Okay, in Moskau ist so einiges anderster…

 

Heute frueh gings gegen halb zehn, wie geplant, gen rotem Platz und so… Ich hatte mir das so vorgestellt, wie Touristenattraktionen so ziemlich ueberall auf der Welt aussehen: Viel Rummel, Unmengen an Touristen, fotografierende Chinesen und Ramschverkдufer, so weit das Auge reicht. Gut, das war einfach weit daneben. Viel Rummel gabs nicht, zumindest mal nicht mehr als in Ulm auf dem Mьnsterplatz, eben halt auf eine groessere Flaeche verteilt. Touristen relativ ja, aber die meisten sind jetzt nicht durch unrussisch klingende Sprachen aufgefallen. Chinesen? Fehlanzeige. Wenigstens ein paar Ramschverkaeufer gabs, wenn man danach gesucht hat. Hier und da, versteckt unter Mauerecken und so. Ansonsten besticht der rote Platz durch ein Luxus-Kaufhaus, viel „Versace“, „Boss“, „Ralph Lauren“ und Kollegen. Nein, nicht unter dem Mantel neben der falschen Rolex. So richtig echt und in furchtbar schnieken Shops.

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Damit begann dann mein neuestes Moskau-Abenteuer: Postkarten kaufen. Ich hatte ja die naive Hoffnung an der Touristen-Attraktion „roter Platz“ recht unstressig welche kaeuflich erwerben zu koennen. Aber ausser teurem Luxus-Geroedel gabs da nicht viel. Also mal ums Eck, Ramschverkaeufer fragen. Natuerlich vergeblich. Grund eins: Kommunikation auf englisch gleich null. Grund zwei: soweit ich deren Staende auf den Kopf stellen konnte, gabs sowas da tatsaechlich nicht. Postkarten in Russland sind wohl komplett out und antiquiert. Ich habe mich dann von Fuddel-Wuddel-Zeitschriftenstand zu Gedoehnsratskirchen-Souvienierbuden durchgehangelt und die Hoffnung eigentlich schon aufgegeben, bis ich irgendwo ein englisches Schild entdeckt hatte: „Book store and Souveniers“. Jackpot. Hinterm Kreml, und ich wollte schon umdrehen.

Damit war die Haelfte schon geschafft. Jetzt noch todesmutig n Cafe suchen um Postkarten zu schreiben, und dann noch ne Poststation zu suchen. Ersteres ging recht gut. Na gut, umgerechnet fuenf euro siebzig fьr nen Cappuchino ist jetzt kein Schnaeppchen, aber in Moskau von nem Rasta-Maedel in nem Nobel-Cafe auf englisch bedient zu werden… Das hat definitiv die Postkartensucharie entschaedigt. =)

Die Postamt-Suche an sich war dann schon wieder schwieriger… Ich hab unmengen Leute auf der Strasse angesprochen, aber kein einziger konnte (oder wollte) mir Auskunft geben. Ein wenig Hilfe gab mir dann mein so oft beschumpfener, aber hier ueberlebeswichtiger Reiseratgeber mit dem grossen „L“. Das Postamt war zwar in ner ganz anderen Gegend, aber Metro fahren klappt inzwischen ganz gut. Und pro Fahrt grobe 50 cent sind auch nicht so, dass man sich das nicht leisten koennte.

Ja, so rein kommunikationstechnisch war ich noch nirgendwo, wo es mir so schwer fiel die einfachsten Dinge zu erledigen. Briefmarken kaufen war auch ziemlich spannend. Ich glaube, die nette Frau hinterm Schalter wollte von mir wissen, ob ich die per Luftpost versenden will. Wir konnten uns aber nichtmal gestikulierend verstaendigen, also fing sie irgendwann an zu lachen, und pinselt kraeftig Kleister auf die Postkarten und klebt unmengen an Briefmarken drauf. Erst ueber der Adresse, und als dann bei manchen der Platz ausging auch noch unter der Adresse. Ich musste die Karten dann wieder mitnehmen und irgendwo einwerfen. Doof nur, dass es da unterschiedliche Kisten gab. Freundliches nachfragen und erst-auf-die-Postkatern-zeigen-und-dann-ueber-die-verschiednen-Kisten-deuten bei einem Security-Mann half auch nicht, mich irgendwie verstaendlich zu machen und Hilfe zu bekommen. Vielleicht habe ich jetzt die Postkarten in den Kasten fьr Beschwerden und Verbesserungswuensche gesteckt… Ich weiss es nicht. Man mag mir bitte verzeihen, wenn sie nie ankommen werden =)

Nein, ich mag jetzt nicht nur meckern. Eigentlich ist es schon ziemlich spannend alles. Ich habe zwar null Privatspaere, so mit Achtbettzimmer und so, mich mit jemandem zu verstaendigen klappt aber trotzdem (meistens) nicht. Das ist n ziemlich komisches, hilfloses Gefuehl =)

Die Hostel-Rezeptionsfrau habe ich heute interviewt. Zum einen habe ich verlaengert, innerhalb von Moskau nochmal umzuziehen macht irgendwie wenig Sinn. Entweder teuer wie Sau, fuerchterlich weit ausserhalb der Stadt oder eben doch wieder Mehrbettzimmer. Und ehrlich? Angenehmer als hier koennen Mehrbettgeschichten wohl kaum sein. Alle schrecklich freundlich, Internet umsonst, Wohnzimmergammeln bei lesen oder russisch Fernsehen rund um die Uhr und Kaffee und Tee soviel man mag fuer umme. Jedenfalls soll das mit dem mangelnden Passport-stempeln zwischen Belarus und Russland vollkommen normal sein. „Oh, thats okay. Is like same…“ Na dann, hab ich eine Sorge weniger =) Weil wir gerade beim Thema sind, fuer die allgemeine Vorstellungskraft…. DAS ist mein zuhause, zur Zeit. (Das Bett vorne links unten, mit dem blauen Handtuch, und der rosanen Bettwaechse =D)

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Ansonsten war mein Tag heute wenig spannend. Viel auf den Beinen in irgendwelchen Verkehrsverstopften Strassen, zigmal verlaufen und immer wieder von der Metro gerettet. Es ist heute ziemlich warm, sensationelle zwei Grad ueber Null hat mir heute schon ein Thermometer erzaehlt. Und zweitweise schien sogar die Sonne =) selbst die Russen scheinen jetzt noch wenig Lust auf Schnee zu haben. Ziemlich oft habe ich heute schon beobachtet, wie Schnee auf LKWs verladen und abtransportiert wird =)

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Was mir allerdings immer mehr wieder in Kopf kommt, sind diese russischen Romane, die ich iiirgendwann vor ganz langer Zeit gelesen habe. Waechter der Nacht, die keiner kennt und sich seit ewiglangen Zeiten mit irgendwelchen Waechtern des Lichts bekriegen, abtauchen in irgendwelche Zwielichten und so… (um mal nur einen davon zu nennen…) All das scheint in Moskau schon irgendwie… wie soll ich sagen… plausibler als daheim =D Vorallem bei Nacht fallen einem hier bestimmt so einige wirren geschichten ein, wenn man nur lange genug danach sucht… =D

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