Laotenknigge in Vang Vieng

 

Laung Prabang am fruehen morgen. Ich wache auf, gefuehlt viel zu frueh, mit Wecker und so. Busfahren in Laos findet irgendwie immer zu unangenehmen Zeiten statt, und so auch diesesmal: um acht klingelt mich der Wecker aus dem Bett. Noch schnell die Sachen gepackt, mich mal wieder ueber das Maedel vom Nachtaufpasser gewundert das schon wieder im Innenhof sitzt und die gleiche Musik wie gestern hoert waehrend sie sich in aller Ruhe mit einem kleinen Spiegelchen in der Hand schmikt, Zimmer bezahlt und ausgechecked. Draussen stand dann direkt mein Abholservice, ein positiver Nebenspekt an ueber Tourie-Reiseagenturen gebuchten Busfahrten: man wird am Guesthouse per TukTuk abgeholt. Was mich genau getrieben hat, „VIP-Bus“ zu buchen, die Frage werde ich mir erst spaeter im Bus so wirklich bewusst stelllen. In dem Moment steig ich erstmal leicht beschaemt in das total uebersaubere und offensichtlich schreit-nach-kuggt-euch-die-dummen-falangs-an-die-haben-alle-zuviel-Geld Mobil ein und lasse mich zur Busstation fahren. Ob ich da allein jemals eingestiegen waere? Halt, allein waere ich wohl so oder so an die Busstation gelaufen, um n Ticket zu kaufen. Trotzdem geniesse ich den zugegenermassen schraegen Servie. Vor allzu gar nicht langer Zeit habe ich noch ueber die chinesischen Touristen geschmunzelt, die sich jeden Meter in lustig kleinen und offenen Elektroautochens mit Kommentator zu den Sehenswuerdigkeiten fahren lassen… Wenn ich weiterhin auf den Geschmack kommen sollte, koennts noch gut sein dass ich selbst so ende!
However, an der Busstation faehrt der Bus natuerlich nicht gleich, es wird schon dafuer gesorgt dass man mit vieeeeel Zeitreserve dort ankommt und so gilt es noch Zeit am Busbahnhof zu ueberbruecken. Ich glaub ja, dass das Absicht ist. Ich habe noch nicht erlebt, dass in Laos ein Bus ueberpuenkltich war, und was tut man auch schon wenn man zu frueh dran ist? Klar, Konsumieren. Angebot hierfuer gibts auf Busstationen meist reichlich, und irgendwer muss diese ja nutzen.
Der Bus an sich, wer wuerde auch so ganz ganz ehrlich etwas anderes in Laos erwarten, war schrecklich. Ein sicherlich zwanzig Jahre altes Gefaehrt, irgendwann in China aussortiert weil nicht mehr gut genug, hoch wie Doppelstockbus mit extra viel Stauraum im „unteren Geschoss“ und ausser dem ueberdimensionalen Aufkleber „VIP“ an der Frontscheibe laesst aber mal so garnichts auf sonderlich komfortabel oder bequem schliessen. Sitze mickrig, Beinfreiheit nicht vorhanden, etliche Sitze kaputt, die Lueftungoeffnungen lassen sich nicht schliessen und sorgen fuer konstant unangenehmen Klimaanlagenwind im Gesicht. Kurzum, so die Erkentniss nach dem Einsteigen: der Aufkleber luegt. Was auch sonst? Also mal wieder ner schoenen Touristenfalle auf den Leim gegangen. Aber was hilft da schon meckern? Zumindest glaenzt auch dieser Bus mal wieder mit toll drapierten Vorhaengchen an den Fesntern. Meine Oma waere entzueckt von all den Rueschchen, Boemmelchen und bunten Mustern, davon bin ich ueberzeugt. Feinfein, also Einsteigen, Augen zu und warten dass es bald vorbei ist. Alles andere hilft sowieso nicht. Dass dieses ausrangierte Monster nur noch Stossdaempfer besitzt die eigentlich schon lange nichtmehr Stoesse dampfen, sondern sich mit einem lauten Schlag ueber jede einzelne Pfuetze auf der Strasse beschweren, laesst sich angesischts der abartig schlechten Strassen kaum ignorieren. Waren die Strassen vor einem halben Jahr auch schon so schlecht? Ueber ganze Abschnitte fehlt ploetzlich jeglicher Strassenbelag, die Stellen an denen man noch Teer erkennen kann sind teilweise gegenueber den Lehmpistenabschnitten mehr als deutlich unterlegen. Gut, es war letztes mal mitten in der Nacht, als ich hier vor gut nem halben Jahr durchkam, vielleicht war der Bus auch dezent besser, aber ich bilde mir ein dass ich gut schlafen konnte. Sprich: da muss iiiiirgendetwas deutlich anders gewesen sein, und ich glaube nicht daran dass es nur die Stossdaempfer waren.

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However, irgendwann war dieses Drama ueberstanden, und wir in Vang Vieng. Unsere vier-Personen-Reisegruppe ist in Luang Prabang zwar um zwei Jungs geschrumpft, die schnellstmoeglichst nach Vietnam wollten, aber waehrend der Busfahrt um einen Australier wieder groesser geworden. Mein Anteil an dieser Gruppenvergroesserung haelt sich zwar schwerstens in Grenzen, was nicht daran liegt dass ich irgendwelche Vorbehalte gehabt haette, aber ich denke das sollte hier einfach mal so erwaehnt werden. Ich war immernoch voellig perplex, dass ich auf dem Weg nach Vang Vieng war. Mehr konnte mein Kopf an dem Tag nur sehr schwer verkraften.

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In Vang Vieng gings nach der Unterkunftssuche mehr oder weniger direkt auf Essenssuche, und ich war ploetzlich irgentetwas zwischen irritiert und begeistert. Es gibt hier Restaurants, wie ueberall in Laos. Billige Strassenbuden mit Nudelsuppe zwar eher weniger, aber zwischen reinsitzen und guenstig essen und reinsetzen und feudal dinieren scheint es fuer jeden Geschmack irgendwas zu geben. Aber, und das ist das tolle: hier gibts noch was anderes. Restaurants mit Liegeplaetzen! Wie habe ich jetzt schon wieder diese furchtbare asiatische Geschichte gehasst, dass man in der Oeffentlichkeit nirgends hinliegen bzw. die Beine hochlegen darf. Diese Fuesse-sind-das-unterste-und-schmutzigste-am-Menschen-und-der-Kopf-das-hoeste-und-heiligste-und-bringe-das-ja-nie-zusammen-oder-gar-nur-in-eine-falsche-Hoehenlage-Geschichte mag ja in nem asiatischen Kopf durchaus berechtigt sein, ich als Europaer leide irgendwann aber darunter, nur im Bett hinter verschlossenen Tueren flach liegen zu duerfen und den ganzen Tag sitzend, stehend oder laufen verbringen zu muessen. Vielleicht ist es auch nur das reine „Verbot“ die Fuesse hochzulegen, und nicht das mangelnde Fuesse hochlegen an sich, das mich stoert, aber… zurueck zum Thema, diese Restaurants in Vang Vieng liebe ich dafuer. Da spielt es auch keine sonderlich grosse Rolle, dass ueberall wahlweise Friends oder Family Guy lauft (nicht durcheinander, sondern strikt getrennt. Wer Family Guy sehen mag, muss definitiv in ein anderes Restaurant wie derjenige, der Friends sehen mag) und alle Tische und Sitzgelegenheiten gen Bildschrim ausgerichtet sind. Was das ganz genau fuer einen Sinn hat, das werde ich erst noch die naechsten Tage so richtig erkennen, wenn alle mittags in diesen Restaurants gammeln, Fernsehen und versuchen ueber die Spaetfolgen der letzten Tacht oder des ganzen letzten Tages hinwegzukommen. Es ist bequem, man kann fernsehen, es gibt Kaffee und zu Essen, man kann neben seinen Kumpels liegen und alle schauen fern. Kein Bedarf an Kommunikation, einfach nur… Naja, warten bis es besser wird =D
Trotzalledem, und das finde ich wiederum irgendwie ziemlich putzig: die Liegeflaechen sind extra hoch gebaut. So hoch, dass die Durchsnitts-Laos-Bedienung ihren Kopf nicht wesentlich hoeher hat, als die Gaeste. Auch so eine Regel, die ich vorallem aus Laos kenn: immer aufpassen, wie hoch der eigene Kopf gegenueber denen istn die sitzen. Hoeflicherweise sollte man eigentlich an sitzenden Personen so gebueckt vorbeigehen, dass der eigene Kopf nicht hoeher ist als der der sitzenden Person. Auch wenn die hier bei der achte-darauf-wohin-deine-Fuesse-gerichtet-sind-Regel fuer die Touristen n Auge zudruecken, sie achten immernoch irgendwie darauf in ihrem eigenen Regelwerk nicht unhoeflich gegenueber den Gaesten zu sein, auch wenn es wohl keinem der Touristen irgendetwas ausmachen wuerde nen hlaben Meter tiefer zu liegen.

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