Relativitaetstheorien

 

Eine Nacht in einem ganz oridinaeren Bus scheint fuer mich die definitiv bessere Wahl zu sein. Ich habe ich vergleich zum Schlaf-Brett-Bus eine wunderbare Nacht auf der Strasse gehabt. Zugegeben, der Bus war ein komisches Monster. Aussen so hoch wie ein doppelstoeckiges Exemplar musste ich innen beim einsteigen im einzigen „Stockwerk“ den Kopf einziehen. Dieses Teil scheint mehr darauf ausgelegt zu sein Ware statt Personen zu transportieren… aber wen stoert das schon? Ich wurde mit erstaunlich viel Beinfreiheit, uebermassig viel Rueschchenstoff-Kitsch und einem erstaunlich bequemen Sitz dafuer entschaedigt. Alles bestens also.

irgend so ein "Rasthof", mitten im laotischen Nirgendwo

irgend so ein „Rasthof“, mitten im laotischen Nirgendwo

Auch die grundsaetzliche Idee nach Luang Prabang zu fahren scheint grundsaetzlich nicht die allerfalscheste gewesen zu sein. Am fruehen Morgen spaziere ich, frisch angekommen und gerade die Transportdienstleisterhorden am Busbahnhof hinter mir gelassen, durch ein wunderbar ruhiges und gruenes Staedtchen. Es ist mal wieder ein wenig anders und passt auch nicht ganz zu meinem Laos-Bild. Dazu wirkt es stellenweise beinahe schon zu kolonial-franzoesisch, aber als stoerend empfinde ich es nicht. Luang Prabang ist wieder extrem ruhig, gelassen und Stressfrei. Wenn es Haengematten gaebe, wuerde ich wohl haengen bleiben koennen. Es ist einfach die dritte Laos-Seite bislang, und das ist okay so. Vielleicht bekommt dieses Staedtchen auch meinen ganz persoenlichen schoenste-Mekong-Stadt-international verliehen. Pech gehabt, der schoenste-Mekong-Fleck-ueberhaut-international-Preis gehoert derzeit immernoch Don Det und Don Khon, aber das ist ja auch was ganz anderes =D

125136_originalNach ausgiebiger Suche und zugegebenermassen etwas Lao-untypischem Baguette-und-Kaffee-Fruehstueck finde etwas abseits auch ein nettes kleines Guesthouse. Nicht, dass ich es damit eilig gehabt haette. Man kann wohl ziemlich viel Zeit damit verbringen einfach nur zur diese Stadt zu irren, aber mir gefiel der Platz auf Anhieb. Ein paar einfache Zimmer im Hinterhof um einen schoenen Garten… klingt schoen, ist es auch. Sind zwar immernoch teure 70000 Kip, aber inzwischen habe ich den Preiskampf irgendwie aufgegeben. Inzwischen ist es mir beinahe wichtiger, mit einem echten und ehrlichen laechelnd empfangen zu werden und nette Hotelleute um mich herum zu haben. Was nuetzt es schon, einen Euro zu sparen und dafuer an schlecht gelauntes Personal bzw. eine schlecht gelaunte Betreiberfamilie zu geraten? Eben, eigentlich nichts.

124767_originalJa, Tempel gibts in Luang Prabang definitiv genug. Wohl 32 an der Zahl, aber heute begeistern die mich noch wenig. Sie gehoeren zur Stadt dazu, sind ein Teil davon wie jedes einzelne Haeuschen, aber ich kann mich noch nicht dazu aufraffen irgendwie Tempel zu besichtigen. Tempel. Buddhastatuen. Moenche. Meine Faszination und Besichtigungsgier hat diesbezueglich seit meinem ersten Tag in Suedostasien kontinuierlich abgenommen. Es ist irgendwie schon interessant, wie sich Blickwinkel im Laufe der Zeit aendern koennen. Mein erster Markt… meine Guete, war das ein Flash. So gross, wirr, bunt, anders, ungewont… es riecht nach Obst und stinkt nach Fisch. Auf Hoelzernen Auslagen liegen ungekuehlte Fleischbrocken ueber die Horden von Fliegene herfallen wuerden, wenn nicht lustige Konstrukte aus alten Tischventialtoren mit daran befestigten Plastiktueten darueber kreiseln und die Insekten vergtreiben wuerden.

Dazwischen sitzen den ganzen Tag Frauen unter ihren Regenschirmen, aufgespannten Plastikplanen oder unter ihren improvisierten Palmblaetterdaechern und warten geduldig neben fuef exakt gleichen Staenden auf Kundschaft. Es hat mich regelrecht fasziniert. Damals. Heute ist es schon ein Stueck normaler geworden. Ein normaler Markt hat seinen Reiz als „Sight“ komplett verloren. Dafuer ist er zum ganz normalen Anlaufpunkt fuer taegliche Kleinigkeiten geworden. Bei Hunger gibts un den Markt herum meist frische Kleinigkeiten oder einfach nur Obst fuer unterwegs. In Laos gibts dazu neben dem Markt immer irgendwo eine sticky-rice-Frau, die ich tatsaechlich beinahe an jedem Ort aufsuche. Eine nette Geschichte hier so nebenbei =) Des Laoten Brot ist eigentlich ueberall der klebrige Reis. Zu jedem Essen gibts sticky rice, und laenger unterwegs hat fast jeder eine Portion als Pausenbrot oder so dabei. Aufbewahrt wird dieser klebrige Reis in Bambuskoerben, die Insekten fern und den Reis warm halten sollen. Daheim in der Kueche hat die laotische Hausfrau meistens nen grossen dieser Behaelter, aus dem dann in kleinere Koerbchen umgefuellt wird. Schon auf Don Det kann man Schulkinder morgens auf dem Weg zur Schule mit der Schultasche in der linken und dem Klebreiskoerbchen in der rechten Hand ueber die Insel pilgern sehen und selbst in Bussen packt so manch Laote zwischendurch sein Bambuskoerbchen aus, knubbelt sich mit einer Hand eine Walnussgrosse Portion aus dem Koerbchen, formt sie zu einer handlichen Kugel (immernoch mit einer Hand) und faengt an torckenen Reis zu essen. Normalerweise, daheim oder in Restaurants (auch hier bekommt man die Bambuskoerbchen serviert), wird diese handliche Portion zuerst in die Sauce getunkt, aber unterwegs wird darauf meist verzichtet. However, schon in Champasak habe ich irgendwo unterwegs mit der Hilfe eines in Australien lebenden Laoten eines dieser Koerbchen in einem Restaurant erstanden und trage es ueberall mit mir herum. Es ist zum einen herrlich einfach: inzwischen weiss ich, dass einmal randvoll mit frisch gekochtem Reis 4000 bis 5000 Kip kostet. Ausserdem weiss jede Laotin, was in so ein Koerbchen gehoert. Also: ohne irgendwelche Kommunikationsprobleme auf den Markt, Reisfrau suchen, ihr das Koerbchen geben, eine schwerst erstaunte Reisfrau beobachten, freundlich laecheln, ein freundliches Laecheln als Antwort bekommen, das Koerbchen fuellen lassen, 5000 Kip hergeben und warten ob vielleicht Wechselgeld zurueck kommt. Komplett nonverbal und supersimpel. Zum anderen ist es immer wieder ein spannendes Erlebniss, dieses Koerbchen irgendwo auszupacken. Laoten wissen natuerlich sehr wohl, was ich da aus meinem Rucksack zaubere. Trotzdem muessen sie schon genau hinsehen, ob da wirklich Reis drin versteckt ist. Wenn diese Erkenntniss durchgesickert und verarbeitet ist werden andere Laoten angestupst und es wird auf mich gedeutet. Danach wird gelaechelt, gegruesst und zugenickt. Ein Tourist isst Arme-Leute-Pausenbrot: trockenen Klebreis. Sicherlich ein wenig schraeg fuer so manchen Laoten und manchmal werde ich vielleicht belaechelt, aber im grossen und ganzen wird es eher wohlwollend zur Kentniss genommen. Ich steh im uebrigen voll auf sticky rice. Nicht nur wegen dem tollen Bambuskoerbchen, sondern weil er einfach extrem lecker ist. Naja, meistens zumindest ;).

125376_originalTotal vom Thema abgekommen =). Es ging eigentlich um Maerkte, die ihren Reiz irgendwann verlieren und zu dem werden, was sie eigentlich sind: ein Ort fuer Einkaeufe. Nichts spektakulaeres, nichts besonderes, nichts spannendes. Einfach ein Markt. Genauso geht es mir auch mit Tempeln oder Moenchen. Der erste buddhistische Tempel… was war das ein Erlebniss =). Der erste lebende Moench in seiner orangen Kutte, kein Foto oder eine Beschreibung, ein Moench, mit Almosenschale… ich war regelrecht aufgeregt. Heute sind Moenche schoen anzuschauen, weil die Kutten in den meisten Laendern so herrliche Farben haben und einen schoenen Farbkleks darstellen. Ausserdem sind die meisten doch auch nur Jungs die mit Handys spielen, Ausfluege unternehmen, selbst Fotos von Buddhastatuen schiessen, planschen gehen, rauchen und Fuesse anfassen. Keine verkrampften Regeleinhalter oder so, zumindest nicht den ganzen Tag ueber. Es hat sich alles ein Stueck realtiviert, ist menschlicher und normaler fuer mich geworden. Tempel sind demnach auch hauptsaechlich Orte fuer Gebete und Glaeubige, so wie meinetwegen Kirchen fuer Christen daheim. Es gibt schoene, und manchmal spezielle. Und manche sind es durchaus wert sie zu besuchen, aber es ist nicht so dass ich irgendwie ungebremst ueber jedes einzelne Koster oder einen Tempel herfallen muesste.

Was in Luang Prabang allerdings unangefochten super funktioniert und was ich wie ich inzwischen weiss durchauch geniessen kann: in allerhand Cafes bei Kaffee und Tee versumpfen, schreiben, lesen oder einfach nur in die Luft starren. Im Grunde trifft sich das super, denn auch Luang Prabang hat Regenzeit. Nein, eine Ueberaschung ist das im Grunde keine, trotzdem starb die Hoffnung wie immer zuletzt =).

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