Studentenausflug

 

Eine Abreise aus Mai Chao kann schon kompliziert werden, wenn man bedenkt dass man sich auf der Strecke Mai ChaoHanoi komplett auf die Tour-Group-Busse verlassen muss. Public Transport ist hier nicht wirklich, also bleibt nichts anderes ueber als diesen Bananenbiegern zu vertrauen. Meistens klappts ja auch, nur ich hatte heute einfach Pech und so war zwar ich zur vereinbarten Zeit am vereinbarten Ort, aber keine TourGroup und erst recht kein Bus. Fein.
93118_originalEinen klitzekleinen Moment habe ich beinahe bereut, nicht gestern mit den zwei Maedels nach Hanoi gefahren zu sein. Mag sein dass ich dann nen Ausweg aus nem Heiratsantrag von nem vietnamesischen Barmaedel finden muessen haette, oder vollgepumpt mit Drogen in einer Gosse vor mich hinvegetiere waehrend ich ausgeraubt werde, aber ich waere zumindest in Hanoi. Vermutlich zumindest.
Aber ernstahaft: was jetzt am besten tun? Klar, das was immer hilft: moeglichst ratlos aussehen und warten. Es hat nur grob fuenf Minuten gedauert, und eine nette Guide-Frau hat mich gefunden. Nein, ich brauchte keine Hilfe bei der Suche nach einer Uebernachtungsmoeglichkeit, ich war auf der Suche nach meinem Transport nach Hanoi. Es war nicht ganz einfach, das der Frau zu erklaeren, aber irgendwann scheint sie verstanden zu haben und faengt ploetzlich an zu telefonieren. Der normale Bus sei zwar um halb eins schon gefahren, aber sie kenne nen Busfahrer der mich fuer 150000 Dong um drei Uhr mitnehmen koennte. Naja, nur zwar nur fast verstanden, aber das war ja schon mal ein sehr lieber Anfang. Nochmal bezahlen? Nene, nicht mit mir, und nachdem ich es geschafft habe das der Frau zu erklaeren hat sie nochmal mein Ticket studiert und verwundert noch einmal telefoniert. Und siehe da, auf einmal drueckt sie mir ihr Telefon ans Ohr und ich habe den Kerl von der Ausflugsgruppe von vor zwei Tagen in der Leitung. Nein, heute haben sie leider keine Tour. Wuerde ihm leid tun. Er koennte mich heute nicht nach Hanoi transportieren. Danke, lieber Herr Transportdienstleister!
Was tut man in so einem Fall, nachdem man sich nen klitzekleinen Moment konzentrieren musste, um sich nicht aufzuregen? Mai Chao haette mich ja gerne noch ne Nacht behalten duerfen, wenn ich nich fuer diesen Abend ein Zugticket nach HoChiMinhCity in der Tasche gehabt haette. Also tief durchatmen, nachdenken und in aller Ruhe nochmal mit dem Typen am Telefon reden. Irgendwie habe ich ihn dann dazu gebracht, das mit der Frau mit der Busfahrerconnection zu regeln, immerhin scheinen die zwei sich irgendwie zu kennen. Sie streckt vor, er bezahlt Sie morgen und ich bin raus. Oder irgendwie so, mir auch ziemlich egal solange ich ohne ein zweites mal zu bezahlen heute noch nach Hanoi komme. Klingt wirr, mag es auch sein, aber offensichtlich nichts allzu ungewoehnliches. Hauptsache weiterkommen lautet die allgemeine Regel.
92742_originalWelch freudige Ueberraschung: der neue Bus wollte mich dann erst mal nicht mitnehmen. Naja, vielmehr war es die vietnamesische Studenten-Ausflugsgruppe, die irgendwas dagegen hatte mich mit im Bus zu haben. Eine von den Studentinnen hat sich selbst zur Sprecherin ernannt und wollte mich definitiv nicht einsteigen lassen, denn der Bus sei schon voll und ich gehoere ja auch nicht zu ihrer Gruppe. No way, ich soll dableiben. Sehr freundlich. Nochmal war die liebe Guide-Frau notwendig, die inzwischen den Busfahrer bezahlt hat um mich doch noch irgendwie in den Bus zu bekommen. Guide-Frauen die Busfahrer bestechen haben offensichtlich mehr Stimmrecht als Stundentengruppen, also sass ich ziemlich schnell vorne auf dem Beifahrersitz. Hinter mir sass ein Vietnamesenjunge, fuenfundzwanzig, und immerhin er fand es wohl ganz toll mich dabei zu haben. Zumindest hat er sich recht gern mit mir unterhalten.

Die Fahrt war aber auch ohne die Reisegruppe sehr spannend. Auf meinem Logenplatz ganz vorne hatte ich den kompletten Ueberblick. Ueberblick vorallem ueber die Fahrweise des vietnamesischen Busfahrer mit schwarzer Rebellen-Muetze und Dreitage-Kinnbart, der zwar innereorts schonmit achzig km/h an Fussgaengern und Marktstaenden vorbeibrettert, aber auf den Strassen ausserorts erst so richtig auftaut: auf einer normalen Landstrasse bei konstantem Motorroller-Gegenverkehr ein Taxi ueberholen, das selbst gerade ein Fahrrad ueberholt? Klar, irgendwer wird schon Platz machen. Auf Serpentinenstrassen den Berg hoch LKWs ueberholen ohne auch nur 100m weit zu sehen? Fuer diesen Kamikazepilot, fleissig hupend auf der Gegenspur, keine Frage. Waehrend die Studenten hinter mir irgendwann kolektiv geschlafen haben, war ich von dem Fahrstil viel zu gefesselt, um ein Auge zuzubekommen. Aber er war, alles in allem, recht effektiv mit seiner Raserei: waehrend die Fahrt nach Mai Chao vier Stunden bei einem kaum vorhandenen Stadtverkehr in Hanoi vier Stunden gedauert hat, schaffte er die Strecke zurueck zur Uni, also nochmal fuenf Kilometer mehr durch die Stadt und das in der RushHour in gerade mal drei Stunden.
Ja, ich wurde an der Universitaet abgeladen. Genau da, wo eben der Ausflug fuer diese Studentengruppe auch geendet hat. Und die anfaengliche Abneigeung der Reisegruppe mir gegenueber scheint ploetzlich irgendwo unterwegs verloren gegangen zu sein. Waehrend mich der Kerl vom Sitz hinter mir mich um neun zu sich nach Hause einlaed zwecks gemeinsamem Abendessen, erklaert mir eine seiner Mitreisenden auf meiner Strassenkarte wo wir gerade sind, und sich so ziemlich alle im Kreis um uns sammeln und gespannt beobachten. Nachdem ich das Angebot zum Abendessen leider wegen dem Zug um elf absagen musste und einen Ueberblick hatte, wo ich gerade bin kam aus diesem Studentenkreis noch das Maedel, das mich nicht in den Bus lassen wollte, drei Schritte auf mich zu und meint sie alle zusammen moechten mir ein Geschenk machen. Sie gibt mir ein in transparenter Folie verschweisstes Buendel aus Bananenblaettern, ziemlich schwer und gross, darin soll sich wohl ziemlich leckerer traditioneller Kuchen verstecken. Ploetzlich waren auch die anderen alle verdammt lieb und besorgt, dass die arme Langnase den Weg durch das gefaehrliche Hanoi findet. Und das zu Fuss, mit Rucksack, bei dem Verkehr. Ja, das war allen unverstaendlich dass ich zu Fuss aufbrechen wollte, waehrend ich mich auf einen kleinen Spaziergang zwischen Essensbuden, Verkauffstaenden und Motorrollern gefreut habe. Es gibt mache Themen, in denen werden Asiaten und ich uns wohl nie verstehen koennen. Kultur ist schon was ziemlich komisches. Nachdem mir dann alle ne schoene Reise und ne gute Zeit gewunscht und ich mich ausgiebigst fuer das Kuchenbuendel bedankt habe, habe ich mich dann auf den Weg Richtung Bahnhof gemacht. Zu Fuss natuerlich, und ich habe es genossen und ueberlebt.

 

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