Zaehne zusammenbeissen, wird schon schief gehen.

 

Es ist tatsaechlich das erste mal, dass ich vor meinen laotischen Unterkunft-Inhabern wach werde und mich auf den Weg machen will. Sonst ist das reichlich schwierig fuer mich. Wenn morgens gegen halb sechs die Sonne aufgeht scheint Laos im allgemeinen schon wach zu sein, waehrend dafuer abends um neun (stockdunkel ist es schon gegen sechs) allerspaetestens alle im Bett sind. Hier nicht, komisch aber auch. Um halb neun muss ich meinen Zimmernachbarn und Guesthouse-Besitzer tatsaechlich aus dem Bett werfen lassen, um meinen Schluessel loszuwerden. Trotzdem ist er freundlich und wuensch mir ne gute Weiterreise. So gesehen gibt es nichts, worueber ich mich beschweren koennte. Laoten sind im Allgemeinen (bis auf eine Ausnahme bisher) immer freundlich, stell ich mal wieder fest. Es wird auch nicht das letzte mal heute sein.

Die Strasse nach Paksong war die reinste Freude. Nach der Abzweigung, von Sekong wieder 30km gen Attapeu (richtig, es ist inzwischen das dritte mal dass ich dieses dreissig-Kilometer-Stueck Strasse befahre =D), erwartet einen hier keine Strasse im eigentlichen Sinn. 120674_originalEs ist mal wieder eine Lehmpiste, trocken, festgefahren und passend zur Umgebung: Weitestgehend unberuehrter Dschungel (ja, das Guidebook nennt das hier so, dann mach ich das doch glatt auch mal), das ganze bei strahlendem Sonnenschein und selbst fuer Laos unglaublich wenig Verkehr fuehrt diese Strasse in nichtmal 20km wieder hoch aufs Bolaven Plateau. Okay, eins sollte ich vielleicht mal erwaehnen. Das Wort „Plateau“ hat mich selbst ein wenig in die Irre gefuehrt. So wirklich Plateau sieht man hier nicht, zumindest wenn man dabei Bilder wie aus Tibet oder Nepal im Kopf hat, die eine riesige ebene Flaeche irgendwo hoch oben in den Bergen zeigen und sich das ganze in ordentlich verkleinert mit Wald und Kaffeeplantagen vorstellt. Naja, zumindest Wald und Kaffeplantagen wird man finden. Auch Tee wird hier angebaut, und alles ist ein gutes Stueck hoeher gelegen als das umliegende Laos. Aber gefuehlsmaessig faehrt man mehr durch eine Huegelkette als ueber ein Plateau. However, es ist hoch und Plateau-ig genug fuer Wasserfaelle. Was die aktuelle Strasse angeht sind sich Guidebook und Strassenkarte einig, dass irgendwo links ab ein recht beeindruckendes Exemplar mit dem Namen „Nam Tok Katamtol“ zu entdecken sein soll. Manche behaupten es soll der hoechste in Laos sein, aber so wirklich Einigkeit besteht darin nicht. „Running out of the Bolaven Palteau, the Huay Katam drops more than 100m out of thick forest […]“ klingt schonmal reichlich spektakulaer. Und, lange Rede, kurzer Sinn: Ist er auch. Garnicht allzu schwer zu finden wenn man den Kilometerzaehler des Motorrollers im Auge behaelt, steht man bald an einer gegenueberliegenden Klippe und kann die Aussicht auf den Wasserfall geniessen.

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Okay, schonmal ganz beachtlich dachte ich mir. Aber das pure Anschauen fallenden Wassers konnte mich noch nie sonderlich fesseln. Ich treffe an dem Aussichtspunkt ein franzoesisches Paerchen, das ebenfalls mit nem Motorradel unterwegs ist. Ich bin zurueck auf einer vom Guidebook beschriebenen Route, kein Wunder also hier auf Falangs zu treffen. However, die beiden haben ein Schild entdeckt, mit der spannenden Aufschrift „Way to Waterfall 250m“ und einem Pfeil, der direkt gen Abhang zeigt. Ein wunderbarer Tipp, und ich habe dann auch etwas wie einen Pfad entdeckt. Mal noch eben kurz nachgerechnet: Der Wasserfall ist 100m hoch. Ich stehe aktuell grob geschaetzte 30m hoeher. Macht rein theoretisch rund 130m bis nach unten. Das ganze auf einen Weg von 250m gibt eine Steigung von… doofes Kopfrechnen… also ziemlich genau Laotischen 12%, sprich verdammt steil wuerde ich sagen. Heute verstehe ich nur zu gut, nach welchem System die Schilder im Dong Amphan Nationalpark aufgestellt wurden =).

Den beiden Franzosen war der Pfad irgendwie zu steil und fuehrte zu suspekt den matschigen Abhang hinunter, also mache ich mich alleine auf den Weg.

 

121155_originalDas franzoesische Paerchen sollte Recht behalten. Am Anfang noch mit aus dem losen und trockenem Untergrund improvisierten Stufen und Tritten, fuehrt der Pfad recht schnell quer duch dichtes Bambusgestruepp. Vielleicht kommt so manch Laote gebueckt hier durch, ich steige allerdings bei meiner Groesse hier schon auf alle viere um. Der Untergrund wird immer glibbriger und rutschiger, denn der Wind traegt kontinuerlich leichten Nieselregen wie aus einer Bewaesserungsanlage vom Wasserfall ueber das untere Stueck dieses Tals und ich verfluche jetzt schon meine Plastiksandalen, die eher fuer mehr Adrenalin als Bodenhaftung sorgen.

Umdrehen? Definitiv nein =).
Mit mehr Wasser aendert sich auch die Vegetation ziemlich drastisch. Das Bambusgestruebb hoert nach etwa der Haelfte des Abhangs ploetzlich auf und weicht dichtem, kniehohem Gras und Bananenbaeumen. Dichtes Gras ist ungut, genau hier fange selbst ich an mir Gedanken um die Vier-, Viel- und vor allem Beinlosen Bewohner dieses Abhangs gedanken zu machen. Ich steige nochmal ein Stueck nach oben, sammle einen abgestorbenes Stueck Bambusrohr ein und sorge damit zumindest mal fuer freie Sicht auf den Untergrund, der natuerlich immer feuchter und rutschiger wird. Ein spannender Abstieg, der sich aber vollkommen lohnt. Was habe ich bisher immer ueber Wasserfaelle gesagt? Reines Anschauen langweilt? Verdammt, das ist hier sowas von falsch. Man muss nur die richtige Perspektive einnehmen, denn spaetestens wenn man zentral auf einem Felsbrocken im Fluss steht, nur ein paar Meter von diesem Monster entfernt, der Wind einem das Wasser so ins Gesicht blaest dass man kaum die Augen offen halten kann und man von unten nach oben schaut, dann wird das was von einer Aussichtsplattform lediglich „nett“ aussah ploetzlich verdammt beeindruckend und selbst ich zum Wasserfall-Bestauner.

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Ne Runde zu baden habe ich aber, auch weiter Flussabwaerts nicht getraut. Wasserfallbaden kann immernoch ins Auge gehen, Dschungelflussbaden auch. Meine eiserne Regel bisher war daher immer: da wo die local-Kiddies baden und plansch, da kann ich das auch. Das hier scheint allerdings wirklich weit weg von jeglicher Siedlung zu sein, oder schlichtweg zu gefaehrlich. Ich beschliesse den genauen Grund fuer das ungewoehnliche Fehlen von badenden Kindern nicht herauszufinden und mache mich wieder auf den Weg nach oben. Inzwischen Barfuss, denn mein Schuhwerk bringt unverhaeltnissmaessig mehr Gefahr mit sich, als dass es mich vor irgendwas schuetzen koennte. Der wirklich erste Moment auf meinen Reisen an dem ich ueber Wanderschuhe kurzzeitig froh gewesen waeren oder zumindest ueber die Turnschuhe die ich in Pakse in meinem Rucksack deponiert habe. Welch Heldentat, denn einen matschigen Abhang hinunterzuschlittern ist doch Welten einfacher, als ihn barfuss wieder hochzukrabbeln.
Oben angekommen war ich erstmal fertig mit der Welt. Der Pfad war doch eine unerwartet anstrengende Geschichte, vorallem bei der Hitze und Luftfeuchtigkeit. Ich bin immer wieder erstaunt und beinahe fassungslos, wie flinke kleine Vietnamesen vor einiger Zeit auf unzahligen Pfaden mit schwerem Gepaeck sich durch diese Gegend schlagen konnten. Mir reichen 2x 250 Meter mit einem kleinen Rucksack und ich bin am Ende.

Nach ein paar weiteren Kilometern auf dem Motorradel merke ich dann ganz genau, dass es einfach doch zu viel war. Das erste mal habe ich mich offensichtlich wirklich uebernommen: zuerst etliche huntert Meter in die Hoehe auf einem Motorroller, direkt danach sowas wie Hochleistungssport am Abhang, mit wohl viel zu wenig Pause im Anschluss und verschwitzt im kuehlen Fahrtwind frierend hat mein Kreislauf erstmal voellig nachgegeben. Angehalten, Motor aus, flach auf die Strasse gelegen und Beine nach oben gings mir langsam wieder besser, aber noch ein ordentliches Stueck von „gut“ entfernt. Ich habe das Fruehstueck vergessen faellt mir in dem Moment ein, und ein Abendessen im Guesthouse-Karaoke-Ringelpietz-Restaurant hatte ich sicherheitshalber auch nicht in Erwaegung gezogen. Man stellt eben meistens erst im Nachhinein fest wie daemlich man war, und manchmal bedeutet das „im Nachhinein“ eine Dschungelstrasse auf einem suedlaotischen Plateau im Nirgendwo. Genau da, wo Mimoesitaeten nicht weiterhelfen. Die einzig Spontane Besserung die ich herbeifuehren konnte, war einmal die Kleidung komplett zu wechseln. Raus aus dem verschwitzten Zeug und reingeschluepft in was Trockenes machte ich mich wieder auf den Weg. Sind ja nur noch grob vierzig vermeintlich einfache Kilometer bis Paksong. Eine Stunde vielleicht, und ich kann was leckeres essen, duschen und schlafen wenn mir danach ist.

Plaene… gehen hier meistens schief, und manchmal sogar erschreckend schnell. Es war schon etwas bewoelkter als ich wieder losgefahren bin, aber nicht wirklich so dass es einen irgendwie beeindruckt haette. Innerhalb zehn Minuten sahen die Wolken aber ploetzlich nicht mehr ganz so harmlos aus… Dunkelgrau und schwer hingen sie jetzt gar nicht so weit entfernt am Himmel.

 

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Nur drei Minuten später war dann selbst mir endgueltig klar: das wird regnen. So richtig regnen.

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Das naechste Foto habe ich genau zehn Minuten spaeter aufgenommen. Aber was ist zwischeendrin passiert?
Ich habe es nicht glauben wollen, dass es derart schnell gehen koennte und habe nochmal richtig Gas gegeben. Das Glueck herausfordernd bin ich an einem kleinen Kaffee-Bauern-Doerfchen vorbeigerast, in der frommen Hoffnung dem Regen vielleicht noch entkommen zu koennen. Gefuehlte drei Minuten spaeter hatte ich den ersten Regentropfen auf dem Visir. Gefuehlte dreissig Sekunden spaeter war ich komplett durchnaesst. Ich hatte nichtmal genuegen Zeit, die Regenhuelle ueber den Rucksack zu ziehen, und jede einzelne Stelle meiner frisch gewechselten Kleidung war triefend nass. Dieser Regen kam so ploetzlich und gnadenlos schnell wie ein Eimer Wasser der einem ueber dem Kopf ausgeschuettet wird. Ein Eimer Wasser? Naja, vielleicht auch mehr ein ganzes Wasserfass.
Ich habe kaum mehr etwas gesehen, aber irgendwann ein Haeuschen am Wegesrand entdeckt. Mit Wellblechdach. Offensichtlich unbewohnt und verlassen, aber drei Laoten haben hier im trockenen unter dem Stelzenhaus auch schon Schutz vor dem Regen gesucht.
Ich stelle mich frierend dazu, wringe erstmal das groebste Wasser aus meiner Kleidung und warte auf das Ende des Regens.

122319_originalKlar, irgendwann hoert jeder Regen auf. Man muss nur lange genug warten koennen. Ich bin im Kopf meinen Bestand an trockener Kleidung (den wasserdichten Seesack anstelle des Rucksacks mitzunehmen war wirklich eine der besten Ideen die ich haben konnte) durchgegangen und kam zu dem Ergebniss, dass ich zwar nochmal das T-Shirt, aber nicht die Hose wechseln kann. Mich immerhin etwas besser fuehlend mache ich mich wieder auf den Weg nach Paksong. Laut meinem Kilometerzaehler sinds noch fuenfunddreissig Kilometer. Frierend wie ich jetzt auf dem Motorradel sitze gehts nicht ganz so schnell, aber ne Stunde, das klingt plausibel, dann waere ich gegen drei Uhr in Paksong. Klingt gut.

Zu gut. Kaum im naechsten Dorf angekommen, inzwischen auf einem Stueck Strasse das sich derzeit kraeftig im Ausbau befindet und mit so einigen kleinen Umleitungen direkt neben der Baustelle durch ueberdimensionale Wasser-Matsch-Dreckpfuetzen, allesamt halb so breit wie eine Flussueberquerung im Nationalpark aber etwa gleich tief, als kleine Erlebnissfaktorerhoehung aufwartet, faengt es an wieder zu regnen. Nein, nicht nochmal nass werden bitte. Ich habe schon dazugelernt und stelle mich fruezeitig unter den Dachvorsatz eines Hauses am Strassenrand. Neben dem Haus werkelt gerade ein Laote in einem Berg Alteisen herum, und ich frage ihn gestikulierend ob es ihn stoert wenn ich hier stehen bleibe.
Durch mein paralelles gerede ist auch der wirkliche Besitzer dieses einfachen Hauschens auf die Gerausche draussen aufmerksam geworden und steht nunetwas unglaubig in der Haustuer. Ein Falang. Es hat einen Moment gedauert, bis er diese Erkenntniss verarbeitet hat. Dann laechelt er aber und bittet mich spontan rein zu kommen. Die Huette ist ziemlich einfach. Die Haustuer ist eigentlich keine Tuer, sondern ein hoelzernes U-foermiges Profil an Boden und Decke, in das einzelne Holzbretter gestgellt werden um die „Tuer“ zu schliessen. Die „Tuer“ ist, wenn man es mit der Erkenntniss betrachtet, allerdings sogar ein Tor. Ein Tor, gross genug fuer ein dok dok das auf der geteerten und ebenerdigen Flaeche im Haus geparkt werden kann. Es liegen ein paar Saecke Insektenschutzmittel neben dem Eingang, tatsaechlich beschriftet mit „amazing Thailand“, die von der vielleicht sechsjaehrigen Tochter gerade als Huepfburg, Rutschbahn und Kletterpark zweckentfremdet werden. Hinter dieser ebenerdigen „Garagenflaeche“ fuehrt eine kleine Holztreppe ein paar Stufen nach oben in den eigentlichen Wohnbereich, klassisch auf Stelzen mit Holzfussboden. Eine Wand zwischen Garage und Wohnhaus gibt es allerdings genau so wenig wie abgetrennte Raeume im Wohnhaus. Die Fenster (glaslos, natuerlich) sind wegen dem Regen mit Plastikplanen geschlossen, und so ist es reichlich duester in dem Haus. Lediglich die „Tuer“ laesst ein wenig Licht herein. Ich werde gebeten, mich zu den anderen Maennern auf den Absatz zwischen Wohnhaus und Garage zu setzen. Wen ich da um mich habe, weiss ich nicht. Ich habe gelernt, was „frieren“ und „Regen“ auf Laotisch heisst und mal wieder ein wenig ein schlechtes Gewissen. Die wuerden bestimmt alle gerne mit mir reden und tausend Dinge von mir wissen wollen. Vielleicht ging der nette Mann sogar genau davon aus, als er mich hereingebeten hat. Aber statt einer netten Unterhaltung hat er nun einen schlotternden und recht stummen Falang in seinem Haus sitzen. Zumindest bekommt er noch mehr Besuch. Mehr und mehr Gestalten treten von draussen im Regen durch die Tuer, offensichtlich alles wegen des Regens zwangspausierende Bauern, einer erstmal verdutzter auf der Tuerschwelle stoppend und starrend als der andere, aber alle sehr freundlich laechelnd im Anschluss. In den Gespraechen faellt nun alufend das Wort „Falang“ und ich wuenschte mir in dem Momet ein wenig, dieses Wort nicht zu kennen. Ich einem Bauernhaus in Laos zu sitzen, auf das Ende des Regens zu warten, zu wissen dass ueber mich oder ueber Fremde im allgemeinen geredet wird, aber kein weiteres Wort zu verstehen ist bei aller Gastfreundschaft irgendwie kein gutes Gefuehl. Ich bin ein wenig froh, als der Regen recht schnell nachgelassen hat, bedanke mich foermlich, verabschiede mich von allen und fahre weiter.
Natuerlich war das nur eine kurze Regenpause. Ein Blick an den Himmel verraet mir dass die Regenwolke nicht allzu gross ist, aber die scheint mich wie in einem Cartoon regelrecht zu verfolgen. Es sind noch achtundzwanzig Kilometer und ich kann knappe vierzig km/h bei diesem Regen fahren… macht also eine dreiviertel Stunde. Auch mein drittes T-Shirt heute ist inzwischen komplett durchnaesst, besser wirds also sowieso nicht mehr. Warum habe ich eigentlich kein Regencape gekauft? Naiver Fehler. Und warum habe ich den einzigen warmen Pullover den ich noch mit mir herumtraage in Pakse deponiert? Gut, zumindest dass ich den brauchen wuerde, damit habe ich nicht gerechnet. Dass ich in Laos jemals SO frieren koennte, das haette ich nie gedacht.
Knapp zwanzig Kilometer vor Paksong habe ich bschlossen ein drittes mal zu halten. Der Regen wurde staerker und die Sicht zu schlecht. Ich haette an der Stelle wohl eine Million Kip an denjenigen bezahlt, der mich mit einem beheizten Pickup abholt, ein weiches Handtuch sowie warme trockene Kleidung mitbringt und mich mitsamt dem Motorradel nach Pakse faehrt. Aber da war niemand.
Warm. Die Idee. Ich halte am naechstbesten kleinen Strassencafe, das ich zum Glueck nicht weit weg finden konnte. Die Kueche ist kalt, die Tische sind abgeraeumt. Auch dieses kleine Cafe hat wie das Bauernhaus einen angrenzendem offenem Wohnbereich in dem eine Frau mit ihren vier Kindern gerade auf dem Boden liegend fern sieht. Auch sie ist natuerlich zuerst etwas verdutzt. Ueber den Falang, die Zeit zu der hier jemand auftaucht, der Regen in dem ich komme und die absolut unpassende Kleidung die ich dazu anhabe. Ihr Erstaunen schlaegt aber wohl schnell in Mitleid um, denn nachdem ich vorsichtig fragend eine Schuessel mit meinen Haenden forme und daraus dann imaginaere Nudelsuppe esse, grinst sie nur freundlich und feuert ihre Kochstelle an. Die aelteste ihrer Toechter, vielleicht dreizehn, deckt mir den Tisch waehrend extra nur fuer mich die wohl leckerste Portion Nudelsuppe ever gekocht wird. Extragross. Und extraheiss. Laoten sind schon extrem Gastfreundlich. Die Schuessel Nudelsuppe vermeidet zwar nicht dass ich noch knapp zwanzig verfrorene Kilometer vor mir habe, macht den Gedanken daran aber wesentlich ertraeglicher.

Unterwegs habe ich die verbleibende Strecke rueckwaerts mitgezaehlt, den Blick immer auf dem Kilometerzaehler. Zuerst Kilometerweise, dann in Hundertmeterweise. Die Pfuetzen haben mich bis auf Huefthoehe komplett eingedreckt, und ich habe mich auf eine heisse Dusche und ein weiches Bett gefreut. Seit heute verstehe ich, warum man auch in Suedasien manchmal froh an warmem Wasser aus der Dusche sein kann. Und so habe ich mir, in Paksong angekommen, direkt das teuerste Hotel der Stadt (strengneommen eher ein Dorf-entlang-einer-Landstrasse) ausgesucht: mit grosser Treppe am Eingang, einem Fischteich und Wassertroegen mit Lilien, einer Lobby mit Polstermoebeln und Massivholztreppe nach oben. Eingedreckt und versaut wie ich war habe ich dort gegen halb sechs eingecheckt und konnte mein Glueck kaum glauben: ein richtiges Bett, mit weicher Matratze, flauschigen Kopfkissen und das allerbeste: keine Notfalldecke oder so. Auf dem Bett liegt auf einem frisch gewaschenen Leintuch eine riesige Plueschdecke. Zwei Meter lang, zwei Meter breit, gute fuenf Zentimeter dick und kuschelig wie Teddybaer. Das reinste Paradies in diesem Moment. Ein Paradies fuer gerade mal schlanke 80000 Kip, also sagenhafte acht Euro.

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