Im Backpackerzentrum

 

Auch der Besuch eines sonst sehr netten Hotels kann mal in Handgreiflichkeiten enden, und so hat es mich zwar ueberrascht, aber nicht sonderlich verwundert dass es beim auschecken heute morgen Probleme gab. Der nette, rudimentaer englisch sprechende Angestellte war nicht aufzufinden, und so habe ich versucht bei nem Vietnamesenjungen auszuchecken. Nach kurzem blaettern in seinem Buch kam er zu dem Schluss, dass ich zwei Naechte da war und wollte 500000 Dong von mir. Plus 30000 Dong fuer die zwei Thai-RedBull aus der MiniBar. Warum bin ich eigentlich so daemlich, und erzaehl ihm davon? Es haette keiner gemerkt, und wenn ich gleich gewusst haette, dass hier jemand versucht mich abzuziehen, haette ich es verschwiegen. However, er liess sich nicht davon ueberzeugen, dass ich nur eine Nacht da war. Sein Buch hat ihm angeblich was anderes erzaehlt, und so befanden wir uns in einer herrlichen Zwickmuehle: er wollte nicht weniger als 530000 Dong von mir haben, waehrend ich ihm nicht mehr als 280000 Dong geben wollte.
Nein, ich habe mich nicht von dem geforderten Betrag ueberzeugen lassen. Stattdessen habe ich die abgezaehlten 280000, die der Vietnamesenjunge nicht annehmen wollte auf den Tresen gelegt, den Halter fuer die Visitenkarten darauf gestellt und mich auf den Weg zur Tuer gemacht. Klar, damit war der Vietnamesenjunge natuerlich auch nicht einverstanden und wurde nun leicht hektisch. Mein Glueck und sein Pech: selbst mit vollem Gepaeck auf meinen Schultern hat er es nicht vermocht mich aufzuhalten, und so bin ich problemlos nach draussen gekommen. Nur gut dass er in dem Moment allein war, sonst haette das vielleicht nicht geklappt.
Waehrend ich mich zu Fuss auf den Weg mache, wird das Geschrei ums Hotel immer groesser, ein Motorroller wird angeworfen und irgendwer ander ist nun in die Diskussion mit eingestiegen. Zeit, etwas zu unternehmen, sprich: in das Taxi steigen, das wie auf mich wartend ein paar Meter weiter am Strassenrand steht und nichts wie weg, auf direktem Weg ins Touristenzentrum von Hanoi.

88459_originalJa, Hanoi gibt sich offensichtlich viel Muehe, einem nich allzu gut zu gefallen. Waehrend am Ostufer von dem Fluss, der meine alte Bleibe vom Stadtzentrum trennt, zumindest die kleinen Alltaeglichen Dinge wie Wasser, Zigaretten und Essen noch relativ konstant niedrig im geforderten Preis waren, versucht hier (irgendwie ja logisch fuer nen Touristenhotspot) jeder moeglichst viel Gewinn herauszuschlagen.
Ein kleines Beispiel: eine 1,5l Flasche einfaches Wasser kostet am Ostufer 8000 Dong. Genau die gleiche Flasche kostet hier jetzt mindestens 10000, was man ja mit der Lage und hoeheren Kosten und was weiss ich was begruenden kann. Ist ja auch okay. Nur sind selbst die 10000 schon hart verhandelt. Das Einstiegsgebot liegt in der Regel bei 20000 Dong, manchmal sogar noch hoeher.
Gestern Abend habe ich mich um ein Abendessen bemueht, dafuer bin ich ziemlich weit gelaufen in der Hoffnung dieses Touristenzentrum und Preisniveau zu verlassen, und dachte ich waere erfolgreich gewesen. Fuer eine Schuessel Reis mit Gemuese und etwas Huhn, dazu eine kalte Suppe habe ich 30000 Dong bezahlt. Das ist grob ein Euro, also wirklich vollkommen okay im ersten Moment. Der Appetit vergeht einem aber ein klitzekleinwenig, wenn der Vietnamese neben einem der Frau nur 15000 Dong fuer ganz genau das gleiche Essen gibt. Nein, es geht nicht um die 50 cent hin oder her. Es geht auch nicht darum, dass man als Tourist vielleicht nicht ganz soviel bekommt und ein klein wenig mehr bezahlt, denn so ist die Welt nun eben mal. Aber der doppelte Preis fuer das gleiche, und das wirklich schlimme daran: so dreist und offensichtlich, steigert zumindest in keinster Weise den Wohlfuehlfaktor.

87846_originalHanoi ist aber auch abgesehen davon nicht gerade die aller spannendste Stadt. Das soll jetzt nicht bedeuten, dass es mir hier nicht gefallen wuerde… Die Stadt an sich ist nur herzlich unspannend, wenn man sich mal zurechtgefunden hat. Auf Tempel, Pagoden und Museen ist mir, abgesehen davon dass das Angebot hier sowieso reichlich duenn ausfallen wuerde, zwischen Motorrollern und Strassenlaerm eher weniger, da gibts eindeutig geeignetere Plaetze. Als schoen wuerd ich Hanoi jetzt auch nicht bezeichnen. Wild durcheinandergewuerfelte und aneinandergebaute, asiatische Neubauten eben. Nichts schoenes, nichts spannendes, nichts spektakulaeres. Gegenueber China fahren hier keine lautlosen Elektroroller, sondern Zweitakter mit ausgiebig genutzter Hupe. Es ist alles ein wenig lauter, wirkt ein wenig hektischer und ungemuetlicher.
Etwas wirklich tolles, aufregendes oder abenteuerliches wartet hier auf den ersten Blick nicht. Okay, fuer viele Chinesen ist es sehr spannend. Versteh ich. Chinesen machen in den allermeisten Faellen in China Urlaub. Die, die ins Ausland kommen landen in aller Regel zuerst in Hanoi, denn ausser nach Vietnam kommt der Durchschnittschinese wohl eher schwer bis garnicht. Und als erste Stadt in der Gehwege so zugebaut sind dass einmal um den Block zu gehen zum Hindernisslauf wird, die Strasse zu ueberqueren einer Mutprobe gleicht, die Leute eine andere Sprache sprechen und das ganze taegliche Leben komplett anders ablauft als daheim, sei es das Einkaufen, die Freizeitgestaltung, das Essen, der Transport oder irgendwas anderes; genau dann kann Hanoi verdammt spannend sein. Anders eben. Und neu. Wenn das alles aber irgendwie abgestumpft ist, ist Hanoi als Stadt eben ein wenig „same same, but diffrent“ (jetzt bin ich ja endlich in der richtigen Gegend, um solche Redensarten zu verwenden =) ).
88073_originalWas in dem Fall dann ueberhaupt noch bleibt? Ein wenig der „long time no see“-Faktor (noch so eine tolle Redensart. Ich steh voll drauf…) schlaegt bei mir ein wenig zu: mal wieder in der Gegend zu sein, im Trubel unterzugehen oder an den Strassenrand zu sitzen und einfach dem ganz normalen Leben hier zusehen waehrend die Zeit vergeht. Nichtstun im wesentlichen.
Okay, ich bin nicht ganz gluecklich damit. Ich muss endlich raus aus den Staedten, irgendwo aufs Land, ein wenig weg vom Trubel und die Umgebung geniessen. Ausserdem hoffe ich noch irgendwie auf leicht trockeneres Wetter, eines mit weniger Luftfeuchtigkeit und eins ohne stundenlangen Regen und ein mit mehr als nur wenige Minuten Sonnenschein pro Tag.
Ich kann selbstg nicht sicher sagen, ob es am Zugfahren oder an der Hoffnung auf einen Klimawechsel liegt, aber ich habe spontan eine weitere Zugfahrt gebucht. 30 Stunden, die komplette Strecke von Hanoi nach Ho Chi Minh City. Einmal in den Sueden bitte, zu den Moskitos im Mekong-Delta. Leider habe ich mal wieder Glueck und diesmal vietnamesische Feiertage erwischt. Warum schaffe ich es eigentlich, alle Transportprobleme ueber Feiertage zielstrebig mitzunehmen? Naja, auch dafuer habe ich einen Plan geschmiedet: Uebermorgen gehts per Bus ein wenig auf Land, warten bis die Feiertags-Ausflugsarie vorueber ist, danach zureuck nach Hanoi und Zugfahren, wenns ruhiger ist. Bis dahin erfreue ich mich jetzt mal an meinem neuen Hostel mit Sechsbettzimmer, Dachterasse, Freibier von fuenf bis sechs jeden Abend, Fruehstueck mit Toast und Kaffee, drei Computern mit Internetzugang, Tour- Zugticket- Busfahrkarten- und Flug-Buchungs-Service und englisch sprechendem Personal. Genau richtig geraten, die volle Backpackerbude. Welch herrliche Abwechslung zwischendurch =).

 

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