Sonntag.

 

Ja, heute ist Sonntag. Ich habe ausnahmsweise mal echt darauf geachtet, aber so wirklichwirklich haette ich das nicht gemusst. Es warf eigentlich alles, wie ich es kannte und vor verschlossenen Tueren bin ich nirgens gestanden. Eigentlich waere das heute eine super Ausrede gewesen. Eine Ausrede fuer ich-weiss-nicht-so-recht-was-ich-heute-tun-soll-in-Moskau. So war ich gezwungen, ausredenfrei mir meine Langeweile einzugestehen oder mir ne Ablenkung zu suchen.
58295_originalAblenkung war dann das Stichwort heute Vormittag. Ablenkung, unverbindlicher Zeitverteib… Zurueck zum Flohmarkt. Der bot aber auch mal sowas von garnichts anderes als gestern, dass er fuer keine halbe Stunde allgemeine Zerstreung gut war. Naechste Idee: das Buch mit dem L hat von nem spannenden Markt fuer Obst, Fisch und Fleisch berichtet, auf dessen Suche ich mich neulich mal so verirrt habe, dass ich das eigentliche Ziel irgendwann vergessen habe. Also das allwissende Notizbuch ausgepackt und noch nen zweiten Anlauf gestartet. Einen erfolgreichen, dieses mal. Und ploetzlich war ich auf einem Markt. Wahnsinn. Meine Begeisterung ist beinahe uebergekocht. Ein Markt. Indische, marrokanische oder burmesische Maerkte sind ja fuer allerhand Gefuehsl- und Ekelachterbahnen fuer westliche Gemueter und Maegen jederzeit zu haben, aber der hier… Nein, Obst hatte ich noch genug. Been there, done that. Und weiter =)

57900_originalSo ging fast der ganze Tag herum. Ich habe die zweite Zehner-Metro-Karte schon am Morgen aufgebraucht (die dritte werde ich auch noch loswerden) und bin quer durch die Stadt getingelt. Mein fuenfter Tag Moskau heute. Diese Erkenntniss kam mir irgendwann in der Linie drei zwischen auesseren Ring und Kreml. Fuenf Tage. Habe ich es jemals schon fuenf Tage an einem Ort ausgehalten, ohne weiterzuziehen? Ich glaube auf Koh Pangan war ich fuenf Tage. Aber sonst faellt mir spontan nichts ein. Als ich so drueber nachgedacht und die mir gegenuebersitzenden Leute beobachtet habe, fiel mir irgendwie auf, dass das Gefuehl ein ganz anderes geworden ist. Das sind nicht mehr die potentiell boesen Russen, die mit mir da sitzen. Es ist komisch, denn es gibt wenig Schnittpunkte zwischen „denen“ und „mir“, schon aus rein sprachlichen Gruenden. Ich kann mich nicht beschweren, nie angesprochen worden zu sein. Aber ich musste jedes mal in ein langes Gesischt schauen, wenn ich mit nem entschuldigenden lдcheln gefragt habe „sorry, i dont speak russian… Do you speak englisch, or maybe german?“. Damit war jegliche weitere Kommunikation bisher abpurpt beendet. Aber trotz alle dem, es ist immerhin ein angenehmes nebeneinander geworden. Ich kann leben, essen, mich bewegen und fuehl mich irgendwie sogar ziemlich wohl hier. Und ich bilde mir auch ein, nicht sonderlich aufzufallen. Vielleicht bin ich n komischer Typ aus irgendnem entfernten russischen Randgebiet, aber kein Auslaender. Das gefaellt mir sehr.

57704_originalDa heute irgendwie der Tag zum „Tag der Suche nach den nie gefundenen Zielen“ wurde, fiel mir so gegen halb fuenf sogar noch zum Glueck „Arbat“ ein. Moskaus erste Fussgaengerzone, fuer Moskauer Kult und fuer Touristen erste Wahl beim Souvenirkauf. Ich habe mal danach gesucht, an meinem Moskau-mueden Tag, habe es nicht gefunden und mit damals nicht mehr Infos als dem reinen Strassennamen im Kopf beschlossen, dass es schon nicht sooo prickelnd sein wird. Als ich heute dann tatsaechlich dort ankam, war allgemeine Zusammenrauem- und Abschliessphase. Einige Horden betrunkener Russkies haben dort vermutlich St.PatricksDay gefeiert. Mit vielen Irischen Faehnchen in den Haaren, viel gruener Kleidung, Kleeblaettern und gruenen Baendern sind die einen „what shell we do with the drunken sailor“-singend durch die Fussgaengezone marschiert, waehrend andere Gitarre spielend irgendwechle russischen Lieder zum besten gegeben haben. Alles in allem ne ziemlich spassig entspannte Stimmung, hat mich doch auch noch ne ganze Weile festgehalten, obwohl -wie koennts auch anders sein- es mal wieder ein sparchliches „die anderen“ und „ich“ war.

Zumindest hab ich jetzt nen Plan fuer morgen: Arbat zu normaler Tageszeit.

 

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