runter von Phu Quoc, zurueck nach Vietnam!

 

Mein Plan fuer die naechsten Tage ist inzwischen erstaunlich ausgereift, denn allzu lange moechten mich die Vietnamesen nicht mehr in ihrem Land haben. Zumindest sagt das so das Visum in meinem Reisepass, und so sollte ich grob auf einen Absprung gen Kambodscha hinarbeiten. Einmal per Boot uebersetzen nach Ha Tien, dort ein wenig bleiben, einen Bus nach Chau Doc finden und von dort aus auf eine Kaffeefahrt nach Phnom Penh aufspringen. Einfacher und guenstiger komme ich wohl nicht ueber die Grenze. Aber das ist noch Zukunft, erstmal gilt es, nach Ha Tien zu kommen.

102158_originalWie fuer teuer Geld im vorraus bezahlt werde ich brav per Minibus am Bungalow abgeholt und zum Hafen gefahren. Trotzdem ist es ein schlechtes Geschaeft fuer den Fahrer, denn ich bin heute sein einziger Gast und auch wenn ich fuer einen Minibus extrem viel bezahle, bleibt es eben doch zu wenig fuer diese Art von Privattaxi. Pech fuer ihn =). Die Faehre nach Ha Tien ist wesentlich kleiner als die, mit der ich von Rack Gia hergekommen bin. Ha Tien liegt wohl nicht auf der Hauptroute, zumindest nicht wenn man nicht zufaellig an die Kambodschanische Grenze mag. Wie auf allen kleineren Booten wird das Gepaeck wieder auf dem Dach transportiert, ich kann wieder ordentlich Eindruck beim Personal schinden und nehme im inneren Platz. Draussen stehen ist hier leider nicht. Nach und nach trudeln immer mehr Rucksacktouristen ein und ich frage mich schon ein wenig, wo die sich auf der Insel wohl alle versteckt haben moegen. However, ich erfahre dass es im Grunde zwei All-Inclusive-Fahrten gibt: waehrend die einen in Ha Tien direkt in einen Bus verfrachtet werden und ohne erwaehnenswerten Zwischenstopp gegen spaetem Nachmittag in Phnom Pen ankommen wollen, werden die anderen in Ha Tien von einem Bus erwartet der nonstop einmal durchs Mekong-Delta bis nach Ho Chi Minh City faehrt, wo er gegen Abend mitten im Pham-Ngu-Lao ankommen wird. Ob dort das Abendessen dann Pizza sein wird, habe ich allerdings nicht gefragt ;)
High-Speed-Touristenbus-Transport eben.
102586_originalSchon vor Abfahrt des Bootes ist im Innern ein Angestellter des Kaffefahrtenorganisators unterwegs und sortiert gedanklich die Touristen in diese zwei Gruppen auseinander, nachdem er von jedem einzelnen den „Reciept“ der „Travelagency“ studiert. Auch bei mir liess er sich nicht davon abbringen das Zettelchen sehen zu wollen, war dann aber doch leicht verwirrt und fragt vorsichtshalber nochmal genau nach, wo ich hin wolle. Als ich ihm sage, dass ich nur nach Ha Tien will, sehe ich schon das erste lange Gesicht des Tages, das dann aber direkt versucht im Bereich des „after sales service“ noch ein wenig Umsatz zu generieren. Nein, ich wollte keine weiteren Transport-Geschichten kaufen. Nicht auf direktem Weg nach Phnom Penh und auch nicht nach Ho Chi Minh City. Ganz sicher nicht. Freundlich wie er war, hat dieser nette Mann dann festgestellt, dass in einem seiner Minibusse noch ein Platz frei ist. Weil ich die Fahrt mit der Faehre bei seiner Firma gebucht habe, wuerde er mich deshalb vom Bootsanleger die paar Kilometer bis ins Zentrum von Ha Tien mitnehmen. Sehr freundlich.
Ja, in Ha Tien gans dann die naechsten langen Gesichter. An der allgemeinen Touristen-Umladestation habe ich meinen Rucksack geschultert und wollte mich gerade auf die Suche nach der Guidebook-Bleibe meiner Wahl machen, als mich ein paar andere Touristen entsetzt aufhalten. Ich solle dableiben, der Bus kaeme jeden Augenblick und er wuerde wohl nicht auf mich warten. Ich habe mich fuer den Hinweis bedankt, kurz erklaert dass ich keine Busfahrt gekauft habe weil ich hier bleiben werde und konnte direkt die nachsten erstaunten Gesichter sehen. Diesesmal lange Gesichter mit langen Nasen. Was es denn hier zu sehen gaebe war die Frage. Wahrscheinlich nichts, so meine Antwort, ausser einem kleinen verschlafenem Mekong-Grenzstaedchen nahe Kambodscha. Viel Verstaendniss habe ich nicht geerntet, aber das spielt ja keine Rolle. Ein wenig Neid habe ich herausgehoert, den Neid den ich vor einiger Zeit selbst verspuert habe wenn Leute an den vermeintlich unmoeglichsten Stellen abgesprungen sind. Ja, im ersten Moment kostet es etwas Ueberwindung. Etwas, das ich in meinen ersten Asien-Wochen noch nicht geschafft habe. Aber es ist so leicht das zu tun, man geht wirklich nirgens dramatisch verloren, und am Ende lohnt es sich immer. Fuer mich sind es heute eben diese unspektakulaeren Stadtchen mit ihren Bewohnern, den spontanen Einladungen und Gestikulierereien, das superleckere Essen und das ueberaus freundliche umsorgt werden. Eben all die Dinge, die man in Touristenzentren nie findet, die genau diese Gegend ausmachen. Ich bin jedenfalls bislang ganz froh, auf diese Art durchs Delta gereist zu sein. Okay, ich habe keinen Floating-Market gesehen. Mist aber auch. Aber ich glaube ich kann damit ganz gut leben =)

Achja, meine Bleibe ist superspannend. Mein Dank ans liebe Guidebook, das mir die Infos geliefert hat, ohne die ich wohl nie hier gelandet waere: „Phao Dai Hotel“ nennt sie sich, was uebersetzt soviel wie Bunker Hotel bedeutet. Nein, es ist kein Bunker. Es ist vielmehr ein imposantes Kolonialhaeuschen (entweder original oder einfach nur in dem Stil gebaut, wirklich sicher bin ich mir nicht) auf einem Huegel zwischen Ha Tien und dem Meer. Auf der einen Seite gibts nen kleinen Park mit herrlicher Aussicht ueber das Meer und die Fischerboote, und auf der anderen Seite habe ich ein Zimmer mit Balkon, auf dem man sich fuehlt wie der Koenig von Ha Tien: ein wunderbarer Blick von einer Kanzel ueber die ganze Stadt (ich habe versucht eine Rede ans Volk zu halten, aber Zuhoerer haben sich irgendwie leider keine einfinden wollen). Wie es dann zu dem Namen kommt? Naja, der Betreiber des Hotels ist niemand anderes als das Vietnamesische Militaer. Das ist wohl einem ziemlich schraegen und wenig werbewirksamem Humor irgendeines Offiziers zu verdanken =).

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