the transsiberian adventure, part II

 

Heute (ich glaube am dritten Tag seit Abfahrt?) wirds so langsam echt spannend. Die allgemeine Kommunikationsfreudigkeit und Beschaeftigungsambition ist bei uns einem durchgaengigem dahinvegetieren gewichen. Alle liegen den ganzen Tag nur noch in ihren Kojen, die Buecher liegen ungelesen herum, gesprochen wurde genug und der chinesische Zugbegleiter wird von Stunde zu Stunde ebenfalls unfreundlicher (und das, obwohl wir China quasi laufdend naeher kommen). Die Akkus der mp3-Player und Laptops sind alle leer, und so gut wie keines der dazu gehoerenden Ladegeraet will sich an den merkwuerdigen Schuko-Steckdosen des Waggons mit 48V DC betreiben lassen. Die einzige erkenntliche Bewegung im Zug ist der beinahe zyklische Gang zum Wasserboiler zwecks Teewasser oder Tuetensuppe, und natuerlich nicht zu vergessen: die zwei bis drei zwanzigminuetigen Stopps an Bahnhoefen waehrend der Tageszeit, auf deren die mobilen Verkaufsstaendchen fuer alles moegliche von Wasser ueber Brot und Zigaretten bis hin zum offenen, getrockneten Fisch mit ihren vielen (sibirisch relativ) bunten Farben eindeutig etwas Alternative zum grauen Zugalltag darstellen.
Allgemein sind inzwischen wohl alle dem Tagesmodell „immer mal wieder zwei Stunden schlafen, dazwischen die Decke anstarren und Nachts nicht schlafen koennen“ verfallen. Ich nehme an, dass die Zeit-verschiebungs-Geschichte ihren Teil dazu beitraegt. Es ist schon dunkel draussen. Nach der gewohnten Moskau-Zeit waers jetzt viertel nach drei am Nachmittag (zuhause sogar nur viertel nach eins), lokal gerechnet ist es hoechst wahrscheintlich gerade viertel nach sieben. Genug Zeitspanne fuer eine ordentliche Verwirrung. Ich vermute das wirklich gemeine an diesem „Jetlag“, wenn man es denn so nennen kann, ist nicht wie sonst beim fliegen ueblich die ploetzliche Verschiebung der Tageszeiten um ein paar Stunden, auf die man sich irgendwie neu synchronisieren und daran gewoehnen muss, sondern die Tatsache dass schon seit Moskau (und strenggenommen auch schon auf dem Weg von Basel nach Moskau) ein Tag im Zug eben faktisch nur knapp 23 statt 24 Stunden hat. Das bringt mich inzwischen ganz ordentlich aus dem Tritt. Ich bin fast irgendwie froh, die Gegenrichtung mit 25-Stunden-Tagen nicht testen zu muessen =)
Ansonsten halten sich die Neuigkeiten vor dem Fenster in ueberschaubaren Grenzen: Immernoch Kilometerweit nichts als Schnee und Birken. Hier und da mal eine Ansammlung kleiner Haeuser in mitten von so absolut rein gar nichts, zugefrorene Fluesse und hin- und wieder eine etwas groessere Stadt. Gut, heute hat die Schneemenge vor dem Fenster definitiv abgenommen, die Sonne hat geschienen und es war definitiv waermer. Draussen im Freien genau so wie hier drin im Zug bei angenehmen 26Grad statt den bisherigen 18Grad. Soweit bin ich schon mal ganz gluecklich. Wenn ich richtig liege, sind es noch zwei Naechte und ein Tag bis Ulan Bator. Das sollte irgendwie zu schaffen sein =)

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