Beijing: China bei fuenf Grad, und Regen.

 

Eine Zugfahrt, die ist lustig. Das sagt glaub auch irgendein daemlicher Reim, der mir die letzten Tage schon des oefteren durch den Kopf ging. Gestern wars jedenfalls noch besonders lustig. Naja, fast schon beaengstigend. Irgendwie geriet sich eine alleinreisende deutsche mit ner Vierergruppe Amerikaner in die Haare. Recht energisch hat sie versucht, in das Abteil der Amerikaner (eine Tuer weiter von meinem Abteil) zu kommen. Aus heiterem Himmel ausgetickt. Von drinnen kam ein „you are a ugly pizza face“, von draussen ein „get out of the train, you asshole“, dann wieder ein lauter Rums, als (hoechstwahrscheinlich) Sie sich wieder gegen die verschlossene Schiebetuer geworfen hat. Volle Action, ne ganze Viertelstunde lang. Die vier Amerikaner schienen heute wirklich Angst gehabt zu haben, zumindest blieb die Tuer von deren Abteil ploetzlich durchgehen zu und verschlossen. Spannend, aber eigentlich nicht das Haupthema heute =)
68755_original68447_original68324_originalAbgesehen von diesem „kleinen Zwischdenfall“ war die Nacht im Zug war einfach mal wieder herrlich. Ich hatte ein wackelndes Bett, ein monotones „TokTok – TokTok“ von den Uebergaengen in den Schienen und es war mal wieder so richtig schoen moppelig warm. Herrlich. Ausserdem gibts im Zug rund um die Uhr heissen Tee und die zwangslaeufig entstehenden Bekanntschaften sind einfach super.
Nach nem wunderbaren Fruehstueck mit Instant-Nudelsuppe (was auch sonst im Zug…) und ner rech zerfurchten und kalten Landschaft vor dem Fenster kamen wir gegen Mittag bei nur fuenf Grad und Regen in Beijing an. Das ging kurzfristig erstmal schwaer an die eigentlich recht gute Laune. Ich hatte auf 20 Grad gehofft. Und Sonne. However, ich war zuerstmal ueberrascht ueber die vielen englischen Schilder. Sah soweit mal ziemlich einfach aus und handhabbar. Das hat wiederum, nach einigen Tagen mit rein kyrillischen Schildern, die Laune doch ordentlich angehoben =). Mit dieser neuen guten Laune, und weil ich die ganze Zeit im Zug weder zur Klaerung noch zur Guidbook-Forschung genutzt hab, habe ich spontan entschlossen mich Johnathan, dem Englaender aus meinem Abteil, bei der Guesthouse-Suche in Beijing anzuschliessen. Sowas habe ich bisher immer vermieden, war mir bisher meistens zu viel, aber heute war wohl ein besonderer Tag oder so. Und das sogar bei nem Englaender… =). In der Metro waren wir kurzfristig trotz durchweg eingaengiger englischer Beschriftungen von Infotafeln und Wegweisern (welch Luxus gegenueber Moskau) kurzfristig verwirrt, hauptsaechlich die Zuordnung der Karte mit dem Hostel zu einer Metrostation hat irgendwie gehapert, aber kaum hatten wir unsere Karten gezueckt, kamen zwei chinesische Maedels herbeigeeilt und haben saemtliche Verwirrung im Keim quasi erstickt. Eine Kurfzeinweisung in die Metrokarte, die Linien und Umsteigsgeschichte, von zwie Beijing-Maedels fuer zwei Backpacker zwischen Rolltreppe und Eingangshalle quasi. So freundlich die uns geholfen haben, so schnell waren sie auch wieder weg. Keine laestigen Fragen, kein Haendeaufhalten. Ein paar nette Tipps und weiter gehts. Beijing war mir ab diesem Moment trotz Regen und ekelig kaltem Wetter echt noch n gutes Stueck symphatischer.
Achja, das Guesthouse unserer Wahl wurde recht spontan das „Red Lantern Hostel“. Zumindest haetten wir beide nach ganz kurzer Einleseaktion am Bahnhof unabhaengig voneinander so oder so diese location angesteuert. Relativ Zentral gelegen, in der Naehe einer Metro-Station und trotzdem mitten in einem so genannten „hutong“, die alten Wohngegenden mit den wirren schmalen Gassen und so. So ganz nebenbei hab ich noch das Geruecht gehoert, dass das Guesthouse ganzganz frueher mal n Bordell gewesen sein soll. Nein, nicht die Bordell-Geschichte an sich hat mich interessiert, sondern allein die Tatsache dass es somit kein haesslicher, neuer Betonklotz ohne Charme sein kann. Gesucht, gefunden, wohl gefuehlt, geblieben. So einfach war das wohl fast noch nie. Okay, es ist mal wieder Mehrbettzimmer wohnen. Ich, Johnathan, eine deutsche Studentin und ein franzoesischer Student jeweils auf Auslandssemester, und noch zwei englische Maedels auf Urlaub. Durchaus ne ganz angenehme Geschichte soweit. Doof nur, dass die mich nach zwei Naechten wieder hinauswerfen. Mir kommen die Reservierungen fuer den Start der Hauptsaison in die Quere. Leider.

68926_originalDen Rest des Tages habe ich fuer ne allgemeine Erkundungstour durch die Stadt genutzt. Ich habe mich einfach treiben lassen, hauptsaechlich von meiner (inzwischen wieder einigermassen funktionstuechtigen) Nase immer den tollen Geruechen hinterher. Ich hatte ein leichtes Gefuehl von „endlich angekommen“, denn es gibt wieder allerhand spannendes Essen, lecker und guenstig aus kleinen Staenden am Strassenrand. Die Metro sorgt fuer ne superguenstige und einfache Mobilitaet (grob 23cent pro Fahrt), wenn man von einer der belebten Innenstadtautobahnen einmal abbiegt, findet man sich mitten in einem der echt entspannten hutongs wieder, in denen sich der Verkehr auf allerhand Zwei- und Dreiradeder beschraenkt und links und rechts schoene kleine Haeuser, oft mit allerhand spannenden Geschaeften zu finden sind. Keine zwei Metrostationen weiter kann man dann, voellig Kulturschock-like, zwischen allerhand abgedrehten und teuren Shoppingmalls schlendern. Ja, sogar die tollen Touristenfallen gibts hier. Einer der ersten die mich angesprochen haben, war ein Student. Er wuerde gerne etwas englisch ueben, und etwas ueber mein Land erfahren. Zufaellig studiert er Kunst und malt. Und was ein Zufall, er hat ein paar Bilder in einer kleinem Gallerie ums Eck. Zufaelle gibts =D. Mir war voellig klar, dass er nur auf eines aus ist: ramschige Pseudo-Kunst ueberteuert an Touristen zu verscheppern, aber ich habe es voellig genossen den ahnungslosen Touristen zu geben. Natuerlich bin ich dann in dieser Gallerie gelandet, und natuerlich hat er versucht, mir etwas anzudrehen. Und ebenso selbstverstaendlich hat er begonnen, auf ein Stueck Reispapier meinen Namen und ein paar andere Dinge in chinesischen Zeichen zu pinseln. Logischerweise hat er betont, dass das umsonst ist. Ein Geschenk unter Freunden. Und ebenso klar, dass er dafuer Geld sehen wollte. Am besten im „Paket“ mit einem Bild von Ihm. Fuer NUR umgerechnet 15Euro =D. Ja, es war toll. Es war zwar ziemlich hart da auf ne freundliche und nette Art und Weise wieder heraus zu kommen (natuerlich haette ich ihn einen Idiot heissen koennen und einfach rauslaufen, aber irgendwie ist das einfach doch nicht meine Art), aber selbst das empfand ich als angenehme Herausforderung. Klingt irgendie komisch, aber das ist Urlaub. Minimum einmal mauss das sein, nur um sicher sein zu koennen, dass man wirklich angekommen ist. Achja, das Ergebniss nach einer halben Stunde harter Verhandlungen: ich habe ein paar Chinesiche Schriftzeichen auf Reispapier, aber kein Bild. Und weil ich kein allzu mieser Unmensch bin und von Anfang an wusste, dass ich dem armen Kerl den kaufwillligen Touristen vormache, habe ich ihm 10 yuang dafuer gegeben. Sind round about 12 cent und deckt definitiv seinen Aufwand an Material. Ausserdem reichts fuer ne leckere Nudelsuppe, draussen auf der Strasse vor der Gallerie, und ne Cola dazu. Ein schlechtes Gewissen habe ich definitiv nicht dabei =)

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