incredible Friseurbesuch, oder so.

 

Luang Prabang laedt wirklichwirklich zum herumgammeln ein, und das sogar komplett ohne Haengematte. Beinahe ungaublich. Ich habe mich dennoch irgendwie dazu aufgerungen, doch noch ein Mindestmass an Tempelbesichtigung und Sightseeing zu bertreiben.125444_original Dass die allerdings tatsaechlich Eintrittsgeld wollen um das Huegelchen in der Stadt zu erklimmen, hat mich allerdings davon abgehalten eines meiner Ziele zu erreichen. Bei aller Liebe, zwei Euro fuer… aehm… garnichts an Gegenleistung ausser ober auf einem Huegel stehen zu duerfen? Das ging doch ein wenig an meinem allgemeinen Verstaendiss vorbei. Also kein Huegelchen erklimmen. Auch nicht schlimm. Eintrittsgeld durfte ich dafuer fuer einen Tempel bezahlen. Auch ne schraege Idee im Grundsatz wenn man mal genau drueber nachdenkt, habe ich mich hier dann doch aufgerafft. Aus dem Erhaltungsgedanken und so. Frische Farbe und so kost ja schliesslich auch Geld =).125898_original

Eins der fragwuerdigen „Highlights“ des Tages fing allerdings wesentlich banaler an. Es ist wieder einige Zeit vergangen, meine Haare wurden laenger und inzwischen fuer mein Empfinden bei diesem Wetter einfach zu lang. Also habe ich spontan beschlossen, auch noch die Erfahrung eines laotischen Friseurbesuchs mitzunehmen. Dass das allerdings irgendwie spektakulaer oder erwaehnenswert wird, daran hatte ich nicht gedacht.

However, ich fand mich irgendwann nach dem Mittagszeit bei einem Friseur um den Markt herum wieder. Ich habe nicht lange gesucht und auch ueber keine Alternaitven nachgedacht. Es war ein einfacher Friseursalon. Wieder etwas unordentlich, ein Friseur Ende zwanzig oder Anfang Dreissig und zwei ganz normale Maedels warteten dort auf Kundschaft. Kein „beauty“ im Namen, kein „Spa“ als Zusatz… Was soll da schon schief gehen?
126334_originalDass der Friseur mich von oben nach unten und wieder zurueck ausfuehrlichst mustert bevor er mir meine Frage nach dem Preis beantwortet hat mich auch noch nicht gewundert. Preise sind Verhandlungssache, und da ist natuerlich ein Eindruck von dem Verhandlungspartner (und seiner Geldboerse) noetig. Ich sah ein wenig uebel aus, muss ich gestehen. Ich trage etwas zu kleine und billige FlipFlops, gekauft aus purer Not auf Don Det und einer davon von einem Guesthouse-Hund schon in Champasak ordentlich zerkaut und im allgemeinen schon wesentlich sauberer gewesen. Meine Fishermen haben auch viel gesehen, es handelt sich noch um mein allererstes Paar, in Thailand vor zwei Jahren erstanden, ausgebleicht in Asien und Spanien, die Tasche geflickt in Marokko, einen Sandsturm in der Sahara erlebt, am Oberschenkel zerrissen bei einem Bad mit Moenchen auf Don Det, provisorisch geflickt in Pakse, eingedreckt vom rostroten Strassenstaub des Bolaven-Plateaus und trotz mehrmaligem Waschen nimmer noch nicht sauber sehen die echt gut gebraucht aus. Darueber trage ich ein viel zu grosses hellbraunes T-Shirt, ein Notfall-Kauf in Vietnam. Nicht wirklich zerschunden, aber auch nicht wirklich passend rundet es den Look eindeutig gelungen ab und passt durch die Fortsetzung der Bolaven-Plateau-Staubflecken ganz gut zur Hose. Rasiert habe ich mich seit zwei Tagen nicht mehr, und meine von der Sonne strapazierten und gebleichten Haare stehen wie Stroh in allen Richtungen von meinem Kopf. Als ich den Preis dann hoerte, war ich ueberrascht wie gut meine „Tarnung“ wohl funktioniert und habe zu den aufgerufenen 20000 Kip noch eine Haarwaesche vorher und eine hinterher herausgehandelt. Ein fairer Deal finde ich und lege mich zum Haarewaschen auf einen dieser (mal wieder) viel zu kleinen Stuehle und stosse mit den Knien an der Wand an. Nichts allzu spannedes passierte waehrend mir das Maedel zwar neugierig aber professionel die Haare gewaschen und in ein Handtuch gewickelt hat. Mein Friseur beginnt allerdings waehrenddessen ein wenig smalltalk. Ja, Premiere: Mein Friseur spricht englisch. Und weil ich mir nichts boeses dabei denke, erfaehrt er recht schnell woher ich komme, dass ich allein unterwegs bin, wie lange ich schon in Laos bin und dass ich auch nicht verheiratet bin. Spaetestens diese verheiratet-Frage haette mich aufmerksam werden und ein pfeilschnells „ja“ antworten lassen sollen. Aber ich bin einfach zu naiv, und er hat sie zu geschickt verpackt.
Als all diese Fragen alle geklaert waren, sass ich auf einem dieser einfachen und leicht rostigen Firseurstuehle. Er war reichlich hoch eingesgtellt und ich habe mich noch gewundert dass niemand die Hoehe verringert, immerhin bin ich so im sitzen beinahe gleich gross wie der Friseur. Er wird wohl besser wissen wie er Haare schneidet denke ich mir und beachte dieses Detail nicht laenger. Ohne Umwege begann er dann allrdings erstmal mit irgendwas, was man im besten Fall Massage des Nackens und der Schultern nennen koennte, aber in dem Moment fiel sogar mir auf: das ist nicht das Standard-Programm. Das ist ankrabbeln.
Puh. Ein stockschwuler laotischer Kleinstadtfriseur. Wie hoch ist wohl die Wahrscheinlichkeit an so jemanden zu geraten? Ich mein… das ist Laos. Sowas geht hier doch nicht. Immernoch schockiert und sowieso wenig handlungsfaehig beschliesse ich, die ignorieren-Taktik zu fahren. Viel andere Moeglichkeigten habe ich ja nicht.
Nachdem das Oberarm-knet-gekrabbel ignoriert und beendet war, schien er sich auch endlich um meine Haare zu kuemmern und begann sie in alle Richtungen zu kaemmen. Sein grinsen macht mir trotzdem noch Angst, und so weit daneben lag ich auch nicht. Kurz danach wird aus der ignaorieren-Taktik zwangsweise die alles-verneinen-Taktik: Nein lieber Herr laotischer Friseur, ich mag keine Discos. (Und selbst wenn, jetzt ist Schluss mit naivsein). Und nein, ich mag es nicht, dass deine linke Hand mein Kinn streichelt waehrend du mir mit der rechten die Haare kaemmst, also nehm die bitte gefaelligst da weg. Er liess sich zwar wenig beeindrucken, hielt sich aber vorerst zurueck. Trotzdem, der Haarschnitt schien ihm reichlich zweitrangig. Und nein, lieber Herr laotischer Friseur, ich mag keine Massage. Danke der Nachfrage. Nein, ganz bestimmt nicht, auch nicht wenn sie umsonst ist (oder ganz genau deswegen nicht…). Nein, wirklich nicht. Nur haare schneiden, das reicht mir.
Ich war kurz davor zu fluechten. Ich habe inzwischen auch verstanden, warum er meinen Stuhl nicht nach unten kurbelt: wenn ich so hoch sitze, muss er sich ziemlich dicht an mich stellen, um mir oben auf den Kopf sehen zu koennen. Stellen waere ja noch okay, aber ein kuscheliges und dezentes aneinanderreiben gefaellt ihm wohl besser. Verdammt. Was tun in so einem Moment? Nein, ich habe keine Angst vor schwulen. Auch nicht, wenn sie mir die Haare schneiden und auch nicht, wenns Laoten sind. Wenn sie ihre Geschlechtsteile an meinem Onerarm reiben, dann wirds allerdings schon selten extrem aufdringlich. Hilft ja nichts. Augen zu und durch, ausweichen so gut es nur geht. Irgendwann wird er schon von alleine aufhoeren, vielleicht kapiert ers ja irgendwann. Ausserdem kanns nich mehr lange dauern bis er mit schneiden fertig ist.

125990_originalJa, ich war ziemlich froh, irgendwann endlich wieder zum Haarwaesche-Ministuhl und zu dem harmlosen Maedel wechseln zu duerfen. Ich habe auch deren Kopfmassage, entgegen allem was ich dem Friseur ein paar Minuten frueher erzaehlt habe, genossen. Ich habe auch versucht bei ihr zu bezahlen, aber das ging dann leider doch nicht. Er liess es sich nicht nehmen, mich beim Wechselgeld-zurueckgeben noch ein letztes mal anzukrabbeln. Wie der mit dem Wechselgeld bis an meinen Bauch kam, ist mir immernoch ein Raetsel. Verdammter Friseur. Nach der Dusche kam im Guesthouse dann auch die logische Erkentniss: das mit dem Haarschnitt hat er wirklich nicht allzu genau genommen. Ich werde es wohl irgendwelche Thais die naechsten Tage retten lassen muessen. Einen weiteren Friseurbesuch in Luang Prabang kann ich mir vorerst mal locker verkneifen.

Themenwechsel. Ich bin inzwischen stolzer Besitzer eines Bootsticket. Nicht weil ich das Beduerfniss habe vor einem Friseur fluechten zu muessen, sondern einfach nur weil ich irgendwie doch weiter will. Luang Prabang ist nett, aber mir ist nicht so recht nach Stillstand. Ich habe Tempel gesehen, ich habe die Stadt gesehen, ich habe den Touristen-NightMarket gesehen und nun ist gut. Ich will nochmal auf dem Mekong reisen. Es war mir bislang gar nicht so direkt bewusst, aber mir faellt an dieser Stelle auf dass ich seit Vietnam irgendwie am Mekong „klebe“. Mekong-Delta: sowas von eindeutig Mekong. Die Grenze nach Kambodscha: definitiv auf dem Mekong. Phnom Penh: ich glaaaaaube auch am Mekong. Stung Treng: auch so ein Mekong-Nest. Don Det und Don Khon: definitiv mitten im Mekong. Champasak: am Mekong. Pakse: um den Mekong herum. Vientiane: Mekong. Luang Prabang: auch am Mekong. Einmal vom Meer bis nach Nordlaos mal mehr mal weniger dem Fluss entlang. Da ist es doch auch irgendwie logisch, dass ich jetzt nochmal Boot fahre. Morgen gehts einmal blindlings nach Pak Beng, neun Stunden im Boot immer den Mekong nach oben. Ich hoffe, dass ich von dort auch wieder weiter komme. So wirklich auskunftsfaehig oder auskunftswillig zeigt sich am Bootsanleger keiner, und so weiss keiner ob es wirklich ein Boot von Pak Beng nach Huay Xai an der Grenze zu Thailand gibt. Zumindest von der Tafel mit den Zielen und Preisen in Luang Prabang ist es mysterioeserweise verschwunden und meinem Guidebook glaube ich auch nicht alles. Wenn es das Boot nicht mehr geben sollte wird das wohl ne nette kleine Sackgasse werden, aber ich hoffe einfach mal das Beste =)

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