inzwischen bin ich wohl Moskau-muede.

 

Der Tag fing heute reichlich frueh und unprickelnd an, nachdem ich die Nacht kaum geschlafen hatte. Eigentlich hatte ich gedacht, so Achbettzimmer haben ihren Schrecken fuer mich vedrloren. Gestern Abend ist er allerdings erst so recht hier eingezogen, in Form eines Amerikaners. Nein, das Problem war nicht seine Herkunft, sondern vielmehr die Geraeuschkulisse die er beim schlafen erzeugt hat. In einem Bett hats geschnarcht, und in sieben haben sich ziemlich muede und leich gestresste Leute hin- und her gewдlzt.

Eins meiner Ziele heute: Die Arbat-Strasse. Soll laut dem grossen L ziemlich belebt und touristisch angehaucht sein. Pustekuchen. Ich glaube es ist irgendwie halt immernoch Winter, so ein klitzeklein wenig. Dafьr habe ich heute, auf dem Weg am Kreml vorbei, Chinesen getroffen. Die habens richtig gemacht: allinclusive-Programm mit Guide in Muttersprache. Naja, vielleicht gebrochene Muttersprache (bei Chinesisch kann ich das nicht wirklich beurteilen), aber zumindest scheinen die den verstanden zu haben.

Schon verrueckt, normalerweise bin ich der, der vor Touristenhorden fluechtet. Heute waere ich schon froh um zwei biertrinkende Englaender die sich andauernd in die Haare kriegen weil einer von beiden kein Geld hat, hauptsache nicht ganz so alleine.

55837_originalNoch so eine Erkenntinss zum Thema: ueber die haelfte der Gaeste hier im Hostel sind auch russisch, auf Besuch oder was auch immer in der Hauptstadt. Ausser mit dem Laptop im Bett zu liegen und schmatzend Cheesburger zu futten kennen die alle keine Beschaeftigung, befuerchte ich. Ziemlich duenn hier alles.

Moskau kann sicherlich schoen sein. Dazu sollte man aber entweder nicht allein sein, russisch sprechen und nicht „nur fuer die Durchreise in irgendein FuddelWuddel-Suedostasien-Land“ ausgeruestet sein. Am besten mehrere Dinge davon gleichzeitig. Krank, unausgeschlafen und alleine mag ich es fuer heute eher nicht. Wobei: man soll die kleinen Erfolge feiern:

Ich habe beschlossen, mich fuer fuenf Tage Zugfahrt ein wenig besser zu ruesten als bis nach Moskau. So fuer den schlimmsten Notfall und so. Nachdem es unbegrenzt abgekochtes Wasser im Zug gibt, war der Plan folgender: Tee, Zucker, japanische NoodleSoup, Teller (oder irgendwie was aehnliches) und Kartoffelbrei oder sowas besorgen. Sowas wie Besteck und eine Blechtasse habe ich zum Glueck schon dabei. Der Supermarkt ums Eck hat mir tagtsaechlich bei den einfachen Dingen geholfen, und ich bin jetzt ein riesiger Fan von bebilderten „Gebrauchsanweisungen“ auf instant-food. Die Teller-Geschichte warf schon spannender. Ich habe per Zufall eine Tuer irgendwo im Nigendwo gefunden, vor der offensichtlich Werbung fuer Kochtoepfe hing. Thematisch ja gar nicht sooo weit weg. Also bin ich da spontan mal rein und… stand mitten in nem Zeitschriften-und Zigarettenladen. Einmal umgedreht, wars n Spirituosenladen. Hinten ums Eck kam dann ne Kuehltheke fuer Fleisch, dann eine fuer Wurst, danach noch je eine fuer Kaese und eingelegtes Zeug, das genauer zu definieren mir irgendwie nicht moeglich war. Isgt man den langen Gang mit den vielen Kuehltheken gefolgt, steht man vor einer Tuer ins benachbarte FastFood-Restaurant. Flasch, hier gibts erstmal wohl keine Haushaltswaren. Also den Kuehlthekenganz zurueck, einmal duirch die Spirituosenabteiliung geschlaengelt und zurьck zum Zeitschriften-und Zigarettenladen entdecke ich noch eine Wendeltreppe. Ganz frech steig ich da hoch und steh… man glaubt es kaum… mitten in nem Schuhladen. Weil ich jetzt irgendwie schon vermutet habe, dass das nicht NUR ein Schuhladen sein kann, bin ich noch ums Eck, an der Unterwaesche vorbei, rechts abgebogen und finde tatsaechlich einen Haushaltswarenladen. Ja, ich bin sogar fuendig geworden =) Ich nenne die jetzt zwar die einzelnen Abteilungen alle „Laden“, weil die alle ne eigene Verkaufsfrau und so haben, aber Abtrennungen, Tueren oder so gibts dazwischen nicht. Ziemlich spannend alles. Ja, ich hab mein Ziel erreicht. Eingekauft. Und fast nur nen halben Tag gebraucht. Ich werde immer besser =D

56076_originalOkay, und fuers allgemeinge Erfolgserlebniss, noch meine neuesten russisch-Erfolge:

„Банк“ ist generell ziemlich ungefaehrlich, kann man bedenkenlos rein und braucht keine Angst vor schraegen Abzocken zu haben, vorrausgestzt man benutz nur den „Банкомат“.

Na? =) jepp, die Bank. Manchmal steht da, wie an anderer Stelle drauf „24 Часа“ was wieder ziemlich einfach ist: 24h geoeffnet. Oh, auch keine Angst braucht man vor Laeden mit nem „Кафе“ Schild haben. Bisher hat sich das immer als harmloses Cafe herausgestellt. Und, fuer mich uninteressant, aber hat sich irgendwie eingepraegt: „Таксофон“ steht immer auf Telefonzellen.

Apropos Telefonzellen: DixiKlos gibts hier in Viererreihen als oeffentliche Toiletten. Wobei man aufpassen muss: das ganz links ist immerimmer besetzt. Da sitzt die Klofrau drin und liest Zeitung =)

Wie auch immer, wie sich diese Buchstaben sprechen weiss ich nicht, aber lesen kann ichs inzwischen wenigstens. Und mir merken =D Oh, ein Name erkenn ich inzwischen auch einer Liste mit allenallen Metrostationen in Moskau zuverlaessig: „Кита́й-го́род“. Da muss ich hin, wenn ich mich mal wieder verlaufen hab =D

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