Mekong-Delta?

 

Es hat geklappt, das einfach mal vorab. Ich bin Ho Chi Minh City entkommen, auf vietnamesischem Weg, ohne Kaffeefahrt und so. Grund genug, stolz auf mich selbst zu sein =).
Dabei fing der Morgen mal wieder mit einem weniger angenehmen Dejavu an: Geld alle und die Automaten streiken. Ich mag sowas ja garnicht, aber zumindest gibts in Saigon genug Geldwechselbuden, um nicht in Stress geraten zu muessen. Aber das nur am Rande.
Stadtbus zu fahren in Ho Chi Minh ist dafuer denkbar einfach: sobald man weiss, welche Busstation der richtige Ausgangspunkt ist, hilft einfaches am-Rand-stehen-und-Busbeschriftungen-lesen. Noch einfacher ist es, wenn man die Nummer der Linie kennt, denn dann wartet man einfach bis in meinem Fall die 102 daher gerollt kommt und steigt ein. Der Ticketfrau zeigt man eine Seite des Notizbuches, in der man sich die Station fuer den Ausstieg notiert hat, bekommt ein Ticket mit dem aufgedruckten Preis (betrogen zu werden ist also beinahe ausgeschlossen) und alles wird gut. Naja, okay, an die Mien Tay Busstation ist man zwar ueber eine Stunde unterwegs (an was der Stadtbus sicherlich keine Schuld hat), aber sonst gibts da nichts zu meckern. An der Mien Tay Busstation einen Bus zu bekommen ist noch viel einfacher: es gibt unzaehlige Glasfenster-mit-Durchreiche-Schalter von verschidenen Busbetreibern, die alle ganz praktisch ihre Ziele und die Preise dazu in Uebergroesse auf die Glasscheibe schreiben. Nach Vinh Long oder sonstwo im Mekong-Delta zu kommen stellt sich alse herzlich einfach dar, zumindest im ersten Moment. Wenn man dann zur richtigen Zeit im richtigen Bus sitzt, ein heftig gruener Sprinter, und den Rucksack brav im „Kofferraum“ verstaut hat, sollte man sich allerdings nich sonderlich uebermaessig wundern wenn man quasi aus dem Bus wieder herausgezogen wird. Wenn zwei Typen im offiziellen Busunternehmen-Outfit nach nochmaligem betrachten des Tickets auf die Idee kommen dass das noetig ist, so glaubt man das ja erst mal und steigt brav aus. Vorsicht ist allerdings geboten wenn der Bus langsam losfaehrt und der Rucksack noch drin steht. Ich glaube nicht dass ich den jemals wiedergesehen haette, und so war ich doch ganz froh unter lautem Protest den Bus nochmal kurz zum Anhalten bewegen zu koennen. Nein, so wirklich geredet hat keiner mit mir, man hat mir nur gesagt ich solle nochmal 30 Minuten warten und wurde dann in einen anderen Bus gesetzt. Der war zwar same same, aber auch diffrent: zumindest stand nicht mehr „Vinh Long“ als Ziel auf der Frontscheibe, und so blieb mir nichts anderes ueber als mich ueberaschen zu lassen wo die Reise denn nun wirklich hin geht.
Ein wenig schade fand ich, die ganze Zeit an diesem Ort nur ein einziges weiteres Touristenpaerchen gesehen zu haben. Nein, nicht weil ich sonderlich scharf darauf bin denen hier zu begegnen. Ich war einfach enttaeuscht, dass offensichtlich nicht viele Touristen an Busstationen unterwegs sind. Dabei ist Public Transport hier wirklich supereinfach und superguenstig.
Lange Geschichte, kurzer Sinn: nach etwas mehr als drei Stunden konnte ich draussen einen Busbahnhof mit dem Namen „Ben Xe Vinh Long“ in grossen Leuichtbuchstaben sehen und bin dort einfach ausgestiegen. Der Rest des Busses fuhr zwar weiter, aber ich glaube das war alles an sich schon so gedacht.

95093_originalVinh Long liegt zwar wunderbar mitten im Mekong-Delta, aber so romantisch wie sich das anhoert wirkt diese Stadt erstmal nicht. Gut, es gibt viele Fluesschen und Bruecken darueber, aber ansonsten bleibts einfach eine vietnamesische Stadt ohne Mekong-Charme. Daher war ich tatsaechlich ganz gluecklich, „gefunden“ zu werden. Eine Frau spricht mich an der Busstation an, besser gesagt hat sie mir erstmal geholfen die Sprachprobleme beim Wasserkauf zu ueberwinden. Nicht, dass ich den Preis nicht auch ohne sie herausgefunden haette, aber eine nette Geste war es dennoch. Danach gings ums Geschaeft, allerdings nicht um ein Mototaxi oder Hotel, sondern um einen homestay bei ihrer Family, und so packt sie erstmal allerhand bunte Fotos aus: „Mein Haus, mein Boot, meine Familie“. Ich fands irgendwie witzig, ausserdem hat sie ein paar Zauberwoerter verwendet: „Insel“, „nicht direkt in Vinh Long“ und „Haengematte“. Ich war direkt dabei.

95863_originalAuf der Insel, so weit ich vermute mit dem Namen „An Binh“, auf die mich die Frau dann per Motorroller und Faehre dirigiert hat, wurde ich von Ihrer Schwester schon erwartet, abgeholt und direkt bis nach Hause gefahren. Ja, dieser Abschnitt hatte etwas von all-inclusive, aber mich hats nicht gestoert. Was ich allerdings gelernt habe: wenns darum geht, dass ganze TourGruppen bei Familien zuahuse uebernachten, hat das nicht mehr den wir-schlafen-alle-in-einem-Raum-eines-Pfahlbautenhauses-Charme, sondern es wird mehr komerzialisiert: es gibt einen Gaeste-Anbau mit Gaestezimmern, zwei Gaesteduschen im Haus und das Hauptbusiness der ganzen Family scheint zu sein, dieses Gusthouse umzutreiben. Nein, schlecht ist das nicht, nur anders. Etwas unangenehm war allerdings diese Schwester die mich abgeholt hat und mich zum Haus gebracht hat: sie hatte irgendwie Angst vor mir und hat mich die ganze Zeot gemieden wo es nur ging. Wenn sonst keiner dabei war, hat sie jedes Wort gemieden und mir noch nichtmal gezeigt wo die Dusche ist. Ein „das ist Dein Zimmer“ war alles, bevor sie direkt verrschwunden war. Vielleicht lag es daran, dass sie vielleicht grobe 25 und der unverheiratete Chef des ganzen Familienbusiness ist waehrend ich der generell-verdaechtige-solo-Vietnam-Reisende bin, vielleicht auch nicht. Zumindest kam sie mit dem belgischen Paerchen bestens zurecht und hatte nen Mordsspass. However, das soll mich nicht stoeren und beim gemeinsamen Abendessen war zumindest ihre Mutti und ihr kleiner Neffe schwerauf begeistert von mir. Unangenehm wurde es deswegen also nicht.

95555_originalViel Zeit, die Insel zu erkunden blieb mir heute leider nicht. Nachdem ich gegen vier erst angekommen bin, es gegen sechs dunkel wird und es keine Strassenbeleuchtung gibt, habe ich nich allzuviel gesehen. Ich habe von der Familie ein Fahrrad geliehen bekommen und bin zumindest die Haelfte der Insel mal abgefahren, musste aber feststellen dass auch hier das Insel-feeling komplett fehlt. Die Vetnamesen bauen hier ihre Haeuser gerne direkt ans Wasser, das ganze Ufer entlang. Mekong zu sehen ist also beinahe unmoeglich.
Nein, ein schlechter Platz ist das keiner, nur ein herzlich unspannender und trotz allem mag ich mich in meiner Bleibe nicht so recht wohlfuehlen, obwohl ich mit dem belgischen Paerchen super verstehe und nen tollen Haengemattenabend auf der Veranda hatte. Morgen werd ich wohl direkt weiterziehen, weiter in Sueden, weiter hinaus in die entlegenen Ecken. Bustransport scheint ja recht einfach zu funktionieren, vorallem wenn man sich auf kein bestimmtes Ziel festlegt. So werde ich morgen gen Busstation aufbrechen, und einfach mal auf ner Karte schauen wo der naechst beste Bus hinfaehrt. Wenns spannend klingt steig ich ein, wenn nicht warte ich einfach auf den naechsten.

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