Haengemattensonnenuntergang

 

Chao Doc ist irgendwie schraeg. Es ist zwar eine dieser typischen Mekong-Staedtchen, in denen man wohl Tage damit verbringen kann in Strassencafes herumzulungern, sich durch Foodstalls zu futtern und durch Seitengassen zu schlendern, aber andererseits gibts hier tatsaechlich Touristen. Zwar hauptsaechlich solche, die im Zuge einer Drei-Tage-Mekong-Runreise-mit-organisiertem-homestay-und-Bordercrossing-nach-Kambodscha hier durchhetzen, aber immerhin: ich fuehl mich nicht komplett allein.
Ich habe gestern im „Chau Doc english Bookstore“ den Mann der Bookstore-Frau kennengelernt. Neben seinem Hauptjob Englischlehrer zu sein, faehrt er manchmal Touristen auf seinem Motorroller einen Nachmittag lang durch die Gegend und verkauft Bootstickets nach Kambodscha. Ein sehr nettern symphatischer Mann, und so habe ich mich entschlossen heute mit ihm „Sam Mountain“ zu besuchen. Ja, heute, ein heiliger Berg mit Tempeln und so, an Buddhas Geburtstag. Okay, Berg ist wohl uebertrieben. Ich wuerde es Huegel nennen, aber das ist alles relativ. Fuer die Leute hier ist es ein Berg.
However, waehrend wir vor der eigentlichen „Tour“ noch gemeinsam Mittagessen waren, klingelt sein Telefon. Offensichtlich ist es seine Frau aus dem Bookstore, die nochmal jemanden fuer die Tour heute gefunden hat. Impressed war ich darueber, dass er tatsaechlich von mir erst eine Zustimmung hoeren wollte, dass es eine zwei-Personen-Tour wird und mir direkt einen „Discount“ dafuer angeboten hat. Ich bin immer wieder erstaunt, was fuer ehrliche Menschen man hier treffen kann.
Also wurde es ne Tour zu zweit. Ich war kurz etwas nervoes, auf was ich mich da eingelassen habe. Touristen sind auch nicht alle sonderlich angenehm, aber als sich die Mysterioese zweite Person als ziemlich nette und unanstrengende Italienerin herausgestellt hat, war ich doch froh ueber ein wenig Gesellschaft zwischendurch.

104306_originalDie Tempel rund um den Sam Mountain selbst sind nicht der absolute Reisser, aber trotzem einen kleinen Ausflug wert. Der chinesische Einfluss auf Vietnam fasziniert mich immer wieder. Ja, die Tempel wirken schwer chinesisch. Alle davon. Mit all den „Bergen“, dem Kitsch, den betenden Leuten, den chinesischen Schriftzeichen und bunten Drachenstatuen wirkt die Gegend hier wesentlich chinesischer als China selbst. Wer also auf der Suche nach dem Bilderbuch-China ist, einer lebendigen Version ohne Disneyland-Charakter, etwas das so wie es ist auch gelebt wird und nicht nur von Faehnchenverfolgern besucht wird, der sollte wohl China in Vietnam suchen. Ja, das was ich hier gesehen habe ist in etwa das, was ich in China manchmal erwartet haette. Schraege Welt.

104629_originalUeber das Highlight des Tages bin ich mir ziemlich unschluessig. Im Grunde gab es zwei: der Sonnenuntergang ueber Kambodscha, aus einer Haengematte auf einem heiligen vietnamesischen Berg betrachtet war sicherlich eines davon. Der Vietnamese, den wir nach der Tour in Chau Doc in einem Strassencafe getroffen haben war das zweite: Jessica hat ihn wohl schon gestern kennengelernt, und so wurden wir herzlichst begruesst, ich wurde ausgiebigst vorgestellt und nachdem er uns Stuehle organisiert hatte, sind wir ziemlich lange dort haengengeblieben. Sein Name ist Trong, stolze 83 Jahre alt, und erstaunlich fit. Er spricht sowohl franzoesisch, als auch englisch und ist grosser Fan von europaeischen Magazinen. Okay, er liest wohl reichlich viel in englisch und franzoesisch, aber die Gelegneheit es zu sprechen hat er selten. Daher wird ziemlich viel geschrieben. Lesen und schreiben kann er alles, auch wenn er gesprochen nicht alles versteht oder die Aussprache dazu nicht kennt. Gefuettert (ja, wirklich gefuettert!) wurden wir mit reichlich Gemuese von ihm, dass wir seinen „Wine“ (der definitiv Schnaps und nicht Wein war) dazu trinken war unverweigerbar, genau so wenig die Geschenke die er uns machte: ein Armband fuer die Dame, ein Buddhabild fur den Herrn. Als quasi Gegenleistung hat er sich gefreut wie kleines Kind ueber ein Armband von Ihr (was er original mit dem geschriebenen Satz „i will keep it for 100 years until i die then i will take it to paradise“ kommentiert hat), und ueber die Magazine die wir ihm aus Deutschland und Italien versprochen haben.
Habe ich schon erwaehnt, dass ich immer wieder ueber die Freundlichleit der Mekong-Leute erstaunt bin? Ich sollte es so langsam beinahe wissen, aber trotz allem bin ich jedes einzelne mal wieder geplaettet. Ich kanns kaum oft genug erwaehnen =). Trotzdem, fuer morgen habe ich ein Ticket nach Kambodscha gebucht. Ich werde mit Jessica auf eine Kaffefahrt aufspringen und morgen, sofern alles stimmt was man uns erzaehlt hat (in Kambodscha kann man das ja irgendwie nie so genau wissen…), in Pnomh Phen landen. So wirklich gluecklich bin ich mit dem Gedanken in Pnomh Phen zu landen nicht, geb ich ehrlich zu. Aber Laos ist nicht weit, und ich werde es sicherlich ueberstehen =). Definitiv wird es anders als das Mekong-Delta, das ist an sich schonmal ganz gut. Es ist schoen hier, aber ein wenig Veraenderung habe ich glaube ich schon noetig.

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