eine grobe Idee fuer die naechsten Tage

 

Okay, direkt vorneweg: Wat Phu Champasak hat mich wenig umgehauen. Das schoenste daran war im wesentlichen die grobe Stunde mit dem gemieteten Rad hin und die gute Stunde zurueck. Vielleicht lag es am leicht verregneten Wetter, vielleicht auch nur daran, dass ich was anderes erwartet haette. Die Laoten machen ziemlich viel Wind um Ihr Wat Phu, aber wirklich gross ist es nicht, und dazu weitestgehendst eingefallen. Nicht sonderlich spaektakulaer, wie der verwucherte Tempel in Angkor Wat mit viel brachialer Naturgewalt oder so. Nein, einfach nur eingefallen und wohl ueber die Jahre einige Bausteine abtransportiert und anderweitig verwendet. Dabei ist die Geschichte eigentlich recht spannend… Vor langer Zeit von den Khmer als Hindu-Tempel errichtet, so richtig mit Shiva-Lingam und allem was eben dazugehoert, wurde diese Anlage irgendwann auf buddhistisch umgemuenzt. Lingam raus, Buddha rein. Trotzdem blieb noch einiges, was heute noch an Hindus und alte Tempel in Indien erinnert. Steinskulpturen an der Tempelverzierung kann man nunmal nicht einfach so austauschen. Also sah ich, auf die Schnelle zusammengefasst, eine Ruine eines kleinen Angkor-like-Tempels in Laos mit Hindu-Elementen bei Regen. Okay, die Rahmenbedingungen waren offensichtlich einfach echt nicht sonderlich guenstig. In kleinen Cafes und Restaurants entlang der Strecke zu versumpfen bot sich bei dem Wetter einfach eher an.

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Trotzdem: Gut, dass ich den Ausflug unternommen und mal wieder erkannt habe, dass der Reiz an Laos fuer mich irgendwo zwischen Punkt A und B zu suchen ist. Nicht am Start und auch nicht am Ziel, irgendwo unterwegs dazwischen ist es hier am schoensten.
Ich habe seit Vietnam so eine Idee im Kopf, eingepflanzt von nem belgischen Paerchen, immer mal wieder verdraengt, von Hundeunfaellen ueberschattet, vergessen und doch wieder aufgegriffen wird aus dieser Idee jetzt immer mehr Plan. Daher mein Entschluss zur Mittagszeit: Nichts wie auf nach Pakse, mich organisieren und den zugegebenermassen noch unausgegohrenen Plan angehen.

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Zu der transportiererei in Laos braeuchte ich wohl nichts mehr zu sagen… trotzdem kann ichs mir nicht verkneifen, vielleicht entwickle ich dabei irgendwann noch eine supertolle mathematische Formel fuer die Umrechnung der asiatischen Zeitschaetzungen in westliche Zeitrechnung und werde reich damit =).
Der Besitzer meiner Bleibe ist auch im Transportbusiness taetig und faehrt tagsueber selbst einene „Jumbo“, wie hier die etwas gross geratenen TukTuks fuer etwa sechs Personen genannt werden. Ein Ticket nach Pakse? Kein Problem fuer ihn, und zufaellig findet er, mich eingeschlossen, sogar drei Leute in seinem Guesthouse fuer diesen Trip. Um ein Uhr mag er am Guesthouse starten, ne dreiviertel Stunde sollst bis Pakse dauern. Eine Laotische dreiviertel Stunde fuer grob fuenfundreissig Kilometer Entfernung. Zuerst faehrt er uns an den Bootsanleger, denn die derzeitige Strasse nach Pakse liegt am anderen Ufer. Die neue Strasse am Campasak-seitigen Ufer ist derzeit noch ne unfertige Baustelle. Wie lange wir dort auf seinen „Sohn“ (wers glaubt…) gewartet haben weiss ich nicht, denn irgendwann bin ich am Ufer auf einer Bambusmatte liegend eingeschlafen. Auf der anderen Seite des Ufers heisst es dann warten auf den Bus aus Don Khon. Eine gute dreiviertel Stunde allein hierfuer. Dreissig Kilometer fahren, an einer Busstation auserhalb ankommen und darauf warten, dass das Sammeltaxi (auch ein „Jumbo“) voll genug ist um loszufahren… Bis ins Zentrum von Pakse? Eine laotische dreiviertel Stunde, knappe zweieinhalb laut westlichen Armbanduhren. Gar keine allzu schlechte Quote finde ich.

114098_originalPakse. Schlimmes Nest. Irgendwas in meiner Erinnerung ist da gewaltig durcheinandergekommen. Ja, ich war schonmal in Pakse und die VIP-Busstation gibt mir hierbei recht. Ich war definitiv hier und nirgendwo anders. Trotzdem war das Pakse meiner Erinnerung eine Grosstadt, verglichen mit dem kleinen Provinznest das ich nun vorfinden konnte. Ja, ich hatte so meine Hoffnungen… Zum Beispiel endlich passendes Schuhwerk zu finden. Meine deutschen FlipFlops haben Don Det nicht ueberlebt und sind sogar eine kleine Premiere: mein erstes durchgelaufenes Paar FlipFlops. Mit Loch in der Sohle, unter der rechten Ferse. Nein, das war nicht der finale Grund fuer die Definition „kaputt“. Vielmehr war es die Kombination mit einem gerissenen Riemen, der das Todesurteil ueber die mir so treu ergebenen Treter gebracht hat. Nunja, ich war ja schon gluecklich, auf der Insel halbwegs brauchbaren Ersatz zu finden. Halbwegs nur, weil zwar die groesste Groesse auf der ganzen Insel, aber immernoch mindestens eine Nummer zu klein. Inzwischen hat dieser schlechte Ersatz mir tatsaechlich offene Fuesse verpasst und ich hasse dieses Schuhwerk von Tag zu Tag mehr. Aber, so die Erkenntiniss: groessere gibts in Pakse auch nicht. No Way was besser passendes zu finden. Fuer Asiatische Verhaeltnisse habe ich nunmal Uebergroesse und werde wohl fruehestens wieder in Bangkok fuendig werden koennen. Arme Fuesse.

Was stand noch auf der Einkaufsliste? Regenponcho. Okay, mein Fehler, habe ich vergessen zu besorgen. Sonnenbrille. Nein, die Sonnenbrillen-Wallahs auf der Strasse, deren auserwaehlte Taetigkeit es ist den lieben langen Tag Touristen zu nerven gibt es hier nicht, und der Markt ist wenig ergiebig was den Kriterien „gross“ und „moeglichst viel Schutz fuer die Augen bei Staub und Wind“ betrifft. Aerodynamisch, uebertrieben sportlich, klein und haesslich ist in Pakse wohl im Trend. Nichts, was mir wirklich weiterhelfen oder ich freiwillig tragen wuerde. Was noch? Eine Strassenkarte. Okay, dass das kompliziert wird dachte ich mir bereits. In einem Land in dem Leute, die man irgendwo um Hilfe bei der Suche nach dem richtigen Weg bittet, stundenlang auf die Striche einer Karte starren koennten weil sie so fasziniert sind von den Bildern die sie noch nie gesehen haben und doch nicht verstehen was sie da sehen, in einem Land in dem die meisten Strassen keinen Namen und die Hauser keine Nummern haben und nicht zuletzt in einem Land in dem Wegweiser vielleicht zwei mal pro (Gross-) Stadt zu finden sind, funktioniert die Navigation ein wenig anders und Karten sind nicht an jeder Ecke auf dem Markt erhaeltlich. Hier war mir das Glueck allerdings gut gesonnen. Es braucht schon einen englisch-franzoesischen Buchladen, der Strassenkarten von nem Schweizer Kartenverlag verkauft um zu bekommen, was ich brauche: Eine Strassenkarte. Eine vernuenftige Strassenkarte. Zumindest das wichtigste waere damit besorgt, fehlt nur noch ein Motorrad. Okay, immerhin das ist absolut unproblematisch in Pakse zu organisieren. Eine kleine Suzuki solls morgen werden. Ich habe ja keine Ahnung von den Dingern, aber gehoert dass der kleine Aufpreis gegenueber den Hondas vorallem auf den entlegeneren Strassen vorteilhaft sein soll, weil Suzuki stabiler. Okay, wenn man keine Ahnung hat bleibt nur eins: Klappe halten und glauben, was man hoert. Oder so aehnlich.
Tagesziel erreicht, morgen kanns losgehen. Raus aus Pakse, worum ich echt froh bin. Nein, schlimm ist Pakse im Grunde eigentlich nicht. Aber spannend oder interessant eben auch nicht und komplett ohne Charme, zumindest was man am ersten Tag erkennen kann. Dafuer gibts Busladungen voller Umsteigetouristen, mit Thailand, 4000 Islands, Vientiane oder Kambodscha als Ziel. Mir faellt hier vorallem das Alter der Touries auf: bei einigen frage ich mich wirklich ob die wirklich schon ohne Erziehungsberechtigte unterwegs sein sollten, und den allgemeinen Durchschnitt wuerde ich auf maximal zwanzig schaetzen. Sie wirken alle miteinander ein wenig naiv und verloren, das Guidebook (hier wohl wirklich eher „Bibel“) immer griffbereit oder gar in der rechten Hand, immer auf der Suche nach den empfohlenen Guesthouses oder Restaurants und jaaaaa nicht was anderes. Waehrend ich ne halbe Stunde vor meinem Zimmerchen im Freien (vom Eingang her gut sichtbar) gesessen habe, kamen gleich zwei dieser interessanten Touristenexemplare ums Eck. Die erste kam zu Fuss, irritiert ueber ihrem Guidebook bruetend. Sie hat sich sogar ein Zimmer angesehen, sich bei mir erkundigt ob da hinten wirklich direkt der Fluss ist und kam dann zu dem Schluss dass es zwar nett hier, aber nicht das Guesthouse aus ihrem Buch ist. Sie wollte wirklich weitersuchen, nach der Bleibe aus der Bibel. Ja, der Name ist irrefuehrend. Der Zusatz „Riverside Guesthouse“ zum Namen steht zwar gross im Buch, aber nicht auf dem Schild am Eingang. However, sie kam nicht wieder. Die zweite kam per gechartertem TukTuk in dieses „Riverside Guesthouse“, schaut sich n Zimmer an und befragt mich obs hier Moskitos gibt. Ich antworte Ihr dass ich es nicht weiss, es mir allerdings relativ egal ist weil ich sowieso immer unter nem Moskitonetz schlafe. Aber grundsaetzlich sei an Fluessen und Gewaessern die Chance doch recht hoch, auf Moskitos zu stossen. Sie war ehrlich entsetzt. Angeblich extrem empfindlich auf Moskitos reagierend hat sie zwar nen ueberdimensional grossen Rucksack, aber trotzdem kein eigenes Moskitonetz dabei und zieht auch lieber wieder weiter.
Komische Leute. Komische Stadt. Nichts wie weg.

Zugegeben, ich bin inzwischen ziemlich aufgeregt. Eine Premiere: Motorrad mieten. Motorrad fahren. Mit halbem Gepaeck angepeilte fuenf Tage im suedlaotischen Nirgendwo verloren gehen. Wohin ich will? Einmal das Bolaven-Plateau sehen und mich einfach in der Gegend treiben lassen. Das ist mehr als genug Plan denke ich. Das Gepaeck ist sogar schon sortiert: der grosse Rucksack bleibt in Pakse, nur das allernoetigste kommt in den (wasserdichten, immerhin ist Regenzeit) Seesack und wird auf dem Motorrad verzurrt. Der kleine Rucksack und das gelbe Handkoefferchen sind natuerlich auch dabei. Ja, ich bin gespannt. Motorrad-Urlaub. Ich. Im Hinterland von Laos. Was hab ich mir dabei nur gedacht? =D

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