Paradies fuer die einen, Hoelle fuer die anderen und einfach nur schraeg fuer den Rest

 

Eins vorneweg: das Wetter ist hundsmieserabel. Nachdem es seit wir aus Luang Prabang raus seind meist „nur“ bewoelkt und kalt war (okay, es ist Januar und daheim richtigrichtig kalt. Verglichen dazu sind knapp 25 Grad tagsueber herrlich warm, aber ich hab trotzdem gefroren), gings heute noch mit Regen los. Waere Regenzeit, wuerde mich das nicht weiter wundern, und auch ueber die Wassermenge waere ich nicht wirklich erstaunt. Vielleicht ein wenig irritiert, dass es ganz nach deutscher Manier nen ganzen Tag am Stueck pieselt, mal staerker und mal schwaecher ohne irgendwann wirklich aufzuhoeren, aber trotz allem: es ist nicht Regenzeit. Es soll nicht regnen. Ich will Sonne!
Der Nebeneffekt bei diesem Wetter war allerdings, muss ich doch zugeben, ganz angenehm: ich musste noch nicht ernsthaft uebers tuben nachdenken, weil eh zu kalt (okay, ich kann jetzt foermlich ein paar Fragezeichen sehen. Was ist tuben? Nur Geduld, spaeter mehr… =) ).

Arg viel Beschaeftigung bietet Vang Vieng selbst nicht, wenn man mal vom tuben, sich betrinken und allerhand Drogen absieht. Es gibt ein paar Hoehlen, irgendeine so genannte blaue Lagune und ne nette Landschaft. Aber wer mag mit Kater und bei diesem wunderbaren Restaurant-Angebot mit Fernseher schon aktiv werden? Die Jungs und Maedels aus Vang Vieng haben schon ganz genau kapiert, wie sie das Geld in die Stadt holen koennen, und zumindest bei mir wirkts super. Dementsprechend gibt es auch fuer mich wenig zu berichten, und solange ich nicht anfange aufzuzaehlen was ich allein in Vang Vieng seit meiner Ankunft alles gegessen und getrunken habe, wird dieser Eintrag nichtmal ansatzweise unueberschaubar.
Aber, wie immer wenn es um betrunkene und Drogen und Ausland geht, sind die Horrorgeschichten auch nicht weit, und die Laune kippt schlagartig. Fuer die erste muss ich ein wenig ausholen: Gestern abend… naja, schon eher heute ganzganz frueh wenn man streng nach Kalender und Uhr urteilt, bin ich frueher heim und hab mich schlafen gelegt. Das allabendliche Beschaeftigungsangebot in Vang Vieng richtet sich vorallem danach, wie man sich moeglichst effektiv abschiessen kann. Am ersten Abend steht man wohl noch leicht irritiert an einer der unzaehligen Bars, liest die erste Seite der Karte und findet allerhand Cocktails, die wahlweise im Glas fuer round about 25000 Kip, also zwei euro fuenfzig (die Waehrungsumrechnung ist hier so herrlich einfach, hab ich das schonmal erwaehnt?) oder nen guten Liter im Eimerchen… naja, so original englisch „bucket“ klingt irgendwie besser… also im bucket fuer 50000kip. Wenn man geringer angesiedelte Ansprueche hat und mit Laotischem „Whiskey“-fusel zurechtkommt, gibt es auch durchaus Orte an denen man n bucket zur HappyHour umsonst und ausserhalb fuer 10000kip haben kann. Wieauchimmer, ob die Bars wirklich Glaeser besitzten, stell ich an der Stelle einfach mal kurz in Frage. Manchmal, wenn man die Karte dann umdreht, weiss man im ersten Moment nicht so sicher, was das eigene Gesicht im ersten Moment macht. Vielleicht grinst es leicht schraeg, vielleicht reisst es die Augen auf, das genau zu studieren waere sicherlich ein lustiges Projekt, aber was auch immer es tut, innerhalb von Sekundenbruchteilen setzt bei den meisten der Verstand ein und die Gesichtsmuskulatur wird bewusst wieder in Normalstellung zurueckversetzt. Was auch sonst soll man tun, wenn man sich einer „Speisekarte“ gegenuebersieht, die oben mit nem Joint anfaengt, nen 10g Grasbeutel bepreist und wieter untern n ganzes Kilo Gras anbietet? Vorallem, wenn man weiss dass die Polizei nie weit weg ist, und man vermutet, dass da „noch weiter unter der Theke“ noch ganz andere Angebote lauern. Egal was man auch immer in ein Papierchen mit Tabak wickeln oder was auch immer man zu nem Tee aufbruehen kann, es bleiben wohl ganzganz wenig Wuensche unerfuellt. Wer einen dann allerdings an die Polizei verpfeift, das weiss auch keiner so genau. Es waere zumindest ein recht lukratives Geschaeft…
Den Faden hab ich damit mal wieder ordentlich verloren. Eigentlich wollt ich doch nur erzaehlen, dass ich frueher heim bin weil zu betrunken und mich schlafen gelegt habe. Das Problem wenn man Bungalows teilt ist kurzum dass man immer nur einen Schluessel hat. Sobald der erste also im Bett liegt und schlaeft, kommt der zweite theoretisch nicht mehr rein, oder… die praktisch gaengigere Methode: die Tuer bleibt einfach unverschlossen, ist ja jemand da.
So war auch unsere Tuer erstmal offen, und ich habe mich schlafen gelegt. Irgendwann spaeter, zu einem fuer mich nicht definierbaren Zeitpunkt ging die Tuer auf, und irgendjemand kam herein. Ich bin dadurch so leicht aufgewacht, habe es mehr schlecht als recht wahrgenommen, gedacht sie kommt heim und legt sich schlafen, mich nochmal umgedreht, nicht wirklich weiterschlafen koennen, die Augen aufgemacht und: festgestellt dass ich alleine war. Komisch irgendwie, aber vielleicht hat sie nur etwas geholt und ist wieder gegangen. Fuer mich war das plausibel und ich habe weitergeschlafen.
Trotzdem, am naechsten Morgen hab ich einfach mal nachgefragt, mit der verwirrenden Antwort dass sie es nicht war. Zu dem Zeitpunkt habe ich erstmal gedacht schlecht getreaeumt zu haben, und habe die Sache wieder vergessen. Dafuer habe ich mir die Geschichte ueber einem Franzosen angehoert, der am Abend eine Bar mit zwei Joints in der Tasche verlassen hat, um kurz nach dem Ausgang in zwei wartende Polizisten zu rennen. Ob die Bar das arrangiert hat… Ich glaub eher, dass das eine Stelle mit hoher Erfolgsquote ist, aber im Grunde spielt das keine Rolle. Eine halbe Million Kip, umgerechnet 500 Euro macht dieser Spass. Pauschal. Definitiv kein Schnaeppchen und eine sehr gute Einnahmequelle fuer die Privatkonten der laotischen Polizei. An der Stelle kann man auch sagen „selbst Schuld“, und ich tendiere deutlich zu dieser Meinung, aber am Ende stoert es mich doch, dass sich laotische Cops so privat bereichern. Da wird jeder Sinn von Bestrafung irgendwie Fragwuerdig.
However, nach dieser Story wartete die naechste nicht lange auf mich: eine Bekanntschaft meiner Reisebegleitung, zufaellig auch Franzose und aus dem Bungalow schraeg gegenueber, kommt vorbei und erzaehlt uns waehrend wir aus der Veranda sitzen, dass seine Tasche fehlt, die mit all seinem Geld, der Kreditkarte und dem Reisepass. Nachts solange er schlief muss die jemand aus seinem Bungalow gestohlen haben. Er war drin und hat geschlafen, hat aber die Tuer auch nicht abgeschlossen. Die Betreiber der Anlage haben ihn dafuer am Morgen gefragt, warum die Polizei in der Nacht gewesen sei… die er natuerlich nie gesehen hat. In dem Moment wusste ich glaub ganz genau was mein Gesicht gemacht hat. Kreideweiss stehend geblieben. Da war doch jemand im Bungalow bei Nacht, nur wer ganzganz anders als gedacht! Was auch immer die/den dazu bewegt hat, nichts mitzunehmen, es war am Ende wohl einfach nur ne Verkettung von gluecklichen Umstaenden und nicht mehr. Ich war reichlich schockiert, und irgendwie reichlich froh dass bei uns das nicht passiert ist.
Der Tag heute ging dann schlussendlich noch mit mehr komischen Ereignissen zu Ende… wir lagen (! =D) gerade in unserem neuen Standard-Restaurant und wollten am Abend Essen bestellen, als drei kurz aufeinanderfolgende Schlaege zu hoeren waren. Ein Stueck weiter die Strasse hoch, also eindeutig ein paar Meter entfernt aber trotzdem laut und deutlich zu hoeren, haben wir uns schwer gefragt was das sein koennte und zumindest ich habe konsequent versucht meinen ersten Gedanken zu ignorieren. Was auch immer es gewesen sein mag, ich wollte mich weigern dagegen dass es Schuesse gewesen sein koennten. Dass das Restaurantpersonal und alle Laoten in unserem Sichtfeld voellig aufgeschreckt um sich geschaut haben, einige neugierig auf die Strasse rannten und alles in Aufregung gerit, hat es mir schon beinahe unmoeglich gemacht mit dieser Verweigerung erfolgreich zu sein, aber so richtig vermiest hat mir die Sache der eine Laote, der mit nem Motorroller vorbeikam, mit dem Betreiber unseres Restaurants geredet und dabei eine eindeutige Pistolengeste mit seiner Hand gemacht hat. Was allerdings wirklich passiert ist, haben wir nicht herausfinden koennen.

Was auch immer hier so alles vorgehen mag, Vang Vieng ist eindeutig ein ziemlich einmaliges Nest (ich habe gerade auffaellig lange gebraucht, eine alternative Formulierung fuer „boeser Ort“ zu finden, und bin mir immernoch nicht so schluessig ob das nicht die bessere Beschreibung waere). Fuer heute Abend steht jedenfalls erst mal nur eins auf dem Plan: direkt schlafen gehen, der Regen laesst alles andere sowieso nicht sonderlich spassig erscheinen, die Tuer von innen doppelt verriegeln, auf die Wertsachen aufpassen und morgen frueh fit sein. Trotz allem will ich morgen tuben gehen, komme was da wolle. Jetzt bin ich schon da.

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