surprise, surprise: Phnom Penh!

 

Okay, dass ein SlowBoat von Chau Doc in Vietnam nach Kambodscha nicht von locals genutzt wird, sondern ausschliesslich von Touristen verwundert im Grunde nicht. Dort allerdings mehr „tourists“ als „traveller“ (um mal die offensichtlich gaenige begriffliche Unterscheidung zwischen Kofferurlauber und Backpacker oder so aehnlich anzuwenden) anzutreffen, hat mich ein wenig ueberrascht. Auch dass es ein kleines Tour-Rahmenprogramm mit Besichtigung eines FloatingHouse (ein auf dem Mekong schwimmendes Haus mit grossem Fischaufzuchtskaefig als „Keller“, wenn man so mag) und eines kleinen muslimischen Doerfchens mit Stil-Houses geben wird war mir nicht bewusst. Fully entertained gings also in Richtung Pnomh Penh, inclusive vollumfaenglichem Visa-on-arrival-Service, bei dem ein Mitarbeiter des Touristenboots Visas fuer die Touristen organisiert hat, waehrend diese auf einem schwimmendem Mekong-Restaurant ihr Mittagessen geniessen konnten. Gut, es war das zweitschrecklichste Essen (eben kurz nach dem suspekten Huhn im Zug), das ich in Vietnam jemals hatte, aber es war interessant sich mal nicht selbst um den Pass-Stress kuemmern zu muessen. Auch das allgemeine Bestechungsgeld fuer das Visum fiel im Vergleich eher guenstig aus. Laut Papier kostet es nach wie vor 20 US Dollar, aber waehrend ich vor zwei Jahren noch fuenf Dollar obendrauflegen musste, reichen hier und heute zwei. Ich bin beinahe schon begeistert.

104894_originalMeine Stimmung wurde im allgemeinen immer schlechter, je naeher wir nach der Grenze Phnom Penh kamen. Warum nochmal genau bin ich hier? Mit etwas Planung und Risikobereitschaft haette ich es vielleicht geschafft, von Vietnam direkt nach Laos zu kommen. Aber nein, ich musste unbedingt den Kambodscha-Weg nehmen. Natuerlich hat nach der Grenze kein anderes Boot gewartet wie eigentlich beworben, sondern der Bus der uns eigentlich erst auf halbem Weg nach Phnom Penh haette einsammeln sollen. Thats Cambodia. Ein Boot ist manchmal ein Bus, ein Bus ein Motorrad und eine Haltestelle irgendwo anders. Nichts, was einen irgendwie beruhigen sollte und genau das, was ich erwartet hatte. Angekommen sind wir demnach selbstverstaendlich auch nicht irgendwo im Zentrum von Phnom Penh, das waere ja zu schoen gewesen. Nein, wir wurden eher am Rande des Zentrums abgeladen, zuuuufaellig direkt vor einem Hotel unseres Kaffeefahrtenorganisators. Und zuuufaellig haben uns dort auch ziemlich viele Transportdienstleister mit Werbematerial von Hotels quer durch die Stadt verteilt empfangen. Genau zu dem Zeitpunkt hatte ich mich ziemlich extrem an die Transportdienstleister-Maffia mit ihren exorbitanten Preisen von vor zwei Jahren erinnert und meine Laune hat ihren absoluten Tiefpunkt erreicht. Aber: surprise, surprise: es scheint sich ein wenig etwas geandert zu haben. Der TukTuk-Fahrer, der sich tunlichst um uns kuemmern wollte, hatte gar nicht die abartigen Vorstellungen, die ich eigentlich erwartet hatte. Wir haben uns mit einem Neuseelaendischen Paerchen zusammengetan, waren also vier Personen, und ohne grosses Drama hat er uns fuer einen Dollar pro Nase ins Zentrum gefahren. Bis genau dahin, wo jeder einzelne von uns wollte. Kein Guesthouse, keine Commission. Es war beinahe zu schoen um wahr zu sein und meine Stimmung wurde schlagartig besser. Kambodscha scheint sich zu aendern, find ich sehr gut. Natuerlich ist ein Dollar pro Nase fuer zwei Kilometer theoretisch immernoch zu viel. Aber wenn man ein Auge zudrueckt ist das noch voelligst im Rahmen. Zwei Jahre zuvor haette das Einstiegsgebot bei fuenf Dollar pro Nase gelegen, darauf wuerde ich tatsaechlich wetten.

105041_originalIm Zentrum angekommen, eine kleine Runde geduscht und geschlafen sah Phnom Penh ploetzlich komplett freundlich aus. Wir haben eine Runde zu Fuss durch die Stadt gedreht und ich kannte zwar die einzelnen Plaetze noch irgendwie, trotzdem habe ich eine voellig andere Stadt gesehen als die, die ich in Erinnerung hatte. Die Parks waren vor allem gegen Abend voller freundlicher und lachender Leute, die Mototaxi-Bande war nicht aufdringlicher als sonstwo (ganz im Gegenteil: sogar ziemlich spassig), die FoodStalls verlangen tatsaechlich vermutlich korrekte Preise in lokaler Waehrung statt pauschal fuer alles „two Dollars“ und SugarCaneJuice und Eistee ist mit ein paar cent immernoch genau so guenstig wie in Vietnam. Nein, das hatte ich alles anders in Erinnerung. Heute mag ich Phnom Penh regelrecht. Nach Vietnam (und erst Recht China) ist es auch die reinste Erholung fuer die Ohren. Es wird kaum gehupt, Verkehr gibt es zwar reichlich aber lange nicht so nervig, ueberlaute Musik habe ich noch nirgends gehoert und auch die Leute scheinen eher zu fluestern als zu schreien wenn sie sich unterhalten. Ja, ich bin voellig begeistert.
Achja, ich wohne dieses mal nicht am See, sondern grob 500m Luftlinie davon entfernt in der Naehe des CentralMarket. Ich kenne die Hauser noch ein wenig von letztem mal, aber ich habe kaum das Gefuehl „hier“ schon gewesen zu sein. Ich denke ich werde morgen mal an den See gehen, Erinnerungen an das boese Phnom Penh von vor zwei Jahren mit dem heutigen Phnom Penh vergleichen. Ich bin gespannt, was dabei herauskommt.

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