Quing Ming Jie

 

Vorneweg erst mal das allgemeine Gemecker: heute wurde das Wetter wieder deutlich schlechter. Puenktlich zum Haupttag der xhinesischden Ferien, dem „Qing Ming Jie“, in englisch „Tomb-Sweeping Day“. Nicht, dass es regnen wuerde. Und unsonnig ist es eigentlich auch nicht. Es haengt nur irgendein komischer Dunst ueber der Stadt, der die Sonne nicht so wirklich durchlassen will und mich dazu zwingt, weiterhin in meiner Winterjacke unterwegs zu sein. Meine Nase aergert mich wieder, und ich fuehl mich nicht ganz so praechtig. Nichts desto trotz habe ich mich irgendwie weiterhin zum Sightseeing hinreisen lassen. Zuerst habe ich versucht im Mao-Mausoleum den toten Mao zu besuchen. Nachdem Lenin zwecks allgemeiner Aufhuebschung in Moskau geschlossen hatte und keinen Besuch wollte, klang das nach vernuenftigem Ausgleich in meinen Augen. Mao wohnt inzwischen in einem recht imposanten Haeuschen auf dem Tian’amen Square, also richtig schoen in zentraler Innenstadtlage mit viel Platz ums Haus. Der Tian’amen Square soll der weltweit groesste oeffentliche Platz sein, habe ich mir erzaehlen lassen. Am Haupttag der chinesischen Ferien ist das auch durchaus noetig, um die ZickZack-Warteschlange voller Chinesen irgendwo unterzubringen. So eine Warteschlange habe ich bisher noch nichtmal in einem Vergnuegungspark oder irgendwo in Indien (naja, gut, zumindest nicht in einer geordneten Warteschlange =D ) gesehen. Nein, Mao kann nicht wirklich weglaufen und ich habe auch n andermal noch Zeit, nicht nur zu den chinesischen Ferien, also versuch ich das morgen nochmal.
Alternativ hat mich der Temple of Heaven irgendwie noch interessiert. Ich suche immernoch nach einem „Prinzip“ hinter Konfuzianischen Tempeln, um das ganze vielleicht mal im Ansatz zu verstehen. Knappe 30min zu Fuss in Richtung Sueden konnte die Suche direkt losgehen. Natuerlich zusammen mit wahren Menschenmassen habe ich den Tempel umrundet, erklommen und die Umgebung durchforstet. So wirklich konfuzianisch schlauer bin ich dadurch aber nicht geworden =). Meine Erleuchtung dafuer muss wohl noch ein wenig warten… Wenigstens der Park war ne wahre Erholung nach dem Menschenmassen-Wahnsinn auf dem Tian’amen Square. Und weils gerade schon so erholsam war, dachte ich mir eine chinesische Fussmassage koennte das ganze noch verschoenern. Also raus aus dem Park, dem Temple of Heaven den Ruecken gekehrt und gesucht. In China gar nicht ganz so einfach zu finden, wenn man nicht in der Lage ist die chinesischen Schilder zu lesen, war ich ganz froh irgendwann ein „Helloooo, wannaaa massaaaaage?“ zu hoeren. Ja, man wird vorsichtig mit sowas wenn man einmal in Thailand war, daher war ich ganz gluecklich drinnen einen maennlichen Chinesen mitte zwanzig als meinen Masseur vorgestellt zu bekommen. Es war zwar nicht ganz guenstig da Touristen-Tarif und so, aber was untouristisches zu finden waere schlich unmoeglich. Also erst mal die Fuesse in einen Zuber mit warmem, braeunlichem Wasser stellen (nach was das gerochen hat, kann ich leider nicht beurteilen. Nachdem meine Nase die ersten Tage in Beijing super funktioniert hat, kommt jetzt wieder irgendeine Erkaeltung oder so und meine Nase ist wieder komplett dicht) und waehrend dessen den Nacken massieren lassen. Der erste Eindurck: verdammt, die massieren mit ordentlich Druck. Richtig ordentlich Druck. Nicht unangenehm, aber doch ne ganz andere Geschichte als bei den Thais. Spannend wurde es dann so richtig nachdem der kleine, aber fuer die Groesse unglaublich starke Chinese meine Fuesse massiert hatte: Er kramt ein wenig in seiner Kiste, und legt zwei Glaskugeln mit je einer kleiner Oeffnung auf die Bank neben meine Fuesse. Er kramt nochmal, und legt ein kleines Spruehflaeschen daneben. Und nochmal suchen, diesmal ein Feuerzeug. Ich hatte fast ein wenig Angst was da jetzt nun passieren mag, was sich auch nicht sonderlich gebessert hat als er in eine der Glaskugeln etwas von der Fluessigkeit (offensichtlich Alkohol) gesprueht und angezunden hatte. Die Glaskugel gegen meine Fusssohle gepresst habe ich dann schnell erkannt was der Sinn der Aktion ist: heiss ist es nicht, aber es bildet sich ein Vakuum. Puh, haette auch schlimmer enden koennen. Nachdem er mit der Glaskugel ein paar mal ueber meine Fuesse gefahren ist liess er sie an dem Fersen kleben und hat das am anderen Fuss wiederholt. Danach hat er schon wieder gekramt. Die Glaskugeln noch an den Fersen habe ich kaum glauben koennen, was er da jetzt gefunden hat… Diesmal musste er selbst leicht grinsen, als er meinen geschockten Gesichtsausdruck gesehen hat: In seinen Haenden hielt er nun zwei Haemmer. Aus Holz. Mit Gummiteilen vorne dran. Und ziemlich langem Stiel. Das sah zugegebenermassen auch echt nach brutalem Handwerkszeugs aus, mit dem er dann auf mich losgegangen ist. Nein, so schlimm wie es aussah war es nicht. Ich kann glaub durchaus behaupten, dass er damit umzugehen wusste. Nach gut ner Stunde hatte ich jedenfalls definitiv das Gefuehl neue Fuesse zu haben.
Nach einem kleinen unerfolgreichen Abstecher auf den Pearl-Market und in die Silk-Street, beides Shoppingmalls abartiger Groesse mit den 2m x 2m kleinen Verkaufsbuden auf fuenf Stockwerken verteilt und der Erkenntniss, dass die Beijing-esen auch keine Skrupel haben ihre eigenen Landsleute aus den komfortablen Reisebussen abzuzocken, die vor der Tuer parken (umgerechnet fast 20 Euro fuer ein fake-adidas-Shirt ist eigentlich schon eher betruegen), bin ich recht direkt zurueck ins Guesthouse. Mich unter die Englaender mischen. Gut, nicht wirklich nur Englaender. Aber bis auf mich und die deutsche aus dem Nebenzimmer sind alle aus englischsprachigen Laendern. Englaender und Australier im wesentlichen. Meine allgemeinen Vorurteile gegenueber Englaendern habe ich uebrigens inzwischen beinahe aufgegeben. Zumindest solange, wie die Englaender nicht juenger als 25 sind. Aber das nur am Rande =). Im allgemeinen finde ich nur recht spannend, dass hier nicht viele nicht-zuhause-englisch-sprechende-Touristen unterwegs sind. Naja, solange die englisch-Helden nicht untereinander sprechen, klappts dafuer mit der Kommunikation recht gut =D
However, ein absolutes „must-do“ habe ich heute erledigt: Pekingente essen. Ich war heute abend, da alleine in China essen gehen nicht so wirklich funktioniert, mit Jonathan eine essen. Zu zweit wird chinesisch essen allgemein schon vielviel spannender: man kann mehrere Beilagen bestellen, von allem was essen und vorallem faellt man nicht gaaaanz so auf, wie wenn man alleine im Restaurant sitzt. Alleine essende Chinesen sieht man echt verdammt selten.

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