Mao-Mausoleum, die Dritte.

 

Was eine Nacht. Ich bin recht frueh ins Bett, habe zwei Liter Wasser am Stueck getrunken und beschlossen, dass ich garnienicht zu „die meisten Touristen“ gehoeren will. Auch nicht wenns um das Beijing-Syndrome geht. Nein, das Beijing-Syndrome muss ich loswerden. Das habe ich mir ganz fest vorgenommen. Die Nacht habe wohl meine Schlafzimmer-Mitbewohner ordentlich wach gehalten, der arme Kanadier im Bett gegenueber, gerade erst eine Nacht hier, meinte nur „man, you have had a rough night, hm?“ als ich gegen halb zehn morgens aus dem Bett gekrabbelt bin. Ich hab boese geschwitzt die Nacht, und mein Bett sah seltsam heftig zerknuellt aus. Aber: mir gings Welten besser. Noch nicht einhundert Prozent gut, aber ich war echt erstaunt, was so ein Entschluss nicht krank sein zu wollen alles bewirken kann =D Etwas Sorgen mache ich mir, dass der Kanadier so ganz spontan wieder ausgezogen ist. Wird doch nicht an mir gelegen haben?

Meine erste Tat nach dem Fruehstueck? Klar, Mao besuchen. Und: diesmal habe ich alles richtig gemacht. Ich war frueh da, hatte einen Rucksack in den ich wirklich allesalles inclusive Handy, Kamera, Feuerzeug und Taschentuecher verfrachtet habe einschliessen lassen. Bin nur mit Passkopie und Geldbeutel zum Mausoleum, habe ganz soltz meine Kopie praesentiert und am Sicherheitscheck dem enttaeuschten chinesischen Maedel fuenfmal versichert, dass ich nichtmal ein Handy oder Feuerzeug dabei habe. Sie hat definitiv vermutet ich lueg sie an, aber nach ausgiebiger Durchsuchungsaktion war sie schon beinahe begeistert wie vorbildlich ich daherkomme =). Ich durfte dann direkt rein ins Mausoleum, zuerst in eine Art Vorhalle mit Statue und Ablage fuer die von den chinesischen Besuchern draussen gekauften Blumen, die bis in einer Stunde wohl wieder eingesammelt und erneut vor dem Mausoleum verkauft werden. Recycling in China. Schon hier hatte alles seine strenge Ordnung. Zweierreihen, nicht sprechen, keine Faxen. Eine Horde ziemlich gedrillter chinesischer Soldaten (oder Polizisten oder sonstwas) passt bestens auf gutes Benehmen auf. Danach gehts, immernoch streng in Zweierreihen, in ein verdammt grosse und dunkle Halle, mit verdammt grossem Glaskasten, verdammt streng dreinschauenden Soldaten und verdammt totem Mao in der Mitte. Gut, er sah irgendwie ziemlich nach Wachsfigur aus. Es war alles ziemlich dunkel, nur ein paar Scheinwerfer haben direkt sein Gesicht belecuhtet. Ich bin mir nicht sicher, ob es nicht wirklich eine Wachsfigur ist… Wie auch immer, ich habe ihn besucht. Wurde einmal druch sein Mausoleum geschoben und streng bewacht. Mao an sich zu sehen war mir persoenlich keine drei Anlaeufe wert, es ist vielmehr die ganze Show drum herum, die so interessant ist. Die ganzen Kontrollen, die chinesen die ihn beinahe anbeten, die ernsten Soldaten und nicht zuletzt die mordsmaessig grosse Halle die die extra fuer ihn gebaut haben… das ist das, was es eigentlich interessant macht.

74312_original74545_original74054_originalNach einem kleinen Abstecher zum Summer Palace (wenn das so weiter geht, hab ich bald alle „Higlights“ bzw. „Sights“ aus den Guidebooks fuer Beijing gesehen. Schlimm mit mir zur Zeit) habe ich mich endlich dazu aufraffen koennen, ernsthaft shoppen zu gehen. Ich habe mich beim packen zuhause definitiv total verkalkuliert: geplanter Weise wollte ich zwei, maximalst drei Wochen mit langen Hosen verbringen. Danach, so die Idee, haetten es kurze Hosen oder Fishermen sein sollen. Nun sinds schon fast vier Wochen in Jeans, und die damals schon beinahe kaputten zwei Paar die ich eingepackt habe und eigentlich nach besagten zwei bis drei Wochen entsorgen wollte sind nun definitiv durch. Wenigstens diese Kalkulation hat theoretisch gepasst, auch wenn es praktisch die falsche war =D. Halb geflickt und komplett zerrissen seh ich aus wie Penner. Geht mal gar nicht mehr. Meine Erkenntniss nach vielen Stunden quer durch alle moeglichen Shoppingmalls: So wirklich guenstig sind Jeans hier nicht. Eigentlich sogar verdammt teuer, wenn man auf auslaendische Marken angewiesen ist. Solange man chinesisches Zeug kauft, kommt man relativ guenstig weg. Ein normales Fuddelwuddel T-Shirt gibts (wenn man da einkauft, wo die Verkauferin noch nie nen Touristen im Laden gesehen hat und kein Wort englisch spricht) ab 35 yuang. Ich glaube das ist immernoch der teure Tarif, aber ich habe es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren koennen irgendwo in irgendeinem hutong in das ich zufaellig gestolpert bin bei diesem Preis noch um 10 yuang zu feilschen. Jeans hab ich ab grob 150 yuang gesehen, aber eben nur in Chinesen-Groessen. Und allermeistens dazu noch in Frauengroessen. Woher die chinesischen Jungs ihre Jeans haben ist mir beinahe raetselhaft. Deswegen der Trip in die teure, glaenzende Shoppingwelt der Import-Markenartikel. Selbst die Fahrt mit der Metro ganz weit nach draussen, dorthin wo ich keine shoppenden Touristen mehr vermuten wuerde, hilft nichts: Auslandsmarkenzeugs kostet so ziemlich genau das gleiche wie zuhause. Naja, wenigstens passts. Und das ist auch was wert.
Shopingmalls in Beijing, ein Thema fuer sich. Zum einen gibts die richtigen Einkaufszentren in westlichem Stil mit einzelnen Geschaeften verschiedener Anbieter und darin mehrere Angestellte, die sich um die Kunden kuemmern. Meistens zumindest. Sowas, wo ich problemlos zum Festpreis Jeanshosen kaufen kann. Naja, so ein ganz klein wenig speziell ist der Bezahlvorgang: nachdem man die Hose der Wahl mit superlieber Unterstuetzung eines chinesischen Maedels, die allerdings nur per Handzeichen mit mir zu kommunizieren vermag (vorallem beim Hosenkauf mal echt ne spannende Aktion, zum Glueck sind Chinesen an sich eher geduldig…) gefunden hat, geht man in dem entsprechenden Laden an die „Kasse“. Eigentlich ganz normal, im ersten Moment. Naja, man wird hinbegleitet, das ist schon nicht mehr ganz normal aber auch nicht ganz ungewoehnlich. Man bekommt dann aber nur eine Art Rechnung und ein Formular, mit dem man zu ner richtigen, zentralen Kasse fuer alle auf dem Stockwerk laueft. Dort darf man dann bezahlen, bekommt die Zettel gestempelt und noch zwei neue dazu, und mit denen darf man dann die Hose abholen. Ein wenig ungewohnt, aber durchaus die entspannte Einkaufsmethode. Die andere Alternative, meist mit „department Store“ beschriftet, sind diese wuseligen Einkaufshoellen mit den 2m x 2m Vekaufsbuden. Zur allgemeinen Erheiterung und Faszination durchaus zu gebrauchen und fuer das ein oder andere Mitbringsel oder Kleinigkeiten durchaus okay, aber die Probleme bei komplizierteren Dingen habe ich glaub schon erwaehnt. Ganz zu schweigen davon, dass hier kein Preis fest ist, und mit meiner langen Nase ein fake-adidas-Shirt mindestens 20 Euro kosten soll… Aber ich komm vom Thema ab. Ganz spannend fand ich heute einen der „department stores“ fuer Elektronik Einzelbauteile. Insgesamt sechs Stockwerke, nichts anderes als Kleinteile. Transistoren, Schalter, Leergehause, Kondensatoren… natuerlich haben mindestens zwanzig der wohl hiunderten Verkaufsbuden exakt das gleiche Sortiment, und liegen genau nebeneinander. Ist klar. Aber das hat offensichtlich nicht gereicht, also gibts gleich im Nachbarhaus die Fortsetzung: nochmal Elektronik-Kleinteile auf fuenf Stockwerken. Same same!
Es gibt hier in Beijing wohl grundsaetzlich alles nur in extra-large. Wenn man zum Beispiel Computer, mp3-Player oder sonstiges IT-Geraet kaufen will, gibts dafuer nicht nur ein Kaufhaus. Nein, weit daneben! Es gibt eine komplette verdammte Strasse mit IT-Kaufhaeusern! Und sofern irgendwer zwischen den hohen Einkaufszentren irgendwer vergessen hat, ein kleines Grundstueck mitzuverwenden, dann macht in einem kleinen Haeuschen, na klar, nochmal n Computerladen auf. Ganz spannend fand ich auch die Entdeckung einer speziellen Hochzeitsbedarfs-Shoppingmall. Die spinnen ein klein wenig, die Pekingnesen =)

Spinnen. Welch grandiose Ueberleitung =D. Ich dachte vorhin schon ernsthaft, die spinnen… Ich war, nach erfolgreichem Hosenkauferlebniss, nochmals in der Wangfujing Snack Street um ein paar Kleinigkeiten zu essen (welch Ueberraschung =D ). Ich lande in letzter Zeit bei Hunger ziemlich haeufig da, mache nen Bogen um Seesterne, Maden, Kaefer und Skorpione und futter mich relativ guenstig satt. Sehr feine Einrichtung. However, auf dem Rueckweg in der Metro mjsste ich meine tolle blaue Prepaid-Card laden. Normalerweise gibts da Automaten dafuer, aber wenn man bloederweise nur nen 100 yuang-Schein in der Tasche hat, aber nur 10 yuang laden, muss man sich am Schalter anstellen. Halb so wild und klappt normalerweise einfach und zuegig. Normalerweise. Heute ging allerdings an der Sprachbarriere verdammt viel verloren. Ich habe der lieben Frau zehn Finger gezeigt, Karte und Geld gegeben und sie hat genickt. Schoen. Auf der Anzeige der Kasse konnte ich dann aber „100.00“ lesen. Ich habe es geschafft, die Frau in ihrem Flow zu stoppen und erkannt, dass die hier wohl in Zehnern gestikulieren. Beim Wasser- oder Essenkaufen zwar nicht, aber man tut ja ueberall ein wenig anders. Also der Frau nur einen Finger gezeigt. Sie nickt, tippt, Kasse auf, Geld rein, Beleg raus, 100 yuang geladen. Mist. 12 Euro Guthaben fuer Beijings Metro sind mir echt zu viel, aber die gute Frau wollte oder konnte mir nicht helfen. „Lost in Translation“ wuerde der Englaender das nennen. Damit sie nicht nichts getan hat, hat sie genau das gemacht, was alle Ticketverkauferinnen bei Verstaendigungsschwierigkeiten zu tun scheinen: Sie drueckt mir den rein chinesischen flyer in die Hand, den ich schon kenne und „laehelt“ mich quasi vom Schalter weg. Also bin ich, notgedrungen, bis zu meiner Umsteigestation Xidan in der voellig ueberfuellten Linie 1 genau drei Statgionen in Richtung West gefahren. Der liebe Ticketmann dort konnte mir zwar auch nicht helfen, aber wenigstens grundlegend mit mir kommunizieren und hat mein Problem verstanden. Ich soll nach Wangfujing zurueck, er koenne hier leider nichts machen. Okay, gut, zurueck mit der Linie 1 in einer schwer ueberfuellten UBahn gen Osten. Die Frau am anderen Eingang war zwar meine grosse Hoffnung, hat mir aber ein wenig unfreundlich zu verstehen geben, dass sie nichts damit zu tun haben will. Also, dann eben zurueck zum ersten Eingang der Station, uuund: Glueck gehabt. Hinter der Frau von vorhin mit dem Schild „Ticket Officer“ am Aermel stand jetzt eine zweite, mit einem Schild „Station Master on duty“ am Arm. Okay, kleines Gestaendniss… „on duty“ erschliesst sich mir nicht so ganz, das faellt definitiv in mein Gebiet der verloren gegangener Uebersetzungen. Wieauchimmer, die konnte irgendwann verstehen, was passiert ist, mich bemitleiden und die andere Frau ein wenig schimpfen. Was anderes ist allerdings nicht passiertn bis sie mir ihren chinesisch-englisch-Uebersetzungszettel unter die Nase haelgt und auf die Zeile „we can not handle your card here“ zeigt. Ahhhja, alles klar. Sie schickt mich allerdings nach Dongdan, noch eine Station mit der lieben Linie 1 in Osten. Eine Iumsteigestation, also mit mindestens vier verschiedenen Ticketschaltern. Schon auf dem Weg dahin habe ich mir ueberlegt ob ich die 100 yuang nicht einfach abschreiben soll, aber der Punkt zum umentscheiden war irgendwie schon lange vergangen. Also zum ersten Ticketschalter, eine wenig hilfsbereite Ticketverkauferin wimmelt mich ab und schimpft irgendwas chinesisches. Der zweite Ticketschalter hatte geschlossen. Am dritten wieder der Versuch, mein Problem zu beschreiben, mit dem Ergebinss dass die Frau ebenfalls recht unfreundlich wurde und mich weggejagt hat. Ich habe noch gar nie in Beijing so viele unfreundliche Menschen getroffen wie in den eineinhalb Stunden Tocketschalterchaos, und genau an dem Punkt wollte ich dann echt aufgeben. Nein, ich habe es nicht getan. Ein Schalter ist noch ueber, also einen Versuch noch. Der Versuch am vierten Schalter von Dongdan sah recht hoffnungslos aus im ersten Moment. Die Frau spircht auch kein englisch, und versteht mich kein Stueck. Mist verdammter. Eineinhalb Stunden umsonst zweolf Euro hinterhergejagt. Dann zeigt sie auf einmal aus heiterem Himmel auf die Kasse und schaut mich fragend an. Ich dachte mir: gut, kann nicht schlimmer werden als es ist, und habe genickt. Und tatsaechlich: Sie hat die komplette Karte zurueckgekauft. Inclusive den 20yuang, die ich vor ein paar Tagen fuer die Karte bezahlt habe. Einfach so. Bar. Cash. Wahnsinn. Ich war irgendwie begeistert. Und froh. Manchmal gehoert ein wenig Stress und Aerger zu einem gelungenen Tag einfach dazu. Zumindest, wenns ein gleuckliches Ende nimmt =D.

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