waschen und schneiden, bitte.

 

Okay, Plaene sind dazu da, geandert zu werden. Heute war Tempel- und Turmzeit. Ich weiss nicht, was mich mitten in den chinesischen Ferien dazu getrieben hat, auf einmal „Sights“ aus dem Guidebook mit dem L anzusteuern. Gut, ich habe es genossen um ehrlich zu sein. Bis auf den verdammt grossen und eigentlich ziemlich (wenn man von den Unmengen an chinesischen Touristen mal absieht und nur den Tempel an sich betrachtet) beeindruckenden Lama-Tempel war auch alles angenehm ruhig und entspannt. Ich habe den „white Stupa Temple“ direkt beim Guesthouse ums Eck genossen, eine herrliche Ruhe und ein paar angenehme Baenkchen in der Sonne, die so richtig herrlich zum Nichtstun und entspannen einladen. Die relative Ruhe mag daran liegen, dass die eigentliche Attraktion, die weisse Stupa, gerade renoviert wird und geschlossen ist. Mich hat diese Kleinigkeit jedenfalls ueberhaupt nicht gestoert. Auch der „Drum Tower“ und der „Bell Tower“ waren noch weit im angenhemen Bereich, was die Menge der Besucher angeht, und boten beide ne recht beeindruckende Aussicht ueber die Stadt.

 

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Das eigentliche Highlight war heute allerdings der feste Entschluss, mir die Haare schneiden zu lassen. Ich war schon ewig nicht mehr bei einem Friseur, und dementsprechend uebel sah ich mal wieder aus. Ich bin ein wenig durch die Strassen gelaufen, und habe mich umgesehen. Schicke, moderneund auf hochglanz polierte Friseurlaeden gibts wirklich einige hier. Meistens gut gefuellt mit chinesischen Maedels und mit lauter Musik. Nein, irgendwie war mir nicht ganz danach. Zu stressig, zu laut, irgendwie falsch. Mir fiel irgendwann nach sicherlich einer Stunde vergeblicher Suche ein, dass ich zwischen dem Hostel und der Metrostation immer an einer kleinen, schon beinahe ramschigen Friseurbude vorbeikomme. Klein, viele Haare auf dem Boden, das Equipment hat seine besten Tage schon lange gesehen und finden tut den Laden keiner, ausser man treibt sich ausversehen in dieser sonst unspektakulaeren Seitenstrasse herum. Meistens sitzen dort die chinesischen Maenner (wohl aus der Nachbarschaft) und lassen sich von nem jungen Kerl Anfang zwanzig die Haare schneiden. Sehr sympathisch irgendwie, jedenfalls wesentlich authentischer als die Plastik-Friseurlaeden an den Hauptstrassen. Klar, ich bin auf dem direkten Weg per Metro genau da hin. Es sass zu dem Zeitpunkt genau ein juengerer Mann drinn, also musste ich auch nicht lange warten. Perfekt. Ich bin also rein in den Laden, und erstmal hat mich das etwas fragende Gesicht des chinesischen Friseurs angestarrt. Klar, Touristen verlaufen sich wohl eher selten in seinem Laden. Da er weder englisch, noch ich chinesisch kann, habe ich mit dem Zweige- und Mittelfinger der rechten Hand eine Schere nachgeahmt, und damit quasi meine eigenen Haare „geschnitten“. Der gute Mann hatte dann breit gegrinst, genickt und mir einen Platz angeboten. Als er dann mit dem anderen Haarschnitt fertig war und mir die Haare an einem klitzekleinen Waschbecken mit ner Art Liegestuhl davor (auf den ich eigentlich nicht gepasst habe weil ich mit den Knien an der Wand anstiess und immernoch viel zu weit „oben“ lag) gewaschen hat, hat er sich erstmal gaaaanz genau meine Haare anschauen muessen. Einmal nach links kaemmen, einmal nach rechts, nach vorne und nach hinten. Die Wirbel zwirbeln und wieder kaemmen. Mit den Haenden durchfahren, verwuscheln und wieder kaemmen. Er hat sich viel Zeit dabei gelassen, und ich bin mir nicht soooo sicher, was mein Haar von chinesischen Haar unterscheidet, aber er war definitiv von irgendwas fasziniert. Nach dieser Wuschelarie kam dann zwangslaeufig irgendwie die Frage auf, wie es denn werden soll. Was macht man da? Sich umschauen, nach Bildern suchen und feststellen, dass es keine gibt. Mist. Also die einzige Moeglichkeit: auf die Frisur vom Friseur zeigen, und ihm mit Haenden und Fuessen verstaendlich machen, dass es so, aber ein wenig laenger sein soll. Er hat darufhin genickt und wie wild die Schere geschwungen. Und mit dem Kamm hantiert. Mir war ein wenig mulmig, aber was soll mit einer Kurzhaarfrisur schon sonderlich schief gehen? Seine Maschine lag unbeachtet im Eck, waehernd er mir freihaendig eine perfekte Frisur gezaubert hat. Kurzum: Glueck gehabt, ich seh nicht anders aus als sonst. Und: er wollte inclusive zweimal Haare waschen gerade mal 20 yuang von mir, was nichtmal zwei Euro fuenfzig sind. Bis ich fertig war, kam gerade seine Frau mit Kind vorbei, und hat mitten im Friseurladen ne kleine Herdplatte aufgebaut und angefangen zu kochen. Es ist beinahe normal hier, so scheint es zumindest, dass die Leute bis neun oder zehn arbeiten, und die Frau mit Kind vorbeikommt, um mitten im kleinen Supermarkt, Friseurladen, der Schreinerei oder wo auch immer ihr Mann arbeitet anfaengt fuer die Familie zu kochen. Kommt man nach sieben in einen der kleinen Laeden, ist es durchaus nicht ungewoehnlich dass eine Familie um den Tersen herum sitzt und gemeinsam zu Abend isst.

 

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Eine kleine Nebensaechlichkeit (eine meiner heutigen Entdeckungen) noch: ziemlich fluessiger Joughurt mit Honig. Gibts ueberall im Steintoepfchen fuer vier yuang, verschlossen mit einem Stueck Papier und Gummiband. I like that!

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