Beijing Syndrome

 

Heute war der Tag fuer den zweiten Versuch, Mao zu besuchen. Wie sagt man so passend: aller guten Dinge sind drei. Das nur so vorab. Ich bin mal wieder irgendwie mit Johnathan zusammen losgezogen. Was auf dieser Reise genau passiert ist, dass ich auf einmal tageweise mit anderen Touristen unterwegs bin, Mehrbettzimmer toll finde und wochenlang am gleichen Platz haengen bleibe weiss ich auch nicht. Es war jedenfalls ne spontane Entscheidung, da wir sowieso das gleiche Ziel hatten. Ausserdem ist es definitiv der letzte Tag mit Jonathan, heute zieht er weiter zu den terracotical Warriors, dann nach HongKong und nach Hause. 73693_originalAm Tian’amen Square angekommen, war die erste Erkenntniss: Taschen muessen eingeschlossen werden. Das Wetter war heute immernoch recht mies, ich also in Winterjacke unterwegs und hatte demnach mein Zeug in den Taschen verstaut. Rucksack Fehlanzeige. Jonathan hatte eine Kameratasche, die er dann einschliessen lassen hat. Wir waren eigentlich recht guter Dinge, bis auf die Kleinigkeit dass dort ein Schild stand: „Please show your ID or Passport here“ oder so. Wir hatten beide nichtmal eine Kopie bei uns, haben uns aber trotzdem angestellt. An der Ausweiskontrolle kurz mitleidig geschaut, haben wir die Huerde auch ohne Pass gemeistert, aber an der Sicherheitskontrolle wurde ich dann aussortiert. Wegen der Kamera in der Innentasche meiner Jacke. Kameras verboten. Also bekommt Mao heute wieder keinen Besuch von mir. Morgen nochmal, Versuch Nummer drei. Dann wirds schon irgendwie klappen =).
Ich habe das Maosoleum dann umrundet, und auf der anderen Seite am Ausgang hat Jonathan schon auf mich gewartet. Geradeaus durchgeschoben zu werden geht definitiv schneller als aussen am Gebauede entlang vorbeizulaufen. Spannende Erkenntniss.
73388_originalDanach gings einmal quer ueber den Tian’amen Square direkt zur Forbidden City. Ich habe mir das die letzten Tage definitiv nicht antun wollen wegen der Ferien, aber heute ist die Stadt schon wesentlich ruhiger geworden. Man kann Metro fahren, ohne sich aehnlich wie in Mumbai hineindruecken zu muessen, und einen wahren Kampf starten wenn man wieder aussteigen will. Der Tian’amen Square ist beinahe leer, ganz zu schweigen von der fehlenden ZickZack-Warteschlange vor dem Mao-Mausoleum. Also nichts wie los in die Forbidden City, und erstmal irgendwie enttäuscht sein. Ja, irgendwie ist es ja schon beeindruckend, aber auch irgendwie same same. Ich bin chinesische Tempel- und Palaeste-Muede. So aehnlich, wie man irgendwann in Thailand keinen Buddha mehr sehen mag.
Okay, ausserdem qualt mich meine Erkaeltung inzwischen recht heftig. Es ist noch ein boeser Husten dazugekommen, und ich fuehl mich elend. Alle Touries mit denen kich bisher darueber geredet habe, haben oder hatten ungefaehr das gleiche. Allgemein wird es unter den Backpackern das „Beijing Syndrome“ genannt. So ziemlich jeder bekommt das wohl in den ersten Tagen hier, und verzweifelt fast daran. Ne wirkliche Gegenmassnahme kennt keiner, ausser aus Beijing fluechten oder es durchstehen. Super Alternativen =)
73838_originalIch bin deshalb schon wieder reichlich frueh ins Hostel zurueck, hab aber noch einmal einem kleinen Abstecher in die Wangfujing Snack Street zwecks Streetfood gemacht und bin auf dem Weg dorthin doch tatsaechlich direkt der „Lady in red“ entgegengelaufen. Heute zwar in schwarz gekleidet, habe ich sie trotzdem direkt erkannt und schon von weiten freundlich (naja, ich habe mich bemueht, aber es war wohl doch eher ein ziemlich schiefes laecheln) angegrinst. Sobald sie in Hoerweite war, hat sie allerdings direkt und ohne umweg beschumpfen „you are fucking poor, walking all day long…“ gings los. Inzwischen ist unsere Kommunikation echt effektiv geworden. Das freundliche geplauder zur Einleitung schlicht wegrationalisiert und direkt auf den Punkt. Sie schimpft mich, ich lache sie aus. Fairer deal.

to see a path or map at this place, JavaScript needs to be enabled.
Wie hat Dir dieser Eintrag gefallen?
Die Daten zu diesem Eintrag: