Slow- and SleeperBoat

 

Ich habe es tatsaechlich geschafft. Es ist das erste mal, dass ich vor dem Hotelpersonal wach wurde. Gut, ich wollte gegen halb sechs schon raus. Es wurde gerade so langsam hell und ich musste den an der Rezeption schlafenden Nachtaufpasser unter seinem Moskitonetz wecken. Ich verstehe noch immer nicht, warum man in Laos immer eingesperrt wird. So richtig eingesperrt. Gegen elf, allerspaetestens zwoelf vergittert irgendwer den Eingang und schliesst mit nem grossen Vorhaengeschloss ab. So einfach kommt jetzt keiner mehr rein oder raus. Es gibt natuerlich auch keinen Notausgang oder so. Sollte es brennen, das Guesthouse ueberfallen werden oder man klaustrophobische Anfaelle bekommen… hier gibts wirklich keinen Ausgang, zumal die Fenster in aller Regel auch noch vergittert sind. Zu was das alles genau gut sein soll, verstehe ich irgendwie noch immer nicht. Haben die Laoten Angst, dass irgendwer ihre Gaeste klaut? Oder ist es, damit die boesen Touristen nicht raus koennen und boese Sachen bei Nacht anstellen? Wer hier vor wem oder was vor wem oder wer vor was geschuetzt werden soll, weiss ich echt nicht und finde es schlichtweg unnoetig. Dass ein Laote bei Nacht ein Guesthouse ueberfaellt und mich ausraubt, daran kann ich nicht glauben. Es gaebe dazu einfachere Moeglichkeiten und Situationen. However, eingesperrt zu sein ist und bleibt einfach ein unangenehmes Gefuehl. Immer.

Der Grund fuer diesen Aktionismus am fruehen Morgen? Nunja, mir wurde erzaehlt, die Moenchsprozession, bzw. deren Almosenrunde am fruehen Morgen kurz nach Sonnenaufgang sei hier besonders beeindruckend. Macht theoretisch auch Sinn, bei der schieren Menge an Tempeln in Luang Prabang. Trotzdem oder gerade deswegen war mir die Sache zu unangenehm und ich bin schneller gefluechtet, als ein Moench sich blicken lassen konnte.
Warum? Dazu sind wohl ein paar kurze aber vielleicht vielsagende Worte zur allgemeinen Tourismus-Situation in Luang Prabang noetig. Allgegenwaertig sind hier Schilder mit der Aufschrift „please cover your Body. No bare chests. No bikini tops.“ und einleuchtenden Symbolen darauf. An den touristisch wesentlich besuchten Tempel finden sich auch Schilder, allerdings andere. Welche, die in ziemliche deutlichen Worten darauf hinweisen dass die Almosenrunde sowas wie ein „religioeses Ritual“ und keine Touristenattraktion ist und die allgemeinen Verhaltensregeln nochmal klar stellen. Almosen bitte nur aus religioeser Ueberzeugung oder mindestens ernst gemeintem Respekt. Schuhe aus. Kein Augenkontakt. Schultern bedecken. Frauen knien. Maenner stehen. Kein Billigreis von Strassenhaendlern geben, sondern welchen vorher auf dem Markt kaufen. Wenn ueberhaupt, dezent und unauffaellig fotografieren. Und nicht zuletzt: Klappe halten. Die Basics eben.
Gut, Schilder werden selten ohne Anlass aufgestellt und so kommen mir auf dem Weg gen Zentrum zuerst Horden dieser wohl Schundreis verkaufenden Frauen entgegen und wollen mir ihre Ware andrehen. Sie fordern mich regelrecht auf diese den Moenchen zu geben. Zwei Ecken weiter, schon auf einer der Hauptstrassen durch das Zentrum sehe ich ein echt schraeges Bild: laotische Frauen warten ohne Schuhwerk kniend, den Reis vom Markt in Bambuskoerben oder Bananenblaettern vor sich, in der Naehe eines Tempels auf die Moenche. Knapp daneben steht eine Gruppe Touristen, natuerlich in Schuhen, die grosse Spiegelreflexkamera schussbereit in der einen, den Strassenhaendlerinnenreis in der anderen Hand. Gut, das war zum Glueck (wenn auch der Schock direkt am Anfang) die Ausnahme. Der Grossteil scheint sich grundlegend etwas informiert zu haben, respektvoll zu sein (oder zumindest die Schilder gelesen zu haben) und sich zu benehmen wissen. Trotzdem werde ich weder die Strassenhaendlerinnen noch das ungute Gefuehl los, dass hier das Publikum „gekippt“ ist. Zu viel Tourstenanteil, zu viel „Schaulaufen“ fuer die armen Moenche, die das tagtaeglich ueber sich ergehen lassen muessen. Der Gedanke auch dazu beizutragen ist mir irgendwie unangenehm und ich entscheide mich daher ganz spontan zurueck zum Guesthouse zu gehen.

Als der „Spuk“ weitestgehendst vorbei war, war es an der Zeit fuer mich gen Bootsanleger zu wandern. Nach meinem kleinen Fruehstueck auf dem Weg habe ich mich schon gefreut ne Runde auf nem Holzdielenboden eines Bootes zu schlafen. Slowboats koennen ne feine Angelegenheit sein, wenn sie denn wollen. Ein einfacher Holzkahn mit Koerben voller Obst, Gemuese und allerhand Geruempel die sich den Platz mit auf dem Boden sitzender, beinahe in Trance verfallener und stoisch auf die Ankunft wartender Laoten teilen. Ein Boot das gemaechlich mit konstant monotonem Motorengebrummel den Mekong entlang schaukelt und alle halbe Stunde an den unglaublichsten Doerfchen haelt um Leute und Ware ein- und auszuladen. So habe ich mir das vorgestellt. So wie ich mir ein slowboat irgendwie immer ganz romantisch vorstelle, und wenn ich ehrlich bin: so wie das wohl sensationellste und tollste slowboat das ich kenne in Burma von Mandalay nach Bagan eben ist. Meistens werde ich mit dieser Vorstellung im Kopf allerdings ziemlich enttaeuscht… Auch hier ist ein laotisches slowboat eben nicht DAS burmesische slowboat. Als ich in das relativ kleine und doch irgendwie symphatisch wirkende Boot einsteige muss ich zuerst erkennen dass sich irgendwer ueberlegt hat dass es ne tolle Idee waere das Boot zu bestuhlen. Mit ausrangierten Sitzbaenken aus Minivans. Die Laoten findens Klasse und pruegeln sich beinahe um diese Sitzplaetze. Ich bin Tourist, muss hier knapp 50% fuers Ticket mehr bezahlen und bekomme dafuer wohl eine Platzreservierung, zumindest meint der Kontrolleur meines Tickets beim Einsteigen Sitzplatz Nummer zwei waere meiner. Welch toller Vorteil.
127536_originalMein Platz mit der Sitznummer zwei ist allerdings schon belegt: Eine militante Laoten-Mutti hat ihn im ganz europaeschien Stil reserviert, zwar nicht indem sie ein Handtuch darauf gelgt hat sondern vielmehr eine Handtasche, und scheint nicht im Traum daran zu denken mich dort Platz nehmen zu lassenm
Im Grunde mag ich diese Art der „Gastfreundschaft“ ja immer gerne… einer will, dass man einen bestimmten Platz belegt und der zweite reagiert mit wuesten Beschimpfungen darauf. Nein, nicht gegen den Platzzuweiser, sondern gegen den Platzzugewiesenen. Beinahe schon indische Zustaende hier…
Aber however, mir ist es nur Recht. Mir gefaellt die hintere Haelfte des Bootes spontan sowieso besser: Ein Stapel Holzbretter der Kategorie „zu transportierende Ware“ liegt flach auf dem Boden verteilt; abgedeckt mit einer Folie, ueber der Folie gewebte Bodenmatten und auf den Bodenmatten: die zwischen den Koerben voller Ware sitzenden Laoten. Nein, Laos ist nicht Burma. Das Solwboat ist nicht same same, aber auch toll und ich such mir ein kuscheliges Plaetzchen fuer eine Runde Schlaf.

126466_originalNaja, aus der „Runde“ Schlaf wurde zwangsweise etwas mehr. Natuerlich hat es wieder geregnet. Der Regen in Laos kommt mir dabei irgendwie langsam immer mehr suspekt vor. Es ist hier bislang irgendwie nicht so, dass es kurz und heftig schuettet und danach die Sonne wieder scheint oder es zumindest aufhoert zu regnen. Nein, wenns schuettet dann zwar wohl kurz ziemlich heftig, aber so richtig aufhoeren mag der Regen dann doch nicht und geht recht gerne ueber in einen den ganzen Tag fuellenden, beinahe europaeischen Daurerregen. Eigentlich ne ziemlich unangenehme Sache, aber hier und heute stoert mich das gerade nicht: die dunkelblauen Plastikplanen vor den Seitenwaenden werden heruntergelassen, das Dach haelt bis auf ein paar Stellen (an denen schnell Eimer und Schuesselchen auf dem Fussboden verteilt werden) ziemlich dicht und so ist es im Boot trocken, etwas dunkel, der Regen prasselt aufs Dach und an die Seitenwaende was das Geraeusch von „Zelten im Regen“ ziemlich nache kommt und natuerlich schaukelt das Boot immernoch auf dem Mekong hin- und her. Nicht heftig, nur gerade richtig um sich angenehm in den Schlaf wiegen zu lassen.

127247_originalWas ist den Tag ueber also passiert? Ich habe manchmal nach draussen geschaut und mich gefreut im Trockenen zu sein; sitcky rice mit Chillisauce, Bananen und ein Sandwich gegessen und zwischen all dem einfach nur geschlafen. Ein toller Tag =)

126864_originalWar es wirklich ein ganzer Tag? Ich war zugegeben etwas ueberrascht, als wir in Pak Beng ankamen und die Sonne schon langsam unterging. Mir kam die Fahrt nicht sonderlich lange vor, aber offensichtlich lag ich damit gewaltig daneben.

In Pak Beng folgt dann business as usual. Dieses Dorf scheint (aehnlich wie Stung Treng vor zwei Jahren) zu einem guten Teil von Kurzzeit-Touristen zu leben. Die meisten bleiben nur eine Nacht, entweder von Huay Xai an der Thailaendischen Grenze kommend auf dem Weg nach Luang Prabang oder eben wie ich andersherum. Das Guidebook schwaermt zwar von diesem Dorf und der Aussicht ueber den Mekong und ermuntert einen regelrecht dazu laenger zu bleiben, aber ich kann bei aller liebe zu komischen Nestern keinen Grund dazu erkennen. Ein Dorf am Mekong. Jedes zweite Haus scheint ein Guesthous zu sein. Die Leute sind mal wieder darauf spezialisiert einem in moeglichst kurzer Zeit moeglichst viel Geld aus der Tasche zu ziehen und haben natuerlich auch wenig Interesse an gutem Service, immerhin bleiben alle sowieso nur fuer eine Nacht und ein Abendessen und kommen dann wohl nie wieder. Ich habe den Eindruck alle diese Touristen-Durchgangs-Nester scheinen irgendwie eine unangenehme Grundstimmung zu verbreiten.
127070_originalIch hatte zumindest etwas Glueck beim Guesthouse. Die Horde Guesthouse-Vermittler mit den bunten Bildern von (imaginaeren) Hotelzimmern am Bootsanleger hinter mir gelassen, habe ich mich auf Gut Glueck auf die Suche begeben. Zuerst etwas erfolglos was meine Budgetvorstellungen angeht, findet mich dann allerdings eine Frau mit den Einkaufen vom Markt unter dem Arm. Jetzt wohn ich bei allerbester Aussicht ueber dem Mekongufer in einem „Guesthouse“ ohne Schild oder Namen. Wenn man zur Tuer hereinkommt, steht man im Prinzip in deren Wohnzimmer, Kinder schauen fern oder spielen und die Omi sitzt im Eck und sinniert wohl ueber irgendwas. Rechts gehts dann ne Treppe nach oben, und alles was es oben zu finden gibt sind zwei kleine Gaestezimmer mit Bad und herrlichem Ausblick. Irgendwie mag ich solche Orte, und hier auch ganz besonders den Blick aus dem Fenster.

Achja, ich kann offensichtlich von Thailand nicht mehr weit weg sein. Nein, dazu braucht man noch nichtmal ne Karte oder den Ortsnamen zu kennen. Ich hoere hier zum ersten Mal seit Thailand wieder den bekannten Spruch „Oh, Germany! Many germans come here!“ mit einem leichten (oder eingebildeten?) zwinkern zwischen den Zeilen. Dass der mir heute gleich dreimal begegnet ist zeigt mir nur wieder, dass ich zukuenftig behaupten sollte aus Liechtenstein zu kommen. Das kennt wenigstens keiner. Auch dass mir ein verdaechtig „aufgehuebschtes“ Maedel auf dem Markt (!) meint mir unbedingt beim sticky-rice-kaufen helfen zu muessen und mir danach nicht wirklich von der Seite weichen mag ist irgendwie unlaotisch. Jepp, Thailand rueckt naeher. Ich merks leider hier schon ganz deutlich.

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