Nichts neues aus Ban Pom Coong.

 

Der Reis ist noch gruen, die Sonne scheint, zwischendurch regnets mal, ich spaziere durch Reisfelder und kleine Doerfchen, die Hunde moegen mich nicht, die Bueffel ignorieren mich, kleine Kinder winken mir wo immer sie mich sehen und die Frau meiner Gastfamilie zaubert das herrlichste Essen fuer mich. Alles bestens soweit.

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Zum Mittagessen wurde ich eingeladen, von dem Vietnamesenmaedel, das im Haus gegenueber gestern Abend die ganze Zeit am Fenster sass und offensichtlich gelangweilt keine bessere Beschaeftigung fand mich, die einzige Langnase in der Strasse, zu beobachten. Ich dachte bisher die wohnt hier, aber offensichtlich ist sie eine der vielen vietnamesischen Touristen. Ueber die Feiertage mit der besten Freundin raus aus Hanoi und ab aufs Land. Wenn man mal genauer hinsieht, stellt man fest dass der Grossteil der Touristen hier vietnamesisch ist und nicht wie vielleicht im ersten Moment vermutet hier wohnt. However, so fand ich mich ein paar Minuten spaeter unter dem Nachbarhaus wieder, auf klizekleinen Stuehlchen an nem kleinen Tisch, die Frau aus diesem Haus zabert gerade ne riesige Platte voller Essen daher, mit zwei Vietnamesenmaedels wieder. Am Anfang gings, wie so oft, ums woher und wohin und wielange und mit wem. Nichts besonderes eben. Warum ich denen allerdings verraten habe, dass ich aus Deutschland bin weiss ich auch nicht mehr. Ein Versehen irgendwie, denn Tarnung ist normalerweise super und Deutschland war auch mal wieder so ein magisches Stichwort. Der Opa war in Deutschland, hat dort fuer die vietnamesische Vertretung gearbeitet, und es ist ja soooo toll dort. Die ganze Familie liebt Deutschland und alles ist so super dort und sie wollen unbedingt mal da hin… Waehrend die kleinere von beiden (sowohl von der Koeprergroesse als auch vom Alter) erstaunlich gut englisch sprach, hat die andere nicht ganz so gut mitreden koennen, und so war viel Uebersetzung mit im Gespraech enthalten. War es denn Uebersetzung? Heute bin ich mir nicht ganz so sicher, ob es nicht auch was anderes war. Nach nur zehn Minuten began die kleinere der beiden naemlich (nach kurzer Nachfrage nach meinem Familienstand) die Komplimentekiste auszupacken. Ja, ich wurde foermlichst ueberschuettet. So wirklich verstanden haben wir uns nicht. Kulturunterschiede eben. Waehrend ich z.B. Mai Chao super finde, mit der Ruhe und den Reisfeldern und den Bergen und allem drumherum, fandens die beiden schrecklich oede. Zu wenig „sights“, vor die man sich stellen und fotografieren lassen kann. Ich glaube Vietnamesen reisen ein klein wenig chinesisch. Status ist alles, und so ist es viel wichtiger zuhause viele Fotos von sich selbst vor irgendwelchen Sehenswuerdigkeiten zeigen zu koennen, als die Eindruecke einer Gegend zu geniessen. Da ist man dann auch ueber Tourguides froh, die einen in moeglichst schnellem Tempo vor moeglichst viele Sehenswuerdigkeiten transportieren. Ein erfolgreicher Ausflug ist einer mit vielen Fotos vor wichtigen Plaetzen mit sich selbst drauf. Ja, was Statusfotos angeht ist Mai Chao wirklich kein Paradies. Dafuer musste ich mir dann allerdings ganz viele Fotos aus ner Bergregion 150km westlich von hier, die wohl wesentlich touristischer ist und ein Ausflugsziel der beiden vor einiger Zeit war auf ihrem Fotoapparat ansehen. Posen kann sie, das habe ich durchaus gesehen. Von der Gegend allerdings eher weniger, eben nur das was zwischen Vietnamesenmaedel und dem Rand des Fotos zu erkennen war.
91652_originalJa, die liebe Kultur. Gestoert hat es sie allerdings nicht. Verstehen hin, verstehen her, sie ging nach oben und brachte mir sogar ein Geschenk: irgendwas aus Milch und viel Zucker, in fester Form in kleinen Riegeln, wird hier Region wohl traditionell zum gruenen Tee gegessen, damit er nicht so bitter ist. Ich war ueberfordert, muss ich ehrlich zugeben. Mit der Situation anfangen konnte ich nichts, die beiden haben mich zu tiefst irritiert und wie ich am besten aus der Sache wieder herauskommen koennte wusste ich auch nicht. Als sie mir dann noch erzaehlten dass sie heute zurueck nach Hanoi fahren und mich gerne mitnehmen wuerden wurde es fuer mich dann volkommen schraeg. Hilfe. Da war eindeutig was komisches im Gange, und ich war dann sehr sehr froh ueber die neueste Wendung: Der Bus der beiden faehrt schon in eineinhalb Stunden. Nein, das Angebot habe ich ueberhoert, keine Reaktion meinerseits. Einfach weiter am banalen Gespraech ueber Mai Chao, Hanoi und die Umgebung festhalten, und irgendwann sind die beiden dann nach oben verschwunden, ihre Sachen packen, und ich war wieder allein:
Am Fenster sitzen, die Aussicht geniessen, keine Kulturkonflikte, keine Status-Fotos, nichts irritierendes mehr. Die Gegend um Mai Chao ist wirklich schoen.

 

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