Szenenwechsel

 

Dass es so schnell geht, war irgendwie nicht geplant. Vom Provinznest im Mekong-Delta zur Touristen-Badeinsel-im-Werden in gerade mal neun Stunden.

98175_original98315_originalAngefangen hat dieser kuriose Trip heute am fruehn morgen wie geplant in Ca Mau: Aufbruch in aller Frühe (also so gegen sieben) gen Bootsanleger. Dort gilt erst mal zu erkennen dass man reichlich zu frueh ist, denn das auserkorene Boot nach Rach Gia an der Kueste faehrt erst um neun, aber immerhin war es schon da und hat gewartet. Als fast schon geuebter Mekong-Expressboot-Fahrer konnte ich deshalb auch direkt Eindurck bei den wartenden Bootsleuten schinden: hochprofessionell den Rucksack wasserdicht verstauen, im hohen Bogen auf das Dach der GFK-Schaukel wuchten, Barfuss hinterherklettern und ein passendes Plaetzchen am Heck suchen. Dem Kapitaen hab ich dann ganz laessig angedeutet, dass ich um neun Uhr puenkltich wieder da bin und bin erstmal davon gezogen. Ja, die Bootsleute zeigten sich wirklich impressed. Okay, und leicht verwundert. Kein Anfaenger mehr, sowas gefaellt mir =) Danach blieb noch genug Zeit, am Bootsanleger herumzulungern und sich ganz spontan von ner Gruppe Vietnamesen auf einen Eistee einladen zu lassen. Ja, so frueh am Morgen bin ich immernoch zu leicht zu ueberrumpeln und selbst fuer vor-Stunden-aufgesetztem-und-schrecklich-bitterenen-Gruentee mit viel suspektem Eis und Zucker zu haben. Logisch dass sich die Konversation mit meiner neuen Gesellschaft rein nonverbal abspielt, aber zumindest habe ich herausgefunden dass ich es mit einer Horde Mototaxifahrern zu tun habe. Klar, welcher normale Vietnamese haengt auch sonst morgens gegen acht in einem Strassencafe herum? Im Prinzip haette ich es wissen muessen. Nachdem die BrumBrum-Mototaxi-Geste kam, wurde irgendwann nach einer kleinen Pause fleissig weitergestikuliert: ein Zeigefinger, der in den Unterarm am Armgelenk sticht. Drogen? Der eine gesteht mir eine gestikulierte zwei, der andere eine vier, der naechste eine fuenf. Alle miteinander spritzen die sich irgendwas. Zweimal pro Tag? Zwei verschiedene Dinge? Zwei Stunden her? Was auch immer das bedeuten soll, ich haenge nicht mit reinen Mototaxifahrern herum. Das ist mal sicher. Dafuer wechseln auch zu viele grosse Geldscheine an diesem Tisch den Besitzer. However, sich schockiert zu zeigen hilft ja auch nichts, im Prinzip warens nette Leute und aus der Situation komm ich am aller elegantesten kurz vor neun wieder heraus. Was liegt also naeher, als alles zu ignorieren und am fruehen morgen ein wenig mit netten Leuten herumzualbern und Spass zu haben? Ich habe die Zeit tatsaechlich genossen, und als ich dann gen Boot aufgebrochen bin gabs tatsaechlich noch Geschenke: der eine zaubert eine Mango aus dem Einlaufkorb auf seinem Roller, und ein anderer einen ziemlich kunstvoll gefalteten 500Dong-Schein aus der Tasche. Das war der Zeitpunkt, an dem ich wirklich impressed war, selbst suspekte Transportdienstleister sind immer wieder fuer Ueberaschungen gut.

Eine Bootsfahrt in einem PublicTransport-Boot auf dem Mekong ist im uebrigen durchaus zu empfehlen. Mir zumindest gefallet es bestens, man schiesst eingepfercht mit vielen Vietnamesen durch Waelder, Doerfchen am Fluss oder die ein oder andere Stadt. Ueberall werden fleissig Leute ein- und ausgeladen, waehrend all die Fischerboote, Marktboote, kleinen Motorrollerfaehren und (weiter gen Kueste) grossen Transportkaehne alle quasi nur eine Armlaenge entfernt sind. Das Beste: mit einem Touristen rechnet in so einer GFK-Schachtel irgendwie keiner. Gut, man sieht von aussen trotz offenem Fenster auch nur schwer nach innen. Das bedeutet praktisch es wird nicht gestarrt, kein „hello“ gerufen, es gibt einfach keine gesteigerte Aufmerksamkeit fuer mich. Eine der wenigen Gelegenheiten, derart inkognito so unmittelbar unter Vietnamesen durch Vietnam zu reisen. Der einzige Nachteil: die Bootsanleger sind gerne etwas ausserhalb der Staedte, und so ist man oefters mal auf zweiraedrigen Transport am Ziel angewiesen. In Rach Gia wurde ich dementsprechend wieder belagert, wohl wissend dass ich auf die Jungs angewiesen bin wenn ich irgendwie in die Stadt oder an die Kueste kommen will. Einfach abwimmeln ist also nicht, und so startet das alte Spiel um den passenden Deal, das im Gegensatz zu den Indern in Vietnam echt Spass machen kann:

Nachdem man als Langnase vom ersten Mototaxifahrer erspaeht wird, kann man foermlich spueren wie alle seine Kollegen mit ihm gesteigerte Aufmerksamkeit entwickeln und erstmal die Lage checken, obs noch mehr Langnasen gibt oder nur die eine. Immerhin kommen Langnasen gerne Rudelweise, auch wenn ich hier immer die Ausnahme zur Regel darstelle. Meist geht es dann keine zwei Sekunden bis die ersten angestuermt kommen, denn der erste hat (so zumindest der Irrglaube, finde ich) die besten Chancen auf einen fuer ihn guten Deal. Bei mir funktioniert es bislang am besten die ersten beiden einfach nach einem Preis zu fragen. In diesem Fall einfach mal ganz pauschal „ins Zentrum“. Die spontane Antwort, wie immer: „ohhhh, das ist aber weit… 100000 Dong!“. Natuerlich ist mir das erst mal zu teuer, aber jetzt weiss die Bande dass ich nicht ganz uninteressiert bin. Und dass auch bestimmt jeder mitbekommt dass ne Langnase anwesend ist, laufe ich erstmal gaaanz gemaechlich zum Ausgang des Bootsanleger, stelle mich draussen etwas abseits an ein schattiges Plaetzchen und warte. In aller Ruhe rauche ich dort erstmal eine, und beobachte aus den Augenwinkeln, wie jetzt erstmal die Vietnamesen umlagert werden. Mototaxifahrer haben eben auch lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach, aber nachdem bei den meisten selbst das mit dem Spatz nichts wird, kommen die von ganz alleine zu mir. Heute haben mich gleich fuenf umringt, und ploetzlich faellt der Preis: 50000 lautet jetzt das Gebot. Okay, ein wenig zappeln lassen kann man sie noch, indem man erklaert dass man eigentlich erstmal in Ruhe zuende rauchen moechte. Wichtig: immer freundlich laecheln dabei zu Spaessen aufgelegt sein, denn auch die Transportdienstleister wollen ihren Spass am Spiel. Sicher, fuenf vietnamesische Augenpaare vermessen die Zigarette bei jedem Zug aufs neue und koennen kaum erwarten, bis die Verhandlungen fortgesetzt werden, aber das muss man einfach ignorieren. Ein ist jedenfalls sicher: wer jetzt noch da geblieben ist, moechte wirklich jemanden fahren weil er Business braucht. Auch zu reellem Geld, und nicht nur wegen dem schnellen Abzocken eines Touristen. Und weil ich weiss dass Locals fuer die gut drei Kilometer allerallerhoechstens 10000 Dong bezahlen, handel ich noch bis 30000 herunter und seh dann einen jubilierenden und freudestrahlenden Fahrer zu seinem Motorroller hetzen weil er einen guten Deal geschlossen hat. Alle gluecklich, alles gut. Und weil der liebe Fahrer mich erst zum Ticketsatnd fuer die Faehren nach Phu Quoc gebracht hat, gewartet hat und mich bis direkt an die Faehre gefahren hat, bekommt er seine zwischendurch mal aufgerufenen 50000 Dong. Ueber Trinkgeld freuen sich Transportdienstleister, ueber nette Transportdienstleister die Touristen. Fairer Deal.

98761_originalAchja, Phu Quoc. Die Idee hierfuer kam mir irgendwie ganz spontan im Expressboot. Warum? Ganz einfach, die zwei Zauberwoerter mal wieder: „Insel“ und „Haengematte“. Und so ganz nebenbei macht herumreisen im Mekong-Delta bisher irgendwie mehr Spass als das ankommen. Also: einmal das Boot wechseln, von kleinem Mekong-Expressboot auf grosses Golf-von-Thailnd-Schiff und nochmal drei Stunden weiterreisen, diesesmal uebers Meer auf eine Insel, quasi vor der Kueste von Kambodscha.
Was die Asiaten alle so toll an Klimaanlagen finden verstehe ich nach wie vor eher weniger. Anstatt im innern eines Metallboots zu frieren, habe ich es vorgezogen am Heck des Schiffes im Freien zu sitzen. Da, wo es laut ist, genau da, wo einem die Gischt vom Wind gerne mal ins Gesicht geweht wird. Genau da, wo man vielleicht mal nass wird, und die Lippen nach einer halben Stunde salzig schmecken. Eben da, wo man merkt dass man uebers Meer faehrt, immerhin ist das zumindest drei Stunden gut ertraeglich. Achja, zufaellig genau da, wo sich auch die anderen Westler so nach und nach sammeln, weil ihnen die Klimaanlage zu kalt wird.
Ja, Phu Quoc ist touristisch, aber ein wenig anders als ich das erwatet haette. Phu Quoc scheint noch nicht so recht zu wissen, was es werden will. Am Hafen wird man, zum allergroessten Teil vietnamesische Touristen, danach eine groessere Gruppe aeltere Westler mit Koffer und ein paar wenige Rucksackreisende, von diesen klapprigen kleinen Minibussen eingesammelt. Klar, dass auch hier das Preis-Spielchen gespielt wird, aber die meisten zahlen tatsaechlich brav drei Dollar, waehrend zumindest die Rucksackreisenden das Spiel besser kennen und auch wissen, wie es endet: nachdem man ueber Schotterpisten ans Westufer der Insel gefahren wurde, wir man natuerlich nicht einfach abgeladen. Hier beginnt das Comission-Spiel. Allerdings das schraegste das ich bisher erleben durfte, denn ab hier bemueht sich Phu Quoc um ein anderes Image: Die ganz einfachen Strandhuetten gibts hier nicht. Hier gehts um Resorts und Bungalows, kleine Ferienanlagen und Luxus. Allerdings befindet sich so ziemlich alles (genau wie die Strasse vom Hafen hierher) noch im Aufbau. Auch sonst ist allgemein Nebensaison, oder doch verdammtg wenig los, zumindest gibts erstaunlich wenig Leute auf erstaunlich viel Resort-Flaeche und unglaublich viele freie Bleiben. Die Vietnamesen geben gerne damit an, dass Phu Quoc bis in ein paar Jahren das neue Phuket sein wird. So glauben sie zumindest. Ich glaube, dass das noch ein verdammt weiter weg ist (okay, immerhin nen Flughafen haben die tatsaechlich schon gebaut), wenns ueberhaupt so weit kommt. Sicher bin ich mir jedenfalls, dass es dann kein Ort mehr fuer mich waere.
However, nachdem ich mich aus den Faengen von den Comission-Haien mit einem kleinen Trick befreit habe, habe ich eine der guenstigsten Bleiben angemietet: Bungalow im Garten, Badezimmer mit heissem Wasser, eine prall gefuellte Minibar, eine rehct grosse Veranda, Haengematte (!), taeglicher Zimmeraufraeumservice und 24Stunden-Rezeption. Macht stolze 12 US-Dollar, bitte. Okay, zwar fuer meine Verhaeltnisse viel zu teuer, aber so alles in allem das Geld wert, vorallem wenn man allein die Lage betrachtet:

Von den Bungalows fuehrt ein Steg zum Strand, der zur Anlage gehoert. Abgezaeunt oder so ist der zum Gluck nicht (und abgesehn davon auch fuer nicht-Bungalow-Wohner zugaenglich), aber verdammt ruhig:

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Das wirklich schoene: wenn man sich auf dem Steg nach lins dreht, kommt… erstmal nichts:

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und wenn man sich auf dem Steg nach rechts dreht, kommt… ein kleiner Tuempel, aber sonst auch nichts:

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und wenn man sich nach hinten umdreht, also vom Strand weg, kann man erkennen was sich um die Bungalows befindet… auch nichts =)

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Achja, ich wohnt nicht an der vorderen Reihe, das laesst mein Budget dann doch nicht zu. Aber auch weiter hinten ist es noch versammt schoen, und so herrlich ruhig. Ausser Grillengezirpe, Meeresrauschen und den Wind in den Palme hoert man hier echt… garnichts =)!

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