‚ulaaaanbattaaaaaaar, ‚ulaaaanbattaaaaaaar!

 

Gestern Vormittag, nein, eigentlich nicht Vormittag sondern noch so fast mitten in der Nacht werde ich unsanft vom chineischen Zugbegleiter aus dem Schlaf gerissen. „‚ulaaaanbattaaaaaaar, ‚ulaaaanbattaaaaaaar!!!“ rief er ganz ausser sich. Ich war ihm ziemlich dankbar. Die innere Uhr noch nicht wirklich richtig geeicht und alles was als Wecker dienen koennte ohne geladene Batterie war das meine einzige Chance, meinen Ausstieg nicht komplett zu verschlafen.
Noch zur haelfte in irgendwelchen Traeumen verfangen, stelle ich entsetzt fest dass der Zug bereits steht! Der Stopp dauert laut Plan wohl 45 Minuten, aber wer weiss schon so genau wie lange wir schon stehen? Hektik bricht aus. Anziehen, Rucksack hervorkramen, alles irgendwie hineinpressen was mir gehoert, die Bettwaesche zusammenraeumen und abgeben, moeglichts nichts von meinem Kram vergessen und liegen lassen, alle Winkel nochmals aufgeregt mit der Taschenlampe durchsuchen…
Und ploetzlich faehrt der Zug wieder an. Nicht nur einen kleinen Ruck, so richtig mit Vollgas voraus und so. Ich hechte foermlich den Waggongang entlang, denke daran dass man in Indien jetzt wenigstens noch abspringen koennte, hier aber leider recht wirksam Tueren am Waggon den Weg nach draussen versperren. Voellig aufgebracht starre ich vorne, fast am Ausgang angekommen, leicht entsetzt aus dem ersten Fenster mit offenem Vorhang: Das sieht nicht nach Ulan Bator aus. Das sieht so ziemlich nach Niemandsland aus! Ein Blick auf die Uhr der Kamera verraet mir dann auch: es ist noch ueber ne halbe Stunde Zeit. Das war nur ein kleiner Zwischenstopp im Nirgendwo. Sehr gut. ich habe noch Zeit. Die Chance, mich von Franck und Aurelie zu verabschieden, nochmals zu scheuen ob ich auch wirklich nichts liegen lassen habe und in Ruhe einen Tee zu trinken.
Dann endlich angekommen und ausgestiegen, habe ich mich zugegebenermassen schon ein klein wenig ueber die Aufmerksamkeit gefreut. „You need a Guesthouse?“ oder „Taxi?“ zu hoeren hat doch einfach etwas von Urlaub. Auch wenn ich alle Angebote dankend abgelehnt habe, ich habe mich ein klein wenig darueber gefreut und mich zu Fuss die 20 Minuten in die Innenstadt aufgemacht. Es war sehr frueh am Morgen, und Ulan Bator hat eindeutig noch geschlafen. Die Strassen waren leer, die Laeden alle geschlossen, es war bitterkalt und – so nebenbei – Sonntag. Die Suche nach dem Guesthouse war demnach ziemlich einfach: das Orakel in Buchform mit dem „L“ mit meinen Anforderungen gefuettert: Dusche, n Bett, ne Tuer, Privatsphaere, Einzelzimmer, so guenstig wie geht. Gut, dass es die allerguenstigste Option in Ulan Bator ist, ist kategorisch auszuschliessen, denn sonst wuerde es das Buch mit dem „L“ wohl nich kennen. Aber wie auch immer, ich bin genau dort wo es mir das Buch vorgeschlagen hat hin, habe in nem (wie so oft) siffigien Treppenhaus mit allerhand Muell das richtige Stockwerk gesucht und den Guesthouseaufpasser aus dem Bett geklopft. Der hat sich ueber Kundschaft gefreut, ich mich ueber Dusche und Bett und so sind wir uns ziemlich schnell handelseinig geworden. Man muss es ja nicht immer schwieriger machen, als es ist =)
In der Tat war es erstmal komisch, dass das Bett nicht geschaukelt hat. Im Zug ist mir das gar nicht mehr bewusst aufgefallen, aber in Ulan Bator hat mir dann doch erstmal was gefehlt. Aber das nur ganz am Rande. Ich habe erstmal ausgiebig geduscht (und es mal sowas on genossen. Ich glaube es war ganz gut, dass meine Nase seit Moskau nicht mehr so richtig funktioniert hat. Fuenf Tage Koerperpflege auf einem Zug-Klo sind lange nicht so prickelnd wie ne entspannte heisse Dusche) und dann ausgiebig geschlafen. Ich habe den Tag gestern erstmal gebraucht, in der richtigen Zeitzone anzukommen. Ausser Geld kaufen und was zu essen besorgen war da echt nicht viel los. Heute konnte ich mich dann ein wenig mit der Stadt beschaeftigen. Kilometerweises laufen und mich umschauen. So ganz allgeimein betrachtet wuerd ich es vorerst als nicht arg schoen, aber ziemlich symphatisch zusammenfassen. Die ersten Erkenntnisse: Es ist noch offiziell Winter-Nebensaison. Es wird draussen zwar tagsueber bei strahlendem Sonnenschein schon relativ warm, aber ohne Jacke geh ich noch nicht raus. Die Hauptsaison geht erst Mitte Mai los. Ab da haben die Museen dann nicht nur drei Tage die Woche geoffnet. Und noch viel wichtiger, ab da kann man auch als alleinreisender auf Touren ins mongolische Nirvana, also Steppe oder Wueste hoffen. Derzeit ist das zwar theoretisch moeglich, aber dann starten die nen Jeep mit Proviant, Dolmetscher, Fahrer und sonstigem Krimskrams nur fuer mich allein, und das ist schlicht unbezahlbar. Fuer nen einwoechigen Trip rufen die schon vierstellige Dollarbetraege auf. Ab Mai oder besser noch Juni gibts wohl „Sammelmoeglichkeiten“, weil bis dahin mehr alleinreisende auf Mitdahrgelegenheiten hoffen. Ich habe die Suche inzwischen schon aufgeben muessen. Es waere zwar moeglich mit Zelt, Schlafsack, Kompas, viel Proviant und nem Fahrrad bzw. nem Bus oder so alleine aufzubrechen, aber erstens hab ich das alles nicht bei, und zweitens ist mir das so ganzganz alleine doch auch nicht so geheuer. Also werde ich noch bis mindestens Donnerstag Ulan Bator durchforsten (frueher faehrt sowieso kein Zug gen Peking) und mir die Stadt noch naeher anschauen. Mit dem Gedanken kann ich mich durchaus anfreunden. Ich kann derzeit kaum erwarten, in Fishermen und FlipFlops unterwegs sein zu koennen. Also ab in Sueden. Die Mongolei ist (derzeit) sowieso zu kalt =)

 

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Herein in die gute Stube! Sensationell ist vorallem das mechanische Codeschloss am Eingang, wie auf der Tafel links neben der Tuer beschrieben: „Door code ist: two, three & zero. press all at the same time then pull“ =)

 

Werauchimmer. Als Statue. Vor derm Gerierungsgebaeude.

Werauchimmer. Als Statue. Vor derm Gerierungsgebaeude.

hier drin wird die Mongolei regiert.

hier drin wird die Mongolei regiert.

 

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Mein Lieblingsplaetzchen derzeit in Ulan Bator: Gadan Khiid, das groesste Buddhistische Kloster in Ulan Bator.

Nochmal Gadan Khiid. Der dreizehnte Dalai Lama hat hier ein paar Jahre gewohnt, nachdem er aus Lhasa geflohen ist. War mir irgendwie auch neu.

Nochmal Gadan Khiid. Der dreizehnte Dalai Lama hat hier ein paar Jahre gewohnt, nachdem er aus Lhasa geflohen ist. War mir irgendwie auch neu.

 

 

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