ich will wieder Zugfahren!

 

Wie gut, dass morgen Donnerstag ist. Nicht, dass es mir hier nicht gefallen wuerde, aber ich weiss mich nicht mehr so wirklich zu beschaeftigen. Wenn man in Ulan Bator erstmal beinahe todesmutig gelernt hat, eine Strasse oder Kreuzung zu ueberqueren und man somit innerhalb der Stadt mobil ist, liegt alles interessante in nem groben maximal-eine-Stunde-Radius. Ulan Bator hat bisher wirklich den fuer Fussgaenger schrecklichsten Verkehr, den ich jemals gesehen habe. Es gibt zwar an Kreuzungen Fussgaengerampeln, aber wenn man, naiv und neu in der Stadt, auf die Idee kommt zu warten bis die gruen zeigt, erlebt man nur jedes mal eine kleine Enttaeuschung: es fahren einem nach wie vor gleich viele Autos quer direkt vor der Nase vorbei. Zebrastreifen hab ich auch schon gesehen, aber die sind die Farbe nicht wert, mit der sie auf den Boden gepinselt wurden. Die Kunst in Ulan Bator besteht nach ausgiebiger Beobachtung der lokalen Gebraeuchlichkeiten wohl darin sich quer durch den (zur Not auch gern mal dreispurig je Fahrtrichtung) fliessenden Verkehr zu schlaengeln. Timing ist hier schlicht alles, denn das Ziel scheint der Zeitpunkt zu sein zu dem der Verkehr auf der ersten zu ueberquerenden Fahrtrichtung gerade wegen Ampelwechsel oder sonst irgend einem Grund fuer ein paar Sekunden ausbleibt. Dann schnell loslaufen, und wenn das timing so richtig stimmt (sprich: man schon zwanzig Jahre in Ulan Bator taeglich uieber die Strasse geht) kommt man tatsechlich uber die voll befahrenen drei Spuren der zweiten Fahrtrichtung, trotz fliessendem Verkehr, und ohne die eigene Geschwindigkeit zu veraendern. Wirklich beeindruckend.
66378_original66096_originalZurueck zum maximal-eine-Stunde-Radius. Nachdem ich den die letzten Tage schon weitestgehend druchforstet habe, war der Plan fuer heute: Museentag. Zuerst das Museum of Natural History, und danach das National Museum. Ersteres bietet neben einer unendlichen Anzahl ausgestopfter Tiere von ueberall auf der Welt (zumindest das Krokodil war nach den ganzen Muscheln der endgueltige Beweis, dass die das nicht nur auf die mongolische Naturgeschichte gemuenzt haben) die ich persoenlich weder sonderlich informativ noch in der schieren Menge noch irgendwie als „angenehm“ bezeichnen koennte, ein paar echt spannende Dinoskelette aus der Wuest Gobi. DAS fand ich nun wirklich mal beeindruckend. Schliesslich wollte ich schon immer mal Hollywood-Filmlike in ner grossen Halle um ein komplett aufgebautes Dinoskelett laufen. Fotos strengstens verboten, und die haben schwerstens aufgepasst dass das auch eingehalten wird. Schade, haette ich gerne gezeigt. Zweiteres… naja, Museum halt. Informativ, aber wenig spannend. Alles in allem hat mich die Tour doch nur nen knappen halben Tag beschaeftigen koennen. Ich haette es ja eigentlich gleich wissen muessen =)
Alles in allem echt nicht viel los hier, zumindest nicht um die Jahreszeit. Gestern wollte ich auf den Schwarzmarkt (der heisst wohl nur so, wenn man „Naran Tuul“ einfach woertlich uebersetzt. Der liegt sogar leicht ausserhalb, war ne halbe Wanderung bei fast schon sonnig angenehmen 12 Grad, mit dem Ergebniss: hat zu. Kann man sich das vorstellen? Sogar der Schwarzmarkt hat geschlossen =)

Ja, es wird Zeit zu gehen. Morgen gehts nach Peking, und ich bin schon ziemlich nervoes. Ich habe ein wenig in Guidebooks gestoebert, und herausgefunden dass das a) ne mordsmaessig grosse Stadt ist, was nicht ganz so das Problem waere, wenn b) die ganzen Guesthouses nicht so ewig weit verstreut auseinander liegen wuerden. Da gibts mal hier eins, und dann drei Kilometer weiter wieder. Ich weiss noch nicht, wie ich das so ganz spontan geregelt bekomm wenn ich uebermorgen am Bahnhof stehe und nicht weiss wo schlafen. Ich werde wohl telefonieren muessen, und dann erstmal das Gepaeck wegsperren (ich hoffe das geht) und mit kleinem Gepaeck weiter auf die Suche gehen. Oder irgendwie so. Sowas bin ich bisher echt mal noch garnicht gewohnt =) Ich will ne KaoSan aus Bangkok. Oder ein Colaba aus Mumbai. Oder meinetwegen sogar ein NewMarket aus Delhi. Irgendwas wo man zu Fuss als gammliger Backpacker viele guenstige Guesthouses findet. Und Ideen, wohin es weiter gehen koennte. Aber nein, sowas scheint es in Peking nicht zu geben. Ausserdem auch keine billigen Einzelzimmerabsteigen. Also wirds wohl wieder Mehrbettzimmerwohnen werden. Alles in allem scheint das kein einfacher Start fuer China zu werden, dafuer aber ein ziemlich spannender.

Noch so eine kleine Gemeinheit, die ich heute ergoogelt habe: in China gibts kein Facebook, kein Livejournal und kein Googlemail. Ob ich nen Weg finde, irgendwas von mir hoeren zu lassen, werd ich wohl ab uebermorgen herausfinden. Im schlimmsten Fall tauche ich jetzt bis zu 30 Tage im chinesischen Zensur-Sumpf unter. Sollte ich nach dreissig Tagen noch nichts von mir hoeren lassen haben… sucht bitte nach mir. Danke! =D

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