VIP Room & Bar

 

Donnerstag ist es soweit. Ich habe mein Tagesziel fuer heute naemlich erreicht und ein Zugticket nach Peking erstanden. Ich bin an den Bahnhof gelaufen, habe das Bahnhofsgebaeude gestuermt und… erstmal festgestellt: da gibts gar keine Ticketschalter! Also wieder raus, einmal links und einmal rechts geschaut um dann festzustellen, dass es da noch ein Gebaeude mit dem gleichen Logo gibt, aus dem ganz viele Leute herauskommen bzw. hineingehen. Sieht gut aus. Kurzerhand unauffaelleig in die Menge gemischt und mit dem Strom geschwommen fand ich mich vor ner ganzen Reihe Ticketschalter wieder. Und weil ich immer neugierig bin, war ich auch noch im ersten und zweiten Stock. Im zweiten gibts nur Bueros, aber im ersten dafuer einen einzelnen Schalter, an dem etwas in englischer Sprache stand. Der Rest des ganzen Hauses war sonst ausnahmslos in kyrillischen Schriftzeichen beschriftet, so rein zur Erhoehung meines persoenlichen Abenteuerfaktors nehm ich an =D
Ich hab mich brav angestellt, hab gewartet und dann feststellen muessen, dass die Frau hinter dem englisch beschrifteten Schalter kein Englisch spricht. Nach ein wenig hin- und her, und nachdem ich zu ner anderen Frau an einem nicht-Ticket-Schalter verwiesen wurde, fiel mir mein Quasi-Fehler dann auch auf: Hier in diesem Haus gibts nur Busfahrkarten. Knapp daneben, aber voll vorbei… Die liebe Frau von einem der Resieveranstalter-Staenden hat mir am Fenster dann freundlicherweise gezeigt, wo es Zugtickets nach Peking gibt: einmal ueber die Strasse, dann links und irgendwo da rechts drin. Mit dieser (fuer mich sehr wertvollen) Info bin ich dann auch tatsaechlich da gelandet, wo es Zugtickets ins Ausland gibt. Sehrsehr schoen. Und ich konnte sogar slle Schilder dank zweisprachiger Beschriftung lesen. Ich war nahezu begeistert. Ich habe direkt erkannt, dass es fuer jedes Ziel nen eigenen Raum gibt (ausser China und Russland gibts ja nichts =) ), habe den richtigen auch gleich gefunden und am „Beijing“-Schalter gewartet, bis die arme Frau ihren ganzen Buerokram erledigen hatte bevor sie sich um mich kuemmern konnte (ich habe so round about ne gefuehlte halbe Stunde gewartet und Ihr beim stempeln und einsortieren von irgendwelchen blanko-Formularboegen zugesehen. Zwischendrin musste sie dann sogar nochmal weg, ein neues Stempelkissen holen. Ist gut zu wissen dass es auch in der Mongolei das klischeetaugliche Beamtentum gibt). Nachdem sie dann auskunftsfreudig war, gabs die erfreulichen Infos: Donnerstag faehrt ein Zug. Sieben Uhr in der Frueh. Kostet 131.050 Tugrig. Dollar mag sie nicht. Lokale Waehrung bitte.
66041_originalOoookay, los zum naechsten Geldwechsler, mehr Tugrig besorgen. Tugrig sind im uebrigen toll. Ein Euro sind grob 1.700 Turig. Der groesste Schein ist 20.000 Tugrig wert (keine 12 Euro). Der kleinste 20 Tugrig (etwas mehr als einen Cent). Das bedeutet in der praktischen Konsequenz, dass man zwar vielleicht kein Geld hat, aber trotzdem ein dickes Buendel Scheine in der Tasche. Ich mag sowas.
Mit meinem dicken Buendel Tugrig bin ich dann zurueck, war schon ganz froh gleich ne Fahrkarte zu haben, und… erfahre von grob sieben gemeinsam hinter der Theke Nudeln essender Ticketverkaufsfrauen, dass sie jetzt „Lunch Time“ haben, und ich spaeter wieder kommen soll. Nicht, dass die Oeffnungszeiten sowas vorsehen wuerden, die beahupten ganz ausdreucklich was von durchgehend geoeffnet, aber wenn die Damen entscheiden, „zu Tisch“ zu sein, oder Formulare stempeln zu muessen, dann ist das eben so. Ich habe dann einfach auf einem der Wartebaenkchen Platz genommen und gewartet. Was sollte ich denn sonst auch tun?
Es hat sogar nur grob zehn Minuten gedauert, bis eine der Damen dann mit Essen fertig war, an mir vorbeilief und mich hinterhergewunken hat. Ich war etwas irritiert, im Richtigen Raum bei den richtigen Schaltern war ich doch eigentlich schon. Sie wollte aber, dass ich mit ihr mitkomm… also, besser keine Widerrede, ihr am Moskau-Schalterraum vorbei hinterher, ums Eck, die Treppe hoch, den Flur entlang, beim „Directors Office“ noch einmal rechts und ich stand mit Ihr in einem Raum, der mal gar nichts mehr mit der Wartehallenatmosphaere vom Erdgeschoss zu tun hatte. Teppichboden statt Fliesen, schwere Vorhaenge statt Gitter an den Fenstern, statt den Belchsitzbaenken stilvoll gepolsterte Sessel. In der Mitte ein Mords-Schreibtisch aus hochglanzpoliertem Holz statt der Schalter mit kleiner Durchreiche in einer grossen Glasfront, an der Wand schoene Bilder und fuenf Uhren die verschiedene Zeitzonen anzeigen statt unmengen an riesigen kyrillischen Informationstafeln. Der Kracher war allerdings die grosse Fluegeltuer, die in den Nebenraum offenstand: im gleichen Stil eingerichtet gabs dort zwar keinen Schreibtisch, dafuer aber eine komplette Bar mitsamt Barhockern und Barkeeperin. Ich war gaaanz leicht perplex, hab in einem der Sessel platz genommen und war innerhalb von fuenf Minuten stolzer Inhaber eines Tickets. Ich war begeistert. Auf dem Weg nach draussen habe ich nochmal vor der Tafel mit der Raumuebersicht halt gemacht und ziemlich breit grinsen muessen: „VIP Room & Bar“ stand da doch tatsaechlich auf der Liste fuer den ersten Stock. Direkt unterhalb vom „Directors Office“. Nachdem ich alles in allem fast nen halben Tag fuer das eine Ticket gebraucht habe, fand ich das allerdings fast als angemessen =D
Allgemein ist mir schon oefter aufgefallen, dass die Mongolen insgeheim schon irgendwie auf ne Zweiklassen-Gesellschaft zu stehen scheinen. Fast ueberall gibt es die „VIP“-Geschichte: schon das Bahnhofshotel hat einen VIP-Eingang ums Eck. Jedes Lokal, egal ob Cafe, Restaurant oder Bar wirbt mit einem VIP-Raum, wenn es etwas auf sich haelt. Sogar die Post hat nen separaten VIP-Kundenbereich (von dem durfte ich meine Postkarten aber nicht versenden =D). Hier VIPts irgendwie ueberall.
Okay, aber zurueck zum Plan: das bedeutet ich werde Donnerstag (hoffentlich) ganz ganz frueh am Bahnhof stehen und in den „K24“ steigen. Klingt ziemlich unangenehm, aber es soll sich hierbei wohl wirklich um einen Zug handeln. Einen, der mich auf der transmongolischen Route in larifari-noch-nicht-mal-eineinhalb-Tage nach Peking bringt. Liegewagen und so. Sehr fein.

 

Achso: gestern ist mir ein boeser Fehler passiert. Das hier ist NICHT Chinggis Khaan:

Achso: gestern ist mir ein boeser Fehler passiert. Das hier ist NICHT Chinggis Khaan:

Also, DAS hier ist er, in der Mitte.

Also, DAS hier ist er, in der Mitte.

wie peinlich… Man moege mir verzeihen =)

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