All inclusive nach Mai Chao?

 

Tour-Group-Busse sind schon irgendwie schraeg. Ich bin heute morgen in so einem gelandet, und war ein kleinwenig ueberrascht. Gut, ich habe den bequemen Weg gewaehlt und mein Hostel die Busfahrt nach Mai Chao organisieren lassen. Ganz klar, das kost etwas mehr, ist dafuer schnell erledigt und man wird am Hostel abgeholt. Absolut Idiotensicher sozusagen, ohne Bushaltestellen suchen und Busschilder mit Texten im Guidebook vergleichen und so. Dass es ein Bus voller Touristen sein wird, ueberrascht demnach keinen. Dass unterwegs dann allerdings das Sightseeing-Konzept ausgepackt wurde und jemand auf englisch und vietnamesisch Dinge ueber Highways die wir gerade befahren, Hochhaeuse, Hotels und Ausstellungshallen erzaehlt… das hat mich verwundert. Beaengstigt hat mich allerdings, als wir so langsam unseren Ziel nahe kamen, die „diesen Markt werden wir morgen besuchen“, „dort oben werden wir morgen eine Hoehle sehen“ und „in so einem Haus werden wir heute schlafen“ Aussagen. Verdammt, ein Bus voller Faehnchenverfolger! Ging da was schief? Der Preis fuer die Busfahrt war zwar beangstigend hoch, zumindest im Vergleich zum PublicTransport, aber es war halt ein Touristenbus mit AirCondition und allem Touristenluxus, inclusive relativer Beinfreiheit… aber es war doch bittebitte keine Zweitagestour, in die die mich da verfrachtet haben. Bitte.
Als dieser Faehnchenverfolgertransportbus dann auf einem Huegel kurz Halt gemacht hat, damit jeder auch schoen Fotos schiessen kann, kam allerdings die Erleichterung. Der ich-erzaehl-euch-was-Mann kam auf mich zu und meinte etwas wie: „Du bist der, der nur die Busfahrt gebucht hat?“. Ja, der bin ich, und ploetzlich richtig gluecklich dazu =).

Kaum sind wir angekommen und die Gruppe hat sich um das nicht vorhandene Faehnchen versammelt, habe ich mich davongeschlichen. Raus aus Ban Lac, wo die Busse mit den Faehnchen offensichtlich gerne halten und erstmal rueber nach Ban Pom Coong laufen. Das sah zwar immernoch nach touristentauglicher Infrastruktur aus, aber weit ruhiger. Die richtige Entscheidung. Direkt am Ortseingang kommt mir eine Frau mit ner Schuessel Schmutzwaesche entgegen. Sie schaut sich mich an, ueberlegt kurz und kommt dann laechelnd auf mich zu. Die Hande konnte sie zwar nicht aufeinanderlegen, aber Geste mit dem auf der rechten Hand liegenden Kopf war trotzdem zu verstehen. Ich bin der Frau hinterher, arg viel falsch machen kann man hier ja nicht, und war dann doch ein wenig ueberrascht: Es war ein etwas aelteres Haus und wie beinahe bei allen hier steht unten drin ein Webstuhl, an dem die Frau Stoffe webt die sie dann auch direkt an Touristen verkauft, aber das „Guesthouse“- oder „Homestay“-Schild gibts hier nicht. Ich folge der Frau nach oben und erkenne das erste mal, dass die Hauser hier wirklich keine Raeume haben. Es gibt manchmal eine angebaute Kueche, aber das ist dann auch schon alles. Der Boden besteht aus platt gepresstem Bambusrohr, das einfach lose auf Querbalken liegt. Dass das die Vietnamesenfrau haelt zweifelte ich nicht an, aber dass das mich mit vollem Gepaeck auf den Schultern verkraftet… ich hatte meine Zweifel, aber unberechtigt. Ausser dem ungewohnten Gefuehl war nichts dabei. Ueber den Preis waren wir uns schnell einig. Umgerechnet zwei Euro die Nacht, und kochen will sie ein Abendessen fuer mich fuer nichtmal drei Euro. Das ist grob die Haelfte von dem, was mein Guidebook mir angekuendigt hat und ich somit mehr als gluecklich. Sie hat mir dann einen Schlafplatz hergerichtet, direkt am Fenster vor dem Fernseher, waehrend in der Ecke unter einem Moskitonetz ein Baby schlief und das Plumsklo draussen gezeigt. Hinterm Haus gibts auch ne kleine Dusche, ein Waschbecken existiert allerdings nicht. Dafuer gibt es nen Wasserhahn im Freien und eine kleine Schuessel. Reicht.
Ja, ich wohne jetzt bei denen daheim. Eine Family mit zwei Kindern, ner Frau die tagsueber webt und einem Mann der irgendwohin arbeiten verschwindet. Klar, dass die oefters mal Besuch haben, der fuer die Uebernachtung auch Geld zahlt, aber irgendwie ist es trotzdem schoen.

Hier gehts los, hinter den Palmen und Felder und dem ganzen Gruenzeug liegt das Doerfchen Ban Pom Coong

Hier gehts los, hinter den Palmen und Felder und dem ganzen Gruenzeug liegt das Doerfchen Ban Pom Coong

In dem Doerfchen gibts ein feines Haeuschen, in dem ich momentan wohne

In dem Doerfchen gibts ein feines Haeuschen, in dem ich momentan wohne

 

Meine Bleibe von innen =)

Meine Bleibe von innen =)

Und mein Plaetzchen, mitohne Privatspaere, aber das ist okay.

Und mein Plaetzchen, mitohne Privatspaere, aber das ist okay.

 

Ansonsten? Mai Chao begeistert. Nach komischen Phasen in Nanning und leichten Anfluegen von Heimweh in Hanoi bin ich nun wieder auf der Reise. Ban Pom Coong und Ban Lac sind zwei kleine Doerfchen, zu Fuss vielleicht 10 Minuten von Mai Chao entfernt und so ziemlich komplett rein mit diesen „Pfahlbauten“ gebaut. Bewohnt werden diese Doerfchen sowie die anderen hier in der Gegend wohl von Thais, zumindest ethnisch betrachtet, wenn auch schon seit Generationen Vietnamesen. Das wirklich tolle sind aber die Reisfelder zwischen den Doerfchen und die Huegel ausenrum. Wandern zwischen Reisfeldern in einem unglaublichem gruen; zwischen Bueffeln, Kuehen, Gaensen, Huehnern, Hunden und allerhand Kleingetier. Ja, ich steh drauf und geniess es, auch wenns zwischendurch auch mal ein wenig regnet. Zur Abwechslung gabs sogar mal wieder ein wenig Bergsteigen, die Aussicht geniessen und die Hoehle suchen, die die Tour-Group morgen beuschen wird. Es ist beinahe der perfekte Ort im Moment, wirklich perfekt waere er mit einer Haengematte, aber man kann ja nicht allesalles haben.

Eine meiner Erkenntnisse ist allerdings mal wieder: ich sollte wohl franzoesisch lernen. Immer wenn ich nen echt schoenen, ruhigen und tollen Platz finde, sind die Franzosen schon da. Nein, das ist nichts was mich stoeren wuerde, sagt mir aber irgendwie dass ich zukuenftig franzoesische Reisefuehrer lesen sollte =).

 

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