Transportmprovisation

 

Heute wollte ich eigentlich ganz unspektakulaer per Bus nach Chau Doc fahren. Absolut unspannend, einfach und schnell. So war zumindest meine Vorstellung davon. Man hat mir erzaehlt, dass es einen Bus um halb sieben und einen um halb acht gibt, und so habe ich mich per Mototaxi um sieben an meiner Luxus-Bleibe abholen und zur Busstation fahren lassen. Der nette Mann, den ich gestern Abend in einem Strassencafe kennengelernt habe und der mich aus „reiner Freundlichkeit und um etwas englisch sprechen zu koennen“ fuer schmales Budget am Hotel abgeholt und zur Busstation gebracht hat ist, dafuer dass er sich angeblich mit mir unterhalten wollte, erstaunlich direkt wieder verschwunden. Ob das irgendwas mit den darauffolgenden Ereignissen zu tun hat, wird wohl fuer immer Spekulation bleiben. Jedenfalls wars reichlich suspekt.
Nach einer allgemeinen Befragungsaktion an allen Busticket-Verkaufsbuden kann man schnell erkennen: da ist kein halb acht Bus. Es gibt wohl einen um zwoelf, aber begeistert von der Idee fuenf Stunden an einer Busstation zu sitzen ist wohl niemand. Ein Vietnamesenjunge, einer der auf den einfachen Lokal-Bussen dafuer zustaendig ist all die Waren ein- und auszuladen (ein Bus ist hier auch ein kleines Stueck Paketspedition), der wohl irgendwie gehoert hat dass ich nach Chau Doc will, steht ploetzlich neben mir, zupft zuerst an meinem T-Shirt Aermel, zeigt dann auf seinen Bus und meint nur ganz knapp: „Chau Doc!“. Okay, dass auf der Frontscheibe Rach Gia steht, eine Stadt die suedlich von Ha Tien liegt waehrend Chau Doc eher nordwestlich zu suchen ist, hat mich zwar leicht irritiert, aber ich bin dann trotzdem mal eingestiegen. Wie wirr die Busse hier im Allgemeinen fahren, weiss ich ja nicht.
104168_originalDer Bus war extrem langsam. Das ist zumindest die erste Erkenntniss, wenn er sich im Schrittempo durch die Strassen quaelt, waehrend zeitgleich Pakete, Koerbe und Tueten in den Bus gewuchtet werden. Dass er irgendwie in die falsche Richtung faehrt ist die zweite, und dass ich wohl zu viel bezahlen musste daemmerte mir zwischendurch auch irgendwann. Aber was ist die Alternative? Abspringen und zurueck nach Ha Tien laufen? Nee, ich habe bezahlt, also bleib ich erst mal. Und Rach Gia ist, so weit ich das eben auf meinem kurzen Bootswechsel auf dem Weg von Ca Mau nach Phu Quoc erkennen konnte noch lange nicht die schlimmste Stadt, in der man landen kann. Also gehts wohl nach Rach Gia, und erst morgen nach Chau Doc. Kaum hatte mich mit dieser Idee so richtig angefreundet, ist allerdings einer der Busbegleiter der Meinung ich sollte jetzt aussteigen um nach Chau Doc zu kommen. Wir waren vielleicht eine Stunde von Ha Tien entfernt und aktuell in irgendeinem kleinen Doerfchen mitten im Mekong-Nirgendwo. Es stand ein kleinerer Bus am Strassenrand, auf den mein Busbegleiter gezeigt und immer wieder „Chau Doc!“ wiederholt hat. Okay, Bus wechseln. Wenns nur das ist… aber es war nicht das. Der kleine Bus war auf dem Weg nach Ha Tien, nicht Chau Doc und der grosse mit dem ich gekommen bin ist inzwischen weitergefahren.

Okay, erstmal nochmal die Lage checken: ich sitze in einem Dorf, das meine Guidebook-Landkarte nichtmal eingezeichnet hat. Der Bus nach Rach Gia ist weg, ich habe zwar die Moeglichkeit nach Ha Tien zurueck zu kommen, aber eigentlich will ich nach Chau Doc. Super.

Zeit fuer die Universalloesung, die fast immer irgendwie hilft: moeglichst ratlos aussehen und warten. Und natuerlich irgendwann gefunden werden, in diesem Fall von einem Mototaxifahrer. Natuerlich ist es mit Sicherheit gelogen, dass es von hier keinen Bus nach Ha Tien gibt, aber ganz ehrlich: er wollte mich fuer (nach ein wenig handeln) gerademal drei Euro auf dem direkten Weg dort hin fahren, also eine Fahrt zwei Stunden ueber kleine Strassen durch Reisfelder, kleine Doerfchen und ueber zahllose wacklige Bruecken. Das klingt erstmal fast besser als Busfahren, und so habe ich direkt zugestimmt.
103248_originalDass wir, kaum unterwegs, allerdings erstmal einen ausgewachsenen Hund ueberfahren werden, damit habe ich nicht wirklich gerechnet. Ja, mein Fahrer war recht zuegig unterwegs. So zuegig, wie es eben mit einem voll beladenen Motorroller noch halbwegs vertretbar geht. Der Hund kam rechts aus einem der Felder gehechtet, hat erst langsam getan und blieb am Strassenrand stehen, aber entschied sich dann doch vor unser Zweirad zu rennen. Wir hatten im Grunde Glueck, denn das Vorderrad hat den Hund ziemlich genau am Hals getroffen. Pech fuer den Hund: sofort tot. Glueck fuer uns: an der Stelle konnte mein Fahrer tatsaechlich noch das Gleichgewicht halten, und ausser dass es uns einmal ordentlich durchgeschuettelt hat und ein ziemlich ekeliges, lautes Knacken zu hoeren war ist erstmal nichts passiert. Wenn der Hund nur ein klein wenig schneller gewesen waere und wir komplett… Nein, besser nicht darueber nachdenken. Trotzdem: es lag ein mausetoter Hund auf der Strasse, und sowas hebt nicht gerade die Stimmung. Auch nicht die von meinem Fahrer, und so hat er sich irgendwann entschieden, mich an einen seiner Kollegen weiterzuverkaufen. Er wollte selbst irgendwie nichtmehr nach Chau Doc fahren.
In Chau Doc war ich selbst dann auch ziemlich muede. Busabenteuer und zweistuendliges Motorrollerfahren mit Hundekollision ist anstrengend. Nein, ich habe mich mit herumhaengen, schlafen und nichtstun beschaeftig. Eigentlich, streng genommen mit genau dem, was man im Mekong-Delta am allerbesten kann und mit genau dem, was ich an allen anderen Plaetzen hier auch schon gemacht habe. Same same. Not diffrent. =)

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