„lost in translation“

 

Wen ueberrascht das schon: ich bin noch immer in Xiamen =). Mein Bett ist zwar schrecklich hart, aber das hat mich heute morgen reichlich garnicht gestoert. Wie schon vermutet, heute ist kein Tag fuer Hektik. Also erstmal froehlich ausgeschlafen ging ich mein erstes Problem an: Wie mache ich der lieben chinesischen Frau denn nun am besten begreiflich, dass ich noch ne Nacht bleiben werd, aber zu nem leicht guenstigerem Kurs? Mein Plan zur vereinfachten Kommunikation: erstmal verlaengern und dann verhandeln. Aber wie? Okay, ich weiss wie man „Ausgang“ auf chinesisch schreibt. Einen nadellosen eckigen Tannenbaum und ein Buecherregal ohne Einlegeboeden. Daneben das Datum von morgen schreiben: 2011 04 17. Schoen andersherum, so wie die Chinesen das halt machen. Ganz stolz hab ich der Frau das aufgemalt, aber sie hat mich angeschaut wie Auto. Klar, waere ja auch zu einfach gewesen… Mal eben kurz nachgedacht: was kann ich noch auf chinesisch malen? „Internetcafe“ hilft wohl genau so wenig wie „Eingang“ oder „Yuang“, also neuer Versuch und nen Kalender suchen. Mein deutsch beschrifteter Kalender, in dem die Woche mit einem Montag anfaengt hat die arme Frau noch mehr verwirrt, bei Chinesen ist in Kalendern Sonntag der erste Tag. Ohjeohje, was hab ich da nur angerichtet? Die arme Frau versteht mal garnicht was ich von ihr will und meint ich bin immernoch leicht verwirrt ueber die 80 yuang „safety deposit“, die ich gestern faelschlicherweise auf dem Beleg zuerst fuer ne Comission gehalten habe. Sie erklaert mir etwas auf chinesisch und gestikuliert wie wild mit Schluessel und Geld um mir das Prinzip des safety deposit nochmal zu erklaeren. Hilfe! Letzter Versuch: Nochmal malen: eine 16, daneben 120 yuang. Darunter eine 17, daneben 100 yuang. Ich geb der Frau dann nochmal 100 yuang in die Hand, falte die Haende und leg den Kopf drauf. Ich vermute mal das hat gewirkt. Sie wollte mich bislang zumindest noch nicht offensichtlich rauswerfen =). Sicherheitshalber hab ich jetzt ganz aufmerksam gelernt, dass Chinesen hinter das Jahr, den Monat und den Tag in einem Datum immer ein Zeichen setzen. Das hinter dem Jahr ist mir zu kompliziert, aber das hinter dem Monat sieht aus wie zwei Noten mit drei Querbalken, das hinter dem Tag ist das Buecherregal aus „Ausgang“, allerdings mit Einlegeboden in der Mitte. Zumindest kann ich jetzt chinesisch korrekt Monat und Tag notieren. Es wird von Tag zu Tag besser mit meinem Chinesisch. Vielleicht lern ich sogar irgendwann noch, wie man diese Symbole spricht die ich da male =D.

81883_originalNochmal nach Gulang Yu ueberzusetzen hat mich nicht gereizt. Taxi hin, Taxi zurueck, Faehre… Alles in allem sicherlich 45 yuang fuer Inselgedoehns, das ich schon gesehen habe? Ne, muss nicht zwingend. Wichtiger war es mir, morgen hier weg zu kommen. Das Transport-Drama mal wieder. Es gibt wohl zwischen 07:30 und 12:30 insgesamt vier Busse nach Yongding. Die halten auch in „Liulian“, einem kleinen Ort dneben und wohl der bessere Ausgangspunkt fuer die Hakka Tulou. Aber: mal ganz ehrlich, das hier ist immernoch China und schon lange nicht mehr Beijing. Bedeutet: morgen frueh mit dem Taxi zur „Far Distance Bus Station“, jemanden finden der weiss wann der naechste Bus nun genau faehrt, mir erklaeren lassen wie ich den erkenne (das ist wohl nur ne Traumvorstellung. In der Realitaet wirds daran schon scheitern), warten bis der Bus dann kommt, den ersten Versuch starten den Fahrer zu bitten mich in Liulian raus zu werfen (vermutlich Kommunikationstechnisch erfolglos), mich in einen chinesischen Bus falten und gute fuenf Stunden ueber die Landstrassen holpern, um dann doch in Yongding zu landen, weil mich natuerlich keiner in Liulian rausgeworfen hat. Klingt nicht gerade sehr prickelnd, aber ich waere schon Nachmittags in Yongding.
81538_originalDie andere Moeglichkeit, die mir zumindest sicherer scheint: Ein Zugticket fuer einen der zwei Zuege nach Yongding zu erstehen (den Bahnhof hier kenne ich ja schon =) ), den richtigen Ausstieg werd ich sicherlich irgendwie erwischen und alles andere… wird schon werden. Nachteil: Heute Zugticket organisieren, aber da ich sowieso nichts zu tun hatte hab ich mich direkt auf an Bahnhof gemacht und die Tickethalle gesucht. Kaum gefunden und angekommen war ich ehrlich wieder ziemlich schockiert: Die Warteschlangen an Ticketschaltern in Indien sind fast kuerzer als die an den chinesischen Bahnhoefen. Unglaublich, aber wahr. Das eigentliche Problem: wenn ich anstehe und dann zufaellig an ein Ticketverkaufsmaedel ohne englisch gerate, wars umsonst. Bei dem Versuch zuerst die „Kommunikationsmoeglichkeit“ an der Warteschlange vorbei zu erfragen bevor ich mich anstelle, ernte ich nur wueste Beschimpfungen der wartenden Chinesen und bekomme vorne am Fenster erst noch keine Antwort. Nein, das war mir dann doch zu laestig und ich habe mich zu Fuss auf den Weg in die Stadt gemacht. Laut Guidebook soll da n ziemlich praktisches Comission-Ticket-Verkaufsbuero sein. Klingt nach keiner Warteschlange, klingt nach ein wenig Zeit, klingt nach entweder englisch sprechen oder alternativ viel Gestikulieren und im Guidebook antippen. Alles in allem: klingt nach etwas, das funktionieren sollte. Die richtige Strasse habe ich sogar gefunden, aber mit der Hausnummer hatte ich so meine Prbleme: 335 sollte es sein. Hausnummern sond hier blockweise verteilt, bedeutet der erste Block hat die 100er Nummern, der zweite die 200er Nummern und so weiter. Theoretisch zumindest. Zwischen dem Block mit den 200er Nummern und dem mit den 400er Nummern befindet sich allerdings ausser ner kleinen und unscheinbaren Seitenstrasse garnichts. Auf der anderen Strassenseite genau das gleiche Spiel. Nachfragen mit dem Finger auf der chinesischen Bezeichnung im Guidebook bei lokalen Kioskbesitzern und Ladeninhabern ergab nur lange Gesichter oder die typisch Asiatischen „ich-hab-zwar-keine-Ahnung-aber-mags-nicht-zugeben-und-geb-besser-irgendeine-Antwort-als-garkeine“-Antworten. Meistens daran zu erkennen, dass fuenf Leute in grob sieben verschiedene Richtungen zeigen. 81199_originalNein, das Zugticketverkaufsdingens gibts hier wohl leider nicht. Vielleicht hat irgendwer bei Nacht den kompletten Haeuserblock mit den 300er Nummern weggezaubert, hier gibts jedenfalls momentan definitiv keine Tickets fuer mich. Also wieder zurueck, ein Internetcafe um den Bahnhof suchen. Jetzt muss ich halt doch den umstaendlichen machs-selbst-Weg gehen, sprich zuerst in einer dieser riesigen, unbeleuchteten, stickigen chinesischen Internet-Cafe-Hallen zwischen grob einhundert Computern mit jederzeit mindestens 50 zockenden Chinesen nach ner passenden Zugverbindung suchen. Unbedingt die Zugnummer notieren, das Datum dazu (mit „Noten“ und „Buecherregal“, versteht sich), den Zielbahnhof und den Preis und dann zurueck an Bahnhof, in die Warteschlange stellen. Und warten. Und nochmehr warten. Natuerlich konnte die Frau hinter der Glasscheibe kein englisch. Unvorbereitet waere das voll in die Hose gegangen. So aber, ich bin ganz stolz auf mich, konnte ich Ihr mein Notizbuch durch die Durchreiche schieben, sie hat ein wenig auf ihrer Tastatur herumgetippt und ich hatte ein Ticket. Ein klitzekleinwenig doof, dass es wieder Hard Seat ist. Eigentlich wollte ich ganz feudal Soft Seat fahren, aber in dem Punkt scheint sie mein Notizbuch nicht inspiriert zu haben. However, jetzt sinds halt mal wieder sechs Stunden Hard Seat, die gute alte Holzklasse mit den Stehplatzfahrern. Nein, ich will nicht meckern. Das wird bestimmt wieder spannend.

Jepp, irgendwie wars ein typischer Tag heute: schlafen bis neun, mit der Kommunikation und dem Transport kaempfen bis vier, danach einen Park aufsuchen und erholen und schon ist der Tag wieder so gut wie vorbei. China kann schon ganz nett schwierig sein. Aber andererseits hoer ich mich selbst schon wieder meckern, wenn ich ausserhalb von China von den mich allerliebst umsorgenden Transportdienstleistern umlagert werde. Touristen sind schon echt kein einfaches Volk. Vielleicht sogar noch komplizierter als die Chinesen =)

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