Eigentlich eine banale Geschichte: ein Guesthouse. Aber eben nur eigentlich.

 

Wow, frueh aufzustehen faellt irgendwie garnicht sooo schwer wenn sich ein Hahn morgens um sechs ueberlegt, dass der kleine Sandhuegel direkt neben der Bambushuette ein super Platz fuer sein Gekraehe sein duerfte. Also gings schon um halb sieben auf unter die Eimerdusche, erstmal reichlich erstaunt wie viel schaebiger die Bambushuette bei Tageslicht noch wirken kann. Diese Bleibe ist wirklich mit Abstand mein neuer Rekord in Sachen primitivem Unterschlupf.

119785_originalAlles in allem ganz nett viel Aufwand fuer ein wenig Vulkankraterbaden, wenn mans so sieht. Man sollte es aber nicht SO sehen ;-). Trotzdem, die Stimmung war nicht allzu gut. Es war immernoch kuhl, die Klamotten von gestern noch feucht und der Nebel hat sich noch nicht verzogen, aber ich konnte es mir trotzdem nicht verkneifen die letzten Kilometer bis zur vietnamesischen Grenze zu fahren. Einfach nur um mir selbst sagen zu koennen, dass ich von Pakse quer durch Laos bis an die vietnamesische Grenze gefahren bin. Eine Ego-Geschichte also, sonst gibt es echt keinen Grund. Ausser ein paar Holzhuetten und ein paar grimmig dreinschauenden Grenzbeamten gibts an so einer Grenze nichts erwaehnenswertes.

Die Fahrt nach Attapeu zurueck habe ich meine Resiegeschwindigkeit irgendwie drastisch erhoeht. Neunzig bis hundert Sachen war nun die Wohlfuehlgeschwindigkeit auf gerader Strecke. Nichts wie runter von den Bergen, nichts wie raus aus dem Nebel.

 

119914_originalDer Kanister-Sprit-Fusel der Kioske scheint irgendwie ein wenig komisch zu sein. Waehrend ich Attapeu bis zum Kreuzungsdorf mit einer Tankstellen-Tankfuellung locker geschafft habe, muss ich heute bereits im Holzfaeller-Dorf aus einem anderen Kanister nachtanken, und diese Ladung reicht ebenfalls gerade so bis Attapeu. Oder macht die hoehere Geschwindigkeit einen so drastischen Unterschied? However, es ist mir gerade leich dekadent voellig egal. Ich behalte meine Geschwindigkeit heute bei und kann es kaum erwarten irgendwo in ein weiches Bett zu fallen und ein Mittagsschlaefchen zu halten. Das ist eben der Nachteil an gemieteten fahrbaren Untersaetzen: irgendwann muss man wohl oder uebel wieder zurueck, und wenn man ne Sackgasse an die Grenze bzw. ein Naturschutzgebiet als Weg aussucht, muss man eben irgendwann umdrehen und exakt den schonmal gefahreren Weg wieder zuruck. Umdrehen. Rueckwaerts. Das ist nichts, was mir so grundlegend zusagen wuerde und erklaert vielleicht meine aktuelle Stimmungslage.

 

120224_originalIch hatte noch kurz ueberlegt, um Attapeu herum ein paar Feldwege und Lehmpisten zu erkunden, laut Guidebook gibts hier wohl ein paar lohnenswerte Abstecher, aber ausser einer Nudelsuppe zum Mittagessen konnte ich mich zu nichts motivieren.
Morgen will ich quer uebers Bolaven-Plateau nach Paksong, so zumindest die aktuelle Idee. Die Strasse hierfuer zweigt nach grob zwei dritteln der Strecke AttapeuSekong ab, noch so eine Strecke, die ich schon in die Gegenrichtung gefahren bin… Also morgen sechzig Kilometer von Attapeu bis zur Abzweigung oder heute neunzig nach Sekong und morgen dreissig zurueck? Mir erscheint spontan die zweite Idee als die bessere und mache mich auf nach Sekong. Das Wetter ist aktuell ganz gut, in Attapeu haelt mich nichts und vielleicht finde ich unweit der Abzweigung ja schon eine Bleibe. Waere angenehm, denn dann muesste ich morgen nicht allzu frueh los.

 

So ganz direkt an der Abzweigung wurde ich zwar nicht fuendig, dafuer aber noch ein gutes Stueck vor Sekong. Eigentlich ein schoenes Plaetzchen, das mir vom Strassenrand aus auf anhieb symphatisch war: ein „Guesthouse and Restaurant“ laut Schild. Nachdem man von der Hauptstrasse aus durchs Eingangstor faehrt, findet man sich erstmal auf einem reichlich weitlaeufigem Grundstueck mit vielen grossen Baumen wieder, das direkt ans Flussufer grenzt (ja, wer gut aufgepasst hat, ahnt vielleicht dass es genau der Fluss mit der „spannenden Region“ am anderen Ufer ist. So ganz komme ich wohl immernoch nicht davon weg =D ). Irgendwo links nen Weg entlang, hinter der rechteckigen Sandflaeche fuer dieses franzoesische Metallkugel-Wurfspiel (mir faellt der Name dazu nicht ein… aber eindeutig franzoesisch, und habe ich bisher auch nur um Sekong herum gesehen. Wohl ein kleines Ueberbleibsel aus einer laengst vergangenen Zeit) gibts das Restaurant mit Rezeption, waehrend weit rechts, beinahe schon versteckt, einzelne kleine Hauschen mit je zwei Zimmern am Ufer entlang stehen. Auf den ersten Blick ein sehr friedlicher, und trotz der Lage an der Strasse sehr ruhiger Ort. Obwohl ich sonst weder Motorraeder noch andere Gaeste oder irgendwelche Anzeichen dafuer erkennen kann, versichert mir der vermeintliche Besitzer (wohl erst mitte zwanzig) der in der ersten Doppelhuette am Ufer wohnt, dass nur das Zimmer direkt neben ihm frei waere. Es war ein wenig siffig, deswegen haette ich gerne ein anderes auch noch gesehen. However, den Preis auf 40000 Kip heruntergehandelt fand ich das nen super Deal und bin ohne Umwege den Mittagsschlaf-Plan angegangen, ohne mich naeher umzusehen.
120397_originalAls ich ne Stunde spaeter wieder wach wurde, begann ich mich so langsam zu wundern. Es waren Kleinigkeiten, die mich in Summe erstmal skeptisch werden liessen: Es gibt ein Bad in jedem Zimmer, soweit nichts besonderes. Darin gibts ne „richtige“ Dusche ohne Eimer und ne Toilette, aber kein Waschbecken. Auch einen Spiegel kann ich nirgendwo finden. Das Fenster nach vorne auf die Veranda hat einen Vorhang mit Herzchenmuster, das nach hinten zum Fluss hin keinen. Es gibt, voellig unueblich, nur ein einziges Kopfkissen im Bett und keine der duennen Notfall-Decken die sonst immer auf dem Bett liegen, dafuer ist die Matraze in ein extrem kitschiges Leintuch mit Herzchen und Rosen drauf gewickelt. Es wird weder eine kleine Seife noch ne kleine Flasche Wasser bereitgestellt (manchmal gibts das hier, aber nicht immer), dafuer liegt ein Kondom im Nachtkaestchen. Ohje. Ich hab doch heute als ich ankam so ein Maedel an der Rezeption gesehen, das ein wenig verwunderlich aufgebrezelt fuer eine laendliche laotische Gegend gelangweilt in der Ecke hing. Ich habe es erst ignoriert, komische Gestalten gibts schliesslich ueberall, aber nun macht diese Erinnerung das Bild dieses „Guesthouses“ irgendwie stimmig. Verdammt. Nicht nur, dass intimere Geschichten zwischen Falangs und Laoten (und wohl manchmal auch nur der Verdacht darauf) hoechst strafbar sind, ich muss natuerlich direkt im oertlichen Bordell einziehen. Zeit fuer einen Umzug? Ne, irgendwie auch nicht, jetzt bin ich schon hier und habe schon bezahlt. Ich halte mich von dem „Restaurant“ fern, das sich spaeter als Karaoke-Bar-mit-Ringelpiez outet und im Zweifel spiele ich einen auf nichtsahnenden Tourist. Ich wollte sowieso nicht viel von der Welt da draussen wissen fuer heute, und dafuer wird mich sicherlich keiner einsperren wollen. Das Licht auf der Veranda vorsichtshalber ausgeschlatet habe ich stattdessen einfach beobachtet, was in einem laotischen Guesthouse so vor sich gehen kann: Die anderen Hauschen scheinen tatsaechlich „belegt“ zu sein. Im fliegenden Wechsel geben sich Laoten die Klinke in die Hand, waehrend mein Zimmernachbar und Betreiber dieses „Guesthouses“ des oefteren mit einer kleinen Leiter am Flussufer herumschleicht. Keine Vorhaenge an den Fenstern nach hinten haben offensichtlich einen driftigen Grund. Eigentlich koennte es wirklich ein schoener Fleck sein hier, aber so ist er es definitiv nicht. Ich werde wohl recht frueh schlafen gehen, vorsichtshalber mit kompletter Kleidung denn man will ja trotz allem keine komischen Missverstaendnisse im Falle eines Falles provozieren. Sollen die da draussen tun was immer sie wollen, denn ob ich hier bin oder nicht aendert an der Sache ja auch nichts. Morgen will ich frueh raus, und in Zukunft besser aufpassen bei der Guesthouse-Wahl. Merken. Wichtig.

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