Auf dem Weg in den laotischen Suedosten

 

Aufgebrochen bin ich heute Morgen in Pakse bei leichtem Regen. Motorroller abholen, Rucksack vertrauensvoll abgeben, um den Pass (als Pfand) erleichtert werden. Meine Nervoesitaet schlug in leichten Unmut um, vielleicht auch nur soetwas wie als solchen getarnte Angst. Nein, ein Rueckzieher ist nicht drin. Ich wuerde mir sicherlich in spaetestens fuenf Tagen in den Allerwertesten beissen deswegen. Also aufs Motorradel gesessen, im allgemeinen zugegebenermassen noch ein bisschen wacklig, aber ich hatte mir Hoffnung gemacht dass es auch nicht grossartig anders sein wird als mit unmotorisiertem Zweirad. Unanstrengend und schneller mit Sicherheit, aber bestimmt gut zu beherrschen wenn man sich mal dran gewoehnt hat.
Zu allererst gilt es sich aber an den Verkehr zu gewoehnen. Fuer Motorroller brauchts in Laos keinen Fuehrrerschein oder dergleichen, und selbst Kiddies um die vierzehn steuern gelegentlich mit vierzig Sachen durch den Stadtverkehr. Logisch, so wirklich Regeln gibts auch nicht, und typisch asiatisch faehrt man nach Gefuehl und der Faustregel dass der groessere immer Vorfahrt hat. Achja, Kuehe, Hunde, Ziegen, Bueffel und anderes Getier kann man zwar fleissig anhupen, haben aber immer eine Art natuerliche „Vorfahrt“. Alles in allem, wenn man sich an den miteinander-Gedanken statt Strikten Verkehrsregeln erst mal gewoehnt hat halb so wild, zumindest in Laos. In Vietnam oder gar Ulan Bator wuerde ich es nicht wagen, aktiv am Strassenverkehr teilzunehmen. In Laos geht das hier und heute aber recht gut.

Okay, die kleine Eingewoehnungsrunde im Stadtverkehr erfolgreich hinter mich gebracht und schon ein gutes Stueck vertrauter mit meiner neuen Freiheit auf zwei Raedern, mache ich mich auf den Weg gen „Tat Lo“, nordoestlich von Pakse. Wasserfaelle anschauen, und dieses dem Guidebook bekannte Oertchen (das zufaellig genaus Tat Lo heisst wie einer der Wasserfaelle… ;-) ) als Nachtlager ansteuern. Klingt einfach.
Kurz hinter Pakse stieg die Laune recht rapide an. Die Sonne kam heraus. Der Verkehr wurde noch weniger, und ich kann in vollen Zuegen die Flexibilitaet einer Privattour geniessen.
Gut, sonderlich spanennde Erlebnisse gibt es auf der Strasse nicht direkt. Trotzdem war es eine gute Idee. Am Strassenrand reihen sich kleine Doerfchen aneinander, in vielen verkaufen Frauen direkt am Strassenrand erntefrische Ananas und Durians, zwischendurch gibts das ein oder andere kleine „Restaurant“, ein Cafe oder eine Werkstatt fuer all die liegengeblieben Transportmittel. Wirklich viel los ist nicht, und die fahrerei verlangt nicht uebermaessig viel Aufmerksamkeit. Ich habe keine Ahnung, wie schnell man in Laos eigentlich fahren darf. Gut, ein „zu schnell“ wird wohl keiner wirklich feststellen koennen. Ausserorts ist meine Wohlfuehlgeschwindigkeit derzeit irgendwo zwischen sechzig und siebzig, langsam genug um die Landschaft zu geniessen, aber trotzdem kommt man noch einigermassen zuegig vorwaerts. Vorrausgesetzt man stoppt nicht zu oft und zu lange =).

114314_originalManchmal ist mir auch einfach danach, abzubiegen. Viele Moeglichkeiten gibts hier in der Tat nicht. Im Grunde scheint es die (Haupt-) Strasse zu geben, ein paar Fusswege die davon abzweigen und in kleine abgelegene Doerfchen fuehren und eben ganz ganz viel Wald. Manchmal, zwischendurch, findet sich etwas, das von der Strasse abzweigt. Ein etwas besserer Feldweg, ein paar Kilometer ins nichts, vorbei an ein paar anderen Doerfern komplett aus einfachen Stelzen-Holzhaeusern mit Huehnern auf der Strasse, Hunden, winkenden Kindern, freilaufenden Schweinen und Kuehen sowie dem ein-oder anderen Mittagsschlaefer in einer Haengematte unter seinem Stelzenhaeuschen.

114473_originalPer Zufall bin ich so einen kleinen Abstecher fahrend ohne grossen Umweg auf den ersten Wasserfall gestossen. Nein, los ist hier nichts. Kein Busparkplatz, keine Faehnchenverfolger, keine Souvenier-T-Shirt Verkaufsstaende. Man faehrt einfach einen ungeteerten Weg entlang durch einen Wald, landet an einer kleinen Lichtung und hoert Wasser plaetschern und Kinder lachen. Neugierig stellt man das Rad ab und folgt einem kleinen Trampelpfad einen Hang hinunter, immer den Geraeuschen folgend, und findet sich beinahe unvorbereitet direkt vor einem unglaublichen Abgrund wieder. Ein (derzeit) kleines Baechchen staut sich vor dem Abhang in einem kleinen Becken, in dem sich eine Gruppe Kinder planschend die Zeit vertreibt und stuerzt danach ueber eine Felskante in die Tiefe.

 

114745_originalDie Aussicht ist einfach unglaublich. Beinahe ich-bin-der-Koenig-der-Welt-like. Auf jeden Fall zumindest ich-bin-der-Koenig-von-Laos-like. Definitiv. Normalerweise sollte es hier mehr Wasser geben, das sich in zwei Wasserfaelle aufteilt verraet mir das Guidebook spaeter. Unwichtige Kleinigkeit am Rande eben… Aber es kennt auch einen Namen, zu dem was ich gesehen habe: „Tat Suong“. Ja, ich bin ein Freund von Namen. Beeindruckende Dinge brauchen einfach einen, da fuehrt kein Weg dran vorbei =).

Es war inzwischen halb zwei. Ich bin in der Mittagshizze auf dem Motorradel und auf Felskanten am Abgrund gesessen. Eine eher ungewohnte Situation mit dem angenehm kuehl haltendem Wind fuer mich, bin ich natuerlich direkt in die Anfaengerfalle getreten: die Sonnencreme vergessen. Nicht, dass ich die bisher oft gebraucht haette. Der Weg ueber die Mongolei, China und Vietnam hat mich reichlich gemaechlich immer braeuner werden lassen waehrend die Sonne reichlich gemaechlich immer intensiver wurde. Fuer meine normalen Reiseverhaeltnisse hat das gut zusammengepasst. Dadurch dass es irgendwann in der Sonne sowieso zu heiss wird und ich automatisch ein schattiges Plaetzchen suche, hatte ich nie soviel Licht auf einmal dass ich Sonnencreme gebraucht haette. However, der Fahrtwind hat mich aufs Glatteis gefuehrt. Rote Arme, rote Waden. Genug Sonne fuer heute, auf nach Tat Lo.
Eine halbe Stunde den Berg hinunterrollen, und mal wieder vollkommen dem Guidebook recht geben: „Tat Lo has the atmosphere of a backpacker retreat with cheap accommodation, an attractive setting and plenty of diversions, but very view backpackers. And herein lies its charm.“ Wer auch immer die Laos-Ausgabe des Lonely Planet geschrieben haben mag, zumindest bisher ist es das beste und passendste Guidebook, das ich jemals in den Haenden hatte. Ich finde recht schnell einen einfachen Gartenzaun, an dem ein Schild baumelt: „room 20000kip, double 30000kip“, dahinter zuerst ein gewohnliches suedlaotisches Seltzen-Wohnhaus, und noch weiter hinten eine ganz simple Bambushuette. Ein kleines Maedel, vielleicht zoelf, ist die einzige Person weit und breit. Ich war ziemlich perpelex, als eben genau diese mir voellig routinert aber freundlich ein Zimmer zeigt, erklaert wo die Dusche ist, wo ich mein Motorroller abstellen kann und mich im Registierungsbuch eintraegt. Ich frage mich ein wenig ob sie das den ganzen Tag macht, ob sie zwischendurch zur Schule geht, ob sie auch Kind ist, oder eben nur Rezeptionisitin eines Familien-Guesthouses. Nicht alles ist eben so idyllisch wie es manchmal auf den ersten Blick wirken mag…

115152_originalMeine neueste Erfahrung beim Wohnen in zwei-Euro-pro-Nacht-Bambushuetten im schwer laendlichem Laos: Eimerduschen. Dass es manchmal Plumsklos gibt, ist ja nichts neues. Dass dann gerne mal ein grosser Eimer Wasser mit kleinem Schuesselchen daneben steht um sich hinterher sauber zu machen, auch das kenn ich. Dass sich im laendlichen Laos im Fluss gewaschen wird, auch daran habe ich mich inzwischen angepasst. Aber was passiert, wenn der Fluss zu weit weg ist fuer die taegliche Dusche? Nein, ne Brause gibts hier keine, auch wenns irgendwie naheliegend waere. Immerhin gibts auch nen Wasserhahn und ne Wasserleitung. Nein, hier wird kombiniert: das Toiletten-Hygiene-Equipment wird auch zur Ganzkoerperwaesche verwendet. Das kleine Schuesselchen im grossen Eimer fuellen, und sich schlichtweg damit uebergiessen. Ich habe mich erst ein wenig gewundert, aber auch meine ganze Gastfamilie macht das so. Es gibt ein Toilettenhaeuschen, in dem gehen alle Gaeste und Familienmitglieder ihre Geschafte verrichten, sich unter dem Wasserschuesselchen duschen und, wenn abends alle mit dem Duschen fertig sind kommt die Mutti der Familie und schrubbt bei offener Tuere auf dem Fliesenboden hockend die Schmutzwaesche. Ein extrem multifunktionaler Wassereimer, keine Frage.

 

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Achja, das Bild oben ist im uebrigen ein kleines Minority-Doerfchen in der Naehe von Tat Lo. Zu erreichen ueber kleine Fusswege dem Flussufer entlang durch dichtes Gestruepp. Noch so ein Zufallsfund =).

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