Man muss nur den Karren aus dem Dreck ziehen, dann fuehrt von allein eins zum anderen.

 

Ich habe schon gestern von einem Geruecht gehoert. Es nennt sich „Don Pak Soi“ und ist eine weitere Insel neben Don Det und Don Khon. Irgendwie ist mir diese das letzte mal nicht aufgefallen. Wie ich spaeter herausfinden werde stand ich vor laengerer Zeit zwar schon auf der Haengebruecke die von Don Khon rueber fuehrt, aber aus irgendeinem Grund habe ich dort umgedreht…
109184_originalWie auch immer, ich habe die Wegbeschreibung der netten Auswanderin aus Huette Nummer 3 nochmal mit meiner unvollstaendigen Karte synchronisiert und bin gegen zehn aufgebrochen. Zu Fuss. Dass hier jetzt ueberall Fahrraeder vermietet werden ignoriere ich einfach, denn die Zeit auf diesen Mekong-Inseln vergeht so langsam und alles ist so entspannt und unstressig, da passt es in meinen Augen nicht mit einem Fahrrad durch die Gegend zu hetzen. Also zu Fuss, zuerst nach Don Khon. In Don Khon begegne ich erstmal einem franzoesischen Paerchen, das verzweifelt auf der Suche nach einem Bungalow mit Aircondition ist. Aircondition. Auf Don Khon. Ja, heute gibt es 24h am Tag Strom und garantiert auch Klimaanlagen. Trotzdem klingt es erstmal leicht irritierend. Auch auf Don Khon wird fleissig gebaut, was ich erfahre sind hier vorallem Thais als Touristen unterwegs.
Ich tendiere heute dazu Laestereien zu verfallen. Nicht gut =). Also, besser vorspulen. Vorbei an dem Zufaelligen Treffen mit dem kanadischen Paerchen aus meiner Nachbar-Huette auf nen Eistee, vorbei an den letzten Guesthouses auf Don Khon, vorbei an den paar kleinen Doerfchen die man auf dem Weg noch findet, bis ans Nordende der Insel, dort wo zwei ziemlich kleine Maedels mit nem grossen Handkarren gerade kurz vor der Vezweiflung stehen. Der randvoll mit Bambus beladene Karren steckt nicht nur sprichwoertlich bis zu den Achsen in einem Schlammloch, und die beiden versuchen verzweifelt ihn irgendwie vorwaerts zu bekommen. Ich habe mir noch kurz ueberlegt etwas zu unternehmen, aber nachdem die beiden mir nur einen recht unfreundlichen Gesichtsausdruck geschenkt haben konnte ich keinen konkreten Grund fuer freiwilliges Knietief-im-Matsch-stehen erkennen. Als ich vorbei ging haben die beiden allerdings angefangen heftig zu diskutieren, mit dem Ergebniss dass sie mich nun doch um Hilfe bitten. Der Ausgang der kurzen Geschichte: meine Beine sind unter ner angenehm warmen Schlammpackung verborgen, die Fishermens haben seit neuestem ein tolles Muster und die FlipFlops die ich zwar vorher ausgezogen habe haben trotzdem ihren gerechten Anteil beim wiederanziehen erhalten. Dafuer waren jetzt zwei Maedels gluecklich und ich der eingesaute Held. Karren aus dem Dreck gezogen. So wortwoertlich habe ich das echt noch nie gemacht =).
108966_originalGut, was tut man voellig eingesaut auf einer Mekong-Insel? Waschen gehen, der Fluss ist ja nirgends wirklich weit. Waehrend ich mich also auf kleinen Pfaden durch Gestruepp zum naechsten Ufer kaempfe, sehe ich tatseachlich das erste mal die ominoese dritte Insel, die von Don Det bzw. Don Khon aus verbrueckt ist. Somit hatte ich wieder eine Richtung, genau das hatte ich unterwegs mal wieder verloren. Es ist eben nichts so wirklich umsonst, nichtmal knietief in einem Bueffelbad-Schlammloch stehen =).

109529_originalDank dieser Geschichte war die die etwas versteckte Bruecke einfach zu finden. Ich habe sie eigentlich schonmal per Zufall entdeckt, und kurz vor ich auf der anderen Seite ankomme erinnere ich mich auch wieder was mich damals zum Umdrehen bewegt hat: ein einfaches Schild mit der Aufschrift „private propperty – no entry“. Heute steht da immernoch „private propperty“, allerdings folgt darauf „admission: free. No drugs, nudity or sex parties, take care […] slippery rocks […]“ und ein hundsgewoehnlicher Haftungsausschluss und so. Also nichts, was mich irgendwie stoeren koennte. Fein. Kaum drueben stell ich fest: Die Insel ist ziemlich klein, dafuer aber komplettes Niemandsland. Es gibt ein paar Trampelpfade, von den paar wenigen Touries genutzt die wohl ab und an hier landen, aber wohl von Fischern angelegt um an die Wasserfaelle zu kommen. Es gibt den Anfang eines kleinen Resorts: zwei runde Bungalows die eigentlich fertig gebaut sind und zwei die wohl nie fertig gestellt wurden sind sich heute selbst ueberlassen. Warum auch immer. Erstmal begegne ich auf dieser gruenen Insel nur ein paar Fischern, die geschaeftig ueber die Insel zwischen den einzelnen Ufern hin- und her pendeln und freue mich an der schoenen Aussicht. Als ich gerade wieder gehen wollte, stechen mit durchs Gebuesch ein paar leuchtend orange Farbflecken ins Auge. Moenche. An einem sonnigen Tag auf einer Mekong-Insel, mitten zwischen dem ganzen gruen leuchten ihre orangen Roben foermlich, beinahe wie eine angeleuchtete Warnweste in neonorange bei Nacht. Ein faszinierender Farbklecks, und so habe ich spontan umgedreht. Vielleicht, mit ein wenig Glueck, stimmen die nem Foto zu war mein Gedanke. Der Farbkontrast muss einfach festgehalten werden. Einen kurzen Moment dachte ich, ich haette sie verloren. Zumindest waren sie auf der Insel nichgt mehr zu sehen. Aber wie sollte man jemanden auf einer vielleicht (wenn ueberhaupt) zwei Quadratkilometergrossen Insel verlieren? Erst recht mit diesen Leuchtroben in einer Zehnergruppe? Ich habe sie nach ein wenig Suchen dann einen kleinen Abhang hinunter, unten am Wasserfall wiederentdeckt. Badend. Planschend. Herumalbernd. Und rauchend. Gut, die meisten im Wasser waren noch ziemlich jung. Mitte zwanzig, wenn ueberhaupt. Die aelteren haben sich zu diesem Spass dann doch nicht hinreissen lassen und sind am Ufer im Schatten gesessen.

Ja, die haben tattsaechlich im Wasserfall gebadet. Ich hatte mir das zwar ueberlegt, dann den Gedanken aber ganz schnell wieder verworfen. Wasserfallbaden kann schwer ins Auge gehen. Aber nun… Ich mein, wenn die das koennen… Ich habe die Fotos ganz schnell vergessen, meinen Rucksack am Ufer in Sichtweise der Moenche platziert (ich bilde mir irgendwie ein, dass es wohl nirgendwo einen sichereren Platz auf den Inseln geben koennte) und bin einfach hinterher. Mitsamt Fishermen, denn die Moenche baden zwar ohne Roben aber untenherum trotzdem komplett bekleidet. Man mag ja nicht unverschaemt wirken. Es ging nicht lange, und ich wurde integriert. Eigentlich nicht mein Plan, ich wollte lediglich fuer mich selbst ein wenig Abkuehlung finden, finde ich mich nun planschend, in natuerlichen Wasserfallblubberbaedern sitzend, mit der Stroemung treibend oder einfach nur herumalbernd mit ner Horde buddhistischer Moenche im Mekong wieder. Ich war ehrlich irritiert. Ich habe zwar schon viele Moenche gesehen, aber beim krachmachen und herumalbern und bei Bloedeleien noch nie. Manchmal koennte man beinahe vergessen, dass das im Grunde doch nicht nur Moenche, sondern auch ganz normale Jungs sind. Und bei aller Fuesse-sind-schmutzig-und-das-unterste-am-Menschen-und-so-Ansicht in Asien… Wenn ein Moench im Sog des Mekong-Wasssers an einem vorbeitaucht, sieht er offensichtlich kein Problem darin fremde Fuesse als Haltepunkt kurz vor dem davontreiben zu verwenden. Das aber nur am Rande.
Anscheinend kommen die gerne und oefters hier her verrat mir einer, der sich gerade mit der linken Hand an einem Gebuesch festhaelt um nicht wegzudriften, waehrend er bis zum Hals im Wasser steht und mit der rechten Hand seine Zigarette ueber Wasser haelt. Der, der mir zeigt wie man sich im Wasserfall AUF das Wasser legen kann, wuerde sich zwar auch gerne mitteilen, aber hier schlaegt leider die Sprachbarriere wieder zu. Zumindest ein froehliches Sabai-Dee und ein freundlcihes laecheln, das klappt bei allen. Mehr braucht es hier und heute eigentlich fuer alle auch nicht, um trotzdem Spass miteinander zu haben. Die Frage, ob das eigentlich so alles erlaubt ist, traue ich mich nicht zu stellen. Immerhin bekommt gegen Ende der Spass noch eine halbwegs vernuenftige „Ausrede“ verpasst: Shapoo und Seife werden ausgepackt und es geht jetzt ans allgemeine waschen. So, wie man sich eben auf Mekong-Inseln nicht nur in Laos waescht: huefttief im Mekong stehend, weitestgehend bekleidet und mit einem laecheln auf dem Gesicht.
Alles in allem? Erfrischend. Nicht nur wegen dem Bad im Mekong-Wasser an sich =). Zurueck an meiner Bleibe am Abend habe ich, noch ein wenig grinsend in Erinnerungen versunken, beschlossen dass ich das genau so tun sollte. Worin besteht der Sinn, sich unter eine geschlossene Dusche zu stellen, wenn da sowieso auch nur ungefiltertes Mekong-Wasser aus der Brause kommt? Ich konnte keinen finden und bin mit einem laecheln auf dem Gesicht huefttief im Mekong gestanden, waehrend ich mir die Haare gewaschen habe. Sehr zur Verwunderung meines Nachbarn. Ich glaube nicht, dass er weiss worin er sich Abend fuer Abend duscht, aber ich werds ihm auch nicht verraten ;-).

107996_original108139_original

108454_original108661_original

to see a path or map at this place, JavaScript needs to be enabled.
Wie hat Dir dieser Eintrag gefallen?
Die Daten zu diesem Eintrag: