Mit den Langnasen auf dem Rooftop

 

Ja, Backpackerbuden koennen manchmal manchmal toll sein. Setz Dich aufs angepriesene „Awesome Rooftop“ (das zwar eindeutig „Rooftop“, aber nicht so richtig „Awesome“ sein mag) und Du hast quasi direkt und ohne Umweg Gesellschaft. Ein Typ aus Polen diskutierte gestern mit einem aus Kanada ueber Nachrichten in verschiedenen Medien und die Weltwirtschaft. Da beide so ihre Probleme haben ihre Ansichten in englisch zu formulieren, vorallem so dass der andere das noch versteht, kann ich direkt mit einsteigen und meine Schwaechen auf diesem Gebiet fallen auch nicht weiter auf. Klar, dass der Tiefgang der Diskussion eher gering ausfiel, aber was solls? Ich hatte nen tollen Abend in Gesellschaft und konnte mich, wenn auch etwas eingeschraenkt, mitteilen. Es war herrlich =).
Leicht schraeg war es heute allerdings zwei Deutsche dort oben zu treffen. Auch wenn ich dank toller Bekanntschaften in Zuegen zwischen Moskau und Beijing meine Vorurteile ueber Franzosen und Englaender ein gutes Stueck ueber Bord geworfen habe, Deutsche im Urlaub zu treffen ist immernoch ein komisches Gefuehl. Ich kann mir selbst noch nichtmal erklaeren warum, um ehrlich zu sein. However, auch das war toll. Eine seichte Unterhaltung ueber Laos, Thailand, Flieger und das inzwischen allgegenwaertige Entsetzen bei der Aussage „nein, ich bin nicht hergeflogen. Ich bin Zug gefahren. Ja, den ganzen Weg. Wirklich. Von zuhause aus, in Deutschland. Ueber Basel.“ =)

88728_originalIch glaube ich war in China wirklich zu lange zu alleine unter zu vielen Chinesen, und vielleicht habe ich auch zu selten in den Spiegel gesehen. Und das nicht nur, weil ich mich inzwischen ueber jedes Gespraech um welch noch so kompliziertes Thema mit Formulierungsproblemen ohne Ende freuen kann…
Ich war heute im wesentlichen im „Old Quarter“ unterwegs, einfach zu Fuss durch die Gassen geschlendert und habe versucht, mich an dem Touristenzentrum mit all seinen tollen Angeboten zu erfreuen. Es war abwechslungsreich und irgendwie anders und auch schoen. Irritiert haben mich aber den ganzen Tag ein klein wenig die ganzen Touristen mit den unchinesischen Gesichtern. Das Gefuehl ist aehnlich wie wenn man nach vier Wochen ununterbrochenem Englischreden auf einmal wieder deutsch spricht. Eigentlich nichts ungewohntes und gewiss nichts schwieriges, aber im ersten Moment trotzdem irgendwie komisch. Seit der Zugfahrt von Moskau in die Mongolei habe ich eigentlich keine solche Konzentration an Langnasen gesehen, und das auch nur weil die Russen selbst welche sind =). Ja, ich scheine mich inzwischen tatsaechlich ein Stueck an chinesische Gesichter gewoehnt zu haben. Es ist mir auch nicht mehr ganz so unmoeglich einzelne Personen auseinanderzuhalten, eins meinser groessten Probleme bislang. Die Verwechslungsgefahr ist nach wie vor hoch, aber ich mache ganz deutliche Vortschritte.

89030_originalAchja, nachdem ich Bruder Nummer eins, den lieben Mao besucht habe, hatte ich irgendwie den Gedanken seinem Kumpel, Onkel Ho auch zu besuchen. Onkel Ho, Ho Chi Minh streng genommen, wohnt inzwschen auch in einem schicken Mausoleum, allerdings eben in Hanoi. Und ganz genau wie Mao bekommt auch er verdammt viel Besuch an Feiertagen. Nun, heute ist Feiertag. Nicht nur fuer mich, sondern auch fuer die Vietnamesen, wenn auch aus einem anderen Grund: Vor 36 Jahren wurde Saigon befreit. Urlaub fuer die Vietnamesen, und eine zu lange Schlange fuer mich. Selbst die Schlange an der Gepaeckaufbewahrung war mir um ehrlich zu sein schon zu stressig.
Onkel Ho bekam demnach einfach keinen Besuch von mir, ich hab mich mit „hanging around“ zufrieden gegeben, ohne „seeing places“.

 

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