Gobi: Wüste bei 2 Grad.

 

Aufstehen kann schrecklich schwierig sein, vorallem nach einer Jetlag-Zugfahrt um fuenf Uhr morgens. Natuerlich habe ich verschlafen und bin in einer riesen Hektik aufgebrochen. Natuerlich habe ich dabei, ohne es zu wollen, dem Hotelpersonal in Ulan Bator ein wunderpraechtigen Leatherman geschenkt. Liegen gelassen triffts zwarf technisch besser, aber unwillentlich verschenkt beschreibt mein Gefuehl eher. Aergerlich sowas. Kurz bevor ich aufgebrochen bin, habe ich nochmal einen Blick auf meine offizielle „Ulaan Bataar Tourist Map 2009/2010 geworfen, um auch wirklich den kuerzesten Weg zum Bahnhof zu finden, und dabei erst so wirklich bemerkt, dass dort tatseachlich und offiziell eine „Embassy of Youguslavia“ verzeichnet ist. Ziemlich schraeg, und eigentlich hatte ich ein wenig das Beduerfniss herauszufinden, was an der Stelle jetzt los ist. However, es war zu spaet und ich hatte es eilig. Keine Zeit fuer Sightseeing.
66750_originalDen Zug habe ich erreicht, ein wenig ausser Atem, aber sonst alles bestens. Leider musste ich feststellen, dass der Zug wesentlich luxurioeser war als der letzte, dafuer aber mit wesentlich weniger Charme. Es war ein fast brandneuer chinesischer Zug, gehoerte aber der mongolischen Bahn. Keine Kohleoefen mehr, die Heizung elektrisch, im Flur ein roter Teppich (der, so ganz nebenbei perfekt fuer statische Aufladung sorgt, damit man am elektrischen Heisswasserautomat auch gewiss nen richtig ordentlichen Schlag bekommt), sogar eine Dusche gibts hier, ganz zu schweigen vom Radioprogramm oder wahlweise Fernsehen an jedem Bett. Komplett ohne Charme irgendwie, aber zumindest komfortabel. Mein 4-Bett-Abteil teile ich diesmal mit einem Englaender, die beiden oberen Betten blieben bisher leer.

Kurz hinter Ulan Bator, so grob zwei Stunden nach Abfahrt, hat sich schon langsam die Wueste Gobi vor den Zugfenstern ausgebreitet, waehrend uns bei angenehmen 24 Grad im Zug die Sonne von einem strahlend blauen Himmel ins Gesicht schien. Es gab, trotz Sand und weitem garnichts, so einiges zu sehen, die Kinder des deutschen Paerchens im naechsten Abteil waren ganz ausser sich, als tatsaechlich kleine und lang behaarte Kamele vor dem Fenster auftauchten. Daneben gab es noch einige Herden der Pferde, hier und da mal eine kleine Gruppe Gers (den mongolischen Nomadenzelten), es gab das ein oder andere tote Pferd entlang der Bahnlinie, das entweder nur noch ein abgenagten Skelett war oder auf dem allerbesten Weg dahin. Die Bahnlinie ist auf die komplette Laenge eingezaeunt, mag sein dass das fuer das manchmal zum Verhaengniss wird. Manchmal verteilten kleine Doerfchen mit unter zehn Haeusern entlang der Bahnlinie, mit kleinem Bahnhof daneben. Es sah alles so heiss aus draussen: der Sand, die Kamele, das vertrocknete Gras. Ich hatte schon beinahe Paralellen zur Sahara in Marokko gezogen, als wir unseren ersten Stopp hatten und die Touristen im Zug nach draussen stuermten, die meisten ohne Jacke, einzelne sogar in kurzer Hose. Die Ueberaschung beim Aussteigen war nicht schlecht, und die Uhr am Bahnhof hat so einiges erklaert: 2 Grad. Haette ich im Zug aufgrund dessen, was ich da draussen gesehen habe, schaetzen muessen, haette ich wohl auf mindestens 30 Grad getippt.

 

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Abends kam dann zwangslaeufig, nach einem Tag ohne wesentliche Veraenderung der Landschft draussen, das schon bekannte Grenzwechselspielchen im Zug. Zuerst waren die Mongolen dran, einer in Uniform kommt in Zug, salutiert erstmal vor jedem Abteil und sammelt die Paesse ein. Gut, die Kontrolle auf Waren und blinde Passagiere hat sich erstaunlicherweise auf die chinesisch oder mongolisch besetzten Abteile begrenzt. Touristen scheinen hier grundsaetzlich als harmlos oder vertrauenswuerdig eingestuft zu werden.67981_original Nach gut einer Stunde gings dann weiter zu den Chinesen, nochmal Paesse einsammeln. Zurueck bekommen haben wir die aber erstmal nicht, denn der Zug fuhr direkt in ne riesige Halle, Raeder wechseln. Aussteigen war hier unmoeglich, erstens weil die Waggons gut eineinhalb Meter in die Hoehe gehoben wurden, und zweitens haben viele Chinesen in Uniform hoellisch aufgepasst. Zu dem Zeitpunkt waren wir schon grob zweieinhalb Stunden ohne Toilette (waere ungut, denn die haben nur eine Oeffnung nach draussen und keinen Tank oder so), und ich hatte zuvor definitiv zuuuuviel Tee. Selbst nachdem unser Waggon wieder am Boden war und wir von einem freundlichen Chinesen, der jeden mit Namen in China willkommen geheissen hat unsere Paesse zurueck bekamen, dauerte es noch gut eine Stunde, bis uns irgendeine Lok in den nahegelegenen Bahnhof „Erenhot“ geschoben und wir nen einstuendigen Halt mit Pinkelmoeglichkeit im Bahnhof hatten. Der Bahnhof war irgendwie strange. Es war inhzwischen mitten in der Nacht, kurz nach Zwoelf. Der Bahnhof war, abgesehen von all den Chinesen, die den ersten chinesischem Bahnhofsshop seit Ulan Bator stuermten, leer und dunkel. Aber es wurde fleissig Musik gespielt. Klassische Musik. Aus den Lautsprechern am Bahnsteig. Nachts nach zwoelf. In China. Ich weiss nicht warum, aber das hatte schon fast was beangstigendes.
Aber ich habe es geschafft. Den komischen Bahnhof psychisch gesund ueberstanden, war sogar mit den chinsesen den Shop stuermen und erstmal begeistert ueber die Riesenauswahl an Instantnudelsuppe. Waehrend es in Moskau und Ulan-Bator ueberall im wesentlichen zwei verschiedene Sorten gab, eine mit Rindfleischgeschmack und eine mit Haehnchengeschmack, stehen hier ueber dreissivg verschiedene Sorten im Regal. Ich kann zwar kein bisschen lesen was drauf steht, aber die bunten Bilder suggerieren ziemlioch viel Abwechslung. Auf was man nach vielen Tagen im Zug ploetzlich Wert legt… eine grosse Auswahl an Instantnudelsuppen… schon irgendwie daemlich =D

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