immer diese Entscheidungen…

 

Verschlafen. So ein Mist. Zumindest die Moeglichkeit den Morgen-Bus nach Luang Prabang zu erwischen habe ich damit vertan. Die Party die irgendwelche Laoten im Restaurant direkt gegenueber meines Zimmers veranstaltet haben, hat mich irgendwie doch zu sehr von meinen Schlaf abgehalten. Ich war noch reichlich erstaunt als um halb eins immernoch irgendwer auf der Terasse Gitarre gespielt hat, waehrend offensichtlich gut angeheiterte Laoten-Maedels ein reichlich schiefes „Killing me softly“ dazu getraellert haben und ihre maennlichen Kollegen, offensichtlich auch gut dabei, in ziemlich hitzige Diskussionen verwickelt waren. Ich dachte immer, Sperrstunde in Laos sei schon um halb zwoelf… Gut, zu jeder Regel eine Ausnahme. Ich goenns denen ja =).

Woran es nun genau liegt dass ich mich heute endlich ein Stueck besser fuehle weiss ich nicht genau. War es der halbe Salzstreuer, den ich gestern gierig ueber mein Essen gekippt habe, waren es die sechs Liter Wasser zu denen ich mich gezwungen habe, waren es der Berg Zwiebeln ueber den ich voller Gier mal wieder her gefallen bin, ist es einfach nur die Zeit die vergangen ist oder liegt es gar einfach daran Vientiane wieder zu verlassen… was auch immer der Ausloeser sein mag ist mir eigentlich egal, ich packe schon beinahe gut gelaunt meine inzwischen weitestgehend trockenen Sachen wieder in meine Rucksaecke und gehe fruehstuecken. Baguette mit Erdbeermarmelade und Lao-Coffee mit „sweetened condensed milk“, wie sich diese herrlich suesse und zaehfluessige Pampe im Kaffee wohl englisch offiziell nennt. Franzoesisches Weissbrot mit laotischem Kaffee. Spannnende Kombination, zumindest koennte man da viel hineinphilosophieren wenn man wollte. Will ich aber nicht. Ich war mir immerhin immernoch vollkommen unschluessig wohin ich heute reisen mag, und das sollte sich schleunigst aendern. Nichtmal die Zeichen waren sich einig. Das erste Schild, das ich heute morgen vor einem dieser Reisebueros gesehen habe, warb fuer einen Minibus nach Luang Prabang. Allerdings wirbt ein kleines Schild auf meinem Guesthouse-Balkon, meine erste wirkliche Wahnehmung in Vientiane am Morgen meiner Ankunft, fuer Reiki in Thailand (okay, insider. Aber Thailand ist zu verstehen =) ). Zwei Zeichen, zwei Richtungen. Zwei Ideen, die gleichen Richtungen. Wer entscheidet?
Mir ging diese Ueberlegerei irgendwann auf den Keks. Also bin ich vom Fruehstueck aufgestanden, habe ohne nachzudenken ein Busticket nach Lung Prabang fuer den Abend gekauft und damit entschieden. Lustigerweise bei einer thailaendischen Reisebude, wie ich herausgefunden habe.
Zwei Fliegen mit einem Streich =D? Jetzt aber genug von den Zeichen.

124139_originalBleibt nur noch ein Tag in Vientiane zu verbringen. Schlafen ist so ohne aktuelle Bleibe natuerlich nicht drin, also beschaeftige ich mich erstmal mit dem national Museum. Zumindest hatte ich das vor. Kaum drin musste ich schnell erkennen, dass der Beschaeftigungsfaktor fuer mich hier sehrsehr gering ausfaellt. Nicht nur, dass ich diese Ausstellung von Texten in Lao nichtmal lesen koennte wenn ich wollte, auch die wenigen englischen Uebersetzungen schaffen es nicht, mich zu begeistern. Vieles ist statt in englisch auch nur in franzoesisch uebersetzt. Aber arg viel mehr als ganz viel Text, Bilder dazu, ein paar zebrochene alte Vasen, verrostete Gewehre und ein bis zwei Durchschnitts-Buddhastatuen gibts hier nichts zu finden. Genau so unspannend wie sich das anhoert ist es auch, und ich schneller wieder draussen als ich eigentlich erhofft hatte.

Warum habe ich mich eigentlich heute nicht frueher aus dem Bett pruegeln und den Bus am morgen erwischen koennen?
However, ich beschaeftige mich mit dem, was ich irgendwie immer zu tun scheine wenn mir langweilig in Laos ist: in einem Cafe bei Kaffee und Eistee herumgammeln, ein Stueck gehen, wieder ein Cafe, noch ein Stueck… so laesst sich zur Not irgendwie immer ein Tag verbringen. So ein Tag wird nie der spannendste werden, aber meistens ein erholsamer. Schade kann das nicht, denn mein Bus nach Luang Prabang ist nur ein ganz ordinaerer Bus. Mit Sitzen. Von acht Uhr Abends bis sechs Uhr morgens. Ob es einen Schlafbus-Spass nach Luang Prabang auch geben wuerde, danach habe ich mich nicht erkundigt. Interessiert mich auch nicht. So unbequem moechte ich ungern ein zweites mal reisen.

Um halb acht wurde ich mit drei anderen vom Reisebuden-Shuttle-Pickup an der Busstation abgesetzt. „Northern bus terminal“ nennt sich der Spassn ein ganzes Stueck ausserhalb des Zentrums. Erwartet hatte ich da ja so einiges, aber definitiv keine quietschenden Reifen, Motorengeheule und laute Musik. Eine kleine Ueberraschung war es schon, einen „Lao car club Vientiane“ dort bei Dunkelheit mitten auf der inzwischen recht leeren Buswendeplatte mit ihren Autos angeben zu sehen. Eine beachtliche Menge tiefergelegter, verspoilerter und neonbeleuchteter Autos steht dort frisch gewaschen in einer Reihe. Vor Stolz beinahe platzende Besitzer, umgeben von neidischen Zuschauern und laotischen Maedels, posieren neben ihren Autos, drehen schlitternd Kreise auf dem regennassen Teerbelag oder lassen einfach nur im Stand die Reifen durchdrehen und haben ihre Freude daran. Die Luft ist verqualmt, laute Musik droehnt aus den Autos und immer mehr staunende Zuschauer sammeln sich an der Busstation.

Vietianes Busstation bei Nacht...

Vietianes Busstation bei Nacht…

Eine Szene, wie sie aus einem Kinofilm stammen koennte, waehre besagter Kinofilm zufaellig in Suedostasien gedreht worden. DAS ist definitiv der kroenende Abschluss fuer meinen Eindruck von Vientiane. Extrem verspoilerte und tiefergelegte Autos, in einem Land das noch nichtmal Strassen ohne Schlagloecher mit grob nem Meter Durchmesser und zehn Zentimeter Tiefe besitzt. Mir wird so langsam klar, dass auch Laos nicht nur eine Seite haben kann. Nicht nur die laendliche, unspruengliche Oellampen-Seite mit den armen Doerfchen und den arbeitenden Kindern im Sueden. Es gibt mehrere Seiten, und auch wenn das was ich gerade sehe ohne Frage sehr thailaendisch beeinflusst sein duerfte (Thailand faengt hier schon am anderen Flussufer an), es sind definitiv Laoten die hier mit ihren Proll-Kisten einen Grossteil ihrer Reifen auf der Busstation verteilen. Das rechtfertigt natuerlich in keinster Weise die exorbitanten Guesthouse-Preise, aber es zeigt mir doch schlussendlich dass Vientiane und die Bolaven-Region zwar beide in Laos, aber trotzdem Welten auseinander liegen. Vientiane ist einfach Vientiane, ob man es mag oder nicht, gut findet oder nicht, so ist es nun mal. Ungerecht ist die Welt auch innerhalb von Laos.
Meine persoenliche Meinung zu Vientiane aendert sich zwar deswegen nicht, aber mein Bild von Laos im Ganzen scheint wieder ein Stueck runder geworden zu sein.

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