long time no see =)

 

Tja, eigentlich wars ja irgendwie klar, aber ich wollte es mir nicht wirklich eingestehen. Wenn man an einen Platz zurueck geht an dem man schonmal war und eine Zeit verbracht hat wird man da nur den Platz wiederfinden, aber nicht die Zeit. Manchmal mag es gut sein, und aus einem boesen Ort wird ein guter, so wie in Phnom Penh. Es koennte aber auch schief gehen, und aus dem herrlichen Don Det in meinen Erinnerungen wird womoeglich was ganz schlimmes. Deswegen wollte ich eigentlich nicht hier her zurueck. Es war schoen. Es war. Und das ist gut so.
Tja, trotzdem konnte ich es mir am Ende nicht verkneifen und habe mich auf die Ueberaschung eingelassen. Von Stung Treng nach Don Det. Klingt fast so wie schonmal gewesen, aber eben nur fast. Dieses mal laeuft alles ein wenig organisierter ab. Keine suspekten Wartereien, kein viellicht-fahren-wir-gleich-vielleicht-aber-auch-erst-spaeter-oder-irgendwann-oder-so, einfach in den wartenden Bus einsteigen, puenktlich losfahren und zuegig an der Grenze ankommen. Beinahe zu schoen und einfach, um kambodschanisch zu sein =).
Die Grenze hier zu ueberqueren scheint populaer zu werden, denn es kommt mir auf den 200m Buckelpiste die man zwischen der kambodschischen kleinen Holzhuette zum auschecken und dem kleinen hellblauen Container fuers einchecken in Laos zu Fuss gehen muss nicht nur eine Busladung Touristen entgegen, es wird auch eine beeindurckende, nagelneue Grenzstation nebenan gebaut. So richtig mit grossem Dach ueber den Schranken, schicken kleinen Bueros und Schaltern mit Durchreichen nebenan. Die putzigen kleinen Holzhuetten und Container, die ich vom letzten mal noch kenne werden also offensichtlich bald Geschichte sein. Heute jedenfalls sind sie noch in Betrieb, und sie fragen wie gewohnt nach extra Geld. Die einen angeblich weil Wochenende ist zwei Dollar, die anderen mit irgendeinem abstrusen Gebrabbel begruendet einen Dollar. Es ist also noch alles beim alten, und die Geldboersen der Grenzer freuen sich noch immer ueber westliche Touristen. Manche Dinge aendern sich wohl einfach nie =).

107275_originalDon Det. Ich versuche zwar konsequent keine Vergleiche zu ziehen oder gar der frueher-war-alles-besser-Leier zu verfallen. Aber ich komme nicht drum herum es jetzt zu tun. Zumindest um die Vergleiche komme ich nich herum um die Insel zu beschreiben, aber dass es heute schlechter als frueher sei mag ich nicht sagen. Es ist lediglich anderst: Die Faehre hierher, der „Hafen“ an dem sie anlegt und die ersten Guesthouses und Restaurants kenne ich noch. Same same. Weiter gen Sueden fehlen viele der ganz ganz einfachen Huetten, deren Waende lediglich geflochtene Bambusmatten waren. Definitiv nicht fuer die Ewigkeit gebaut, wurden die wohl schon vor zwei Jahren nach und nach durch welche aus Holz ersetzt. Es sind einige neu dazu gekommen, vorallem auch welche die auf den ersten Blick luxurioeser wirken: angelegte kleine Gaerten, eigene Badezimmer, Glasfenster… All das gabs das letzte mal allerhoechstens auf der Nachbarinsel. Nein, ganz so schlimm wie es sich im ersten Moment anhoeren mag ist es nicht. Auch heute ist das eher eine Seltenheit als die Regel, aber genau so wie die neue Bar beim Hafen die Billardtische hat und durchgehend westliche Musik spielt deutet es auf Veraenderung hin. Etwas, das noch weiter gehen wird als es bisher gegangen ist. Achja, zur Musik sollte ich erwaehnen, dass es seit November 2010 Strom auf der Insel gibt. Das bedeutet es gibt jetzt Kuehlschraenke, rund um die Uhr Fruchtshakes und Waescheservice mit Waschmaschinen statt Kuehlboxen mit Eiswuerfeln, Frauen die Falang-Waesche (ja, ich bin jetzt wieder da angekommen wo die Langnasen Falang oder Farang heissen) im Mekong schrubben, und Fruchtshakes nur am Abend wenn die Generatoren mal ne Stunde laufen. Es gibt jetzt auch zahlreiche Internetcafes, die den ganzen Tag Internet anbieten, statt dem einen mit fuenf Computern das abends fuer zwei bis drei Stunden die Generatoren angeworfen hat. Wie eine Mekong-Insel ohne Strassen, Strom, Telefone und fliessend Wasser Internet haben konnte war mir ja schon immer ein Raetsel. Heute gibts wenigstens Elektrizitaet.
107703_originalDie Wasserversorgung hat sich nicht geaendert, zumindest die fuer die Duschen nicht. Es gibt immernoch die Wassertroege auf hohen Stelzen, die mit Mekong-Wasser gefuellt werden und Duschen sowie alle anderen Wasserhaehne versorgt. Wenns ums Trinkwasser geht, hat sich allerdings was tolles durchgesetzt: Das letzte mal gabs bis auf eine Ausnahme ueberall Trinkwasser in Plastikflaschen zu kaufen. Die eine Ausnahme hat damals die mitgebrachte Flasche an einem dieser grossen Pfand-Wasserfaesser mit round about 20 Litern Inhalt aufgefuellt. Spart Muell, spart nebenbei Geld und macht Sinn… Heute ist das beinahe zur Regel geworden. Gefaellt mir.
107014_originalDie Bleibe habe ich diesesmal allerdings gewechselt. Nicht, dass mir die von letztem mal nicht gefallen haette, aber dieses mal war es mir nach Veranda mit Haengematte direkt am bzw. ueberm Ufer. Ohne Gestruepp dazwischen. Per Zufall habe ich dabei die wohl beste Bleibe auf der ganzen Insel erwischt, und habe es am Anfang nichtmal erkannt. Die Frau der Gastfamilie hat mir nen freundlichen Eindruck gemacht, meine potentiellen Nachbarn scheinen freundlich zu sein, die Bungalows sind zwar ziemlich basic und die sanitaeren Einrichtungen nichts fuer gehobene Ansprueche, aber alles in allem machte es erstmal einen netten Eindruck, und so habe ich mich spontan fuer eine Nacht „angemeldet“ ohne nach Alternativen zu sehen. Kaum lag ich in meiner Haengematte, kam eine aeltere Frau vorbei, definitiv keine Laotin, und hat mich gebeten mitzukommen, mich ins Registrierungsbuch einzutragen und mir die Regeln zeigen zu lassen. Klang erstmal spannend. Okay, mit Passnummer in ein Buch eintragen – nichts neues. Die „Regeln“ sind allerdings super: es gibt ein Heftchen, das im Restaurant an einem Haken baumelt. Besser gesagt fuer jede Huette eins, aber in einem davon steht jetzt ganz oben auf einer Seite „Welcome to Paradise, Benjamin!“ (Paradise ist zufaellig der Name der Huetten und des Restaurants, wenn auch gar nicht allzu unpassend). Die Regel dazu ist so simpel wie schoen: ich bekomme jederzeit an Essen, wonach auch immer ich aus der Karte frage. Ich kann jederzeit an die Kuehlbox und einfach nehmen, wonach mir ist. Ich kann auch jederzeit meine Wasserflasche auffuellen lassen. Nach Geld wird mich aber erstmal keiner fragen. Stattdessen vertrauen die darauf, dass ich an das Buechlein gehe, „meine“ Seite aufschlage und eintrage, was ich hatte. Finde ich eine sehr schoene Idee, ist verdammt einmalig auf der ganzen Insel und beschreibt auch ziemlich gut das Gefuehl hier zu wohnen. Es ist kein homestay. Ich habe meine eigene Huette und Privatsphaere soviel ich will. Aber ich bin in der Familie wilkommen, wenn mir danach ist. Die Frau, die mir alles erklaert ist uebrigens sowas wie Langzweitbewohnerin. Sie wohnt in Bungalow Nummer drei, zusammen mit ihrem Mann. Beide sind Musiker und wohnen schon seit Monaten hier. Ausgewandert. Vor sechzehn Jahren von Amerika nach Deutschland, und nun von Deutschland nach Laos. Sie gehoeren zum Inventar, begruessen die Gaeste, haben ein beinahe unerschoepfliches Wissen ueber die Inseln und helfen bei allen Problemchen, die sich so ergeben koennten. Und so wurde auf einmal aus der „netten Bleibe“ ein wunderbarer Ort, viel zu wunderbar um hier auf die Schnelle wieder wegzukommen. Es ist definitiv wahr: die Leute machen einen Ort zu dem, was er ist.

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