogar in mir bekannten Buchstaben ьbersetzt mit angegeben. Schade irgendwie nur, dass sich die dann sonst nirgens mehr finden. Meine erste Taktik daher war: die Farbe der Linie auf der Karte entspricht der Farbe der Schilder an den Bahngleisen. Dann habe ich versucht, mir die Endhaltestelle in russischen Schriftzeichen irgenwie einzuprдgen, bin zurьck zu den zwei Gьeisen gerannt, dachte ich liege gut und bin dann eingestiegen. Zwei Stationen bis zum umsteigen, das habe ich mir eingedprдgt und mitgezдhlt, dann muss ich nur noch auf die lilane Linie wechseln.

Beim aussteigen dann die Ьberraschung: falsche Station, sogar an der ganz falschen Linie. Also die erste Lektion: wenn man an ner Metrostation einsteigt, die ne grьne und ne braune Linie anfahren, nicht dort einsteigen wo die Schilder grьn sind in der Hoffnung, das wдre die grьne Linie. Falsch!

Die nдchste Lektion, die ich bis dahin noch nicht wirklich gelernt hatte: die verschiedenen Linien einer Station liegen verdammt weit auseinander. Es gibt zwar einen Durchgang, wenn man danach sucht, aber so ganz hat sich mir das nicht erschlossen. Als dieser Groschen dann mal gefallen ist, da fiel mir auch auf, dass die Linien im Plan nummeriert sind. Und die farbigen Schilder am Bahnsteig auch! Wunderbar, jetzt fehlt nur noch die richtige Richtung…

Auch das hab ich dann beim zweiten mal geschafft: auf n Stьck Papier den russischen Namen der nдchsten Station in die gewьnschte Richtung abmalen, den findet man dann auch irgendwie an einem Gleis wieder. Und wenn man jetzt noch VOR dem Einsteigen die nцtigen Stationen zдhlt und in der U-Bahn brav mitrechnet und sich nicht von irgendwelchen Minirцcken oder Stiefeln ablenken lдsst, kann eigentlich nichts mehr schief gehen =)

Das wirklich schцne dabei ist: Man bezahlt eine Fahrt bei betreten der ersten Station. Wie weit man dann fдhrt, wie oft man umsteigt und wie viele Versuche man braucht bis man die Metro soweit gebracht hat, einen dort auszuspucken wo man eigentlich wirklich hin will… das interessiert gar niemanden.

Moskauer Metro: hat zwar gedauert, aber besiegt!

(Und das ganz ohne russisch zu kцnnen =) )

Nach meiner Ankuft im Hostel bin ich erst nochmal raus, ich war noch zu frьh dran und mein Bett war noch belegt. Also bin ich einfach mal auf blau ins blaue, mit dem Wissen dass ich mit der Metro immer irgendwie wieder zurьck bringen kann habe ich mich um den Rьckweg nicht wirklich gekьmmert. Es hat sogar ganz gut funktioniert, bin durch einen Park geschlendert, hab nen Kaffee getrunken und das Postamt gefunden. Ich hab sogar, unerwarteter Weise den Weg zurьck zuj Fuss geschafft, allerdings war das ein wenig komisch: Schon die erste halbe Stunde, nachdem ich los bin, werde ich von nem Russen (schwaze Schuhe, schwarze Hose, schwarzer Rollkragen, schwarze Jacke und schwarze Strickmьtze. Einen Kopf kleiner wie ich, aber dafьr auch einen Kopf breiter) angesprochen. Zuerst auf russisch. Als das irgendwie nicht funktioniert hat, hat er mir zu verstehen gegeben, dass er gerne ne Zigarette hдtte. Gutmьtig wie ich nunmal bin, hat er die auch bekommen und ist weitergetrottet. Auf dem Rьckweg dachte ich, dass ich Ihn nochmal irgendwo gesehen hдtte, hab aber nicht weiter darьber nachgedacht und hab mich von nem „Free WiFi“-Schild zu nem weigteren Kaffee ьberreden lassen. Als ich da dann aufgestanden bin, ist mir ganz hektisch einer mit ner schwarzen Mьtze hinterher. Auch da habe ich noch nichts gedacht, und habe vor dem Laden am Aschenbecher eine geraucht. Da kommt mein Zigaretten-Freund wieder daher, und versucht es erneut auf russisch. Ich muss ihn leicht schrдg anlдcheln, und frag ihn, ob er denn nochmal ne Zigarette haben mцchte.

Wollte er aber nicht. Stattdessen lief er in den nдchsten Innenhof und ist da blцd herumgegammelt, bis ich weiterging. Da ist mir dann erstg so wirklich aufgefallen, dass der mir schon wieder hinterherlдuft…

Die Gegend um mein Hostel ist irgendwie schrдg. Nicht nur wegen meinem Zigaretten-Freund. Ich versteh ja keines der Schilder wirklich, aber die roten Herzchen sind doch irgendwie verdдchtig. Es gibt ums Eck auch eines der ganz wenigen, fьr mich lesbaren Schilder: „Gentlemens Lounge – Strip Club „. Irgendwie trau ich mich jetzt hier noch nicht mal mehr den Versuch zu starten, auf gut Glьck n nettes Cafe zu finden. Immerhin kцnnte da (auf russisch) ganz gross alles mцgliche drauf stehen, und ich wьrds nicht erkennen. Find ich irgendwie gefдhrlich.

Ich bin dann jedenfalls, um nochmal auf meinen Schatten zurьck zu kommen, erst mal zurьck ins Hostel, hab mein Bett bezogen und ordentlich geschlafen. Achtbettzimmer sind doch irgendwie gar nicht ganz so schlimm wie es sich anhцrt. Die die da sind, schlafen. Von den anderen sieht man wenig. Das Personal hier spricht sogar echgt gut englisch (eine absolute Seltenheit in Moskau, mit jemandem sprechen zu kцnnen, wie ich heutge schon fetstellen musste…) und sind ziemlich ungestresst und freundlich. Ganz schlimm, aber momentan gefдllt es mir hier drin um lдngen besser als vor der Tьr =)

Nichts desto trotz, morgen habe ich die Tourie-Standard-Tour angedacht: Kreml, roter Platz und was so drum herum liegt. Vielleicht sprechen da dann auch ein paar mehr Leugte englisch… =D

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