Get me down to the Paradise city, where the grass is green and the girls are pretty…

 

Nein, so ganz ernst nehmen darf man dieses Zitat an dieser Stelle bitte nicht. Es ist nur mein heutiger Ohrwurm und ausserdem passts gut auf meinen Eintrag von gestern. Danke Guns’n’Roses. Gut, das mit dem „Paradise“ ist nicht auf meinem Mist gewachsen, und ueber die „pretty girls“ laesst sich wie bei allen Geschmacksfragen heftig streiten. Zumindest das Gras ist „green“, und das ist wirklich eine unbestreitbare Tatsache. Soweit so gut. Das Wetter hat sich heute erfreulicherweise ein Stueck gebessert, also konnte ich meinen Spaziergang einmal um den West Lake zwar nicht bei vollem Sonnenschein, aber immerhin im trockenen starten.
79758_original80074_original80372_originalWest Lake… Wenn ich von Chinesen gefragt werde, finde ich ihn einfach „beautyful“. Aber grossteils auch nur, um deren Erwartung gerecht zu werden. Ich finde n China-Disneyland zwar ganz nett, und ein See hat immer was schoenes an sich, aber wirklich umhauen tut mich das hier nicht. Es ist schoen, um den See zu spazieren, die ruhigeren Fleckchen zu geniessen, Postkarten am Ufer zu schreiben und ein wenig zu lesen. Aber ich frag mich konstant, wo das echte China ist. Das chinesische China, das aus den Bilderbuechern und den wilden Geschichten. Eben so wie Indien eben indisch ist oder Laos laotisch. Ich glaube inzwischen, das ist tot. Schon ganz lange her, und das zu suchen ist wohl so, wie wenn Chinesen Urlaub in Deutschland machen und das „echte“ Deutschland suchen. Das, in dem die Leute den ganzen Tag im Biergarten sitzen, Baerte und Filzhuete tragen, nur Lederhosen und Dirndel kennen, Sauerkraut mit Wuerstchen essen und Bier trinken. Die Welt hat sich wohl weiterbewegt in China, zumindest definitiv der Kueste entlang. Offensichtlich die falsche Gegend fuer das „echte“ China ausserhalb irgendwelcher Disneyland-Konstrukte. Vielleicht wirds gen Westen besser, sobald es laendlicher wird. Dort aber, da bin ich mir verdammt sicher, wirds hart fuer Nichtchinesen. Selbst mein liebes Guidebook schweigt sich ziemlich aus ueber diese Gegenden, und dabei erzaehlt es auf ueber eintausend Seiten im allgemeinen verdammt viel. Die Gegend um Yongding, noch auf meiner Liste der todos fuer China, wird vielleicht „besser“. Ich lasse mich ueberraschen, wie es da sein mag. Ich hoffe nur auf eine ruhige Gegend, mit viel gruen, vielleicht etwas mehr als 20 Grad, ein wenig Sonnenschein und ne Umgebung die zum Wandern und erkunden einlaedt. Mehr brauchts nicht.

Oh, eine kleine Info noch: die Chinesenmaedels sind wieder ausgezogen. Ich glaube nicht, dass ich sie verjagt habe. Hoffe ich zumindest. Ich hab mich einfach mal am Chinesenjungen orieniert und mir den gleichen Stress gegoennt: Zur Dusche und zurueck nur in voller Bekleidung, ins Bett damit und „heimlich“ unter der Bettdecke ausziehen. Wenns denn so sein soll… However, neu gekommen ist ein Chinese, der fuenf Jahre in Konstanz studiert hat. Er war ziemlich gluecklich, mal wieder deutsch sprechen zu koennen, waehrend es fuer mich reichlich befremdlich war mich in China mit nem Chinesen moeglichst hochdeutsch zu unterhalten. Ob er froh ist, wieder zu hause in China zu sein habe ich ihn gefragt. Er meinte seine Familie wieder taeglich zu sehen sei schon schoen, aber in Deutschland habe er sich freier gefuehlt. Nur einen Augenblick spaeter hat er hinzugefuegt, dass er hier eben unter staerkerer Kontrolle seiner Family steht. Ein Schelm, wer boeses dabei denkt? Ich weiss es nicht. Waehrenddessen bezog eine Tschechin noch das vierte Bett, und ist direkt mit in die deutsche Konversation eingestiegen. Noch schraeger. Sie lebt und arbeitet in Shanghai, und macht gerade einen Ausflug mit Freunden von zuhause. Sie moechte mit Fahrraedern los, und dann irgendwo wild campen. Fuer den Chinesen unverstaendlich. Campen? Im freien? Er konnte es nicht fassen. Koennte ja sein, dass man einen Weg faehrt, der einfach irgendwo ausffhoert. Die Tschechin hat das nicht geschockt, schliesslich kann man ja umdrehen und den naechsten Weg nehmen. Der Chinese konnte das nicht im geringsten nachvollziehen. Sein zweites Argument war das nicht vorhandene Trinkwasser. Auch das war fuer die Camperin kein Thema. Wasser kann man transportieren, und ein guter Wasserfilter macht so ziemlich jedes Wasser trinkbar, sollte es dennoch ausgehen. Fuer den Chinesen vollkommen unverstaendlich, hat er sich dann lieber fuer meinen Urlaub interessiert. Mit dem Zug von Basel nach China zu fahren, war fuer ihn im Zeitalter von Flugzeugen aber genau so unverstaendlich wie Zelten zu gehen. Auch drei Monate findet er schrecklich. Sein laengster Urlaub waren elf Tage in Italien, und er war echt froh dass es danach rum war, meinte er. Zuviel Hektik, zuviel Stress, zuviel gesehen. Ja, wir haben uns alle nicht sonderlich gut verstanden in unseren Urlaubsgeschichten. Zumindest ich hatte Verstandniss fuers Fahrradfahren und campen und die Tschechin fand drei Monate zumindest nicht unmoeglich, ansonsten waren wir aber alle komplett anderer Ansicht. Gut, dass es verschiedene Meinungen gibt, und gut, dass wir alle tun und lassen koennen was wir wollen =). Fuer den armen Chinesen duerfte die Unterhaltung allerdings mit Abstand am entfremdesten gewesen sein…

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