Eine Weltreise mit sensationellen 150km, zweiter Akt.

 

Heute morgen wurde ich puenktlich um acht von lautem gehupe aus dem Bett gerissen. Wenn man die Wahl hat, sollte man Busstationen und Innenstadtkreuzungen halt doch meiden. Ich war allerdings recht froh, denn so wirklich am Ziel meiner 150km-Luftlinie-Reise war ich nach inzwischen sechzehneinhalb Stunden seit meiner Abfahrt immer noch nicht. Also die sieben Sachen wieder eingepackt, Jacke ausversehen uebersehen, runter zum Eingangsbereich des Hotels und den lieben Hotelchef mit Guidebook und vielen Gesten gefragt, wie ich denn nun per Bus nach Luilian komme. Er sass gerade mit drei anderen um einen Tisch am Eingang und trank Tee. Dieses chinesische Ritual-Tee-trinken mit dem Toepfchen fuer den Tee, dem extrem kurzen aufgiessen, wegschuetten, nochmal aufgiessen, hin- und her schuetten und schlussendlich in schnapsglasgrossen Schaelchen servieren. Mit dem Bus konnte er mir nicht wirklich helfen, aber einer seiner Tee-Gaeste wurde hellhoerig. Er faert nach Liulian, im Augto, bald, und nimmt mich fuer 20 yuang mit. Soviel habe ich zumindest in seinen Gesten verstehen koennen. Idiotenglueck? Ja, ich glaube schon ein wenig. Die Chinesen haben eine Redensart, die wohl grob sagt: „wie ein Jaeger der darauf wartet dass das Kaninchen sich selbst toetet, indem es gegen einen Baum rennt“. So ungefaer koennte man glaub auch meinen Yongding-Zwischenstopp beschreiben. Aber es hat funktioniert, und das ist schliesslich das wichtigste.
Vorerst wurde ich auch auf einen Tee eingeladen, einen ohne die netten Maedels wie in Beijing, dafuer aber auch ohne Teehaus und ohne Betruegereien. Einfach nur mit vier Chinesen im Eingangsbereich von nem billigen Hotel in Yongding. Und wieder waeren ein paar chinesische Wortfetzen echt hilfreich. Bis es dann wirklich weiterging, dauerte es noch eineinhalb Stunden. Ich gebe zu ein wenig ungeduldig geworden zu sein, an die suedostasiatische Transportiererei muss ich mich erst wieder ein wenig gewoehnen. Interessanterweise ist allerdings nicht der nette Mann aus dem Hotel gefahren. Er war nur Beifahrer, und ich sass hinten mit einem Chinesen und seiner Frau. Das Auto war erstaunlich neu, irgendein schwarzer Nissan mit beiger Lederausstattung. Ich war ein bisschen irritiert ueber diesen Luxus, und nicht zuletzt ueber den extrem freundschaftlichen Preis von 20 yuang fuer den Transport in diesem Auto fuer eineinhalb Stunden gen Liulian. However, immer vorwaerts lautet die Devise, also den Rucksack in den Kofferraum und eingestiegen. Dass wir unterwegs in einem kleinen Dorf rechts ran gefahren sind, irgendwer den Kopf zum Beifahrerfenster hereingestreckt hat, eine schwarze Palstiktuegte entgegengenommen, drei ziemlich dicke Buendel 100 yuang-Scheine daraus hervorgezogen, kurz begutachtet und wieder in der Tuete verschwinden lassen hat, dass der Mann dann verschwunden ist mit der schwarzen Plastiktuete in der Hand, wir zwei Strassen wiete gehalten haben, das Paerchen vom Ruecksitz essen gegangen ist (es war inzwischen schon zoelf) waehrend die zwei anderen in unterschiedliche Richtungen weggelaufen sind, all das habe ich nie gesehen. Auch dass irgendwelche Papier-Einkaufstaschen in den Kofferraum gewandert sind bevor wir wieder losgefahren sind, entspringt wohl alles mehr wilden Traeumen als der Realitaet. Nein, ich hatte nur eins im Sinn: nicht der freundlichen Einladung des Paerchens zum Mittagessen zustimmen, stattdessen besser Magenprobleme gestikulieren und in Blickweite zu dem Kofferraum, in dem immernoch mein Rucksack lag, abwarten. Wenn jemand das Auto oder meinen Rucksack klaut, will ich wenigstens dabei zusehen duerfen. Alles andere was die so treiben ist mir ja egal =)
83571_originalNach dem Mittagessen, Tueteneinladen und weiterfahren ging es noch eine halbe Stunde, und wir waren irgendwo fast im nirgendwo. Liulian, meinte der freundliche Herr aus dem Hotel auf dem Beifahrersitz. Also bin ich ausgestiegen, habe meinen Rucksack ausgeladen, dem Mann die abgemachten 20 yuang gegeben und war irgendwie doch ein klitzekleinwenig froh, angekommen zu sein. Zumindest beinahe, aber definitiv raus aus dieser dubiosen Reisegruppe. Ich bin am Eingang zu ner chinesischen Touristenattraktion abgeladen worden, bis Liulian warens noch 15min zu Fuss. Chinesen stehen alle ziemlich auf die richtigen Touristenattraktionen, die mit den neuen Wegen drumherum, dem Disneyland-Kitsch und den elektrischen, offenen Minibuschen, die Touristen im Kreis von Station zu Station fahren. Dass irgendeine Langnase doch lieber in dem kleinen Dorf nebenan in einem unrestaurierten Tulou uebernachten statt hinter hunderteen Faehnchenverfolger die brandneu fuer die Touristen hergerichteten Versionen zu besichtigen gedenkt, das scheint allen Chinesen denen ich bisher begegnet bin voellig unverstaendlich.
In Liulian ein wenig gesucht, das Guesthouse aus dem lieben Guidebook gefunden, ein Zimmer in einem der Tulous angemietet, und endlich angekommen: Halb zwei. Nicht schlecht, nur zweiundzwanzig wirklich spannende Stunden. Haette schlimmer sein koennen =)

Mein momentanes zuhause:

Mein momentanes zuhause

... mit Innenhof!

… mit Innenhof!

 

... und meinem sensationellen Schlafgemach

… und meinem sensationellen Schlafgemach

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nein, da wohn ich nicht. ist nur die Nachbarschaft… ;)

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