zurueck auf den „beaten track“

 

Beinahe in der Nacht bin ich vorgestern in Paksong nochmal aufgestanden und raus, auf der Suche nach… Irgendwas. So sicher was ich eigentlich haben will war ich mir im dem Moment als ich immernoch frierend mein kuscheliges Luxus-Bett verlassen habe selbst nicht. Aber ich war regelrecht froh gegen neun noch soetwas wie einen offenen Kiosk zu finden. Streng genommen war die Kiosk-Frau gerade dabei die Rolllaeden zu schliessen, aber ich kam noch gerade rechtzeitig und beim Anblick der Kuehltruhe war mir schlagartig bewusst, warum ich hier bin.122413_original
Immernoch irgendwie frierend bin ich ueber die extrem dunkle Hauptstrasse zurueck ins Hotel gelaufen. In der rechten Hand ein herrliches Vanilleeis in Schokowaffel, in der linken einen eiskalten Gruentee aus Vietnam und eine eiskalte Dose Beerlao. Kalt, suess, herb. Extrem komische Gelueste, wenn man verfroren in Paksong strandet, aber was solls? Ich fuehl mich mit meinen Einkaufen wie der Koenig des Bolaven-Plateus und war auf dem Weg zurueck zur Teddybaer-Decke. Mir gings blendend.

Den naechsten Morgen wollte ich eigentlich frueh aufbrechen, aber eine recht anstrengende Nacht mit Schweissausbruechen hinter mir habe ich das nicht gebacken gekriegt. In aller Ruhe bin ich den Tag in Paksong bei einer Tasse Kaffee angegangen, so gegen zehn schaetze ich. Was soll auch der Stress? Es ist immernoch bewoelkt und kuehl, aber bislang trocken. Mein Beduerfniss nach Entdeckungstouren und verloren zu gehen ist vorerst gedeckt, zumindest solange bis ich wenigstens wieder trockene und saubere Kleidung zum wechseln besitze. Nochmal in einen Regen zu geraten mag ich mir zumindest so und an diesem Tag nicht antun, also gings auf beinahe direktem Weg auf trockener Teerstrasse per Express-Motorradel zurueck nach Pakse. Nur beinahe direkt, weil ich dann an Tat Fan, dem dritten der grossen Wasserfaelle und der letzte der Anwaerter fuer den hoechsten Wasserfall Laos, doch nicht einfach links liegen lassen konnte. Aber gut, arg prickelnd war dieses Erlebniss nicht. Ein Wasserfall eben. Beschildert, mit Eintrittsgeld, einem Resort oben an der gegenueberliegenden Klippe und Busladungen Thai-Touristen. Es gab auch hier einen Pfad, diesmal beachtlich breit, mit Gelaendern und komplett ausgebaut (im Verhaeltniss zum letzten Matschpfad beinahe eine Autobahn) den Abhang hinunter, aber so wirklich interessiert hat mich diese Erfahrung dann doch nocht. Ein an einem Baumstumpf blutig geschlagener Zeh reicht als Erinnerung an Tat Fan aus, und so verschwinde ich recht schnell wieder.

 

Pakse begruesst mich dafuer mit erdrueckender Hitze und strahlendem Sonnenschein. Das Wetter hier unten hat echt beachtliche regionale Stimmungsschwankungen. 60 Kilometer reichen aus, um leicht frierend vom bewoelkten Plautaeu-Nest in strahlenden Sonnenschein zu fahren. Mir solls recht sein, ich freue mich daran dass mein Rucksack nicht mehr so feucht ist (zumindest aussen, das Zeug innendrin ist eine andere Sache…) und kaufe hochmotiviert ein Busticket. VIP Sleeperbus, noch am selben Abend nach Vientiane. Touristenkutsche, weil man sich ja sonst nichts goennt. Irgendwie geniesse ich das Gefuehl, wieder auf den brei ausgetretenen Pfad zurueckgefunden zu haben. Was auch immer heute in Pakse passieren mag, ich werde nicht frieren, mir wird nicht grundlos mit Verhaftung gedroht, ich lande nicht ausversehen im oertlichen Bordell und wenn mein Kreislauf zusammenbricht bin ich zumindest nicht allein. An sich eine feine Sache.122653_original
Aber was macht man mit einem angebrochenen Tag in Pakse am besten? Ich kann zwar immernoch das Motorradel bis acht Uhr behalten, ein Tag ist ein Tag und der Preis der gleiche, aber so wirklich Bedarf habe ich heute keinen mehr daran. Ich drehe noch eine letzte Runde durch Pakse und gebe dieses inzwischen gut eingesaute Zweirad nicht allzu wehmuetig zurueck. Es hat ausgesehen wie neu und war sicherlich frisch poliert, als ich es angemietet habe. Aber das ist inzwischen laut Kilometerzaehler rund 960km her. 960km an die Vietnamesische Grenze, quer durch den Dong Amphan Nationalparkt, mehrfach ueber das Bolaven-Plateau und mit viel Regen.

 

Nicht nur das Motorradel sieht leicht geschaendet aus. Ich habe zwei ekelig offene und naessende Brandwunden am rechten Bein. Eine an der Innenseite des Oberschenkels, passiert als ich mich mitsamt Motorbike bei Nacht und Nebel im Dong Amphan Nationalpark an einer der Brueckenbaustellen ploetzlich flach auf der Erde lag. Steine koennen, vorallem wenn sie matschig und feucht sind, doch ziemlich rutschig sein. Die Brandwunde Nummer zwei findet sich am Schienbein, aus reiner Daemlichkeit beim Tanken in Attapeu am Auspuff haengengeblieben. Gut, und ganz neu und noch nichtmal eingewickelt der blutverkustete grosse Zeh als Souvenier des Tat Fan Wasserfalls. Das sind zumindest die offensichtlichen Schaeden. Im allgemeinen gehts mir relativ schlecht. Meine Verdauung hasst mich und ich fuehle mich muede, ausgelaugt und matt. Vielleicht hilft mal wieder ordentlich zu essen, mein Wohlbefiinden zu steigern. Ich mache mich auf die Suche nach einem einfachen Restaurant in Pakse, und… Finde nichts. Schlimmes Nest, dieses Pakse. Notgedrungen suche ich mir aus den vorhandenen Touristenrestaurants was aus: Indisch? italienisch? „Europaeisch“? „Western Food“? Indonesisch? Thai? Ich entscheide mich spontan fuer indisch und verbringe wohl mehr Zeit auf der Toilette als am Tisch. Schlechte Wahl.
Grundsaetzlich hat Laos fuer seine Essenskultur einen leichten Minuspunkt verdient. Essen „auf der Strasse“, wie in anderen Laendern hier in der Gegend scheint es eher weniger bis garnicht zu geben. Keine fleissigen Frauen, die ein paar kleine Plastikhocker auf dem Gehweg drapieren, ihren Kochtopf daneben stellen und anfangen Suppe zu verkaufen. Keine Sonnenschirme, unter denen abends oder Mittags Horden hungriger Laoten Reis und Gemuese essen. In den Staedten gibt es manchmal fleissige Essens-verkauf-Frauen am Strassenrand, aber essen wo gekocht wird ist hier nicht. Man bekommt alles in Plastiktueten verpackt „zum mitnehmen“ und ist damit auf ein zuhause das in der naehe liegt (sonst wird das Essen ja kalt) und mit Tellern und Besteck bestueckt ist (mit einem Guesthouse hat man hier theoretisch schon das erste Problem) angewiesen. Alles in allem scheinen Laoten brav zuhause gemeinsam mit der Familie zu essen, was an sich ja gar nichts negatives ist. Nur fuer Leute ohne zuhause und Familie machgt es die Sache halt ein wenig kompliziert.
Alternativ zum zuahuse-essen gibt es manchmal richtige, wenn auch meist kleine Restaurants, welche an sich eigentlich immer lecker Essen verkaufen. Oft scheint es mehr das offene Wohnzimmer der Betreiberfamilie mit ein paar Tischen und Stuehlen zu sein, manchmal ist es auch ein wandloses Palmblaetterdach mit angebauter Kueche irgendwo am Ortsrand. Immernoch einfach und immernoch guenstig haben die viel zu meinem Ueberleben in Laos beigetragen, wenn sie auch seltener zu finden sind als Food Stalls in den anderen Regionen.
Als Notfall-Loesung gibts meist noch die Cafes. Oder Kneipen. Oder was auch immer… Mir faellt es schwer, ein passendes Wort fuer diese Shops zu finden. Micro-Getraenkeladen mit Sitzgelegenheit triffts vielleicht. Manchmal ist es auch ein Gemischtwarenladen mit Sitzgelegenheit. Ein einfacher Ort, an dem sich hauptsaechlich Abends hauptsaechlich Laotische Maenner treffen um bei einem kalten BeerLao zu reden, Karten zu spielen oder einfach nur gemeinsam schweigend in die Nacht zu starren. In vielen davon serviert die Frau des Hauses allerdings auch Nudelsuppe im vietnamesischen Pho-Stil und man darf sich essend zu den trinkenden Laoten gesellen. Auch ohne diese Kneipen waere ich jetzt wohl schon oft hungrig zu Bett gegangen =).
Wenn sich Laos allerdings bemueht, „fortschrittlicher“ zu sein (oder touristischer wird?), dann verschwinden diese einfachen Bier-und-Nudelsuppenorte wohl als erstes. Direkt danach verschwinden dann die ganz einfachen Restaurants und werden durch welche mit internationaler Kueche, Holzstuehlen, Stofftischdecken und Schnickschnack ersetzt. Kein Ort mehr, um einfach, lecker, schnell und guenstig an Essen zu kommen. However, vielleicht liege ich mit dieser Erfahrung aus Suedlaos in Nordlaos ja schwer daneben. Ich hoffe es jedenfalls =).

 

Gegen acht an der „VIP busstation“ habe ich mich schon regelrecht auf ein kuscheliges Bett im holprigen Bus gefreut. Ich habe mir, dank unzaehliger Erfahrungsbreichte 123057_originalueber die kuschelige breite eines normalen Doppelbettes in so einem Bus, den Luxus eines Einzelbetts gegoennt und gehofft, dass ich so herrlich ausgeruht am naechsten Morgen in Vientiane ankommen werde. Im Bus kam allerdings schnell die Erkenntniss: ein Bus ist und bleibt ein Bus und wird niemals ein Zug sein koennen. Eigentlich klingt das auch logisch. Gut, gegenueber so manchem Zugbett bietet der Bus den Vorteil, dass ich beinahe aufrecht in diesem „Bett“ sitzen kann. Das ist aber schon der wirklich einzige Vorteil. Ich habe irgendwie Pech und erwische eines der kuerzesten Betten im ganzen Bus: linke Seite, erstes Bett nach dem Eingang, obere Reihe. Das Doppelbett, auf der anderen Seite des Mittelgangs, ist mit zwei laoischen Jungs belegt. Beide davon reichen mir stehend nur knapp an die Schulter, aber selbst die beiden koennen nicht ausgestreckt auf diesem Bett liegen. Dazu ist so ein Einzelbett herzlich schmal, und seitlich mit angewinkelten Beinen zu liegen funktioniert nur, wenn die Fuesse dabei in den Mittelgang haengen. Das „Bett“ fuehlt sich an wie ein mit einer duennen Decke bezogenes Holzbrett, zumindest ist es ziemlich genau genau so weich. Natuerlich darf man die laotischen Strassen hierbei nicht ausser Acht lassen: die Strasse von Pakse nach Vientiane ist zwar eine der besten, die ich bisher in Laos irgendwo gesehen habe, aber trotzdem sind die Schlagloecher gewaltig. Das sanfte Ruckeln eines Zugbettes ist mit dem schuetteln dieser Holzbrettmatratze nicht im Ansatz zu vergleichen. Ich brauche wohl nicht sonderlich ausfuehrlich zu erklaeren, dass mein Schlaf mieserabel bis nicht vorhanden war. Entweder ich war wach, ich wurde wach oder ich kaempfte mit eingeschlafenen und tauben Koerperteilen. Rundum: eine herrliche Fahrt, bis wir um sechs Uhr morgens endlich in Vientiane ankamen.

Was soll ich zu Vientiane sagen… momentan gefaellt es mir hier… schlichtweg garnicht. Es mag einfach nicht zu dem Bild passen, das ich von Laos im sueden habe. Vientiane scheint sich schwerstens zu bemuehen teuer, luxurioes und westlich zu sein. All das, was es fuer mich bislang noch nie war. Gut, die Hauser an sich sind alle klein und alt. Moderne Glasbetonbunker sucht man vergeblich, dafuer gibts viele kleinere Kolonialbauten und Hauser, die so aussehen. Allerdings ist, das ist wohl hauptsaechlich fuer meinen Ersteindruck verantwortlich, schon eine lange Suche noetig um ein Zimmer im Zentrum fuer unter zehn Euro zu finden. Ja, in Sachen Unterkunftspreise ueberbietet Vientiane locker laessig Bangkok, Phnom Penh, Ho Chi Minh City und Hanoi. Selbst in Nanning in China habe ich zwar ein klein wenig teurer, dafuer aber welten luxurioeser gewohnt als das, was die Laoten hier erwarten. Fur acht Euro eine Luxusbleibe mit Teddybaerdecke und Paradies-Flair? Das klingt in Vientiane eher nach nem schlechten Witz als nach laotischer Realitaet.
Meine These mit den einfachen Restaurants hat sich hier auch direkt bestaetigt. Fuer grob fuenfzig cent ne riesige Schuessel Nudelsuppe? Ein frommer Wunsch, aber bislang zwischen den Nobelrestaurants nicht aufzufinden. Gut, Nobelrestaurant haelt sich hier preislich, verglichen mit zuhause, schwerstens in Grenzen und man wird wohl mit zehn Euro vollumfaenglich satt an franzoesischer Kueche mitsamt einem Gls Rotwein, aber das liegt weder in meinem Budget, noch ist es das, wonach ich in Laos suchen wuerde.

Heute ist einfach nicht mein Tag. Es mag sein, dass mein immernoch nicht wesentlich besserer Gemuets- und Krankheitszustand mit daran beteiligt ist, dass ich mit dieser Stadt einfach nichts anfangen kann und so beschaeftige ich mich mit ganz einfachen und banalen Dingen. Die immernoch nasse Waesche vom Motorradel-Ausflug waschen lassen. Das ganze feuchte Zeug aus den Rucksaecken im Zimmer auslegen. Wunden neu verbinden und nicht zuletzt: Schlafen. Zumindest habe ich heute morgen nach ausgiebiger Suche noch eine Bleibe im Zentrum gefunden, die alles in allem doch recht gemuetlich ist und mir ganz gut gefaellt. Ein Doppelzimmer, zwar ohne eigenes Bad, aber dafuer mit zwei Tueren: eine normale in den Flur, und die andere direkt auf den Gemeinschafts-Balkon mit Liegestuehlen, Benkchen, Gruenzeug und etwas Aussicht ueber die Strasse. Das wichtigste heute allerdings: das weiche Bett =). Gut, es ist etwas aelter. Aber es hat Charme. Macht trotzdem knapp acht Euro bitte.

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