Ich glaub die steht auf mir…

 

Ja, ich bin immernoch in allgemeiner Pausenstimmung. Herumhaengen und erholen ist die allgemeine Devise, deswegen wird, wie jeden Tag in Nanning, erstmal bis elf geschlafen. Mindestens. Nanning mit der haupsaechlich spannenden Zeit nach sieben Uhr abends macht aus mir mal wieder einen Nachtmenschen, wobei ich damit ganz gut leben kann =)
Inzwischen habe ich am anderen Flussufer noch ne GoKart-Bahn entdeckt, die leider den kompletten Tag lang wie ausgestorben ist. Schade, eine Runde mit den Chinesen ein Rennen zu fahren… Ich waere dabei gewesen. Fuer die Retro-Rollschuhbahn nebenan, eine kreisrunde Bahn mit lauter Musik, klassischen Rollschuhen und bunter Blinke-Beleuchtung konnte ich mich irgendwie weniger begeistern. Wirklich viel los war da sowieso auch nicht. Allgemein stell ich mal wieder fest, dass mein Guidebook entweder verdammt schlecht recherchiert ist, oder China sich verdammt schnell aendert. In Nanning ist nichts, wo es laut Buch sein soll. Die Leute tanzen an der falschen Stelle, Essen gibts woanders, Preise stimmen natuerlich wie immer nirgendwo (wobei es das erste mal vorgekommen ist, dass das liebe Buch Hotelpreise zu hoch angibt) und die empfohlenen Ticketbueros existieren auch hier wie in Xiamen nicht mehr.

Was mache ich hier eigentlich tagsueber? Die Frage habe ich mir vorhin selbst schon gestellt: was habe ich heute vor sieben Uhr getan? Mir ist spontan nur eines eingefallen: Ich hatte irgendwie die Idee, dass zur Erholung auch ne Massage der gestressten Beine und des Rueckens ganz gut passen koennte. Vor den kraftvollen Chinesen-Massage-Jungs habe ich immernoch Respekt, daher faende ich ne gute Thai-Massage ne feine Geschichte. Das zu finden ist aber wohl aussichtslos. Also tuts auch irgendwas anderes, vielleicht sogar mit Glaskugeln mit brennendem Alkohol oder Holzhaemmern oder so. Solange es gut tut, soll es mir gut genug sein. Nur wie findet man als Nichtchinese sowas im „leafy provincial capital“? Jemanden fragen, der englisch spricht. Das grenzt die Auswahl doch schon ganz schrecklich ein, und spontan blieb dann nur die Rezeption meines Hotels ueber. Ja, meine derzeitige Bleibe hat ne richtige Rezeption, taeglichen Zimmeraufraeumservice, Aufzug und am allernuetzlichsten: Rezeptionsmaedels die ein wenig englisch sprechen. Klingt fuer sich erstmal schrecklich, ist es auch ein wenig, aber hier und jetzt ne ganz gute Geschichte da in guter Lage und erstaunlich guenstig. Also: Die Langnase geht naiv und nichts boeses denkend (wie immer) an die Rezeption und fragt eins der Maedles, ob sie weiss wo ich hier sowas wie nen Massage-Salon finden kann. Bekommen habe ich erstmal keine Anwort, sondern nur einen ziemlich schraegen Blick zugeworfen. Ich hatte das Gefuehl es ist einer dieser „du wiederst mich an“-Blicke. Kann es denn sein, dass es in China… ich war (und bin) mir nicht sicher, kanns mir aber nur ganzganz schwer vorstellen. However, helfen konnte sie mir nicht wirklich. Als Tourist in China lernt man in solchen Situationen vorallem eines: Internet ist super. Wie konnte man nur jemals ohne Googles Uebersetzung reisen? Nach ner Viertelstunde im Internetcafe ums Eck ging ich, bewaffnet mit einem selbst gemalten Zettelchen auf dem ich hoestvermutlichst chinesisch das Wort „Massage“ stehen hatte auf die Suche. Nein, nicht wirklich erfolgreich. Ich bin inzwischen wohl recht geuebt, „Bilder“ zu vergleichen und so irgendwie meinen Weg durch China zu finden, aber so ganz akut hatte ich keinen Erfolg und habe dann nach einer Stunde meine Suche schon aufgegeben.
Zurueck ins Hotel, Tee trinken, Buecher lesen, Mittagsschlaf.

 
86609_original86832_originalPer Zufall stand irgendwann spaeter am Nachmittag, eigentlich gar nicht weit von meinem Hotel, die Tuer von einem Laden offen den ich noch nie bemerkt hatte. Darin sassen auf Sesseln drei chinesische Maenner, zwei davon wurden am Nacken massiert, der dritte an den Fuessen. Ein wenig mulmig war mir immernoch, wohl wegen dem komischen Blick von der Rezeptionsfrau, aber: Hier sitzen Chinesenmaenner. Und Chinesenfrauen. Und es passiert nichts verwerfliches. Also musste ich das einfach versuchen. Natuerlich gabs wieder Sprachprobleme (was waere China auch ohne) und man hat mir deswegen eine komplett chinesische Preisliste gegeben, wohl mit der Frage was es denn sein soll. Und natuerlich half mir geschriebenes Chinesisch genau so wenig weiter wie gesprochenes, daher habe ich erst meine Schultern geknetet, auf meinen Ruecken gezeigt und dann noch, ich will ja nichts verschweigen, meine Waden gedrueckt. Die Frau nickt, zeigt auf ihre Uhr, tippt „60“ in den Taschenrechner, zeigt auf die Kasse und tipppt „50“ in den Taschenrechner. Was auch immer ich da in dem Moment gekauft habe, ich war erst mal einverstanden und wurde auf eine Liege im hinteren Bereich gebeten. Nein, die Rezeptionsfrau verstehe ich immer noch nicht. Auch hier bleibt der Chinese (wie auch der Tourist) komplett angezogen und wird sogar nochmal per grossem Laken zugedeckt. So lag ich dann da, auf dem Bauch auf einer Liege, per Laken komplett zugedeckt und war ein wenig erstaunt, wie energisch die kleine Chinesin da zu Werke gehen kann, aber fand es nach einer Weile erstaunlich angenehm. Irgendwann, es hat ne ganze Weile gedauert, habe ich mir dann ueberlegt wie die das wohl macht… und so ganz, ganz langsam hat es mir dann gedaemmert: Die kleine Chinesin massiert nicht mit den Haenden, die steht auf mir. Zumindest meine angeknackste Rippe scheint komplett verheilt zu sein, sonst haette ich das schon frueher bemerkt =). Achja, das Ergeniss: Mir gehts blendend.
Chinesen verstehen was von Medizin, das habe ich inzwischen gelernt. Lass ne Stunde nen Chinesenjungen an Deine Fuesse, und die fuehlen sich an wie neu. Geh mit Husten und Schnupfen in ne Apotheke, keuche denen was vor, nehme ein paar komische Paeckchen „Fufang Nanbanlangen Keli“ (irgendein Kraeuterextrakt mit viel Zucker) mit, trinke zwei davon mit heissem Wasser und Dir gehts blendend. Oder lass ein Chinesenmaedel ne Stunde auf Deinem Ruecken herumkneten und stehen, und die monatelange Verspannung ist so gut wie weg. China wird mir immer symphatischer, auch wenn es vermutlich zumindest am Husten und Schnupfen dank Luftverschmutzung selbst schuld ist =).

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