hanging around mit dem Hotelpersonal, oder so.

 

Heute bin ich erstmal wieder allein. Nachdem meine neue Bekanntschaft nicht ganz so unmotiviert in Sachen Weiterreise wie ich war, ist sie heute Vormittag gegen halb sieben aufgebrochen, waehrend ich den Tag erstmal mit ausschlafen angegangen bin. Die letzten Tage waren zu lang und irgendwie zwar verdammt schoen, aber auch ziemlich anstrengend. Ein Tag Pause in Phnom Penh, und morgen werde auch ich mich auf den Weg machen. Im Vergleich zum urspruenglichen Plan der maximal eine Nacht in Kambodscha angedacht hatte bin ich auch schon reichlich lange hier =). Aber so ist das nunmal mit Plaenen, irgendwas oder irgendwer kommt dazwischen. Selbst wenn man nur plant, einen ganz entspannten Tag in Phnom Penh einzulegen…

105683_originalNein, beschweren kann ich mich wirklich nicht. Nach dem Ausschlafen (was sich inzwischen ziemlich sensationell auf neun Uhr relativiert hat) erstmal eine Bakery ueberfallen, allerhand Suesskram zum Fruehstueck. Eine wilkommene Abwechslung nach tagelang Nudel- oder Reissuppe zum Fruehstueck. Zwar definitiv nicht voellig kambodschanisch, aber ganz so eng sollte man das nicht immer sehen =). Und, weils morgen wieder weitergehen soll, die obligatorische Runde durch die Stadt, wie immer eben. Ich habe gehofft den Kids nicht mehr zu begegnen und den OldMarket tunlichst gemieden. Es ist nicht so, dass ich mich nicht gefreut haette, allerdings sind sie der Ansicht dass wir heute beide weitergefahren sind, und ganz davon abgesehen: Tourist. Mann alleine, Strassenkids auf dem Ruecken und ein bis zwei kleine Maedels an der Hand… das geht in Kambodscha nicht gut. Das gibt einen falschen Eindruck.
Nein, ich habe sie nicht mehr gesehen, aber ein paar der urspruenglich Unmengen von Bluetenblaettern am Flussufer habe ich noch gefunden. Fleissige Strassenkehrer und Muelleinsammler sorgen hier jeden Morgen fuer Ordnung, und wenn man nicht weiss dass hier gestern drei Kids und zwei Touries nen riesigen Blumenteppich hinterlassen haben, hat dieser Platz nichts besonderes mehr. Die ganzen Opfergaben in Form von Kokosnuessen, Blumen und Mangos die in den kleinen Tempel nebenan getragen wurden haben mich allerdings ein wenig erheitert. Ich weiss, was heute Nacht mit ihnen passieren koennte =).

105257_originalKurze Zeit spaeter sorgte dann der Regen fuer meine Pause. Es ist zwar offiziell noch nicht der Beginn der Regenzeit, aber man merkt schon dass es nichtmehr weit hin ist. Ein heftiger Regen kommt ziemlich schnell und beinahe unerwartet. Alle packen nun ihren Kram zusammen, Strassenbuden werden mit Planen abgedeckt, Transportdienstleister suchen fuer ihre Zweiraeder einen moeglichst trockenen Stellplatz und dann verschwinden alle an ein trockenes Plaetzchen. Die ganze Stadt scheint sich eine Pause zu goennen. Ich schliesse mich an und geh nochmal schlafen, aber zuerst werde ich ueberfreundlich von der neuen Rezeptionistin empfangen. Nein, gestern und vorgestern war die definitiv noch nicht da. Sie spricht erstaunlich gutes Englisch, und so nutze ich die Gelegenheit und erkundige mich nach einem Busticket. Aussen am Eingang haengt zwar ein Schild „we sell tickets to all cities“, aber wegen leichter Kommunikationsschwierigkeiten habe ich das Angebot bisher nicht beachtet. Begeistert von dieser neuen Informationsquelle und deren Qualitaet habe ich mich dann direkt nach einem Geruecht erkundigt, das ich gestern um zwei Ecken gehoert hatte: ein Weekend Market der Jessica von nem Kambodschaner empfohlen wurde. Nicht die sensationellste Beschaeftigung an sich, aber zumindest einen kleinen Spaziergang am Abend wert dachte ich mir.
Nein, wo der ist hat sie mir nicht verraten, aber offensichtlich habe ich nun ein Date fuer heute Abend. Auch okay. Wie sich herausstellt habe ich es mit der Nichte des Hotelbesitzers zu tun. Vor sechzehn Jahren mit ihrer ganzen Familie nach Australien ausgewandert, nun quasi zu Besuch in ihrer alten Heimat und hilft gelegentlich bei ihrem Onkel aus. Ihre Englischkenntnisse sind also wenig verwunderlich.
Gegen Abend startete also ein neuer lustiger Ausflug in Phnom Penh: ein deutscher Tourist und eine ausgewanderte Kambodschanerin bildeten diesesmal das augenscheinliche Paerchen, waehrend eins der Hotel-aufrauem-Maedels ein mit grob geschaetzen sechzehn einen verwunderlich alten Anhang darstellt. Reicht mal wieder definitiv fuer gesteigerte Aufmerksamkeit.
Der Wochenendmarkt, der sich als typischer NightMarket praesentierte hat mich wenig umgehauen, das geb ich zu. NightMarkets sind irgendwie immer voller T-Shirts und billigem Souvenier-Kram und machen den Eindruck lediglich als Touristenbeschaeftigung etworfen worden zu sein, egal wo sie sich in Asien nun genau befinden. Aber zumindest das Abendessen war lecker, und durch extrem kritische kambodschanische Hotelmaedelaugen ausgesucht und fuer geniessbar befunden. Auf grossen Matten auf dem Boden sitzend ein Abendessen geniessen, das scheint dann doch nichts fuer die Touries zu sein. Hier sammeln sich die Kambodschaner und treffen sich zum reden, waehrend die Touristen T-Shirts und Souveniers kaufen. Die wohl schoenste und entspannteste Stelle an diesem Ort.
Es hat immer riesige Vorteile mit locals unterwegs zu sein, denn wieder hat die kleine auf die grossen aufgepasst: sei es im Strassenverkehr, beim Essen kaufen oder Preise verhandeln. Dass hier etwas unbemerkt falsch laeuft oder schief geht ist beinahe ausgeschlossen und das Abendessen war definitiv das leckerste, das in Phnom Penh jemals hatte =).
Im Anschluss fuehrte unser kleiner Ausflug noch auf eine wohl neu „gebaute“ Insel im Mekong. Mir wird sie als „Diamond Isle“ vorgestellt, waehrend wir in einem TukTuk eine hell beleuchtete Bruecke ueberqueren und vor etwas Jahrmarktaehnlichem halten. Jahrmaerkte sind in Suedostasien herrlich, und ich mal wieder vollauf begeistert. Hier gibts alles, was dazu gehoert: Riesenrad, Achterbahn und Autoscooter. Gut, hier ist das alles fuer die kleinen gedacht, erwachsene Asiaten scheinen sich nicht dafuer begeistern zu koennen, aber mir geht es hier nicht darum Achterbahn zu fahren. Ein Jahrmarkt an sich ist hier einfach sehenswert: Es ist alles ein wenig kleiner und einfacher wie man das von Europa kennt, dafuer aber auch um Welten einfallsreicher. So haben die Autoscooter-Autochen als Rammschutz gerne mal ausgediente LKW-Reifen oder das Riesenrad einen Zweitakt-Motor, waehrend die Sitze des Kettenkarusells ordinaere Dreiraeder sind, denen ein wohl findiger Schlosser noch drei Haken und eine Rueckenlehne verpasst hat. Die Spielebuden kommen im gleichen Stil daher: in einer sollte man eine Wasschuessel so gekonnt werfen, dass sie einen der Preise verdeckt. Der getroffene Preis ist damit gewonnen und der glueckliche Gewinner um eine grosse Flasche Cola, eine Dose Bier oder eine Schachtel Kekse reicher. Wer in der naechsten Bude einen aus Bambus geflochtenen Ball zielsicher in einer der Wasschuesseln mit herausgetrenntem Boden versenken kann, gewinnt eine Falsche Orangensaft, eine Plastikschuessel oder wahlweise eine Schoepfkelle.
Definitiv sehenswert.

Der Abend endete dann, ich wuerde es beinahe schon „stilecht“ nennen, mit dem versammelten Hotelpersonal in dem inzwischen bis auf einen Tisch ausgeraeumten Restaurant im offenen Erdgeschoss beim gemeinsamen Abendessen, trinken, zusammensein und reden. Mein Plan sah zwar anders aus fuer heute, ruhiger und mit mehr schlaf, aber was sind schon Plaene? =)

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